Naab und Autor erledigt (Teil 1)

Am Wochenende habe ich die Beschwimmung der Naab erfolgreich und erschöpft abgeschlossen! Am Freitag fuhr ich mit dem Zug nach Regensburg. Auf den letzten Kilometern hatte ich schon eine schöne Aussicht auf die Naab kurz vor der Mündung in die Donau. Hier wollte ich am Sonntag ankommen. Ganz sicher war ich noch nicht, Plan B wäre der Ausstieg in Etterzhausen gewesen, von wo aus ich einen Zug nach Hause bekommen hätte. Am Abend bin ich bei meiner Schwester in Regensburg eingefallen – Danke für den netten Abend und die exzellente Verpflegung! Samstag früh nahm ich den 41er Bus nach Burglengenfeld, der sich in Anlehnung an die Harry Potter-Saga nicht für Bussteig 4 oder 5 entscheiden kann.

Auch der Busfahrer hatte seine liebe Mühe mit einer Baustelle. Ein ortskundiger Passagier wies ihm den richtigen Weg drum herum. Nach einem Wendemanöver in Regendorf – genau an einem Etappenziel meiner Regentour in 2014 – kamen wir pünktlich in Burglengenfeld an. Hier hatte ich 2015 mein Naabschwimmen abgebrochen, ein Infekt und schlechtes Wetter kamen damals zusammen. Diesmal fühlte sich Alles gut an. Nach einem Boxenstop im Cafe am Marktplatz schlenderte ich über die Pitiviersbrücke zum Kanu-Einstieg, wo sich gerade eine Familie mit Kleinkind einschiffte.

Die Kanuten kamen mir gerade recht, denn ohne Hilfe bekomme ich meinen Neoprenanzug nicht zu. Die Variante, den schon bei meiner Schwester anzuziehen, hatte ich verworfen. Eine Stunde Busfahrt samt Umsteigen und der Besuch im Cafe hätten die Gefahr der Erregung öffentlicher Erregung heraufbeschworen. Langstreckentauglich eingepackt startete ich zur ersten Etappe bis zum Wiesenwehr in Schirndorf. Zwei Schwäne begleiteten mich einen großen Teil der Strecke. Das Wetter spielte hervorragend mit, es war leicht bewölkt bei angenehmer Temperatur. Das Wasser habe ich nicht eigens gemessen, laut Webseite sollte es rund 20°C haben. Zwischen bewaldeten Ufern schwamm ich genüsslich dahin. Ab und zu kam ich an einer kleinen Siedlung vorbei, manchmal sah ich Radfahrer oder Fußgänger am Ufer. Eine leichte Strömung half mir beim Vorwärtskommen. Auch Flachstellen gab es, aber die waren selten und kurz – nicht wie 2015 im Oberlauf, wo ich fast kilometerweise mit dem Schwimmsack unter dem Arm über Steine und durch Schlingpflanzen gestolpert war. Nach 4,4 km erreichte ich das Wehr. Knapp neben einem Frosch stieg ich aus und machte eine Pause, mit Energieriegel und Apfelschorle. Hier die Strecke bei Garmin Connect:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408128

Und hier die Fotos:

Die Schnaken vertrieben mich recht bald wieder von meinem Plätzchen. Das war nicht schlimm, ich fühlte mich recht fit und machte mich auf den Weg nach Kallmünz. An einem Campingplatz vorbei und immer der Nase nach kam ich wieder gut voran, trotz einer weiteren Flachstelle. Bald sah ich die Burgruine hoch über Kallmünz. Der Anblick von Biergartenschirmen am Ufer beflügelte mich zu einem furiosen Endspurt. Ich zog mich um, hängte Neo und Handtuch zum Trocknen auf und gönnte mir ein nahrhaftes Mittagessen mit reichlich Bratkartoffeln. Hier die Strecke und die Fotos:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408146

