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Nach dem Schwimmen ist vor dem Schwimmen. Das ist so banal, dass es weh tut, aber beim 24-Stundenschwimmen leider deutlich wahrer als sonst im Leben. Letztes Wochenende habe ich mein Rad vollgepackt und bin nach Oberstenfeld ins Freibad gefahren. Die ersten 15 Kilometer war ich noch flott unterwegs. Leider ist das Rad mit vollem Hänger zu instabil für Fahren auf dem Auflieger, sonst hätte ich dem ein oder anderen Rennradler gezeigt, wo der Hammer hängt. Bei Großbottwar wurde ich schon lansamer und freute mich, einen Trupp rüstiger Reiseradler zu treffen, die mich freundlicherweise das letzte Stück bewindschatteten. Die glaubten zuerst, ich sei auf großer Urlaubsfahrt, aber ich klärte auf, dass ich nur 27 Badehosen und ein Zelt dabei hatte, für Bottwartal24.

Rad

Pünktlich um 11 war ich vor Ort und schlug mein Zelt auf, möglichst platzsparend, wie es der Veranstalter gesagt hatte. Die Familie mit dem Gummihammer hat in dieser Zeit mich und viele weitere neue Leute kennengelernt. Auf der Zeltwiese traf ich Carina und Florian, meine Mitschwimmer vom Team Warmduscher. Von Carina bekam ich die gute Sonnencreme, meine hatte ich vergessen. Oder um genau zu sein: ich hatte welche in der Tasche, wusste das aber nicht – bis ich sie Sonntag durch Zufall gefunden habe.

Ich kannte das Bottwartalschwimmen vom letzen Jahr, da bin ich nur abends und morgens geschwommen. Diesmal hatte ich den Kollegen dummerweise versprochen, dass ich mich anstrengen würde, wegen der Teamwertung. Außerdem hatte ich nach dem Beinahe-Debakel in Münster was nachzuholen. Also stieg ich pflichtschuldigst unmittelbar nach Anpfiff ins Becken und nahm mir vor, erst mal 5000 Meter zu schwimmen. Nach 1000 Metern merkte ich, dass 5 am Stück heute schwer würden und ich wollte mich nicht gleich zu Anfang überlasten. Also ging ich nach 3000 erst mal raus, machte eine kleine Pause und schwamm dann gleich noch mal 3. Ich war kaum aus dem Wasser, als ich von Sven die Nachricht erhielt, ich liege auf Platz 1 der Männerwertung – ein Moment für die Ewigkeit, aber wirklich nur ein Moment, schließlich waren noch keine drei Stunden rum von den 24. Frisch beschwingt absolvierte ich weitere 3 + x und machte die erste größere Pause, mit Pommes und Cola.

Pommes

Eine schöne Massage wäre jetzt recht gewesen. Und: A miracle, a miracle! Auf dem Rückweg vom Kiosk sah ich die Masseurinnen, die gerade die Liegen aufbauten und ein Schild rausstellten. Durch charmantes Plaudern sicherte ich mir den ersten Platz in der Schlange und wurde gut und gern 20 Minunten professionell instandgesetzt. Ich machte weiter mit meiner 3000 + x Strategie. Bald hatte ich die Strecke vom Ludwigsburger Citylauf hinter mir, der an diesem Tag ausgetragen wurde, und am späten Abend 17 irgendwas auf der Liste stehen. Carina und Florian sah ich auch ab und zu, meistens, wenn sie mich auf der Bahn überholten. Die beiden schwammen in der Nacht weitgehend durch, ich dagegen legte mich ein paar Stunden ins Zelt, nachdem ich einen Teller Nudeln und eine zweite Massage genossen hatte. Eingedenk des Trubels im Vorjahr hatte ich Ohropax dabei, was mir einige Stunden Schlaf sicherte. Bis 1 Uhr früh. Da begann das spektakuläre Wettruschen. Mit Moderation. Über den Platzlautsprecher. Bei der ersten Durchsage dachte ich, Kind der 60er, jetzt kommt der Russ. Dann wurden im 90-Sekundenrhythmus neue Bestzeiten gefeiert. Ich stand senkrecht im Zelt, bei Firsthöhe 130 kein leichtes Unterfangen. Nach weiteren zwei mal 90 Sekunden war ich wach genug, um einzuschreiten. Ich krabbelte raus, ging zum Bahnenzähler und lieh mir seine Pumpgun. Ein alter Mann braucht seinen Schlaf! Zum Glück des Lautsprechers, der Person wie des Geräts, hatte der Helfer seine Waffen zu Hause gelassen, aber er gab meine Anregung weiter. Ab da war Ruhe, obwohl ich keinen Schuss gehört habe. Abgesehen von der Bewaffnung WAREN DIE HELFER GRANDIOS! Zu jeder Zeit in den 24 Stunden waren Zeitnahme, Technik und Verpflegung präsent und aktiv.

