Cornwall & Cornwall 1/x

Vor acht Jahren war ich zum ersten Mal mit Swimtrek unterwegs, damals in der Themse bei Oxford. Seither schaue ich immer wieder in deren Programm, ob was für mich dabei wäre. Vieles hätte mich gereizt, aber nie hat es gepasst. Und die Anreise ist immer so aufwendig! Anfang 2017 sah ich dann die Werbung für einen neuen Trip: Cornwall and the Isles of Scilly. Unterbringung auf einem 2-Master, der Lady of Avenel, pro Tag zwei Schwimmeinheiten im Meer. „Nehmt mein Geld“ schreiend habe ich gebucht. Den Sommer über war ich viel im Freiwasser unterwegs, habe mich aber verpflichtet, keine Details zu berichten. Nicht dass ich noch ende wie jener Journalist, der dauernd Anzeigen bekommt, weil er über seine Verbrechen in der Zeitung berichtet, mit Namens-, Ort- und Zeitangabe… Im Pool habe ich fleißig geübt, links zu atmen. Man soll ja ohnehin beidseitig atmen, aber das hatte ich 50 Jahre lang vernachlässigt und nur die rechte Seite benutzt. Jetzt also 3er-Zug oder 2er links, im Hinblick darauf, dass die Wellen im Meer auch mal beständig von rechts kommen können. Die linke Atemluft war halt oft recht wässrig. Im Sommer dann die große Panik: ich wusste genau, dass ich Flug und Unterkunft gebucht hatte, fand aber weder Belege noch Korrespondenz. Nach drei Tagen in den Tiefen des Postfachs war alles wieder gefunden. Nur das Zugticket gabs noch nicht, das kann man nur sechs Wochen im Voraus ordern. Der Vorgang bei der Great Western Railway endete mit der Mitteilung: mit dieser Kreditkarte gehst du am Bahnsteig zum Automaten, der druckt dir dann die Belege aus. Ob das gut geht? Immerhin schien zeitlich alles hin zu hauen, ich hatte genug Luft zwischen Flieger und Zug. Leider würde es nicht mehr reichen, um in den frisch renovierten Jubilee Pool zu springen.
In der zweiten Septemberwoche schaffte ich es zwischen beruflichen und privaten Terminen gerade mal so, meinen Kram zu sortieren. Vom Veranstalter kamen aufmunternde Mails mit dem Tenor, dass wir trotz des Wetters irgendwas organisiert kriegen und Spaß haben würden. Und wir sollten nicht zu viel Gepäck mitnehmen, weil der Platz unter der Koje gerade mal 70x40x40 misst. Und wir sollten auf jeden Fall warme und wetterfeste Klamotten mitbringen. Und Mittel gegen Seekrankheit… Donnerstag abend war alles in einem kleinen Seesack und einem Rucksack verstaut und der Wecker auf 3:55 Uhr gestellt. Das reichte Freitag früh gerade so, um einen Joghurt einzuwerfen und den ersten Bus um 5:03 zu erwischen. Am Flughafen kam ich gut durch alle Kontrollen und frühstückte noch mal richtig. Ganz wach war ich immer noch nicht, sonst hätte ich für den „jungen Mann“, als den mich die Servicekraft titulierte, nicht so viel Trinkgeld gegeben.
90 Minuten später in Heathrow. Zum Glück hatte ich die guten Trailrunningschuhe an. In Heathrow könnte man für nen Marathon trainieren, die Entfernungen sind sagenhaft. An der Passkontrolle eine Schlange von 2000 Leuten im Gurtlabyrinth. Hier kam mir meine langjährige Erfahrung als Geschäftsreisender zu Gute: mit meinem scheiß-auf-Datenschutz e-Pass marschierte ich an der Meute vorbei zu den automatischen Kontrollboxen und war in Null-Komma-Nix draußen. Das Gepäck war auch glücklich angekommen und ich marschierte den nächsten Halbmarathon zum Flugbahnhof. Dort steckte ich weisungsgemäß meine Karte in den Automaten, erntete aber nur Missverständnis und Verachtung und den Hinweis, mich an einen Mitarbeiter zu wenden. Den gabs tatsächlich! Er hört sich resigniert meine Geschichte an, reißt 10 cm vom Tippstreifen seiner Rechenmaschine ab und notiert darauf, dass man mich bitte vor Paddington nicht aus dem Zug werfen solle. Was der Kontrolleur im Zug anstandslos akzeptiert. 15 Minuten später komme ich im Bahnhof Paddington an. Der dortige Automat hat mehr Verständnis für mich als sein Kollege am Flughafen und spuckt anstandslos eine Hand voll Tickets aus. Ich orientiere mich kurz über die Anzeigetafeln und stelle fest, dass ich in 6 Minuten einen Zug bekommen könnte, der mich zwei Stunden früher nach Penzance bringt, dafür ohne Sitzplatzreservierung. Ich sprinte zum Bahnsteig und komme gerade noch rein, ergattere sogar einen Sitzplatz mit Tischchen für die gut fünfstündige Fahrt. Am Tischchen zwei Radfahrer, die zum Ride across Britain unterwegs sind – 1000 Meilen in neun Tagen. Die Vierte im Bunde ist eine Dame, die den Wetterbericht für die nächsten Tage zum Besten gibt: Regnen und Schütten. Nach zwei Stunden bin ich übelst frustriert. Trotz meiner atypisch sozialen Versuche, ins Gespräch zu kommen, ignorieren mich meine Mitreisenden geradezu vorsätzlich. Und mit solchen Typen soll ich jetzt eine Woche lang auf engstem Raum zusammenleben? Erschwerend kommt hinzu, dass ich durch die Hektik am Bahnhof keine Zeit hatte, Futter zu suchen. Kurz nach 3 erreichen wir die Endstation Penzance. Eigentlich wollte ich ja was über Schwimmen schreiben, aber ich hab mich wohl verplaudert…
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Über Günter

Manager und Triathlet
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Eine Antwort zu Cornwall & Cornwall 1/x

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