Auf der Wiese neben dem Einstieg übte die Feuerwehr spektakulär Wasserspritzen. Ich vollzog den nächsten Kostümwechsel, diesmal half mir ein Passant mit dem Reißverschluss. Kurz nach dem Start wurde es plötzlich frisch und bewegt. Die Vils brachte kaltes Wasser und jede Menge Schwung in die Naab, so dass die restlichen Kilometer bis Heitzenhofen die schnellsten des Tages wurden. Das Wehr in Heitzenhofen hatte noch einen rechten Irrgarten von Kanälen zu bieten. Hier war ich froh über meine laminierte Karte, die ich immer am Schwimmsack hängen habe. Über ein steiniges Ufer kletterte ich auf ein Inselchen, von dem eine Brücke zum Ufer führte. Völlig illegal latschte ich quer durch das Betriebsgelände des E-Werks zum Ausgang. Der Angler dort machte mich wider Erwarten nicht zur Schnecke, sondern befragte mich interessiert zu meinem Vorhaben und meiner Ausrüstung. Ich machte mich wieder stadtfein und checkte im Hotel ein. In der Schlosswirtschaft gab es erst mal Kaffee und Kuchen und nach einem Stadtrundgang durch ganz Heitzenhofen (lässt sich in 2:47 Minuten erledigen) ein gepflegtes Abendessen.

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408160

 

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Packtag

Heute nachmittag breche ich in Richtung Naab auf. In zwei Tage will ich dort 31 Kilometer schwimmen. In letzter Minute habe ich getestet, ob ich überhaupt das ganze Gepäck unterbringe. Für dieses Abenteuer brauche ich Schwimmklamotten inklusive Neoprenanzug und Handtuch, Zivilklamotten für abends (immerhin habe ich in der Schlossresidenz gebucht), sowie Futter, Zahnbürste und Ladekabel. Ausgebreitet sieht das nach richtig viel aus:

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So lange ich schwimme, muss das meiste Geraffel in den Sack. Zum Glück habe ich den in XL und alles passt rein:

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Nach dem Schwimmen (ist vor dem Schwimmen) darf ich umpacken, mit Neo drin wird selbst der XL-Sack langsam knapp, dafür braucht er dann nicht mehr dicht zu halten. Und damit man das Teil noch schleppen kann, packe ich es in einen alten Neo-Beutel und nutze zwei Riemen als Schultergurte:

Zugticket und Übernachtung habe ich schon organisiert, jetzt kann’s los gehen!

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Mit dem Arsch am Rad vorbei

Mein Gewerbe habe ich wieder abgemeldet, ich werbe nämlich gar nicht ge-, sondern bin beruflich frei. Genau so frei ist das abgesperrte Rad, das heute vor dem Einkaufszentrum stand:

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Der blog zum blog

Heute gibt es Secondhand-Literatur. Martin Tschepe, ansonsten Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung, hat sein Sabbathalbjahr angefangen und verwirklicht seinen alten Traum, aus dem Schwabenland nach Sylt zu radeln, in seine zweite Halbheimat (mit diesen Migranten kennt man sich einfach nicht aus). Als Vollblutjournalist berichtet er natürlich für die Stuttgarter Zeitung auf einem blog über diese Reise. Und weil so ein Halbjahr verdammt kurz sein kann, muss es schnell gehen: in zwei Wochen 1100 km radeln, ein paar Kilometer schwimmen, Ruhetag auf Sylt und rechtzeitig zur Abifeier der Tochter wieder zu hause sein. Weil ich zur Zeit auch ganz gewaltig sabbate, hat Martin mich zum Mitfahren eingeladen. Ich habe allerdings noch weniger Zeit als der Zeitungsmann. Eine Woche konnte ich ihn begleiten.

Als Kontrollfreak habe ich die ganze Strecke am Rechner aufgemalt und auf Martins nagelneuen Tacho geladen. (Auf mein altes Navi passte nur ein kleiner Teil.) Eingedenk des Chaos bei der Altmühlerkundung habe ich diesmal sogar das Gepäck kartografiert:

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Montag um 10 trafen wir uns am GiG. Ich hatte nur 2 km Anreise, Martin hatte 18.

