Clean Race

Mitte Januar hatte es noch so ausgesehen, als würde das Dirty Race 2013 den Schlammrekord aus dem Vorjahr locker toppen. Eine Woche vor dem Rennen ging dann die Temperatur endlich unter Null und Schnee fiel. Ich zog die Spikes auf das Mountainbike und heizte mit Karacho über die verschneiten Feldwege. Die Rodelbahn in Hoheneck gab dem morgendlichen Arbeitsweg den ultimativen Adrenalinkick. Auch die Laufintervalle waren auf diesem Steckenteil (bergauf) am schönsten. Ich hatte seit Herbst eine Menge Grundlagenkilometer gelaufen und baute kurz vor dem Rennen noch ein paar Tempoeinheiten ein.

Im Wettkampf sind Spikes mit gutem Grund verboten, deshalb musste ich mich rechtzeitig vorher umgewöhnen. Zwei Tage vor dem Rennen kam die Nagelprobe, bzw. die Nicht-Nagelprobe: die Spikes flogen runter vom Rad und neue Alberts wurden aufgezogen. Die Wege hinter dem Favoritepark wirkten plötzlich viel steiler! Wo ich mit Spikes in den Kurven bergab noch kräftig reingetreten hatte, übte ich mich nun im Dosieren der Bremskraft.

Samstag Mittag packte ich das Rad aufs Auto, stopfte die Sportklamotten in einen Rucksack und fuhr nach Murr. Bei -2° und Sonnenschein holte ich die Startunterlagen und checkte das Fahrrad ein, wieder komplett mit Kamera am Lenker. Noch Kaffee und Kuchen und ein Plausch mit Bekannten, dann ging ich mich fein machen. Lange Laufhose, ein T-Shirt und ein Langarmshirt, dazu ein Helmmützchen und dünne Handschuhe, das sollte reichen. Zum Radfahren zog ich später eine dünne Jacke darüber und dicke Fleece-Handschuhe an, die Laufschuhe behielt ich an. Nach dem Radeln flogen Jacke, Handschuhe und Mütze wieder runter – so viel zur Klamottentaktik. Kurz vor dem Start zupfte ich noch die Schutzbleche vom Rad, weil bei dem gefrorenen Boden kaum mit Schlamm zu rechnen war.

Während ich mit der Garderobe beschäftigt war, kam auch Sebastian Kienle rein und zog sich um. Mehr habe ich an dem Tag nicht von ihm gesehen (die after-race party habe ich geschwänzt). Nach der Wettkampfbesprechung lief ich mich 15 Minuten ein und trottete dann Richtung Startlinie. Ich orientierte mich an meinen alten Bekannten und suchte mir einen Platz ungefähr in der Mitte des Starterfeldes. Pünktlich um 13:30 Uhr schoss der Bürgermeister das Rennen an und wir düsten los wie angestochen. Nach der ersten Runde um den Sportplatz zeigte die Uhr 3:30 Minuten an, was mich erschreckte, ermunterte und dann gleich wieder ernüchterte – das war ja gar kein Kilometer… Vorbei an den johlenden Zuschauern rannten wir weiter, an der Murr entlang Richtung Marbach. Nach dem Klärwerk bogen wir links ab, eine kurze Steigung hoch und weiter über Feldwege. Hier hieß es, zwischen Schnee- und Eisflecken und Matschlöchern die richtige Spur zu finden. Bald waren wir wieder auf blankem Asphalt und rannten bereits Richtung Wechselzone. Ich startete die Kamera, zog mich an und rannte los. Beim Aufsteigen überholte ich bereits zwei Konkurrenten, dann rollte ich in einer kleinen Gruppe mit Vollgas die Straße entlang. Unterführung, Kurve rechts, Kurve links und: Runterschalten! Mit einer Spitzkehre ging es auf den Feldweg, auf dem man freie Auswahl hatte zwischen zwei leicht matschigen Spurrinnen oder dem schneebedeckten, holprigen Mittelteil. Mit Versuch und Irrtum und etwas Mut kam ich über dieses Stück und zu dem steilen Anstieg, der wieder auf Asphalt verlief. Ich klackerte fleißig meine Gänge durch, bis nichts mehr ging und der Daumen am Anschlag landete – Ende der Kassette, jetzt hilft nur noch Treten! Oben ein Rechtsknick und wieder Botanik. Die Feldwege schneebedeckt, mit Reifenspuren. In den Spurrillen war es teilweise tückisch glatt, auf dem Mittelteil aber kam man kaum voran, ein ziemlicher Eiertanz und immer wieder stieg jemand ab. Ich kam mit einmal Abstützen glücklich durch. Eine lange Abfahrt auf Asphalt, noch ein Stück Feldweg, dann die spektakuläre Wiesenabfahrt. Ende Runde 1. In der zweiten Runde das gleiche Programm nochmal, am Ende linksrum zum Sportplatz. Ausgangs der Wechselzone gab es nochmal Tee von jungen HelferInnen. Herzlichen Dank an alle, die bei dieser Kälte als Helfer frieren durften, wären die anderen schwitzten! Auf der zweiten Laufrunde kam ich mir langsam vor wie ein heiliger König: dauernd hetzte ich einem Stern hinterher, und das schon seit über einer Stunde! Sowohl beim ersten Laufsplit als auch auf den beiden Radrunden hatte ich immer wieder den gleichen Kollegen aus der Mercedes-Sportgruppe vor mir, samt seinem Kumpel. Inzwischen gut hundert Meter vor mir, um genau zu sein. Lange Zeit kam ich keinen Zentimeter an Michael und Tobias heran, die eisern und gleichmäßig ihr Tempo liefen. Auf den letzten 1.500 Metern entdeckte ich irgendwo noch eine Kraftreserve, arbeitete mich heran und stellte die beiden eingangs der Zielgeraden. Mit meinem obligatorischen Brüller flog ich über die Ziellinie.

Die kalte Luft hatte mir doch etwas zugesetzt, ich war ziemlich heiser. Nach zwei Tassen Tee ging es gleich besser. Die Umkleide war bereits schön eingedampft, als ich kam. Die heiße Dusche war dann ein wahrer Hochgenuss. Da ich noch etwas zu erledigen hatte, machte ich mich bald vom eisigen Acker. Das Rad war immerhin schön sauber geblieben.

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