Unterwegs im Paralleluniversum

Seit ein paar Wochen bin ich nicht mehr regelmäßig 9-5 im Büro. Dadurch komme ich zu Tageszeiten an Orte, zu denen ich an denen früher nie war. Später auch nicht. Aber wenn ich jetzt dort bin, treffe ich auf ein völlig anderes Publikum. Die Sache mit der Alterspyramide (die inzwischen eher wie das Gesellenstück des letzten siebenbürger Drechslers aussieht), kannte ich zwar im Prinzip, aber in den letzten Wochen habe ich dieses Gebilde live und in Farbe gesehen. Nachmittags um 2 tobt der Rock & Rollator durchs Kaufland! So ein Blick in die eigene Zukunft ist nichts für schlechte Nerven. Das mit dem jung Sterben krieg ich nicht mehr hin, dann freue ich mich halt darauf, einen Mittfünfziger als „jungen Mann“ anzusprechen. „Junger Mann, wo steht denn die glutenfreie Haftcreme?“ höre ich mich sagen. Dann lieber am späten Vormittag in ein Innenstadtcafe, wo Latte-Macchiato-Mütter mit ihren Peg Peregos den Nachwuchs auf den alltäglichen road rage vorbereiten. (Gibt’s eigentlich Freisprecheinrichtungen für Kinderwagen?)

Heute habe ich dann den ultimativen Paralleltest durchgeführt. Mein Kunde hatte Infostau, ich hatte am späten Vormittag nix Sinnvolles mehr zu tun, also stellte ich das Buchometer ab und fuhr heim. (Ein Buchometer muss man sich wie ein Taxameter vorstellen, nur für Buchhalter. Es tickt, so lange ich Buch halte.) Nach einer Unendlichkeit in der facebook-Gruppe „Bist du heute schon geschwommen“ fiel mir auf, dass ich das schon länger nicht mehr war und eigentlich besser durch die Wasser- als die WLAN-Wellen surfen sollte. Gerade jetzt, wo ich Zeit habe! Wobei das mit der Zeit so eine Sache ist. Als ich noch auf dem Weg zur und von der Arbeit trainiert habe, war der Rhythmus vorgegeben – jetzt muss ich mich aktiv zum Training aufraffen. Also packte ich am frühen Nachmittg meinen Krempel und radelte zum Hallenbad. Ich glaube, an einem Dienstagnachmittag um 3 war ich dort noch nie. Im Eingangsbereich sah ich voll Schreck Horden von Jugendlichen. Diesen Teil des Altersbaumkuchens kannte ich in dieser Häufung nur vom Freibad während der Ferien und stellte mich auf das Schlimmste ein. Aber diese Jugendlichen waren nicht zum Rumtoben hier, sondern zum Schwimmunterricht. Sie trainierten sogar fleißig Rettungsschwimmen (das wollte ich eigentlich auch mal wieder machen, den Erste-Hilfe-Kurs habe ich schon aufgefrischt). In voller Montur schleppten sie sich gegenseitig das Becken rauf und runter, während der Lehrer vom Beckenrand Zwischenzeiten reinrief.

Auf der Schwimmerbahn ging es recht gesittet zu. Anfangs waren wir zu viert unterwegs, später auch mal zu zweit oder dritt. Ich nutzte den freien Platz, um alles Spielzeug einzusetzen, das ich besitze. Pullbuoy, Paddles und Flossen kamen zum Einsatz und sorgten für ausreichend Abwechslung, um die anfangs nur mäßig vorhandene Motivation auszugleichen. Nach etlichen Bahnen ließ ich mich im Außenbecken besprudeln, bevor ich für einen abschließenden Versuch ins Wasser stieg. Im 25-Meter Becken eine Länge tauchen, das klappt meistens ganz gut. Heute wollte ich es wissen, wendete am Ende und tauchte noch ein paar Meter zurück. Die Alterspyramide hat gefühlt wieder eine Delle mehr!

Advertisements

Über modoufall

Manager und Triathlet
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Unterwegs im Paralleluniversum

  1. Lutz Prauser schreibt:

    Willkommen im Club derer, die wieder ein wenig mehr über die Nutzung ihrer eigenen Zeit haben.
    Ist doch herrlich, mal untertags mittags ins Wasser steigen zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s