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Gerade noch rechtzeitig kam Volker vorbei, verabschiedete uns und wir rollten los, immer nach Norden. Für den größeren Teil der Reise konnten wir auf vorgefertigte Routen zurückgreifen, das erste Stück ließ ich vom Computer ausrechnen, was zu recht drolligen Ergebnissen führte. Wir hielten uns brav an den Track und fuhren mal auf schlammigen Waldwegen durch grünen Forst (wo wir einen verirrten Baggerfahrer verwirrten), mal auf vierspurigen Bundesstraßen mitten durch die Stadt. Der Regenguss von der Sorte „kurz und heftig“ erwischte uns im Wald. Wir kamen gar nicht so schnell in die Jacken, wie wir nass wurden – obwohl ich meine Jacke dank des Lageplans in Rekordzeit orten konnte.

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Wenig später waren wir wieder trocken, wenn auch deftig eingesaut.

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Kurz nach 6 Uhr abends erreichten wir Miltenberg und stiegen im Anker ab. Nach einem leckeren Essen im Riesen und dem obligatorischen EM-Kick ranzten wir die Nacht ungestört durch.

Auch Martin versuchte, Ordnung in seinem Gepäck zu halten:

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An Elektronik hatten wir wirklich mehr als genug dabei, Martin sogar einen Laptop, dazu eine Kamera mit WLAN, deren Fotos er auf sein Telefon beamen und von dort auf den StZ-blog laden konnte. Zum Glück hatte Martin auch eine Dreifachsteckdose dabei, sonst hätten wir unser Sammelsurium über Nacht nicht geladen bekommen. Einzig die Fahrräder waren nicht elektrifiziert, auf diese Feststellung legen wir größten Wert!

Jeden Abend fanden wir eine interessante Unterkunft. Vor allem der Bach-Land-Hof in Binsförth hat es uns angetan, wo wir von drei Generationen der Familie Bickel herzlichst umsorgt wurden. Die Pension Trost hatte zwar kein Frühstück im Angebot, empfahl uns dafür das legendäre „Gederner Frühstück“ in der Bäckerei nebenan. Vom Hotel Kuhn in Beverungen habe ich leider keinen funktionierenden link, was daran liegen kann, dass dieses Hotel in einer Zeitblase ungefähr 1963 stecken geblieben ist 😉

Tagsüber radelten wir fleißig dahin und wurden, auch dank dem immer flacheren Landschaftsprofil, jeden Tag schneller. Wir lernten Interessantes wie Kurioses über Duden, Zuse, die Gebrüder Grimm, Baron Münchhausen, den Rattenfänger von Hameln und noch dies und das. Martin dokumentierte fleißig alles für seinen blog, teils unter erheblichem körperlichem Einsatz. Hier das „Making of“ seiner Fotos vom Gebrüder-Grimm-Denkmal in Hanau, von der Documenta-Hacke in Kassel und von einem anonymen Getreidefeld mit Kornblumen:

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Insgeheim (und jetzt auch öffentlich) bin ich Martin ja dankbar für seine Bloggerei. Die Foto- und anschließenden Schreib- und Übertragungspausen kamen meinem Hintern ganz gelegen, und auch die Blutzufuhr zum Männerhirn kam wieder in Gang. Manchmal kriegte ich eine Pause nicht mit und fuhr weiter, dann durfte Martin hinterhersprinten. Jeden Tag mussten wir mindestens ein Mal die Regenjacken rausholen, aber nie für lange. Neben Martins blog posteten wir auch Bilder auf facebook. Aufgeschreckt von unqualifizierten Kommentaren achteten wir in der Folge stets auf einen fröhlichen Gesichtsausdruck. Hier eine Impression in Zusammenfassung:

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Freitag abend kamen wir rechtzeitig bei Steffi und Marcus, zwei Eisschwimmkollegen, in Rinteln an. Herzlichen Dank noch Mal für Euere Gastfreundschaft, ich hoffe, wir können das bald mal erwidern! Martin fuhr am Samstag weiter zum Steinhuder Meer, das er am Sonntag mit Marcus durchschwamm, ich fuhr quer rüber nach Hannover und nahm den Zug zurück. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, dass das Gepäck zur Not auch in zwei Taschen gepasst hätte – dann hätte ich aber einen 3D-Lageplan zeichnen müssen!

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Die Reservierungspflicht für Räder im IC (einen Tag im Voraus) finde ich zwar grundsätzlich nervig, ab Hannover war sie aber durchaus sinnvoll. Offenbar wollen dort alle schneller weg, als sie radeln können.

