Schwimmen im Regen

Am Samstag war es endlich so weit: ich ging im Regen schwimmen!

Beim Kanuverleih in Nittenau war um 10 Uhr schon Hochbetrieb. Wir drängelten uns fix durch, schließlich kannten wir die Prozedur und die Strecke von der Erkundungstour am Mittwoch. Während sich die anderen Paddler noch in die Stromschnellen einweisen ließen, arbeitete ich mich in meinen Neoprenanzug hinein. Bei 18° Wassertemperatur war der zwar nicht zwingend notwendig, aber ich habs halt gern gemütlich. Ich half der family noch ins Boot und stieg dann selber ins Wasser. Um den Leuten am Ufer was zu bieten, flutete ich den Anzug und zupfte ihn aufwendig zurecht. Damit mich auch ja keiner über den Haufen paddelte, setzte ich die goldene Badekappe vom Neckarschwimmen auf und für die coolness die getönte aquasphere Schwimmmaske. Dann machte ich mich an die Verfolgung meines Begleitbootes. Auf selbigem war inzwischen leichte Panik ausgebrochen, weil es an Erfahrung beim Steuern mangelte. Zum Glück ist der Regen hier so seicht, das ich, in Flussmitte stehend, das Boot stabilisieren und wieder auf Kurs bringen konnte. Beim Schwimmen waren diese Flachstellen eher irritierend bis hinderlich. Während ich gemütlich vor mich hin kraulte, griff ich immer wieder mit den Händen in den Kies am Grund oder in die Unterwasserflora. Teilweise war die Fortbewegung mehr ein Krabbeln als ein Schwimmen. Zwischendrin gab es auch felsige Passagen. Im trüben Wasser spürte ich die überspülten Steine oft erst mit der Hand. Durch die Strömung hatte ich keine Möglichkeit, abzubremsen und stemmte mich mit beiden Händen über das Hindernis, immer mit der Angst im Kopf, dass ich Gebiss voraus auf einen dahinter liegenden Fels auflaufen würde. Was zum Glück nicht vorkam. Zwischen diesen Herausforderungen war die Schwimmerei einfach traumhaft. Der Regen schlängelt sich durch die hügelige Landschaft, die mit spätsommerlichem Grün dicht bewachsen ist. Mal steht eine Gruppe alter Bäume am Rand einer saftigen Wiese, mal reicht dichter Wald mit ersten Anzeichen herbstlicher Färbung bis ans Flussufer. Einsam war es nicht: Immer mehr Kanus, die nach uns in Nittenau gestartet waren, zogen an mir vorbei, einige mit preußisch-stramm organisierten Familien, die auf Kommando im Gleichschritt paddelten, andere mit freizeitbetonten Jungs, die sich malerisch zwischen Bierkisten drapierten und mich frugen, ob ich das Kanu mit ihren Mädels gesehen hätte. Mein Garmin meldete sich alle 500 Meter und teilte mir die Strecke in mundgerechte Happen. 6,5 km über Grund sollte die erste Etappe bis Stefling sein. Wenn ich die gemessene Geschwindigkeit mit meinem Tempo im Pool vergleiche, kommt über den ganz dicken Daumen ungefähr 2/3 davon als echte Schwimmstrecke durchs Wasser heraus, wofür ich 95 Minuten brauchte. Nach einer Stunde begann ich, die ungewohnte Anstrengung zu spüren. Zwar tat nichts richtig weh, aber das Kurshalten wurde immer mehr zum Glücksspiel. Wenn ich das Video anschaue, muss ich mich ohnehin wundern, dass ich nicht ständig im Kreis schwimme. Der rechte Arm kommt zwar schön mit hohem Ellenbogen aus dem Wasser, die Hand taucht aber in Nähe der linken Schulter wieder ein. Dafür schwingt der linke Arm wie ein Windmühlenflügel durch die Gegend und die Füße taumeln lose hinterher. Trotzdem kam ich relativ unbeschadet in Stefling an und – wenn auch etwas schwankend – wieder auf die Füße.

Beim Wehr in Stefling müssen Paddler wie Schwimmer gleichermaßen aus dem Wasser und dürfen erst 200 Meter stromabwärts wieder hinein. Der nächste Flussabschnitt hält viele Felsen und strömungsstarke Abschnitte bereit, deshalb setzte ich mich zu meinen Leuten ins Boot und erholte mich von der Schwimmerei. Eine halbe Stunde später legten wir in Marienthal an und eine Pause ein. Nach einem Picknick auf der Wiese genehmigten wir uns noch Kaffee und Kuchen auf der Terasse der Ausflugsgaststätte, dann gingen wir wieder auf bzw. in das Wasser.

Die nächsten 5 1/2 Kilomer (über Grund) brachten noch flachere Flachstellen als auf der ersten Etappe. Ich übte mich in Flachschwimmen. Dank Neopren lag ich ja bereits recht gut im Wasser, aber manchmal reichte auch das nicht. Ich experimentierte mit 4er-Zug, um Rollbewegungen zu minimieren und ging dann zu einer Brusttechnik mit langer Gleitphase über. Irgendwann half auch das nicht mehr, ich setzte mit dem Brustbein auf. Ich richtete mich in der Strömung mühsam auf und stolperte zu Fuß im knöcheltiefen Wasser durch das Geröll, vorbei an einem Paddler, der sein Kanu aufgesetzt hatte und erst mal den Bierballast verlagerte. Nach 50 Metern war der Regen wieder schiffbar und ich schwamm weiter. In Hirschling traf ich unser Boot wieder und gemeinsam legten wir die letzten Meter nach Heilinghausen zurück.

Von der ganzen Aktion gibt es neben dem Video auch einige Fotos:

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2 Antworten zu Schwimmen im Regen

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