Fertig mit Regen (Tag 1)

Der Regen ist bezwungen!

Im August 2013 bin ich ein Stück den Regen hinunter geschwommen. Seither hatte ich den Vorsatz, diesen Donauzufluss bis zur Mündung weiter zu schwimmen. Das Frühjahr über habe ich Karten studiert, Strecken vermessen und Pläne gemacht. Schließlich hatte ich eine theoretische Möglichkeit gefunden, wie ich die 22 Kilometer in fünf Etappen an zwei Tagen bewältigen könnte (ja, ich weiß, ein echter Schwimmer macht so was vor dem Frühstück, aber ich bin Triathlet, kann also per Definition nicht schwimmen!). Das Ergebnis druckte ich als Karte farbig aus und ließ es laminieren. Mittlerweile hatte ich mich zum Amsterdam City Swim angemeldet und die Verpflichtung eingegangen, Spenden für eine holländische Stiftung einzuwerben. (Ihr dürft ruhig weiter lesen, der Spendenlink kommt unten noch mal). Die Mittelbayerische Zeitung unterstützte mich bei der Kombination beider Vorhaben und kündigte mein Vorhaben in einem ausführlichen Artikel an. Prompt meldete sich daraufhin Sabine und fragte, wie man denn eine Teilstrecke mitschwimmen könne. Nach einigen Mails und Telefonaten haben wir ausgemacht, dass sie die Startetappe bis Ramspau mitmacht.

Freitag nach der Arbeit packte ich mein Fahrrad und zwei strategisch mit Material gepackte Taschen ins Auto und fuhr nach Regensburg.

Auto

Herzlichen Dank an meine Heldenschwester Eva, die mir tatsächlich Samstag um 6 Uhr morgens ein Frühstück servierte! Kurz nach sieben fuhr ich mit dem Auto zur Staustufe bei Regendorf. Bis dorthin wollte ich am Samstag kommen. Ich lud mein Fahrrad aus, zog mich um und packte alles, was ich zum Schwimmen brauchte, in ein Säckchen.

Rad

Überflüssige Trümmer wären dabei bestenfalls lästig gewesen, vergessene hätten das Potential zur Katastrophe gehabt. Weil ich mich wieder mal verfranzt hatte, radelte ich ziemlich sportlich zum Treffpunkt in Heilinghausen, wo Sabine schon wartete. Wir begrüßten uns zum ersten Mal im echten Leben (so wie real life, nur krasser). Die Fahrräder ketteten wir an eine Hinweistafel. Ich hatte tatsächlich gefühlt einen Lastwagen Krempel mit, den ich erst einmal sortieren durfte.

Geraffel

Schließlich war alles im Sack, was reingehörte und alles draußen, was ich brauchte. Der Sack ist übrigens ein Schwimmbeutel der Marke Chillswim. Kanuten kennen diese Teile, es sind wasserdichte Taschen, die man verschließt, indem man den oberen Rand ein paar Mal umschlägt und dann zuclipst. Der Schwimmsack hat zudem zwei Luftkammern zum Aufblasen. Man zieht in an einer kurzen Leine hinter sich her. Ich komplettierte das Teil mit einer Action-Cam der Marke GoPro, die ich mit einem Gurt um den Sack spannte. Unter den Gurt steckte ich noch meine Sandalen für spontane Landgänge und an den Henkel hängte ich meine Flusskarte. (Im Endausbau ist das Teil beinahe zulassungspflichtig). Voller Stolz auf mein Sammelsurium technischer Kostbarkeiten startete ich die Kamera. Ich korrigiere: wollte ich die Kamera starten; aber sie wollte nicht. Nach monatelanger Vorbereitung stand ich hier mit einem leeren Akku! Asche auf mein Haupt! Da dies aber die schlimmste Panne des ganzen Unternehmens war, kann ich es im Nachhinein verkraften.