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Dafür will außer mir niemand nach Karlsruhe-Durlach; streng genommen nicht einmal ich, ich musste dort nur umsteigen.

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Auch im Regionalexpress war ich mit meinem Rad alleine.

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Noch ein Nachtrag zum Gepäck: Das Systemgewicht am Ende der Reise lag bei 110,3 kg (am Anfang eher weniger, weil noch alles sauber war). Von der Wäsche habe ich knapp die Hälfte benutzt, da ist noch Luft. Auch die drei Ersatzschläuche waren Unfug, ein Schlauch und Flickzeug hätten gereicht, zur Not hätten wir unterwegs nachkaufen können. Die Gels habe ich alle wieder mit heim gebracht, die Schokoriegel aus dem Supermarkt waren einfach leckerer.

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Camping für Fortgeschwommene

Ich hätte es auch einfach haben können. (Aber dazu hätte ich nur Fußball spielen brauchen). Intensive Lektüre von Zaunhubers Kajak- und Radführer „Die Altmühl“ (Pollner Verlag 2010) festigte in mir die irrige Meinung, an der Naab gebe es keine Hotels, dafür umso mehr Campingplätze. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die Hotels im Radteil, die Campingplätze im Kanuteil des Buches aufgeführt sind. Zu spät, jetzt habe ich die Ausrüstung schon besorgt… Für die Altmühl hatte ich ursprünglich eine gute Woche einkalkuliert. Inzwischen habe ich die Strecke auf den Abschnitt Dollnstein-Dietfurt beschränkt, das sind rund 70 Kilometer, sollte also in fünf Tagen gut machbar sein. Mein bislang kleinstes Zelt war aber immer noch viel zu groß für den Chillswim-Sack, selbst den neuen in XXL. Zufällig stieß ich auf das Buch von Stefan Dapprich „Trekking ultraleicht“ (Conrad Stein, 2014) und fand dort umfangreiche Informationen über neueste Leicht-Ausrüstung. Anfang des Jahres schaute ich mich beim Globetrotter in Stuttgart um. Aus der Erkundungs- wurde angesichts der angebotenen Schnäppchen schnell eine Shoppingtour. Ein ultrakleiner Sommerschlafsack, eine halbe Luftmatratze und ein Tarp waren die Ausbeute. Vor zwei Wochen habe ich das alles mal im Garten aufgestellt und bin reingekrochen. Hier Fotos von der Aktion:

Die ganze Ausrüstung passt auch gut in den Beutel rein. Inklusive Handtuch sieht es in gepacktem Zustand so aus:

Bei schönem Wetter sollte das ausreichen. Bei der Sparmatratze läge ich aber mit einem Drittel des Schlafsacks auf der blanken Erde. Bei Taufeuchte könnte das tückisch werden, ein Biwaksack müsste also mindestens noch mit.

Dann kaufte ich eine Fahrradreisezeitschrift. Ihr wisst schon, was dann passierte… In der Zeitschrift wurde das neueste Minimalzelt für Radler besprochen. Das Packmaß ist sensationell klein, der Innenraum auch, dafür ist das Teil spottbillig. So schaut es aus:

Der direkte Vergleich von Packmaß und Gewicht ergab, dass das Zelt eine Idee größer und schwerer ist als die Kombination aus Tarp, Stange und Biwaksack.

Dafür verspreche ich mir vom Zelt einen erheblichen Komfort- und Privatsphäregewinn. Packen werde ich das ganze Geraffel sowieso in zwei Beutel. Da bleibt einer den ganzen Tag zu und in den anderen kommt das Zeug, das ich tagsüber brauche. Die Kombination habe ich schon im Neckar testgeschleppt, das funktionierte überraschend gut.

Bei viel Wind, Wellen oder Strömung hätte ich Bedenken, dass ich ende wie Isadora Duncan, aber die Altmühltour unternehme ich eh nur bei guten Bedingungen. Die Ausrüstung wäre somit komplett, jetzt muss ich noch die Karten wasserdicht kriegen und den Pegel im Auge behalten.

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Entsteige dem Schaum…

… der dich auf’s Neue gebar.

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, aber jetzt geht es in die konkrete Phase des nächsten Projekts: die Altmühl will beschwommen sein!

