Ein schöner Auftakt

Nach den zwei Triathlons im Juni und dem Senegalurlaub bin ich gestern in die zweite Wettkampfserie dieser Saison eingestiegen. Statt Herbstmarathon steht dieses Jahr Schwimmen auf dem Programm, vor allem, weil ich das als Triathlet bekanntlich nicht kann. Dafür habe ich dieses Jahr schon über 100 Trainingskilometer unter der Wampe (das ist ungefähr so viel, wie ein Leistungsschwimmer in der Woche abhakt). Drei Wettkämpfe in drei Wochen habe ich gebucht. Die gruppieren sich um das Hauptevent, den Amsterdam City Swim, zu dem ich mich schon im April angemeldet hatte. Zur Vorbereitung gab es gestern das Rottachseeschwimmen. Vier Distanzen standen zur Wahl, wobei die 1 000 und 2 500 gleich wieder ausschieden; blieben 5 000 oder 10 000 Meter. Die 5k bin ich im Becken schon einige Male geschwommen und habe sie als todlangweilig in Erinnerung. 10k am Stück hingegen hatte ich noch nie und habe mich auch diesmal nicht rangetraut, also doch wieder 5.

Man hätte auch am Morgen anreisen können, aber ich habe vorgezogen, in der Nähe zu übernachten. In Isny gab es trotz Eurobike noch ein Zimmer. Beim großen Stadtrundgang (14,5 Minuten) fand ich dieses schöne Ensemble: eine Pferdetränke nur für die Arztpraxis. Vermutlich Veterinär.

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Samstag war ich früh genug in Moosbach, um die gesamte Schwimmstrecke vom Ufer aus zu erkunden. Die Bojen waren schon gesetzt und von den Hügeln hatte man einen perfekten Überblick. Überhaupt der Blick! Allgäu, bayerisches Voralpenland, ich fühlte mich wie in einer Kreuzung aus Merian-Heft und Bärenmarke-Werbung.

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In der Nacht hatte es wie aus Kübeln geschüttet, jetzt riss die Wolkendecke auf und der Himmel präsentierte sich sich im kitschigsten weiß-blau. Fehlte nur ein Kirchturm mit Zwiebelspitze. Falsch getippt, der durfte natürlich nicht fehlen!

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Allmählich wurde es voll am See. Bei der (ich glaube) fünften Auflage waren 100 Teilnehmer am Start, die meisten davon hartgesottene Langstreckenschwimmer. Ich outete mich als Frischling in dieser Zunft und wurde sofort ermuntert und ermutigt: „Wer 2 kann, kann auch 10, über 5 ist alles ähnlich“. Mein zaghafter Einwand, dass bei mir nach drei Stunden die Arme schwer werden, wurde mit dem Hinweis entkräftet, dass man sich das oft einbilde, in Wirklichkeit schwimme man wesentlich runder, als man selber glaube.

Der Start war um 14 Uhr geplant und so ab 1/4 nach Eins begann die große Modenschau. Auch in dieser Saison trägt man überwiegend schwarz, nur die Kopfbedeckung darf quietschbunt sein. Wir halb-harten 5000er trugen diesmal gelb,

Muetze

die ganz harten 10er oraasch und der Rest hellblau bzw. pink. Vorsichtig erkundeten wir das 17 Grad kühle Wasser und den Ufergrund, bemooste Kiesel. Schlückchenweise ließ ich Wasser in den Neo laufen und zupfte ihn zurecht. Als Brille hatte ich meine Gator in Sehstärke dabei. Mir fehlt zwar nicht viel, knapp 2 Dioptrien, aber auf die Entfernung im See – gut 300 Meter zur nächsten Boje – bringt die schärfere Sicht ein besseres Gefühl. Kurz vor Zwei gab es eine kurze Wettkampfbesprechung, dann stiegen alle wieder ins Wasser, artig über die Zeitnahmematte, und sortierten sich nach Mut und Selbstvertrauen. Ein Mann schwamm ärmellos und gleich zwei Frauen machten sich nur im Badeanzug auf den Weg. Der Starter gab die Minuten durch und am Ende zählten alle zusammen die zehn letzten Sekunden bis zur Tröte herunter. Ich schwamm am hinteren Ende des Pulks los und hatte meist reichlich Platz auf allen Seiten. Ich schlug ein gemäßigtes Tempo an, von dem ich glaubte, dass ich es durchhalten könnte. Das Pacing auf dieser Strecke war für mich komplettes Neuland. Bei meinen Flussschwimmen bin ich sehr unregelmäßig unterwegs und betreibe auch reichlich sightseeing. Im Wettkampf sollte man aber eher ein gleichmäßiges Tempo halten. Auf dem ersten Kilometer hatte ich noch gelegentlich Kontakt zu Mitschwimmern. Es ist erstaunlich, wie stark die Ansichten über den direkten Weg zur nächsten Boje divergieren können! Auch ich erschreckte einmal meinen Hintermann mit einem abrupten Stop zur Bekleidungskorrektur. Der Neo scheuerte unterm Arm und ich zupfte ihn nochmals ausgiebig zu Recht.