Start

Ungefilmt stiegen Sabine und ich in das trübe Regenwasser, wünschten uns viel Spaß und schwammen los. Und Spaß hatten wir! Bei schönstem Wetter schwammen wir die Flusschleifen entlang, zwischen Wiesen und Wäldern, an kleinen Inseln vorbei und an vereinzelten Bauernhöfen, die am Ufer stehen. Anfängliche Unsicherheiten bezüglich divergierender Reisegeschwindigkeit legten sich bald. Sabine war höflicherweise etwas langsamer als ich. Ich ließ mich ab und zu ein Stück treiben und sie holte schnell wieder auf. Wir wechselten ein paar Worte und schwammen weiter. Immer wieder machten wir mit dem Flussgrund Bekanntschaft. Oft war das Wasser so seicht, dass wir beim Schwimmen in den Kies am Grund griffen. Bei Pausen konnten wir uns entspannt aufstellen und das Wasser ging gerade bis zur Hüfte.

Wir waren eine knappe Stunde unterwegs, als der Druck in meiner Blase alarmierend anstieg. Ich hatte keine Lust, in den Neo zu pinkeln und sah mich nach einer Möglichleit zu einem Landgang um (mehrfach in den Neo pinkeln würde ich erst später). Dabei sah ich schon die leuchtend orangen Türme von Schloss Ramspau.

Ramspau

Sabine und ich waren gleichermaßen enttäuscht darüber, wie schnell diese Etappe vorbei gegangen war. Kurz darauf stiegen wir, nach 3,5 Kilometern, an der Badewiese aus dem Regen und genehmigten uns ein zweites Frühstück. Ein Anruf ergab die schlechte Nachricht, dass mein vorgesehener Begleiter für die dritte Etappe des Tages zu krank zum Schwimmen war. Dafür war Sabine inzwischen angefixt und wollte gar nicht mehr aufhören. Wir machten aus, dass sie Mittag nach Regenstauf kommen und von dort nach Regendorf mitschwimmen sollte.

Ausgeruht und gestärkt macht ich mich auf die 4,5 km lange Strecke nach Regenstauf. Ab dem Valentinsbad hatte ich reichlich Zuschauer. Am Kanuausstieg vor dem Regenstaufer Wehr kletterte ich aus dem Wasser und machte Mittagspause. Die moraltheologische Frage, ob ein Schwimmer Radler trinken darf, habe ich großzügig zu meinen Gunsten ausgelegt.

Regenstauf

Pünktlich um halb zwei waren wir wieder komplett und zwängten uns in unsere Gummihäute – bei mittlerweile fast 30 Grad ein schweißtreibendes Unterfangen. Bei 23 Grad Wassertemperatur hätte auch die Badehose gereicht, aber Warmduscher kühlen halt nach einer Stunde aus.

Temperatur

Wir schwammen unter der Straßen- und der Bahnbrücke durch, nach einer Weile auch unter einem Fußgängersteg. Immer wieder ließen wir uns einfach treiben und genossen die sommerliche Hitze, schließlich hatten wir Wasserkühlung. Jetzt kamen wir auch an zahlreichen Badestellen vorbei. Mal standen fünf Männer in der Flussmitte im Kreis (Wasser bis zum Bauchnabel) und plauderten. An einer tieferen Stelle hatten zwei angehende Nachwuchsingenieure eine Seilkonstruktion über den Fluss gespannt, an der sie zur Mitte rauschten und sich dort fallen ließen. Bei Laub blamierte ich uns bei den Badenden mit den Fragen, welche Ortschaft das sei und wie weit noch bis Passau. Kurz hinter Laub ging es 90° links ab, auf die Zielgerade. Bald kam die Brücke bei Regendorf in Sicht. Zwischen der Brücke und dem Wehr stiegen wir stolz und glücklich aus dem Wasser.

Regendorf

Das Wetter hatte den ganzen Tag mitgespielt, aber für Sonntag waren Regen und Gewitter angesagt. Im schlimmsten Fall wäre hier Feierabend, aber immerhin das längere Teilstück geschafft. Sabine hatte immer noch nicht genug und drängte darauf, sonntags weiter zu schwimmen. Wir machten aus, dass wir in der Früh aus dem Fenster schauen und dann SMSen würden.

Wie versprochen hier noch mal der link zu meiner Spendenseite. Wenn genug zusammenkommt, schreibe ich morgen weiter.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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