Letzte Woche habe ich die obligatorische Erkundungstour auf dem Fahrrad absolviert. Mein Sohn ist spontan mitgekommen und unterwegs haben wir alte und neue Freunde getroffen. Mittwoch sind wir mit dem Zug nach Gunzenhausen gefahren, wo wir Sabine und Melissa getroffen haben. Zu viert sind wir bis Treuchtlingen geradelt und konnten hin und wieder einen Blick auf den Fluss werfen. Der präsentierte sich hier als Zwischending zwischen Bach und Rinnsal, zum Schwimmen nur teilweise geeignet. In Treuchtlingen haben sich unsere Begleiterinnen verabschiedet und wir zwei Männchen sind, nach Kaffeepause bei den Pappenheimern, bis Dollnstein weiter geradelt. Eine freundliche Dame im Fremdenverkehrsbüro organisierte uns auf den letzten Drücker (Feiertag!) ein Zimmer. Vor dem Essen konnte ich noch eine Runde im Fluss drehen. Der Wasserstand war gut ausreichend, die Fließgeschwindigkeit mäßig. Ich denke, ich werde hier meine Schwimmtour beginnen, die Flachstellen im weiteren Verlauf sollten überschaubar sein.

Donnerstag fuhren wir weiter bis Kipfenberg. Während wir auf Mucki und Jürgen warteten, testete ich auch hier die Altmühl. Brustwarzentief und mit kräftiger Strömung zeigte sie sich von einer sehr angenehmen Seite, so, wie ich das gerne habe.

Von Dollnstein bis zur Mündung in den Main-Donau-Kanal sind es 70 Kilometer, damit habe ich ein paar Tage zu tun – ich heiße schließlich nicht Martin 😉 Auch die Ausrüstung ist inzwischen komplett, Details dazu gibt es demnächst auf diesem Sender. Die Logistik bedarf noch einiger Feinplanung: ich kann zwar bis Dietfurt schwimmen, aber wie komme ich von dort wieder weg? Von Eisenbahn ist da weit und breit nichts zu sehen. Möglicherweise fahre ich per Schiff auf dem Kanal nach Kelheim, dort in der Nähe soll es einen Bahnhof geben, mal sehen. Hier einstweilen Fotos von der Erkundungsfahrt:

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Mit dem Rad am Arsch vorbei

Am 8. Februar wollte ich online mein Gewerbe anmelden. Im ansonsten recht hübschen Baden-Württemberg gibt es dafür ein Online-Portal. Irgendwas mit „Service“. Mit Betonung auf „Irgendwas“, wie ich inzwischen weiß. Bei der Online-Anmeldung darf man sich einen alleinigen Ansprechpartner aussuchen, ich wählte das Landratsamt Ludwigsburg, füllte alle Pflichtfelder brav aus und schickte ab. Jetzt, wo ich drüber schreibe, fällt mir auf, dass da zwar auf möglicherweise anfallende Kosten hingewiesen wurde, aber von „Jetzt kostenpflichtig bestellen“ stand da kein Wort. Fünf Wochen späterr mahnt meine Krankenkasse die ausstehende Gewerbeanmeldung an, ohne die ich nicht mehr erkranken dürfe (meine Frau darf das ohnehin nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte). Meine Recherche im Profil auf dem sogenannten Serviceportal ergibt die Fehlermeldung, der Server sei nicht erreichbar. Eine Mail an die Kontaktadresse beantwortet ein gewisser Thilo zunächst mit dem Hinweis, ich solle doch online nachgucken, und mit der Frage, wann ich wo was angemeldet hätte. Da ich mir abgewöhnt habe, das Internet auszudrucken, konnte ich ihm nur ungefähr mitteilen, wann das gewesen sein müsste (kurz danach habe ich das .pdf des Antrags doch auf meinem Rechner gefunden, aber das tut nichts zur Sache). Seither hüllt sich das Portal, oder zumindest Thilo, in Schweigen. Mir wurde das übers Wochenende zu blöd und ich beschloss, analog beim Landratsamt vorbei zu dackeln. Eine erste Erkundung ergab ziemlich drollige Öffnungszeiten:

