Far off-season 2012

Ich bin gesammelt. Das heißt jetzt nicht, dass ich mich wie Altpapier fühle – auch wenn einen die TAP so behandelt. Nein, ich habe, dank einer Woche gesunden Büroschlafs, die innere Ruhe und den äußeren Abstand gefunden, um über meinen Urlaub zu berichten. Nach dem letzten Wettkampf Mitte August in Regensburg bin ich in das Land und zu der Familie geflogen, denen ich den Namen Modou Fall verdanke. Der Hinflug verlief noch unspektakulär. Zumindest ging die Rechnung auf, dass 3 Stunden Zwischenaufenthalt in Lissabon eine 90-minütige Verspätung beim Abflug in Frankfurt gekonnt abfedern.

So kam ich planmäßig gegen Mitternacht in Dakar an. Noch schnell ein Abkotzer: bevor ich das Land offiziell betreten durfte, musste ich den Einreise-Beleg ausfüllen, zwei mal die gleichen Informationen, einmal für das Innen- und einmal für das Tourismusministerium. Warum bitten die nicht einfach die CIA (die ja alle Daten meiner vergangenen und zukünftigen Auslandsreisen hat) um Amtshilfe?

Nach der Einreiseprozedur die große Überraschung: beide Koffer waren da! Ich überzeugte die eifrigen hilfsbereiten Geister, dass ich die durchaus alleine auf den Gepäckwagen und letzteren aus dem Gebäude bekomme. Draußen erwartete mich bereits mein Sohn samt seiner charmanten Gattin. Die beiden hatten im Dezember religiös geheiratet und jetzt stand die Ziviltrauung an, mit großer Familienfeier. Ich rechne es den beiden hoch an, dass sie bei der Planung nicht nur das Ende des Ramadan, sondern auch meinen Wettkampfkalender berücksichtigt haben – herzlichen Dank an Marie Ndella und Fadel! Gemeinsam fuhren wir zu meiner Schwägerin Amy Fall (das ist die Frau, die mir bei meinem ersten Senegalbesuch den Namen Modou Fall angehängt hat). Dort trafen wir meine Frau, die mit den Kindern schon seit vier Wochen vor Ort war. Nach herzlichem Begrüßungs-Hallo fiel ich ins Bett.

Die nächsten zwei Tage waren die Damen voll mit Hochzeitsvorbereitungen ausgelastet. Die Feier sollte in einem Freizeit- und Veranstaltungsgelände der BCEAO (westafrikanische Zentralbank) stattfinden. Während die Frauen mit Saaldeko beschäftigt waren, schlich ich wie ein Tiger um den 25-Meter Pool, in dem der örtliche Schwimmverein gerade trainierte. Leider hatte ich da bereits einen leichten Sonnenbrand, sonst hätte ich da gnadenlos mitgemacht.

Hier die Mädels beim Dekorieren:

Gnadenlos war dann jedenfalls die Hochzeitsfeier. Von den 300 geladenen Gästen waren 600 erschienen. Nachmittags wurde formlos im Freien gefeiert, abends förmlich im Saal (und weiterhin im Freien). Am Nachmittag war übrigens ein Schwimmer gnadenlos am Trainieren, während rings um ihn her die Feier tobte.

Das Brautpaar mit den zwei Vätern des Bräutigams, danach ein Schwimmer:

Meine Befürchtung, dass ich mit der „Ich bin der Vater des Bräutigams“-Nummer nicht reingelassen würde, war unbegründet – Patchworkfamilien sind im Senegal genauso verbreitet wie hierzulande.

Die Eltern des Bräutigams:

Der Ehrentisch:

Nach dem Buffet wurde der Tanz eröffnet. Ich nutzte die Gelegenheit, als meine Frau draußen mit den anderen Damen Komplimente und Geschenke austauschte, um eine kesse Sohle aufs Parkett zu legen. Falls davon noch Bildmaterial auftaucht, werde ich es hier verbreiten (nix meiner Frau sagen!). Wir waren zwar alle angezogen, aber wenn Captain Wales diese Party miterlebt hätte, würde er jetzt zum Feind überlaufen 🙂 Wobei angezogen jetzt relativ zu verstehen ist. Es liefen auch einige Schönheiten in Doppelzupf-Kleidchen durch die Landschaft. Das sind Stoffteile, die einen komplexen Bewegungsablauf erfordern, damit die Trägerin drinnen bleibt: erst zupft sie vorne oben am Stoff und schüttelt den Oberkörper, damit alles an die richtige Stelle rutscht; danach zupft sie hinten unten, um den Südpol wieder zu bedecken. (Auch bekannt als einfältige Kleidung, nach dem Motto: „Pass auf Süße, ein fällt dich gleich raus“). Mit Tanz und Gesang verging die Nacht wie im Fluge, jedenfalls bis drei Uhr früh, als man uns aus dem Saal komplimentierte. Die Leute draußen ließen sich dadurch nicht stören, sie feierten weiter bis sieben Uhr.

Am Sonntag erholten wir uns von den Strapazen, bevor wir am Montag für eine Woche ans Meer fuhren. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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