Gegen Ende der ersten Gerade, nach rund 1000 Metern, hatte sich das Feld endgültig sortiert und ich war ab hier alleine unterwegs. Ich hatte einen brauchbaren Rhythmus gefunden und kam gleichmäßig voran. Bis zum Start hatten mir die 5000 Meter gewaltige Ehrfurcht eingeflößt und einigen Bammel verursacht. Beim Schwimmen gewöhnte sich der Kopf an die Distanz und der Schrecken wich dem angenehmen Gefühl, die Strecke im Griff zu haben. Unter Wasser gab es leider nichts zu sehen, wir schwammen in einer grünbraun-schlammigen Brühe. Dafür war die Aussicht beim Luftholen oder Sowosama-Heber umso idyllischer. Auf der zweiten Längsseite des Rechteckkurses konnte man das weiße Betriebsgebäude des Kraftwerks anvisieren und sich Boje um Boje heranarbeiten. Dann ging es auch schon rechts ums Eck zum Landgang nach der ersten Runde. Rund 50 Minuten hatte ich für die 2500 Meter gebraucht und war damit ganz zufrieden. Am Tisch neben der Zeitnahmematte gab es reichlich Verpflegung. Junge Helfer schraubten Geltuben auf und füllten Getränke in Becher. AN DIESER STELLE MEINEN HERZLICHEN DANK AN DIE VERANSTALTER UND ALLE HELFER, IHR WART GROßARTIG! Ich ging auf volles Risiko, quetschte mir eine Tube Gel in den Mund und spülte mit Iso nach, ohne auf Marke oder Zusammensetzung zu achten. Ich hatte Glück und kam ohne Magenprobleme durch die zweite Runde. Vom Esstisch hüpfte ich hurtig wieder ins Wasser, bevor es mir an Land zu gemütlich wurde. Wobei ich selbst überrascht war, dass mich die Aussicht auf „noch mal so viel“ nicht schreckte. Ab hier war mir die Strecke bereits vertraut. An der zweiten Wendeboje sah ich einen 10k-Schwimmer, auf den ich anscheinend aufschloss. Er blieb aber im gleichen Abstand vor mir, obwohl ich versuchte, das Tempo ein wenig anzuziehen. Nach 4 km fing die rechte Schulter an, zu zicken, aber nicht schlimm. Von Krämpfen in den Beinen, die sonst zuverlässig nach 3 km einsetzen, blieb ich übrigens komplett verschont. Von der letzten Boje zum Ufer gab ich noch mal kräftig Gas. Ich schwamm bis ins knietiefe Wasser, stand auf und lief die zwei Meter zur Matte. Ein Helfer klatschte mich ab und checkte im Schnelldurchgang meinen Allgemeinzustand, bevor er mich ans Finisherbuffett schickte. Das räumte ich erst mal gründlich ab, bevor ich mich in trockene Klamotten umzog. Ich schleppte meinen Krempel zum Auto und verkündete meine Heldentat der Stadt und dem Erdkreis über fb. Wobei das Heldentum mit Platz 20 von 22 überschaubar war. Auch mein furioser Endspurt hat nichts daran geändert, dass die zweite Runde langsamer war als die erste, das war aber bei fast allen Teilnehmern so. Während ich noch am Auto war, erreichte Nicky Lange nach 2:09 h als Erster das Ziel über die 10 km. Ich sah noch einige Teilnehmer auf die vierte Runde gehen, nicht alle sahen frisch aus. Ich hatte die 5 gut weggesteckt – ob es für 10 gereicht hätte? Es wäre spannend geworden, irgendwann probiere ich das mal. Jetzt freue ich mich schon auf die 2 in Amsterdam und die 5 in der Saar.

Für Amsterdam brauche ich übrigens noch eine Spende zugunsten der ALS-Stiftung – bei mir ganz ohne Eiswasser möglich!

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