Ein phänomenales Wochenende

Samstag war Hochsommer angesagt, also nix mit Schwimmen. Ins Freibad sind wir aber trotzdem. Eingedenk des Chaos an Pfingsten, und weil der neue Parkplatz samt Brücke nicht vor 2017 kommt, und weil es ohnehin zünftiger ist, sind wir mit den Rädern hin, mein Sohn und ich. Damit es sich halbwegs rentiert, habe ich mir einen stylishen Bremsfallschirm an die Hüften geknotet:

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Die Schnellschwimmerbahn war zwar mittels Leine abgetrennt, aber durch die kids, die an der Leine rumturnten, unbeschwimmbar. Nebendran war immerhin genug Platz, um einige Bahnen runterzuziehen. Ein paar Technikübungen, ein bisserl Beinschlag und es war doch nicht ganz umsonst. Eingedenk schlechter Erfahrungen machten wir nachher einen Bogen um die Freibadgaststätte und nahmen im Uferstüble einen Imbiss, bevor wir heimradelten. Nach der Bergwertung vom Neckar hoch in die Stadt hatte ich Lust auf einen Besuch im Freibad, aber der Sohnemann hat gestreikt.

Sonntag früh bin ich dann richtig geschwommen. Kurz nach acht war ich am Uferstüble und quetschte mich in meinen Neo. Ein freundlicher älterer Radfahrer frug, ob ich Gold suchen wolle. Nein, Fische fangen, gab ich zurück. Er war ganz begeistert, weil er in seiner alten Heimat – die damals noch Jugoslawien hieß – einen (damals) jungen Mann gekannt hatte, der auch immer Fische mit bloßen Händen hochtauchte. Ich enttäuschte ihn mit dem Eingeständnis, dass ich eigentlich nur schwimmen ginge. Kurz darauf pflügte ich los, den drybag mit meinen Klamotten im Schlepptau. Schon nach Kurzem wusste ich wieder, warum ich hier war: der Neckar war spiegelglatt, die Sonne schien über die Bäume und trotz des Uferwegs knapp neben mir schwamm ich in vollkommener Ruhe den Fluss hinunter. Samstag abend hatte ich noch „Die Frau, die sich traut“ angeschaut. Der Film hat sich leider als Familien-Melodram erwiesen, immerhin mit reichlich glaubhaftem Bezug zur Schwimmerei. Davon inspiriert, versuchte ich mich am Dreierzug, weil die Beate im Film auch immer Dreierzug schwimmt und nebenbei ganz unverkrampft zur Orientierung nach vorn schaut. Das klappte dann sogar ganz gut und ich kam einigermaßen voran, vorbei an den Anglern, die mich misstrauisch beäugten und an denen, die mich freundlich begrüßten. Ich wollte diesmal zweihundert Meter weiter schwimmen als zu Pfingsten, weil es in meiner Erinnerung an eine Kanutour vor drei Jahren hinter der Kurve und noch weit genug vor der Schleuse einen guten Ausstieg gab. Die Phänomene belehrten mich eines besseren. Dass es den Ausstieg nur in meiner Erinnerung und auf Google Earth gibt, war noch das Geringste. Erst mal floss der Neckar bergauf. Gegenüber vom Marbacher Kraftwerk gibt es offensichtlich eine Gegenströmung, die am linken Ufer für Verwirrung sorgt. Ich hatte den Schleusenwärter im Verdacht, mit den Schleusenkammern zu spielen und rechnete jederzeit mit einem bergwärts fahrenden Frachtschiff (kam aber keines). Ich stellte um von Reisetempo-Dreierzug auf kampfmäßigen Zweierzug und hatte irgendwann diesen Bereich hinter mir. Dann kam die Linkskurve, hinter der ich meinen erinnerten Ausstieg wähnte. Ich schwamm also um die Linkskurve. Und schwamm und schwamm. Die Linkskurve nahm kein Ende und ich fürchtete schon, in einer unendlichen Warteschleife zu hängen und gleich wieder den Anglern von vorhin zu begegnen. Stattdessen standen plötzlich beiderseits des Flusses Hinweisschilder, die vor der Schleuse warnten. Ich gab die Suche nach meinem Ausstieg schweren Herzens auf und ging an Land, was hier zum Glück recht gut möglich war. 4,57 km verbuchte mein Garmin an dieser Stelle. Ich verschnaufte, recycelte das unterwegs gebunkerte Neckarwasser und macht mich hübsch für den Rückweg. Inzwischen habe ich eine Technik erfunden, mit der man den drybag auch auf den Rücken schnallen kann. Ich stecke den in den Transportbeutel des Neo und schnalle ihn wie einen Rucksack auf den Buckel. Damit mir die Schnüre des Beutels nicht die Schultergelenke duchsägen, packe ich Schaumstoffhülsen drumrum, mit denen sonst Klempner Leitungen isolieren. Die Enden der Schnüre binde ich vor dem Bauch fest und komme so zumindest die Strecke laufend wieder zurück, die ich hergeschwommen bin. Falls Nicht-Bayern hier mitlesen: Laufen = Rennen (schwäbisch auch: Sauen). Ganz nebenbei habe ich dabei ein neues Triathlon-Format erfunden: 4,5 Swim, 4,5 Run, 4,5 Bike. Ich warte auf phänomenale Angebote der großen Veranstalter!

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Über Günter

Manager und Triathlet
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