Amsterdam für Anfänger

Drei Tage vor dem dritten Amsterdam City Swim war ich in der Stadt angekommen. Im ICE, nicht in der Badehose wie Andreas Fath, obwohl ich über den Neckar ja theoretisch in den Rhein reinkäme. Mein Hotel lag nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt. Die erste Sehenswürdigkeit war das Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof, Kapazität „etliche tausend“.

radhouse

Schon auf den ersten Metern lernte ich die Grund-Überlebensregeln im Amsterdamer Verkehr:

  • bewege dich in mäßigem Tempo stetig fort und beobachte aufmerksam, was in einem 160°-Sektor vor dir unterwegs ist und wo es hin will;
  • berechne die Trajektorien aller bewegten Objekte in diesem Bereich und suche dir eine kollisionsfreie Bahn dazwischen hindurch;
  • wenn du Rad fährst, halte das Telefon so, dass du beim SMSen die vorstehenden Regeln einhalten kannst;
  • wenn du eine Frau bist, die auf dem Fahrrad SMSt, nutze die andere Hand, um bei jeder zweiten Pedalumdrehung den Saum des Minirockes wieder runter zu ziehen;
  • wenn du neu in der Stadt bist, lass dich nicht von Frauen in Miniröcken ablenken, die beim SMSen Rad fahren;
  • auch nicht, wenn sie high heels tragen.

Der Vorteil von Miniröcken ist, dass man von den Drahteseln abgelenkt wird, auf denen die Holländer rumradeln. Die meisten dieser (überwiegend Holland-) Räder würden bei uns gerade so als Bahnhofsschlampen durchgehen. Interessant übrigens, dass Google mit dem Begriff „Bahnhofsschlampe“ so gar nichts anfangen kann. Ich wollte hier einen link für Nicht-Radler reinlegen, finde aber keinen. (Nicht so schlimm, Nicht-Radler dürfen zur Not dumm sterben.) Jedenfalls sind die Räder, die man sieht, uralt und ungepflegt, dafür alle mit armdicken Kettenschlössern gesichert, deren Wert ungefähr doppelt so hoch ist wie der des zu schützenden Gefährts. Neben den Bahnhofsschlampen gibt es als zweite Kategorie Lastenräder. Mehrere Kindersitze auf jedem beliebigen Radtyp sind ein häufiges Accessoire (neben der obligatorischen Panzerkette als Fahrradschloss). Helme sind unbekannt; Schwimmwesten wären sinnvoll, habe ich aber nicht gesehen.

Nach anderthalb Tagen Pflasterhatscherei längs der traumhaften Grachten:

gracht1 gracht2 gracht3

nahm ich meinen Mut zusammen und mietete mir eine der betagten Rostlauben. Im Büro des Radverleihs wurde ich von einem gewissen Benedikt überaus zuvorkommend bedient. Mit zwei Zetteln in der Hand ging ich rüber in die Werkstatt, wo mir Meat Loaf das Rad überreichte und mich in die Absperrtechnik der beiden Schlösser einwies. Bei genauem Hinsehen konnte ich sogar erkennen, wo seine Lederweste (mit Rocker-gegen-Rechts Aufsticker) in die großflächige Tätowierung überging. Eine kurze Probefahrt endete mit Zahnschmelz-zerschleißendem Kreischen von der vorderen Bremse. Mit Kennerblick stellte Meat Loaf fest, dass der Gummi völlig runtergenudelt war, was ihn aber nicht weiter beeindruckte – schließlich hatte ich ja noch eine Rücktrittbremse. Zunächst vorsichtig, dann mit wachsendem Vertrauen in das Zweirad und meine Fahrkünste, radelte ich rüber zum Schifffahrtsmuseum. Nach vorschriftsmäßiger Sicherung des Rades besichtigte ich jenes und warf schon mal einen Blick auf das Startgelände für Sonntag. Danach radelte ich die Schwimmstrecke ab. In der Nähe des Ziels genehmigte ich mir meine ersten Bitterballen, nicht ohne vorher zu fragen, was das ungefähr sei. Nach der Beschreibung, die mir die Bedienung gab, bestellte ich dann keinen Kaffee dazu, sondern doch lieber ein Bier.

Den Abend verbrachte ich an meinem neuen Lieblingsplatz: auf der schwimmenden Miniterasse vor dem Hotel. Die schaukelte sachte auf den Wellen der Herengracht, direkt neben einem rudimentären Hausboot. Diese Hausboote üben auf mich eine magische Faszination aus. Es gibt sie in allen Varianten, von der schwimmenden Sperrmüllhalde über den liebevoll restaurierten Frachtkahn bis hin zum Bungalow auf Schiffsunterbau.

hausboot

Die Schattenseite dieser Art Behausung sollte ich Sonntag abend zu sehen bekommen…

Aber vorher soll noch geschwommen werden. 2014 Meter durch die Grachten, mit einer Schleife auf der Amstel. Reklame dafür gibts schon.

tretboot

Die Spendenseite ist übrigens noch bis 30.9.14 frei geschaltet!

Advertisements

Über Günter

Manager und Triathlet
Dieser Beitrag wurde unter Swimming abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s