Münster Day & Day

Wer bei der Überschrift gedacht hat: „Da stimmt doch was nicht“, hat gut aufgepasst. Die große Attraktion beim 24-Stundenschwimmen in Münster ist die Flutbeleuchtung des Kanals während der Nachtstunden. Fotos davon haben mich im Frühjahr spontan zur Anmeldung bewogen. Auch der Umstand, dass hier mal nicht im Becken geschwommen wird, wo alle paar Meter eine Wand im Weg steht, war ein Anreiz. Samstag früh fuhr ich los und war rechtzeitig zu Mittag am Kanal. Auf der Zeltwiese war noch jede Menge Platz. Eingedenk meiner Erfahrungen im Bottwartal suchte ich einen ruhigen Platz in der hinteren Ecke, wo es in der Nacht hoffentlich nicht so wuseln würde. Obwohl ich allein war, hatte ich das große Familienzelt mitgebracht, damit ich mich nachts umziehen könnte, ohne die verwegeneren Yoga-Stellungen durchzuprobieren oder Kamasutra-Trockentraining nach dem Motto: „den linken Fuß am Ohr vorbei in die obere Öffnung des Schlafsacks einführen; dies ist eine schwierige Position, nur die Übung kann sie lehren“ zu betreiben. Das Zelt stand gerade, oder ander gessagt: just, als das Zelt endlich gerade stand, kam Warmduscherin Sigi vorbei, um zu grüßen. Ich hatte in Münster die Ehre, das Warmduscherteam zu organisieren. Keine leichte Übung, wenn die Hälfte der gemeldeten Leute im letzten Augenblick verhindert ist und dafür ein paar andere auftauchen, die keiner auf der Liste hatte; dass ich niemanden davon vorher in echt gesehen hatte, war eine zusätzliche Herausforderung. Danke an Barbara, die am Ende eine super Frauschaft (mit ein paar Gastmännchen) für uns zusammengestellt hat.

Aber abgesehen von meinem schwachen Auftritt als Teamkäptn lief alles prächtig an. Im Kanal waren Bojen und Trennbalken verankert und neben dem Startplatz trieb ein Ponton für die Rundenzähler auf dem Wasser. Pünktlich um 2 ging das Gros der 350 Teilnehmer mit Hurra auf die Strecke. Ich ließ mir etwas Zeit und startete eine Viertelstunde später hinterher. Im ersten Anlauf schaffte ich 5 km, dann machte ich eine kleine Pause. Die nächste Runde war 3 km lang, dann kam ein 2er. Als es auf die 10 km zuging, stieg die linke Schulter langsam aus. Ich bekam den Arm nur unter zunehmenden Schmerzen nach hinten und oben. Gegen halb neun schwamm ich noch einen Kilometer, dann war Feierabend, ich konnte den linken Arm kaum bewegen. Frustriert verzog ich mich ins Zelt und verbrachte eine kurze Nacht.

Am Morgen ging es der Schulter nicht besser. Frustriert beschloss ich, abzufahren. Nur noch das Zelt trocknen lassen und früh stücken. Ich war gegen 5 aufgewacht und setzte mich mit meinem Kaffee an den Kanal. 3-4 Unentwegte waren im Wasser. In Münster ist die Devise: wer schläft, verliert. Beim Anblick der Schwimmer, die ruhig ihre Bahnen zogen, packte mich die Lust, doch weiter zu machen. Vielleicht würde ja eine Massage helfen? Eine Stunde später weckte der DJ Westfalen mit Hell’s Bells und kurz darauf kamen auch die Masseurinnen an. Ich schilderte mein Problem und die junge Frau meinte, sie würde sich das mal ansehen. Ich hatte eine schöne Verspannung neben dem linken Schulterblatt, die ziemlich einfach akustisch zu lokalisieren war: bei Berührung gab ich Laut. So früh war im Physiobereich noch nicht viel los und ich bekam eine ausgiebige Luxus-Sonderbehandlung. Danach konnte ich tatsächlich noch 5 km drauflegen. Mit insgesamt 16 km war ich unter meinen bisherigen Ergebnissen und weit hinter meinen Erwartungen geblieben. Und weil das die kürzeste Nacht des Jahres war, habe ich vom Flutlicht überhaupt nichts mitbekommen, bin nur an einem Tag geschwommen und dann am nächsten Tag nochmal.

Meine Teamkameradinnen haben es dafür rausgerissen: Sigi schwamm mit 50 km neuen Rekord für Flossenschwimmer, Grith mit 45 km einen neuen Rekord für barfuß.

Ich ließ mich nochmal durchmassieren und fuhr heim. Sven zog mir noch tüchtig die Löffel lang, weil ich unsere Teamergebnisse nicht wusste. Nach einer weiteren Massage am Mittwoch konnte ich Freitag wieder vernünftig schwimmen. Für den Socialman nächste Woche bin ich guten Mutes; Im August in der Naab wird sich dann zeigen, ob ich mehrere Tag hintereinander zweistellige Strecken packe.

Grit Kraene Schwimmer Zaehler

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2 Antworten zu Münster Day & Day

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