Biester am Bodensee

Race and talk. Unter diesem Motto hatte Biestmilch vor einigen Wochen zu einer besonderen Veranstaltung am Bodensee eingeladen. Biestmilch ist eine Firma, die einige der weltweit namhaftesten Triathleten sponsert. Drei davon sollten an diesem Wochende zugegen sein, um mit ihren Fans zu trainieren, zu quatschen und schließlich den Rheintal Duathlon zu bestreiten. Eigentlich ist Duathlon nicht meine Lieblingssportart, da muss man immer gleich so schnell losrennen, gerade auf der Sprintdistanz. Aber der Termin passte und der Ort erlaubte eine Kombination, die der ganzen Familie zusagte. Und die Aussicht, Yvonne van Vlerken, Andi Böcherer und Ronnie Schildknecht hautnah zu erleben, machte die Sache unwiderstehlich. In nullkommanix war ich angemeldet und einquartiert.

Freitagabend setzte ich die Familie ins Auto und schnallte das Rennrad hinten drauf. Dank Alurahmen kann man dieses Gerät auch in einem normalen Radhalter festklemmen und der empfindliche Carbonhobel durfte zu Hause bleiben. Wir fuhren runter in die Rottenburger Gegend, wo wir bei guten Freunden übernachteten. Pünktlich zum Wochenende hatte der Sommer eingesetzt und wir verbrachten einen gemütlichen Abend am Grill. Die Kinder waren glücklich mit ihren Lieblingskumpeln vereint und konnten kaum  erwarten, dass Mama und Papa sich Samstag aus dem Staub machten.

Aus dem Staub in den Stau… Ein langes Wochenende mit Brückentag und Feiertag sorgte dafür, dass am Nordufer des Bodensees gar nix mehr ging. Nach stundenlangem stop-and-go erreichten wir endlich das erste Etappenziel, den Stoffgroßhandel in Lustenau. Ich setzte mich unauffällig in eine Ecke und ignorierte erfolgreich die Einkaufstour meiner Gattin. Nach vollbrachter Tat fuhren wir hinüber nach Hard in das ausgesprochen empfehlenswerte Hotel am See. Inzwischen war meine Frau vom Shoppen so fix und fertig, dass ich alleine zum Laufen fahren durfte. In flottem Sportdress fuhr ich hinüber zum Treffpunkt am Fischerheim. Die Gruppe von Biestmilch war leicht zu finden. Als ich mich dämlich grinsend näherte, sprang Yvonne auf und begrüßte mich mit „Hallo, ich bin die Yvonne“. Ich sprang auch gleich mit Anlauf in den bereitgestellten Fettnapf und erwiderte: „Ich weiß“.

Zu meiner größten Verwunderung hatten nur wenige Leute diese einmalige Gelegenheit wahr genommen. Am Schluss standen drei Weltklasseathleten ebenso viele Hobbyletten gegenüber. Dazu kamen noch Susann…

… und Patricia von Biestmilch sowie einiger Anhang. Meine Nervosität stieg von Minute zu Minute. Ein Lauf stand auf dem Programm. Ein Lauf mit Yvonne, Andi und Ronnie. Dazu ich. Ok, in der Einladung stand nix von Quali-Zeiten. Aber wie würde ich neben diesen Helden in Bewegung aussehen? Und wie lang würde es dauern, bis aus „neben“ „hinter“ würde? Vorsichtshalber bestand ich auf einem pre-race Foto.

Dass ich der einzige mit Stachelbeerbeinen war, habe ich in dem Moment gar nicht mitbekommen.

Der Lauf war dann gar nicht so schlimm. Am Anfang verloren wir Ronnie und Helmut, und Manuel und ich hechelten hinter Yvonne und Andi her.

Ich weiß nicht genau, als was die Kollegen diese Einheit abhaken wollten, für mich war es ein Dauerlauf an der Grenze zum TDL. Immerhin konnte ich noch sprechen. Irgendwie war ich neben Yvonne gelandet, während Manuel neben Andi herlief. Ich wollte nicht aufdringlich sein und die fliegende Holländerin nach irgendwelchen Trainingsgeheimnissen aushorchen, die mir ohnehin nichts genützt hätten, deshalb laberte ich sie einfach nur voll. Auf der Brücke über die Ache machten wir eine Fotopause. Dieser Tag war der heißeste Apriltag seit Menschengedenken. Dank gelegentlichem Schatten und kräftigem Wind war die Temperatur beim Laufen erträglich. Der Schnee, der erst vor wenigen Tagen auf den Bergen ringsum gefallen war, bildete dazu einen geradezu absurden Kontrast.