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Heute früh bin ich also hingeradelt. Vor dem Eingang standen mehrere Fahrräder im Ständer, alle ordentlich abgeschlossen. Ein/e Radler/in wollte anscheinend schnell wieder weg, der Schlüssel steckte noch im Schloss:

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Den Besitzer kann  man ja auf mehrere Arten ärgern: Man kann das Rad klauen. Oder nur das Schloss. Oder nur den Schlüssel. Keine Variante ist für das Opfer wirklich lustig. Ich knipste vorsichtshalber das Gefährt und fragte die Dame an der Info, ob das Rad vielleicht einer/m Kollege/in gehöre. Die Tante schaute mich verständnislos an und motzte, sie kümmere sich nicht um Räder vorm Haus. Ich erklärte ihr das Problem mit dem steckenden Schlüssel und schlug vor, doch vielleicht einen Hinweis ins Intranet zu stellen. Damit hatte ich ihren Vorrat an geistigem Ablenkungsvermögen vollends aufgebraucht, sie glotzte mich nur noch verständnislos an. Mir blieb nichts übrig, als mein eigentliches Anliegen vorzutragen, die Anmeldung eines Gewerbes als frei schaffender Buchhalter. Da war die radlose Dame glücklich, da war sie in ihrem Element, darauf hatte sie eine Antwort: Do missedse aufs Radhaus, mir moche do no Gosdgewerbe. Oder so ähnlich.

Auf dem Rathaus hatte ich mehr Glück und das nicht nur bei der Optik der Sachbearbeiterin. Die Dame half mir beim Ausfüllen, brachte drei Stempel an, kopierte das Ding und nahm dafür 26 Euro. Das ganze dauerte rund 10 Minuten. Ich hoffe, der oder die Rad Fahrende am Landratsamt hatte genau so viel Glück.

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Unterwegs im Paralleluniversum

Seit ein paar Wochen bin ich nicht mehr regelmäßig 9-5 im Büro. Dadurch komme ich zu Tageszeiten an Orte, zu denen ich an denen früher nie war. Später auch nicht. Aber wenn ich jetzt dort bin, treffe ich auf ein völlig anderes Publikum. Die Sache mit der Alterspyramide (die inzwischen eher wie das Gesellenstück des letzten siebenbürger Drechslers aussieht), kannte ich zwar im Prinzip, aber in den letzten Wochen habe ich dieses Gebilde live und in Farbe gesehen. Nachmittags um 2 tobt der Rock & Rollator durchs Kaufland! So ein Blick in die eigene Zukunft ist nichts für schlechte Nerven. Das mit dem jung Sterben krieg ich nicht mehr hin, dann freue ich mich halt darauf, einen Mittfünfziger als „jungen Mann“ anzusprechen. „Junger Mann, wo steht denn die glutenfreie Haftcreme?“ höre ich mich sagen. Dann lieber am späten Vormittag in ein Innenstadtcafe, wo Latte-Macchiato-Mütter mit ihren Peg Peregos den Nachwuchs auf den alltäglichen road rage vorbereiten. (Gibt’s eigentlich Freisprecheinrichtungen für Kinderwagen?)

Heute habe ich dann den ultimativen Paralleltest durchgeführt. Mein Kunde hatte Infostau, ich hatte am späten Vormittag nix Sinnvolles mehr zu tun, also stellte ich das Buchometer ab und fuhr heim. (Ein Buchometer muss man sich wie ein Taxameter vorstellen, nur für Buchhalter. Es tickt, so lange ich Buch halte.) Nach einer Unendlichkeit in der facebook-Gruppe „Bist du heute schon geschwommen“ fiel mir auf, dass ich das schon länger nicht mehr war und eigentlich besser durch die Wasser- als die WLAN-Wellen surfen sollte. Gerade jetzt, wo ich Zeit habe! Wobei das mit der Zeit so eine Sache ist. Als ich noch auf dem Weg zur und von der Arbeit trainiert habe, war der Rhythmus vorgegeben – jetzt muss ich mich aktiv zum Training aufraffen. Also packte ich am frühen Nachmittg meinen Krempel und radelte zum Hallenbad. Ich glaube, an einem Dienstagnachmittag um 3 war ich dort noch nie. Im Eingangsbereich sah ich voll Schreck Horden von Jugendlichen. Diesen Teil des Altersbaumkuchens kannte ich in dieser Häufung nur vom Freibad während der Ferien und stellte mich auf das Schlimmste ein. Aber diese Jugendlichen waren nicht zum Rumtoben hier, sondern zum Schwimmunterricht. Sie trainierten sogar fleißig Rettungsschwimmen (das wollte ich eigentlich auch mal wieder machen, den Erste-Hilfe-Kurs habe ich schon aufgefrischt). In voller Montur schleppten sie sich gegenseitig das Becken rauf und runter, während der Lehrer vom Beckenrand Zwischenzeiten reinrief.

