Kleine Regenkunde

Was gab es seit Januar? Der Papst ist zurückgetreten, was Anlass zu einer Reihe von Berlusconi-Witzen gegeben hat. Die sind jetzt freilich schon zu alt, um sie hier aufzulisten. Am 14. Februar gab es einen gut organisierten, spontanen Tanz-Flashmob in Ludwigsburg und dem Rest der Welt, als Signal gegen Gewalt gegen Frauen, hier ein link: http://www.facebook.com/OneBillionRisingLudwigsburg (den link auf den Text zu legen funktioniert grad nicht). Eine Woche später tauchte ich in die Tiefen des Kellers und grub meine Tourenski-Ausrüstung aus einer tieferen Schicht aus. Nach etlichen Jahren Pause hatten wir am Samstag ein Riesenglück: nach Aufstieg in dichtem Nebel standen wir zu Mittag etwa 50cm oberhalb der Nebelgrenze auf dem Gipfel des Speer:

Speerspitze

Während wir dann abfuhren, riss der Nebel auf und wir wedelten im schönsten Sonnenschein über traumhafte Pulverhänge ins Tal.

Das wars dann auch schon mit dem Genuss. Die folgenden Wochen waren von miesem Wetter geprägt, Temperaturen knapp unter bis knapp über Null, kaum Sonne und reichlich Niesel. Trotzdem konnte ich einige Laufkilometer kloppen. Morgens 10 zur Arbeit, abends 16 zurück und das zwei Mal pro Woche. Es fühlte sich zwar alles recht mühsam an, aber langsam wächst die Grundlage für die Tempoarbeit im Sommer. Ich bin jetzt für den Frankfurter Marathon Ende Oktober gemeldet. Ob das mit sub3 hinhaut, bezweifle ich stark, aber die bisherige Bestmarke von 3:15 sollte zu knacken sein. Im Sommer beim Stuttgarter Halb-Mara gibt es ja einen Hinweis, was nach McMillan möglich wäre.

Zu Ostern wollten wir dem deutschen Wetter entfliehen und fuhren eine Woche nach Italien, richtig edel mit gebuchten Hotels und auswärts Essen. Erst waren wir ein paar Tage in Bozen, wo wir lange gelebt hatten und besuchten dort alte Freunde. Montag früh juxte ich ein bisschen im Kraftraum des Magdalener Hofs herum, abends lief ich über die Oswald-Promenade mit reichlich Höhenmeter halb um Bozen rum und zurück. Von Bozen fuhren wir weiter nach Verona und machten Kulturprogramm, mit Arena

aarena

und Julias Haus

ajulia

und Lamberti-Turm (mit Fahrstuhl). Abends ging es weiter nach Padua, wo ich uns bis Ostermontag einquartiert hatte. Von Padua machten wir Ausflüge nach Venedig, Mailand, Abano und Bassano und natürlich in die Paduaner Innenstadt.

Hier einige Fotos:

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Die vielen Ausflüge hinterließen auf den Hüften deutliche Spuren. Kinder müssen ja regelmäßig dann aufs Klo, wenn nur teuere Restaurants in der Nähe sind. Und weil ohnehin Mittag ist, geht man halt Essen. Oder noch einen Kaffee mit Croissant trinken. In Padua schaffte ich immerhin drei kürzere Läufe. Die Straße vor dem Hotel war für den Verkehr gesperrt, nur Busse und Tram durften dort fahren. Ich nahm mir die Freiheit und lief auf der Fahrbahn, um die engen, vollen Gehsteige zu meiden. Zum Glück kam gerade kein Bus von hinten, sonst hätte das einen heftigen Steigerungslauf mit ungewissem Ausgang gegeben. Nach ein paar hundert Metern Straße durchquerte ich einen kleinen Park, nach dem ich auf einen Uferpfad am Kanal kam. Der führte hinter der Universität vorbei, wo gerade die Examen zu Ende gingen. Die erfolgreichen Kandidaten wurden von ihren Kommilitonen tüchtig getriezt: an einem großen Plakat mit einer (meist obszönen) Karikatur ihrer selbst mussten sie in phantsievoller Verkleidung vertrackte Aufgaben lösen, angestachelt von ovo-lakto-vegetalen Wurfgeschossen ihrer Freunde. Ein Mädchen, das gerade an die Reihe kam, genierte sich, sich öffentlich in die ihr zugedachte Verkleidung umzuziehen. Man riet ihr, sich doch umzudrehen. Was ich, der ich hinter ihr stand, recht originell fand…

astudent

Bei all den Sehenswürdigkeiten kam eine zu kurz: Die Sonne! Bei Franz auf dem Ritten konnten wir gerade noch das Balkongeländer sehen. Und in der Folge lernten wir, rund 27 Formen von Niederschlag zu unterscheiden: Nieselregen, Sprühregen, feiner Regen, Regenguss, fast kein Regen, s’gibt-gleich Regen und viele mehr. Am Ostersonntag kamen endlich ein paar Sonnenstrahlen durch. Meine Gattin war die Nacht über auf einem Europa-Treffen der Tidjanis in Conegliano gewesen und schlief noch fest, also schnürte ich die Laufschuhe und stürzte mich in den öffentlichen Nahverkehr. Diesmal ohne Studentinnen, dafür mit Naturgenuss:

aaacanal akirsche

Nach dem Lauf war noch Zeit, am Bahnhof Ostereier zu besorgen. Nachmittag unternahmen wir unseren letzten Ausflug, nach Bassano. Erst fuhren wir durch öde Käffer in der Ebene und ich fragte mich, was es in Bassano so Besonderes geben sollte. Doch wir wurden nicht enttäuscht: Nach der Ebene kamen die Berge und an deren Rand liegt dieses reizvolle mittelalterliche Städtchen. Und über dem Städtchen hingen schwere, schwarze Regenwolken. Wir ließen uns nicht beirren, kauften bei einem senegalesischen Marokkaner einen Luis-Vuitton Regenschirm für fünf Euro und marschierten ins nächste Kaffee.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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