Dankbar war ich dann trotzdem für die Störung, die gab mir nämlich eine Ausrede, um 4 Uhr den Wecker zu ignorieren. Um 6 war ich immerhin wieder im Becken. Gleich auf der ersten Bahn bereute ich, mich vorher nicht gelockert und gedehnt zu haben. Die Schultern jammerten recht wehleidig, versahen aber nach etlichen Bahnen wieder ihren Dienst. Nach den ersten 3 + x ging ich frühstücken. Carina lag inzwischen bei den Damen uneinholbar vorn, Florian auf Platz 2 bei den Herren. Ich war mit deutlichem Abstand dahinter auf dem fünften Rang. Als Team lagen wir komfortabel in Führung. Gegen halb 11 stieg ich zum letzten Mal ins Wasser. Mit ein bisschen Gymnastik vorweg war das immer noch möglich. Inzwischen stand mein Konto bei 23,7 km. Das war deutlich mehr als je zuvor und auch das Ziel „Halbmarathon im Wasser“ war abgehakt. Jetzt fehlten mir 1300 Meter zu 25 km, das wäre natürlich zu wenig, also absolvierte ich erst mal 2300, um die 26 voll zu kriegen. Dann ging der innere Buchhalter mit mir durch. 2300 sind ja eine absolut krumme Strecke, 2500 am Stück sollten es schon sein! Das ergab 26,2 km – wieder eine furzkrumme Zahl! Ich fühlte mich wie die Aufzüge im „Anhalter durch die Galaxie“… Bei 26,5 km hatte ich 2800 Meter geschafft. Ein Blick zur Uhr zeigte, dass ich bis 12 die 3000 für diese Etappe noch vollkriegen und danach ohne Gewissensbisse aufhören konnte. Wer mitgerechnet hat: 26700 Meter waren es am Ende. Ich hatte zwar keine Uhr mit (die war an dem Tag in Roth unterwegs), rechnete aber aus, dass ich rund 12 Stunden von den 24 im Becken war – da geht also noch was!

Ich packte mein Geraffel zusammen und ging zur Siegerehrung. Mit meiner Soll/Haben Strategie hatte ich mich auf Platz 4 vorgekämpft, knapp am Podium vorbei. Florian konnte mit großer Anstrengung seinen zweiten Platz ins Ziel retten. Das war sein erstes 24h-Schwimmen und er hatte sich 15 km vorgenommen; 30 hat er am Ende geschafft! Carina die Unermüdliche lag mit 35,5 jenseits von Gut und Böse… Das half uns auch zum überlegenen Sieg in der Gruppenwertung, wo die Durchschnittstrecke zählt. 30733 Meter hatten wir im Schnitt, eine neuer Rekord! Hier die Fotos des Veranstalters:

Carina Florianbottwar24

Jetzt muss ich nur noch 5 Jahre durchhalten, bevor ich die AK M60 rocke…

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