Auf der Schwimmerbahn ging es recht gesittet zu. Anfangs waren wir zu viert unterwegs, später auch mal zu zweit oder dritt. Ich nutzte den freien Platz, um alles Spielzeug einzusetzen, das ich besitze. Pullbuoy, Paddles und Flossen kamen zum Einsatz und sorgten für ausreichend Abwechslung, um die anfangs nur mäßig vorhandene Motivation auszugleichen. Nach etlichen Bahnen ließ ich mich im Außenbecken besprudeln, bevor ich für einen abschließenden Versuch ins Wasser stieg. Im 25-Meter Becken eine Länge tauchen, das klappt meistens ganz gut. Heute wollte ich es wissen, wendete am Ende und tauchte noch ein paar Meter zurück. Die Alterspyramide hat gefühlt wieder eine Delle mehr!

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Kalt, kälter, abrasiert

Langsam wird dieser Blog übel monothematisch. Der Mara 2015 fiel einem Tauchkurs zum Opfer, der Tria einer Verletzung und das Rad war lange Zeit in Reparatur. Blieb also nur Schwimmen, zum wiederholten Mal. Im September habe ich beim Schwimmdings an und in der Saar ein denkwürdiges Wochenende verbracht. Der eigentliche Wettkampf über 5 km verkam zur Nebensache. Hauptsache waren die lustigen, wunderbaren Stunden mit den tollen Leuten, die ich unterjährig nur in sozialen Netzwerken treffe. Unvergesslich der Schwumm in den Sonnenuntergang in der Saarschleife. In der Erinnerung verblasst sogar der Disput über Annas kreative Entfernungsangaben.

Danach war erst mal Ruhe im Karton. Ich hatte beruflich dies und das um die Ohren, was mich beschäftigte. Im Sommer hatte ich meinen Job auf 31. Dezember gekündigt. Langsam trieb mich der Gedanke um, was denn bitte danach kommen solle. Von mehreren Seiten hatte ich gehört, dass mein Lebenslauf schon sehr nach spätem 20. Jahrhundert aussah. Die ersten Berater, die ich befragte, boten professionelle Hilfe an, für einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Immerhin konnte ich ein Gespräch nutzen, um anschließend eine Runde im Bodensee zu drehen. Einige Gespräche später bekam ich eine Richtung in meine Aktivitäten. Ich stellte mich auf eine Übergangszeit von einigen Monaten ein, fand eine Beraterin, die zu meinen Ansprüchen passte und ließ mir, angeregt durch die endlosen Hairy Potter- und Haar der Ringe-Wiederholungen, erst mal einen Bart wachsen.

Im Oktober lud mich Ralf zum Eisschwimm-Training ein. Die Einladung kam über facebook und war mein erster Kontakt überhaupt mit Ralf. Ich hatte schon von diesen Eisschwimmsachen gehört, hatte aber bis dato keinen Ehrgeiz in diese Richtung entwickelt. Ralf war im Januar 2015 spontan nach Burghausen gefahren, zu den ersten Ice Swimming German Open, und war dort über die 50 Meter gestartet. Danach war er angefixt und hatte für Januar 2016 die 500 gemeldet. Jetzt suchte er Mitstreiter, die zur Vorbereitung jeden Sonntag mit ihm eine Runde im Breitenauer See drehen sollten. Ich hatte im Sommer mit Vollmondschwimmen im Neckar angefangen und das bis in den Herbst durchgezogen. Als Ralfs Einladung kam, dachte ich an die Berichte von Sabine, Anna, Josef und all den anderen, die ich vorigen Winter verfolgt hatte. Ende September war noch echt gemäßigt, warum also nicht mal probieren? Schließlich raten die Erfahrenen dazu, im Herbst anzufangen und einfach nicht aufzuhören. Bei mir hat’s funktioniert 🙂 Jeden Sonntag fuhr ich zum Breiti, schwamm mit Ralf, Matthias und wechselnden Mitstreitern eine Runde im See und fotografierte fleißig die Schwäne und uns. Jeden Sonntag hörte ich das Matinée-Rätsel des SWR2, aber nie die Lösung, weil wir da im Wasser waren. Drei Mal war ich sicher, die Lösung zu wissen, aber kam nicht durch. Anfangs, als die Wassertemperatur noch zweistellig war, schwammen wir rund 20 Minuten, später reduzierte sich das auf 10. Ende Januar, als wir mit dem Vorschlaghammer die Eisdecke aufbrachen, setzten wir uns nur kurz hinein.

