Cornwall & Cornwall 3/x

Ed und ich, als Hobby-Paranoiker, waren die ersten Gäste an Bord. Ich erkundete erst mal die Takelage, so hoch, wie ich mich traute, …

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 … dann stieg ich runter in den Motorraum und half unserem Skipper Barry beim Ölnachfüllen.
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Guide Keith und Koch Matthias kannte ich schon vom Vortag.
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Nach und nach trudelten alle Teilnehmer ein. Wir bezogen unsere Kabinen; meine teilte ich mit Claudius, der sich als äußerst kleinstraumkompatibel erweisen sollte. Er störte weder durch Geräusch noch Geruch und wir tanzten immer ein elegantes Ballett, wenn wir uns auf dem halben Quadratmeter freier Bodenfläche umzogen oder sonstwie aneinander vorbei mussten. Ich hoffe inständig, dass ich mich genau so gut benommen habe. Danach war die Einführungsveranstaltung im Speisesaal anberaumt. Erst mal bekamen wir die brandneuen Zipfelmützen (mit abknöpfbarem Zipfel).
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Nach einer Vorstellungsrunde kam die allgemeine sowie die spezielle Sicherheitseinweisung. Nervös und gespannt verfolgten alle, was es so zu beachten gab. Es fing harmlos genug an: wir sollten mit Wasser und Strom sparsam umgehen. Sara, die Maatin, machte klar, dass sie 24/7 zur Verfügung steht, WENN NOT AM MENSCH IST, ansonsten zu üblichen Geschäftszeiten. Not am Mensch ist zum Beispiel bei unmittelbarer Lebensgefahr… und wer sich nicht benimmt, darf sein Handtuch nicht in den Wäschetrockner werfen, über den sie die Schlüsselgewalt hat. Zwischendrin mussten wir aus dem Hafen raus, weil ein Fischerboot Platz brauchte. Dabei lernten wir, dass es an der Hafenausfahrt von Newlyn eine Markierung gibt, die als Referenz für alle Wasserstandsangaben weltweit dient. Ab jetzt leicht schaukelnd ging die Einweisung weiter. Das Schlimmste, was auf See passieren kann, ist ein Mensch, der von Bord fällt. Die Seeleute mussten sich erst mühsam daran gewöhnen, dass auf den Swimtrek-Fahrten ständig Leute ins Wasser springen. Erste Regel hierzu: gesprungen wird erst nach Freigabe! Und weil sowohl das Schiff als auch die Beiboote an einem Ende einen Hochleistungsgemüsehobel haben, gibt es auch eine Regel für das Wiedereinsteigen: egal, wie sehr du frierst oder Durst oder Schiss hast, du gehst erst nach Weisung an Bord! Nach all den ernsten Themen stellte sich Matthias vor. „I am Matthias, your chef“. Tosender Applaus von allen Seiten. Und der war durchaus berechtigt, obwohl wir da noch gar nicht wussten, wie gut er kochen würde. Seine Küche war lecker und abwechslungsreich, reichhaltig – bei Schwimmern besonders wichtig – und er hatte für alle Diätanforderungen, von denen es einige gab, eine leckere Variante. Und er kochte bei jedem Wetter, auch während einer stürmischen Überfahrt, mit Wellengang im Suppentopf. Durch die widrigen Wetterverhältnisse mussten unsere guides oft kurzfristig einen Schwumm ansetzen. Egal, es gab vorher eine Kleinigkeit, hinterher was zu knabbern und dazu immer Tee und Kaffee, alles aufgetragen von Sara, Pete und Keith sowie von Stefan, dem Schiffseigner, der auch mit an Bord war.
Während der ganzen Auftaktveranstaltung erlebten wir schon mal das Wetter, das uns die Woche über begleiten sollte: heftiger Regen, heftiger Wind und strahlender Sonnenschein in jeder mathematisch möglichen Kombination. Zwischendrin gaben wir noch die wesentlichen Details unserer Krankenakten zum Besten, damit die Mitreisenden nicht über Gebühr erschräken, wenn sie dies oder das zu Gesicht bekämen. Was beim Schwimmen ja unvermeidlich ist. Das ist ja der Vorteil an Beziehungen zwischen Freiwasserschwimmern: man hat sich gegenseitig schon mal nackt gesehen, so bleiben Überraschungen erspart… Zu guter Letzt gaben Pete und Keith noch einen Überblick über die Schwumms des Tages.
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Pete ist übrigens nach eigener Aussage der dienstälteste Rettungsschwimmer in England und kennt jeden Meter Küste in unserer Gegend. Das sollte sich noch als wichtig erweisen. Die Hurrikan-Saison in Amerika, mit drei Hurrikans in einer Woche, war die schlimmste in den letzten zehn Jahren. Die Wettersysteme, die dafür verantwortlich waren, lagen immer noch über dem Nordatlantik und sorgten auch bei uns für Stimmung. Die Wettervorhersage bestand also überwiegend aus Sonnenschein; kornischem Sonnenschein, der auch schon mal sehr feucht sein kann… Das Tourprogramm von Swimtrek, mit genau verzeichneten Strecken für jeden Tag, war nur ein unverbindlicher Anhaltspunkt. Dank Petes Ortskenntnis würden wir aber jeden Tag einen halbwegs geschützen Ort für einen interessanten Schwumm und jede Nacht einen einigermaßen geschützten Ankerplatz finden.
Inzwischen waren wir nahe an unserem ersten Schwimmstart angelangt, beim Mount St. Michael. Wir machten uns seefein, die guides erklärten uns den Weg, dann stiegen wir in die Schlauchboote und fuhren zum Start. Der Wind peitschte uns die Gischt um die Ohren und nur für die Kamera setzte ich ein Grinsen auf. Grinsen hilft immer und wir kamen gut gelaunt an. aus den Schlauchbooten rutschten wir ins knietiefe Wasser, alberten noch ein bisschen rum und schwammen los. Ein ganz ungewohntes Gefühl: das Wasser war salzig und aufgewühlt, aber klar. Wir trieben über Seegraswäldern in der Brandung hin und her, während wir versuchten, geradeaus zu schwimmen und nicht zu viel zu schlucken. Am äußersten Vorsprung der Insel ging es durch kräftige Brandung, zum Glück von hinten. Mit dem richtigen Timing konnte ich hin und wieder bodysurfen. Allerdings flog mir dauernd meine Boje um die Ohren, an der die Kamera hing. Den Rest der Woche würde ich darauf verzichten; ich habe volles Vertrauen zu unseren guides, die uns auch so permanent im Blick haben. Nachdem ich um den Vorsprung rum war, wurde die See ruhiger. Noch einige Minuten, dann bekamen wir zu trinken, stiegen wieder in die Boote und fuhren zurück zum Schiff, wo wir mit Tee und Keksen und eine großen Pott Kartoffelsuppe aufgewärmt wurden.
Fortsetzung folgt…
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Über Günter

Manager und Triathlet
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Eine Antwort zu Cornwall & Cornwall 3/x

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