Endlich was zu meckern – Tübingen, die Bewertung

Jahrelang hab ich nur Lobeshymnen über Sportveranstaltungen abgesondert. Ich kam mir schon verdächtig nett vor. Gutmensch lass ich mir ja gern gefallen, aber Nettmensch? Bitte nicht!

Die Desorganisatoren des Tübinger Triathlons haben jetzt aber so viele Böcke geschossen, dass ich mal richtig ablästern kann. Aus alter Gewohnheit fange ich trotzdem mit dem Positiven an: die Strecke ist super schön, das Schwimmen im Neckar ein Erlebnis, die Radrunde schön ausgewogen und die Laufstrecke mit ihrem Profil und Kopfsteinpflaster verlangt den Teilnehmern den letzten Rest ab. Reichlich motivierte Helfer sind auch an der Strecke – EIN RIESENLOB AN ALLE HELFER! Dank verkaufsoffenem Sonntag sorgen unzählige Zuschauer für tolle Stimmung. Und die zentrale Lage mitten in der Stadt wäre ein dickes Plus – wenn die Chose mit ein bisschen Grips organisiert wäre. Ich liste hier mal auf, was so eigentlich nicht passieren darf:

  • Der zentrale Durchgang der Wechselzone vom Schwimmen zum Rad und vom Rad zum Laufen führt über einen schmalen Steg. Das wäre nicht weiter schlimm, aber den Check-in über genau diese Brücke zu führen, während bereits Wettkämpfe laufen, ist – ich weiß es nicht, der Veranstalter soll sich selber ein Adjektiv dafür ausdenken!
  • In der Wechselzone gab es keine Toiletten! Als Ergebnis sah man reihenweise Männchen in den Neckar pinkeln, ca. 100 Meter stromauf vom Start. Ich musste kacken und ging über die oben erwähnte Brücke zu den Dixies knapp vor der Wechselzone, nutzte das letzte Blatt Scheißhauspapier und hatte aus alter Erfahrung ein Päckchen Tempos mit. Der Ordner an der Brücke ließ mich hier nicht wieder rein, ich durfte einen Kilometer hatschen, um wieder zu meinem Rad zu kommen.
  • Bei dieser Gelegenheit besichtigte ich die Mountline. Die hatte ein Witzbold mit einem Streifen grauen Panzerband auf den grauen Asphalt geklebt, somit perfekt getarnt und die Kampfrichterin brüllte sich heiser, abwechselnd „hier aufsteigen“ und „hier absteigen“.
  • Von der angekündigten Wettkampfbesprechung habe ich nichts mitbekommen. Auch keine Durchsagen oder Aufrufe. Ein womöglich vorhandener Sprecher bespaßte wohl das Publikum auf der Brücke, die Athleten im Vorstartbereich durften sich selbst organisieren, wer wann in’s Wasser darf. Gerade für Ersttäter auf der Schnupperdistanz eine Zumutung.
  • Der Treppe am Schwimmausstieg hätte man am unteren Ende ruhig noch 1-2 Stufen spendieren können. DANKE AN DIE HELFER, die mich hier herauszogen!
  • Nach dem Schwimmen lief ich korrekt den Weg aus der Wettkampfinfo, hinten über das Gras rein, quer zum Rad und über den Teppich raus. Zwei, drei andere ebenso. Alle übrigen liefen auf dem Teppich nach vorn und kürzten so, je nach Stellplatz, einige Meter ab. Ein Kampfrichter an dieser Stelle wäre nett gewesen.
  • Der allerdickste Hund lauerte aber auf der Radstrecke. Die Wende am Ende war ja nicht zu verfehlen, aber die Wende zur zweiten Runde war nicht zu erkennen. Ich fuhr erst mal dran vorbei, nur die Rufe der Zuschauer brachten mich auf den rechten Weg. Kollegin Marlies, die derweil am Eingang der Wechselzone stand, berichtete, einige Radfahrer seien bis dorthin gefahren und hätten ratlos nach der Wende gefragt. Die wurden wieder zurückgeschickt und fuhren so einen guten Kilometer zu viel, davon 200 Meter bergauf. Himmelherrgott, da muss ein meterhohes Schild hin! 2. Runde – Pfeil nach links / Ziel – Pfeil geradeaus. Soll ich das aufmalen?
  • Am Ende der Radstrecke durften wir volle Kanne durch die Ligawechselzone brettern, auf blauem Teppich an den Radständern vorbei. Sicher geht anders.
  • Auf der Laufstrecke war es dann weniger schlimm. Die Helfer am Verpflegungsstand waren zwar motiviert, aber wenig instruiert und so musste ich das ISO erst mal suchen, als ich in der zweiten Runde welches wollte. Ab der dritten Runde wusste ich dann, wo es stand.
  • Anscheinend gab es beim Laufen keine Rundenkontrolle. Als Buchhalter kann ich zwar meist fehlerfrei bis 4 zählen (arbeite nicht im Sägewerk), aber im Eifer des Gefechts kann schon mal was schief gehen. Ein armes Mädel fragte jeden Linksabbieger, ob er schon vier mal durch den Tunnel sei… Ich hoffe, hier gab es keine Proteste.
  • Für die Lutscher auf der Radstrecke kann der Veranstalter ausnahmsweise nichts, es waren reichlich Karis unterwegs und lösten Verbände auf. Trotzdem wurde ich in der zweiten Runde von Leuten überholt, die wohl glaubten, sie seien in der Bundesliga. Den Namen Evangelos habe ich übrigens schon mal in so einer Situation gesehen, scheint ein geselliger Typ zu sein…

Mein Rat an den Veranstalter: ihr habt hier die Chance für einen großartigen Wettkampf – bitte vermasselt das nicht derart zielstrebig!

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Über Günter

Manager und Triathlet
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Eine Antwort zu Endlich was zu meckern – Tübingen, die Bewertung

  1. Lutz Prauser schreibt:

    Oh Mann, das klingt, als hätte sich der Veranstalter wirklich konsequent alle Mühe gemacht, seinen eigenen Trathlon zu versauen…

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