Nachwettkampfblues

Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mich von meiner kognitiven Dissonanz beim mz3athlon erholt habe. Dass ich beim Schwimmen Federn lassen würde (kann man das so sagen? Oder lässt man beim Schwimmen eher Schuppen? Und wenn, schwimmt man mit Anti-Schuppen-Shampoo schneller?), war angesichts meiner verbummelten Trainingskilometer zu erwarten. Aber dass ich auf dem Rad im Vergleich zum Vorjahr zwei Minuten liegen gelassen hatte, obwohl ich den Eindruck hatte, verdammt schnell unterwegs zu sein, das hat mich etwas aus der Bahn geworfen. Immerhin, beim Laufen hat mich mein Gefühl nicht getäuscht, ich hatte den schnellsten Laufsplit seit drei Jahren.

Wenige Tage danach wollte ich die Freiwassersaison eröffnen. Der Plan sah vor, dass ich die 40 km zum Breitenauer See radeln und meine Frau die Schwimmklamotten, Kinder und Verpflegung im Auto hin bringen sollte. Der Wetterbericht ließ mich in letzter Minute umdisponieren. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie der See bei dieser Lufttemperatur handwarm werden sollte. Also ließ ich die Familie nebst Schwimmkostüm zu Hause und radelte mit Lars im Schlepptau los. Lars, der mich am Sonntag versägt hatte, war höflich genug, um hinterher zu sagen, er hätte meinen Windschatten gut gebraucht. Über Benningen, Steinheim und Großbottwar fuhren wir nach Oberstenfeld und von dort aus in die Löwensteiner Berge. Wir wollten uns ja nicht lumpen lassen und nahmen den Weg über Prevorst, auf der alten Bergrennstrecke. Rund fünf Kilometer lang ging es mit rund 6% nach oben. Das ist noch eine menschliche Steigung, aber es zieht sich. Die Kurven, hinter denen es wider Erwarten immer noch bergauf ging, habe ich irgendwann nicht mehr gezählt. Zur Belohnung gab es dann eine spritzige Abfahrt nach Löwenstein und weiter Richtung See. Dort erlebten wir wieder einmal, wie man sich bei den Verhältnissen doch täuschen kann. Das Wasser hatte lauschige 18°C, während die Luft rund fünf Grad weniger zu bieten hatte. Kollege Steffen, der mit dem Auto angereist war, hatte die Schwimmerei bereits hinter sich und berichtete, wie schön es gewesen sei. Wir hingen noch ein bisschen herum, bis unsere Zehen aufgetaut waren und radelten zurück. Prevorst ließen wir diesmal links liegen und nahmen den direkten Weg. Hin und zurück hatten wir dann doch 900 Höhenmeter auf 85 Kilometer unter die Räder genommen. Weil das nicht satt macht, hängten wir noch 45 Minuten Koppellauf hinten dran.

Am Freitag musste ich leider ins Büro, machte mich aber nachmittags zügig vom Acker und ging ins Freibad gegenüber. Dank kühler Temperatur war das fast leer und ich zog ungestört 5×500 herunter, gnädigerweise ohne Zeitnahme. Ich hatte zwar einen nagelneuen Poolmate im Austausch für meinen defekten erhalten, den aber zu Hause vergessen. Samstag stand Garten und Familie auf dem Programm, Sonntag setzte ich mich nochmals aufs Rad. Die Runde nach Löwenstein hatte mir gefallen, neben einem dezenten Höhenprofil erfreut sie den TvW auch mit idyllischer Landschaft. Diesmal bog ich hinter Löwenstein links ab und fuhr über Abstatt nach Ilsfeld, von dort über Pfahlhof Richtung Ottmarsheim und Mundelsheim. Von dort ging es zunächst den Neckar entlang bis Benningen. Um dem Sonntagstrubel auf dem Neckarradweg zu entgehen, bog ich dort links ab, über Marbach nach Poppenweiler, was mir noch eine deftige Bergwertung bescherte. Für einen Koppellauf hat es dann nicht mehr gereicht, ich musste zum Pferdemarktumzug, die Fahne des Schwimmverein Ludwigsburg hochhalten. Danach den Bub vom Kindergeburtstag abholen und das Wochenende war gelaufen.

Montag war zwangsläufig trainingsfrei, weil ich nachmittags zum Flughafen musste. Dienstag übergab ich bei Feierabend die Autoschlüssel dem Kollegen und lief vom Büro in Eynsham zum Hotel in Witney (beides in Oxfordshire). Dabei fand ich zum ersten Mal den Verbindungsweg, der mir eine längere Strecke neben der Hauptstraße ersparte. Dass die Strecke dadurch auf 13,7 km zunahm, war ein willkommener Nebeneffekt. Dazu kam noch die Herausforderung, auf landwirtschaftlichen Paarhufer-Trampelpfaden zu laufen, eine nette Abwechslung zur öden Asphalt-Treterei. Das Ganze inmitten nachlässig gepflegter, britisch-üppig-grüner countryside im schönsten Frühsommerwetter. Vollgepumpt mit Sonnenenergie und Endorphinen galoppierte ich nach 1:05h auf dem Church Green ein und trabte vor dem Fleece locker aus. Heute nehmen wir den Flieger zurück, morgen kommt wohl wieder das Fahrrad raus.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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