Nachspielzeit

Die Wettkampfsaison war bereits würdig beendet, die Freiwassersaison ging munter weiter. Freitag war ich auf einem Workshop in Ermatingen, auf der Schweizer Seite des Bodensees, genau gegenüber der Insel Reichenau. Ich hatte die Schwimmklamotten dabei, den Neo aber mutig daheim gelassen. Zu den Wassertemperaturen hatte ich zwei höchst unterschiedliche Angaben: 15 oder 19 Grad. Nach der Anreise Donnerstag abend hatte ich mich schon höchst unvorsichtig aus dem Fenster gehängt und unseren Steuerexperten, seines Zeichens Marathonläufer und Triathlet, zum Schwimmen eingeladen. Auch gegenüber dem CFO hatte ich eindeutige Anmerkungen gemacht, der Preis für einen Rückzieher wäre also nicht nix gewesen.

Nach Veranstaltungsschluss am Nachmittag packte ich das Nötigste in meinen Schwimmsack und ging runter zum Ufer. Nach einem Sommer (sic) in mehr oder weniger trüben Gewässern, stehenden wie fließenden, war die Aussicht auf eine Runde in klarem Wasser höchst erfreulich.

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Die eigene Temperaturmessung ergab im flachen Uferbereich unglaubliche 20 Grad.

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Ich zog mich um, packte meine Klamotten in den Sack und beschloss schon mal, nachher nicht auf dieser Guanoplantage von Bootssteg, sondern an der Rampe daneben anzulanden.

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Ganz ohne müffelnde Gummischicht genoss ich das Gefühl von kühlem Wasser auf der Haut. Der Bodensee ist offenbar nach dem gleichnamigen Kaffee benannt, jedenfalls kann man in Ufernähe bis auf den Grund seen. Die ersten hundert Meter schwamm ich zwischen ankernden Booten, dann erreichte ich den offenen See. Nicht den eigentlichen Bodensee, aber immerhin den Untersee. Ich suchte mir einen Kirchturm für die Peilung und schwamm ein Stück auf den See hinaus. Dann drehte ich mich noch mal um und suchte mir eine Landmarke für den Rückweg. Ein riesiger, leuchtend oranger Bauzaun an der Straße knapp über dem See war ideal für diesen Zweck positioniert, meinen Dank an die umsichtige Baufirma. Die nächsten zwanzig Minuten genoss ich die Sonne und das herrliche Gefühl, mich geschmeidig durchs Wasser zu bewegen. (Wie das für einen Schwimmer aussieht, ist mir egal, ich genoss das Gefühl völlig schamlos.) In Ufernähe der Reichenau bekam ich die Kehrseite des klaren Wassers vorgeführt. Ganz deutlich konnte ich wabernde Etwasse sehen, die über dem Seegrund schwebten. Ich dachte zuerst an Plastiktüten, die Form und die schmutzgweiße Farbe legten das nahe. Es waren aber offensichtlich organische Dinger, die da hingehörten, auch wenn sie definitiv unappetitlich aussahen. Ich vermied jeden Kontakt und schlängelte mich um diese Gebilde rum ans Ufer. Streng nach Reglement stand ich mit beiden Füßen auf trockenem Boden, als ich das Beweisfoto schoss.

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Ich fühlte mich gut und trat sofort den Rückweg an. Dabei kreuzten mehrere Boote meinen Weg, teilweise in flottem Tempo. Ich war froh um meine Boje und hielt fleißig Ausschau nach dem nächsten Kahn. Nach insgesamt 70 Minuten im Wasser stieg ich wieder an Land. Die Betonrampe war zwar nicht verkackt, dafür schön schleimig. Unter den wachsamen Augen einer ortsansässigen Badenixe hangelte ich mich am Badesteg entlang aufs Trockene.

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20 Minuten später war ich wieder in Land-Zwirn und stellte mich in den Stau nach Hause.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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