Sündenfall in Regensburg

Ein letztes Mal in diesem Jahr habe ich am Donnerstag meine Triathlonklamotten gepackt, vom Rad bis zum Startnummernlocher, um beim Tristar Regensburg anzutreten. Freitag war ich erst mal geschäftlich am Bodensee, bevor ich mich abends auf den Weg nach Regensburg machte. Dabei spürte ich wieder mal am eigenen Leib die absolute Überflüssigkeit Münchens. Der Kini ist seit 1886 tot (so die Lehrbuchmeinung); München hat der ohnehin am liebsten gemieden. Von Strauß gibt es ja noch den Kanal und den Flughafen, beide bezeichnenderweise weit entfernt von der Landeshauptstadt; zumindest der Kanal ist ab und zu für etwas gut. Ansonsten ist München nur für Staus gut. Hört euch mal den Verkehrsfunk an: entweder am Anfang oder am Ende einer verstopften Autobahn liegt garantiert München! Die Verkehrspolitiker heizen das auch noch nach Kräften an. In BaWü gibt es flächendeckend Tempo 120, dafür fließt der Verkehr auch (ab und zu) in dieser Geschwindigkeit. Auf dem Autobahnring München habe ich auf 20 Kilometern drei oder vier mal die Abfolge: unbeschränkt-120-100-80 erlebt. Auf der A Dingsbums München(!)-Nürnberg dann Ziehharmonikastau in der Dauerbaustelle. Als ich nach 21 Uhr in Regensburg ankam, fühlte ich mich wie nach einer Ausdauer-Radeinheit. Zum Glück hatte meine Schwester alle Zutaten für eine öno-psychologische Therapie im Hause. Der anwesenden Ärztin der Uniklinik habe ich vorsichtshalber versichert, dass meine Leber nicht spendentauglich ist (obwohl die gar nicht schnippelt, aber sicher ist sicher).

Am Samstag Morgen, kurz vor dem Sündenfall, gingen wir zum Frühstück auf Gegenbesuch bei den Öno-Ärzten, tranken diesmal aber nur Kaffee. Meine Schwester setzte mich auf dem Rückweg beim örtlichen Triathlonladen ab, der gerade umgezogen war. Ich brauchte noch eine Triathlonhose. Ich habe nämlich nur zwei Hosen, die auf dem ISM nicht scheuern. Also bin ich in den Laden rein, eine Hose suchen. Die Auswahl an edlen Zeitfahrhobeln war wirklich beeindruckend. Ich brauchte 15 Minuten, um bis zur Klamottenabteilung vorzudringen, weil ich unterwegs so viele Räder begaffen musste. Eine Hose in meiner Größe habe ich leider nicht gefunden, dafür gab es anlässlich des Umzugs gratis Flaschen. Mit einer Flasche unterm Arm kam ich an der Schnäppchenkiste vorbei und wühlte noch mal durch. Ein herziges Oberteil, Typ Sport-BH „Al-Sultan“, hatte es mir angetan. Es gab zwei unterschiedliche Exemplare, beide offiziell mit M ausgezeichnet. Wobei das M eher die Größe war, die Obelix in der römischen Armee zu Recht fragen ließ: „Seid Ihr sicher, dass das eine mittlere Größe ist?“ Am Ende erwies sich das eine Exemplar mittlerer als das andere, jedenfalls mittel genug, dass ich rein und wieder raus kam. Voller Euphorie über dieses Schnäppchen suchte ich erneut den Weg zum Ausgang. Der Weg wurde mir aber versperrt durch den Aero-Schniedel eines Helms in 58-61. Jetzt muss man wissen (na ja, müssen ist übertrieben, aber es hilft zum Verständnis), dass ich eine relativ über-mittlere Birne habe. Und eine Zipfelmütze wäre die nächste sinnvolle Anschaffung, bevor ich in eine Scheibe investiere. Sinnvoll zumindest in der Bedeutung, dass ich für einen Helm nur rund 10% des Geldes zum Fenster rauswerfe, das eine gute Scheibe kostet 🙂 In meinem jugendlichen Leichtsinn/Anfall von Altersstarrsinn habe ich den Helm, einen Lazer Tardiz, mal anprobiert und: passt hat er! Mit schamrotem Gesicht und einem neuen Helm unterm Arm trat ich kurz darauf den Heimweg an.

Am Nachmittag fuhr ich hinüber zum Dultplatz, die Unterlagen abholen und das Gelände inspizieren. Für Ausländer: in Regensburg heißt das Volksfest „Dult“. Es gibt die Maidult und die Herbstdult. Der Dultplatz steht die restlichen 48 Wochen des Jahres leer und eignet sich hervorragend als zentraler Ort eines Triathlons. Die gesamte Wechselzone passt darauf, die Triathlonmesse ebenfalls und dann ist noch drei Mal genug Platz für die Autos aller Teilnehmer und Zuschauer. Dass der Kanal, den ein Landesvater in weiser Voraussicht bereits zu einer Zeit baggern ließ, als der Triathlonsport noch in den Kinderschuhen steckte, genau am Dultplatz vorbei geht, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Bei meiner Inspektion sah ich, dass der Weg vom Schwimmausstieg zur T1 20 Meter über groben Schotter führte. Hoffentlich liegt da morgen ein Teppich, hoffte ich.

Zurück beim Schwesterherz bastelte ich das Fahrrad fertig zusammen. Die etwas bescheuerte Radnummer erforderte dabei einigen Einfallsreichtum, bevor sie schließlich an der falschen Seite hing. Auch die Startnummer musste ich nacharbeiten. Warum passt der Abstand der Startnummernlöcher nie zu den Bommeln an den Nummerngürteln? Abends gab es noch mal ein leckeres Essen (wie immer bei meiner Schwester), dazu überwiegend Wasser.

Sonntag früh fuhr ich zeitig zum Start und sortierte meine Sachen. Ich war sogar vor Herrn Tajsich da, der eigentlich seinen Messestand aufbauen sollte. Statt ihm traf ich nur seine Gattin an, die einstweilen den Stand bewachte und ihren Gemahl ungeduldig erwartete, weil sie noch 200 Kilometer radeln wollte. Weil wir so schön gleichfarbig angezogen waren, ließen wir uns extra fotografieren:

Fortsetzung folgt.

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Über modoufall

Manager und Triathlet
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