Der Juli in Kürze

Das meiste am Juli war kurz und knackig. Den Auftakt bildete der Probelauf zum Citylauf, eine Woche später gefolgt von der echten Veranstaltung, die ich mit leichten Anlaufschwierigkeiten bestand. Ich war felsenfest überzeugt, ich hätte mich schon vor Monaten angemeldet. Bei der Startnummernausgabe die Überraschung: Kein Modoufall weit und breit auf der Liste! Also einen Kugelschreiber geklaut, Meldung ausgefüllt (vorher noch zum Bankomat gelaufen) und nachgemeldet. Der Lauf am Samstagabend war dann spitzenmäßig. Sowohl der Veranstalter als auch ich haben mittlerweile richtig Routine. Die Strecke ist inzwischen wirklich 10 km lang und man hat auf den ersten Kilometern halbwegs eine Chance, sich zu sortieren. Der Kurs ist anspruchsvoll, mit scharfen Ecken, Anstiegen und Gefällstrecken. Dafür ist auf gefühlten neun von zehn Kilometern eine Bombenstimmung. Wenn sich dann das Wetter an die Goldilock-Regel hält (nicht zu kalt, nicht zu warm, genau richtig), dann kann man reinknallen, rausballern und durchbolzen. Was ich auch getan habe. Der Durchschnittspace war zwar nicht der Brüller, aber zu Platz 220 von 2.000 hat es gereicht, und zu freier Auswahl am Finisherbuffett. Das bleifreie Bier habe ich nicht wirklich runtergekriegt, dafür war ich noch zu ausgepowert, dafür habe ich bei den Melonen kräftig zugelangt.

Die Woche drauf war Hitzewelle angesagt. Ich rief die Vereinskollegen zu einem Radausflug auf, am Ende waren wir zu dritt. Und richtig anständig. Wir waren nie vorher zusammen geradelt, und alle haben sich zusammengerissen. Das kann auch dran liegen, dass wir ein Weibchen mit hatten. Reine Männchengruppen verfallen ja bei solchen Gelegenheiten gern in Rangordnungskämpfe, nach dem Motto, wer zuerst kotzt, hat verloren. Wir hingegen rollten gesittet erst mal nach Marbach. Erst, als dort Fremdradler gesichtet wurden, haben wir das Tempo verschärft. In den Löwensteiner Bergen ist dann jede(r) seinen Stiefel gefahren, auf der Prevorster Höhe haben wir uns alle wieder gefunden und sind gemeinsam runtergestochen nach Löwenstein. Nach 40 Kilometer sind wir gerade noch rechtzeitig am Breitenauer See angekommen, kurz hinter uns wurde der Parkplatz gesperrt. Was uns eigentlich nicht betroffen hätte, wohl aber unser Begleitfahrzeug mit den Badeklamotten und dem Futter. Für die harten Triathleten unter uns: „das service car mit alternative activity equipment and food supplement“. Unsere neue Kollegin hielt sich im Wasser zurück, der Kollege und ich drehten die 1,8km-Runde um den See. Wobei ich ein paar Ecken abkürzen musste, sonst hätte ich H. aus den Augen verloren, der schwamm genaus so flott, wie er radelte. Nach dem Schwimmen machten wir die Futtervorräte nieder, ruhten uns ein wenig aus und blickten uns unsicher an. Die Temperatur lag inzwischen in den oberen Dreißigern und freiwillig wäre jetzt keiner mehr aufs Rad gestiegen. Wir aber hatten nicht wirklich eine Wahl. Mit Schwimmbeutel auf der Schulter und Rad an der Hand schoben wir zum Parkplatz. Am service car hätten wir schon eine Verpflegungsstelle brauchen können. Wir nahmen noch je einen Schluck aus der Pulle und blickten neidisch meiner Familie im klimatisierten Auto nach. Die Erleichterung kam beim Losfahren. Der Fahrtwind machte die Radelei erträglicher, als wir uns das noch wenige Minuten zuvor vorgestellt hatten. Vorsichtg schlängelten wir uns zwischen an- und abfahrenden Autos durch, die mittlerweile kilometerweit am Straßenrand parkten. An der Einmündung zur Landesstraße sichteten wir zum letzten Mal das service car. Dieses bog rechts ab zur Autobahn, wir nahmen den Weg nach links in die Berge. Die nächsten ca. 6 Kilometer waren die mühsamsten des Tages. In sengender Hitze strampelten wir die Steigung hoch, die in etwa die Dimensionen der „Platte“ beim IM 70.3 Wiesbaden hat. Der Rest war Pipifax. Auf dem Rückweg schenkten wir uns die Prevorster Höhe und rollten untenrum auf einem Sträßchen, das sich wildromantisch durch Wälder und Auen schlängelt. Im Gegensatz zur Bergstrecke gab es hier auch keine Amateurrennen zwischen Motorrädern und Porschefahrern. Die Frau Gemahlin hatte einen Boxenstop eingelegt, und als wir unser Anwesen erreichten, wartete bereits Obstkuchen und Bleifreies auf uns. Die Gastgeberin hatte leider nichts davon, die fastete (wie es sich im Ramadan gehört) und war nach den Stunden in der Hitze am See total platt.
Für Nachfahrer hier die Streckendaten vom Hinfahren, Schwimmen und Heimfahren.

Sonntags darauf schwammen wir kurz und knackig im Neckar. Der Schwimmverein Ludwigsburg veranstaltete das Neckarschwimmen, das zum 100. Vereinsjubiläum 2008 als Jux ausgetragen wurde und sich seither fest im Kalender etabliert hat. Der Fluss war mollig warm und der Schleusenwärter hielt ihn freundlicherweise während des Rennens an. Um nicht aus der Übung zu kommen, schwamm ich in Neopren, hatte aber gegen die Vereinsjugend im Badeanzug/-hose nicht den Hauch einer Chance. Nach 26 Minuten schlug ich an, 10 Minuten hinter dem Ersten und 10 Minuten vor dem Letzten. Hier gibt es ein kleines Video.

Gegen Ende wurde der Juli dann nochmal lang, wenn auch nach kurzer Nacht. Heute früh bin ich 34 Kilometer gelaufen, schließlich sind es nur noch drei Monate bis zum Frankfurt Marathon. Als der Wecker um 6 Uhr früh klingelte, verwünschte ich erst mal die Wetterfrösche. Statt dass sich der Tag für die 40°C rüstete, war das nächtliche Gewitter in Nieselregen übergegangen. Nach ausgiebigem Frühstück samt Zeitungslektüre hatte der Regen genug nachgelassen, dass ich loslief. Es wurde dann sogar ganz angenehm. Nach gut 30km packte mich der Übermut und ich beschloss, noch eine Ehrenrunde um das Schloss zu laufen. Was natürlich melodramatisch schief ging. Am Hintereingang zum Schlosspark war das Drehkreuz defekt. Ich stand wie der Ochs vorm Tor mit meiner Saisonkarte in der Hand und wog meine Alternativen ab. Am Schluss entschied ich mich gegen die Rückrunde um den Park und nahm dafür die Steige mit den 147 Stufen. Der Lohn der Plackerei: ich konnte im direkten Vergleich die siebenerlei bleifreien Radler durchtesten, die ich zum Probieren gekauft hatte.

Advertisements

Über Günter

Manager und Triathlet
Dieser Beitrag wurde unter Biking, Running, Swimming abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s