Fertig mit Regen (Tag 2)

Sonntag früh. Eigentlich sollte es in Strömen regnen. Tut es aber nicht, nur dicker Dunst weist darauf hin, dass nachts einiges runterkam. Ich schicke eine SMS an Sabine und lasse mir von meiner Heldenschwester einen Kaffee brauen. Eine Stunde später parke ich das Auto am Unteren Wöhrd und begutachte die Ausstiegsmöglichkeiten, die Bootsrampe der DLRG ist ideal für mein Vorhaben.

Regenmündung

Mit dem Rad fahre ich auf dem Regentalweg nach Norden. Das Schöne an dieser Vorgehensweise ist, dass man mehrmals hintereinander was von der Strecke hat: erst die Besichtigung vom Radweg aus, dann das Schwimmen im Fluss und zum Abschluss ein Resümee, wenn man das Rad abholt. Heute war ich zu früh dran und hatte meine sieben Zwetschgen bereits sortiert, als Sabine ankam.

Sabine

Sogar die Kamera war einsatzbereit, nach einer Nacht an der Steckdose. Frohgemut stiegen wir ins Wasser und schwammen los.

Start2

Wollten losschwimmen. Nur leider war zu wenig Wasser da. Wir begriffen das nicht: oberhalb des Wehres war der Regen schön tief, hinter dem Wehr irgendwas zwischen Knöchel und tiefer Wade. Unter Gemurmel gepflegter Verwünschungen stolperten wir über die groben Kiesel im Flussbett und knallten mit den Zehen gegen Steine. Wir testeten verschieden Techniken, auf dem Bauch, auf dem Rücken, krabbelnd, kriechend und scheuerten das gute Neopren über die Kiesel. Dass im Triathlon Kriechen eine erlaubte Fortbewegungsart ist, bewahrte uns immerhin vor einem Regelverstoß. Fraglich allerdings, ob die FINA mit unserer Interpretation des „front crawl“ einverstanden wäre. Nach rund zweihundert Metern kamen wir endlich in schiffbare Gewässer. Wir machten da weiter, wo wir am Samstag aufgehört hatten: mit Genussschwimmen durch die Flussschleifen, zwischen dicht bewachsenen Ufern dahin. Rechtzeitig zur 10-Uhr-Messe kamen wir an der Zeitlarner Kirche vorbei und wurden mit Glockengeläut und Chorälen begrüßt. Mit der Ruhe war es ohnehin vorbei, weil wir schon die nahe Autobahn hören konnten. Nach rund 90 Minuten stiegen wir in Pielmühle an einer nagelneuen Treppe aus dem Wasser, die mit einem Schwimmverbotsschild verziert war (das sollte noch wegkommen, versicherte man uns).

Pielenhofen

Unser Timing war perfekt. Wir hatten gerade das obligatorische Selfie geschossen, als der Kiosk öffnete. Beim zweiten Frühstück erklärte ich Sabine noch Mal die Geschichte mit dem Amsterdam City Swim und der ALS, für die ich hier Spenden sammle.

Gegen halb zwölf verabschiedeten wir uns und ich machte mich allein auf den letzten Teil meiner Reise. Zunächst schwamm ich durch eine nasse Allee, die beiderseits von hohen Bäumen gesäumt war. Je näher ich der Stadt kam, desto lichter wurde der Bewuchs und allmählich tauchten die ersten Radlergruppen am Ufer auf. Ab Reinhausen wechselte der Charakter der Veranstaltung zu urban swimming. Zu meiner Überraschung sah ich schon bald die beiden Brücken, die das nahe Ziel ankündigten. Hatte ich mich so vermessen? 5,1 km sollten es laut Karte insgesamt werden, ich hatte aber gerade einmal 3,5 hinter mir. Die Messung stimmte am Ende doch. Die Brücke, die so nahe schien, war noch 500 Meter weg und auch der Weg danach, durch Kanal und Donau, war noch ein gutes Stück. Unter der B8 legte ich mich noch mal entspannt auf den Rücken, um Kräfte für das Schlussstück zu sammeln. Besorgte Passanten auf der Brücke riefen, ob alles in Ordnung sei. Ich versicherte ihnen, dass die Übung dazu gehöre und bedankte mich für die Achtsamkeit.

Der Regen fließt ja eigentlich nicht mehr in die Donau, sondern mündet technisch gesehen in den Kanal, der zum Main hinüberführt. An dieser Stelle grinste ich breit in die Kamera und machte mich auf die Suche nach meiner Ausstiegsstelle. Die Schleusentore zu meiner Rechten waren zum Glück geschlossen und auch sonst war nirgends ein Zeichen von Schiffsverkehr zu sehen. Ich querte zügig zum Grieser Spitz und winkte den Triathleten zu, die dort beim heutigen Tristar-Wettkampf  am Laufen waren. Von hier ging es einige hundert Meter an der Spundwand entlang. Am äußersten Ende erklärte mir ein netter Angler, wo seine Haken hingen und ich schlug einen solchen um jene herum. Der Untere Wöhrd war jetzt in Schlagweite. Da wurde es noch einmal dramatisch: eine eisige Hand umklammerte mich und zog mich zur Seite. Hier trafen Kanal und Donau aufeinander und letztere hatte wohl gut fünf Grad weniger, dafür eine deutlich stärkere Strömung. Besorgt schielte ich stromabwärts und beschloss, nicht dorthin getrieben werden zu wollen. Ich stellte mich quer zum Fluss und gab noch mal Gas. Nach einem kurzen Zwischenspurt kam ich in ruhigeres Uferwasser und paddelte die letzten Meter bis zum Ausstieg. Der Stadt und dem Erdkreis tat ich kund, dass ich gesund angekommen war, dann gabs was zu Essen.

Ziel

Der Regen ist somit durchschwommen. Altmühl, Laber, Naab und Vils könnte man als Nächstes erkunden. Wer mitkommen will, soll an den regenschwimmer(at)yahoo.de schreiben, oder einfach eine Spende hinterlassen.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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