Zwischen den Sonntagen am Breitenauer See schwamm ich regelmäßig im Neckar, erst allein, dann meist mit Martin und Volker, die auch für Burghausen gemeldet waren. Über die Feiertage blieb keine Badehose trocken. Weihnachtsschwimmen, Neujahrsschwimmen (am 2. Januar), Vollmondschwimmen und Dreikönigsschwimmen, inzwischen bei deutlich einstelligen Wassertemperaturen. Ich war als Einziger der Truppe nicht für Burghausen gemeldet. Drei Tage vor den Wettkämpfen dann die Nachricht, dass meine Frau über’s Wochenende wegfahren wollte. Damit hatte ich keine Ausrede mehr und meldete nach, über 50 Meter. Vor Ort konnte ich auch die 200 Meter noch melden. Das ganze Wochenende war eine grandiose Sause. Ich war mit Ralf und Matthias unterwegs und in Burghausen trafen wir den Rest der Truppe: die Ludwigsburger und all die anderen Verrückten, pardon: Normalen. Ich nenne jetzt keine Namen, weil ich ja doch wieder wen vergesse. Lieben tue ich sie alle.

Ende Januar dann der Schock: ich sollte mich für einen Interims-Job vorstellen; gleichzeitig stand ein Tauchkurs an. Konsequenz: der Bart ist wieder ab. Hier die Geschichte meiner Gesichtsbehaarung im Winter 15/16:

 

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Bilder von der Naab

Die nächsten Tage an, auf und in der Naab verliefen ähnlich wie der erste. Auf 1-2 Kilometer genussvolles Schwimmen folgten 100-200 Meter mühsames Stolpern über Steine und durch Wasserpflanzen. Nach zwei Tagen hatte ich einen gediegenen Sonnenbrand auf der Stirn und schwamm danach mit Bademütze weiter. Ob das Schwimmerohr, an dem ich seit Freitagabend leide, damit zu tun hat – keine Ahnung. Ab Donnerstag wurde der Wetterbericht fürs Wochenende stündlich schlechter, so dass ich schweren Herzens das Publikumsschwimmen absagen musste. Mit meinem Ohr wäre das eh nix geworden. Beim Seidl in Laaber habe ich mich getröstet. Wenn wir einen goldenen Herbst bekommen, gibts vielleicht Ende September noch eine Chance auf die Strecke ab Burglengenfeld. Nachstehend noch Bilder aus den letzten Tagen, darunter die Streckendaten vom Garmin.

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Tag 2 a

Tag 2 b

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Tag 3 a

Tag 3 b

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An Freitag gabs noch eine Zugabe: auf dem Heimweg kam ich am Klausensee vorbei und konnte der Versuchung nicht wiederstehen, noch mal eine ganz banale Runde zu drehen.

Ich danke den Kanufreunden vom Kronbertsweiher, die mir von ihrem Bier abgegeben haben. Ich danke allen Anglern, die ihre Schnürln extra für mich beiseite genommen haben, um mich durchzulassen. Dem einen, der mich auf seine Schnur aufschwimmen ließ, weil er zu beschäftigt mit Eierkratzen war, wünsche ich die Eierkrätze. Schließlich erwähne ich noch mal lobend den Gasthof Baier, die Pizzeria Rossini und das Eiscafe de Pellegrin, wo ich mich von meinen Strapazen erholt habe.

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