Zurück im Regen

Nach einem kurzen Intermezzo im Senegal bin ich letzten Sonntag in die Oberpfalz zurück gekehrt. Der Kalender hatte das Wochenende (zu Recht) als nicht verplant und (zu Unrecht) als Sommer vermeldet. Nach der traumhaften Tour im Regen hatte ich als Nächstes die Naab ins Visier genommen und wollte die mal antesten. Schon die Anreise im Auto war ein Psychodrama. Die Außentemperatur konnte sich einfach nicht zwischen ein- und zweistellig entscheiden. In Mariaort hatte ich gar keine Lust zum Aussteigen. Böiger Wind schob graue Wolken durch die Gegend und verlieh der Naab eine wenig einladende Oberflächenstruktur. Ich schlich erst mal über den Parkplatz und erkundete die Uferregion, wo ich aussteigen wollte. Dann der erste Tiefschlag: der Krieger, bei dem ich mich am Ende aufwärmen und stärken wollte („zum Essen schwimmen“ war das Motto) hatte Betriebsurlaub! Ich ging meine Optionen durch: Einfach heim fahren kam ja gar nicht in Frage. Blieb die Entscheidung zwischen 2×4 km schwimmen, wie ursprünglich geplant, oder 7+4 km, wie zwischenzeitlich mal erwogen. Die Wassertemperatur von 17° war auch keine echte Entscheidungshilfe.  Andererseits gab es kein echtes Killerkriterium und genügend Notausgänge. Bevor ich unterkühlt auf den Grund des Flusses sinken würde, könnte ich immer aussteigen und maximal 4 km zurück zum Fahrrad oder vor zum Auto wandern, Handtuch und trockene Klamotten hätte ich im Drybag dabei. Also schnallte ich meinen Krempel auf den Buckel und radelte stromaufwärts. Die Naab, das konnte ich dabei sehen, ist wesentlich breiter als der Regen und mindestens so idyllisch. In weiten Bögen fließt sie durch ein bewaldetes Tal, dessen Bäume erste Zeichen herbstlicher Färbung zeigten. Vorbei an Etterzhausen und Penk fuhr ich bis zum Startpunkt in Pielenhofen. Nach und nach fiel mir ein, was ich alles vergessen hatte: die fehlende Vaseline würde für einen scheuernden Kragenrand des Neoprenanzugs sorgen; und vor lauter Konzentration darauf, den Autoschlüssel nicht im Fahrzeug einzusperren, hatte ich den Schlüssel für das Radschloss im Auto gelassen. In Pielenhofen stieg ich von der Brücke auf die Insel im Fluss. Das Radschloss wickelte ich kunstvoll um den Rahmen und um einen Pfosten und drapierte es so, dass es zugeschlossen aussah. Mittlerweile hatte die Sonne eine Wolkenlücke gefunden und bewarf mich zaghaft mit vereinzelten Strahlen. Ein Angler auf dem Wehr beobachtete verwundert, wie ich mich in den Neo zwängte, meine Klamotten in den Beutel packte und ins Wasser stieg. Es war hurtig frisch, aber noch diesseits von unerträglich kalt. Trotzdem hatte ich anfangs einige Mühe, einen vernünftigen Rhythmus zu finden. Immerhin ist die Naab breit und tief genug, um ohne Bodenkontakt vorwärts zu kommen, aber die Temperatur machte mich kurzatmig und ungelenk, so dass der Dreierzug nicht recht klappen wollte. Im Zweierzug schwamm ich los und unter der Brücke durch. Nach ein paar Minuten Einschwimmen fand ich mich zurecht. Die Temperatur war erträglich, wenn auch mehr Sonne schöner gewesen wäre. Auf dem ersten Abschnitt hatte ich reichlich Rückenwasser (wie Rückenwind, nur in flüssiger Form) und kam gut voran. Nach wenigen hundert Metern passierte ich in Poser-Manier den Campingplatz Pielenhofen. Bald darauf schwamm ich an der alten Wehrkirche von Penk vorbei, wo ursprünglich der Start geplant war.  Der weitere Weg war schön zu schauen, gibt aber in der Erzählung wenig her. Ich schwamm meinen Dreierzug mit gelegentlichem Sowosama-Heber. Ab und zu ließ ich mich auf dem Rücken liegend treiben und genoss die Aussicht. Links und rechts stiegen bewaldete Hügel an, überwiegend mit dunklen Laubbäumen bestanden. Vereinzelt leuchtete schon ein Baum in frühherbstlicher Färbung, wenn die Sonne mal durchkam. Kurz vor Etterzhausen, nach 6,8 km, stieg ich beim Badeplatz aus und machte Brotzeit. Eigentlich wollte ich hier eine Stunde pausieren, aber an Land war die Kälte weit unangenehmer als im Wasser. Ich mampfte meine Semmel und ruhte mich nur kurz aus. Zu meiner Freude stand am Badeplatz ein sehr gepflegtes Dixi, dem ich einen Besuch abstattete. Ich unterhielt mich noch kurz mit einem Paddler, der im Seekajak angekommen war und ebenfalls hier Rast machte, dann stieg ich wieder ins Wasser. Kurz darauf zogen schwarze Wolken über mich hinweg. Eine Zeit lang hatte ich links die Wolkendecke und rechts Sonnenschein. Im Dreierzug kann einen das richtig wirr machen! Nach 2 km überholte mich ein seltsames Gefährt, ein Kanadier mit Gummi-Ausleger und Elektromotörchen, quasi ein Paddelec. Kurz darauf kam auch der Seekanadier wieder an mir vorbei. Vor Mariaort gab es dann noch Wasser von oben. Welch Ironie! Vor zwei Wochen im Regen war ich meteorologisch trocken geblieben, jetzt kam ich in der Naab in den Regen! (Gibts eigentlich einen Fluss namens Traufe?). Dann war ich praktisch am Ziel. Ich spürte den bekannten Temperaturabfall durch die nahe Donaumündung. An einer kleinen Treppe stieg ich an Land, schoss in aller Eile das abschließende Selfie und sah zu, dass ich aus dem Neo raus und in trockene Klamotten reinkam. Die Heizung im Auto stellte ich erst mal auf Anschlag. In Pielenhofen fand ich mein Fahrrad unversehrt vor. Nach einer Verpflegungspause beim Seidl fuhr ich heim.

Mein Fazit von der Naab: ein wunderschöner Wanderschwimmerfluss. Nächstes Jahr, bei besserem Wetter, möchte ich sie in ganzer Länge beschwimmen. Wer mitkommen möchte, kann hier einen Kommentar hinterlassen. Und natürlich freue ich mich auch über eine Spende für meinen Start beim Amsterdam City Swim!

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Über Günter

Manager und Triathlet
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Eine Antwort zu Zurück im Regen

  1. Pingback: Naab und Autor fertig (Teil 2) | Modou Fall

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