Nach dem Shooting traten wir den Rückweg an. Unterwegs begegneten wir einem Läufer, der mit seinem Hardtsee-Mafia-gelb-schwarzen Outfit verdächtig triathletisch aussah. Als Yvonne und Andi an ihm vorbei zogen, gab er eine anschauliche Interpretation der Relativitätstheorie zum Besten. Die Bewegung seiner Kinnlade nach unten bei gleichzeitiger Körperdrehung wäre ohne die vierte Dimension der Zeit nicht wirklich beschreibbar gewesen…

Bis hierhin konnte ich noch einigermaßen mithalten. Ich musste zwar aufpassen, was ich laberte, weil der meiste Sauerstoff südlich der Gürtellinie gebraucht wurde und der nördlichen Hirnhälfte fehlte, aber ich fiel wenigstens nicht zurück. Aber dann kam der Moment der Wahrheit. Yvonne hatte beschlossen, dass man vor einem Sprint-Duathlon Steigerungsläufe machen muss. Sie lief gerade neben Andi vor Manuel und mir, als sie rief: „Bis zu dem Mülleimer da vorne!“ Für die Dilettanten, einschließlich mir, möchte ich an dieser Stelle noch mal den Unterschied zwischen Intervall und Steigerungslauf klarstellen: beim Intervalltraining brettert man volle Kanne eine definierte Entfernung herunter. Beim Steigerungslauf fängt man gemächlich an und steigert die Geschwindigkeit kontinuierlich bis zur VMax. Zurück zum Bericht: Yvonne und Andi begannen zu beschleunigen. Ich schaltete spontan auf Höchstgeschwindigkeit und konnte mir drei Sekunden lang einbilden, ich hielte mit. Dann beschleunigten die beiden weiter. Und weiter. Und so weiter… Was soll ich sagen, kurz vor der wöchentlichen Leerung kam auch ich am Mülleimer an.

Abgesehen von diesem ebenso verständlichen wie erfolgreichen Ausreißversuch nahmen die Profis jede erdenkliche Rücksicht auf uns Amateure. Einen Tag lang waren wir eine Gruppe, in der die Weltspitze mit den Fans familiär zusammen feierte. Ermöglicht und gesponsort von Biestmilch, bei denen ich mich hier nochmals herzlich bedanken möchte.

Am Sonntag konnten wir gemütlich ausschlafen. Nach einem exzellenten Frühstück und einer Runde durchs Dorf, und noch einer Runde in die andere Richtung, weil das Dorf eher klein ist, fuhren wir im Konvoi nach Marbach im Kanton St. Gallen. Dort holten wir die Startunterlagen zum Duathlon, der den Vorwand für diesen Ausflug bildete. Ich pumpte noch die Reifen auf…

… und fuhr mit Yvonne und Ronnie Strecke gucken. Das heißt, ich gönnte mir einen Kilometer lang den Luxus, ganz legal an deren Hinterrädern zu lutschen, bevor ich abreißen ließ – wir hatten schließlich alle noch einen Wettkampf vor uns, oddrr? Diese Streckenbesichtigung hatte den enormen Nutzen, dass ich, außer der einen spitzen Kurve, auch die Lage der Pferdeäpfel kannte. Weil noch Zeit war, schaute ich mir nach der Radabgabe auch noch die Laufrunde an. Für Statistik-Freunde: Der Rheintal-Duathlon in der Volksvariante geht über die Distanzen 4-17-4, mit jeweils zwei Runden Laufen-Rad-Laufen. Neben der Volksdistanz gibt es noch eine Handbike-Variante sowie etliche Schüler- und Jugend-Bewerbe. (Zum Wettbewerb gibt es traditionell einen eigenen Beitrag, heute ist erst mal mein persönlicher Erlebnisbericht dran.) Inzwischen ging es auch schon auf zwei Uhr zu. Bei der Wettkampfbesprechung waren einige Leute etwas verkniffen.

Beim Start stellte ich mich vorsichtshalber ganz hinten an. Ich hatte keine Ahnung, wie dieser Wettkampf oder seine Teilnehmer, die alle recht ehrgeizig aussahen, einzuordnen seien. Diese Vorsicht war zwar übertrieben, aber nur unwesentlich. Nach dem Startschuss durfte ich mich zwar an einigen Leuten vorbei drängeln, welche die Sache doch eher gemütlich angingen, aber schnell hatte ich meine Stelle im Feld gefunden (das übrigens von Start bis Ziel von Ronnie Schildknecht angeführt wurde).

Ich kam dann kurz danach (zumindest in der ersten Runde).

Die Frauen starteten eine Minute nach den Männern. Ich bin schon unbändig stolz darauf, dass mich Yvonne erst nach deutlich mehr als einem Kilometer überholte. Andi, der heute nicht mit lief, hat sie dann fotografiert.

Ich kämpfte unterdessen mit einigen hartnäckigen Konkurrenten aus meiner Alterklasse, mit wechselndem Erfolg. Nach dem Lauf ging es aufs Rad. Ich fand sogar recht überzeugend in meine Schuhe hinein. Der Wind blies heftig, wie man an der Schweizer Fahne sieht:

Ich kämpfte verbissen auf meinem Rennrad, konnte aber höchstens ein bis zwei TT-Rider düpieren. Dafür wurde ich nach und nach von einigen Frauen überholt. Der Abstieg vom Rad verlief geradezu routiniert. Auf der zweiten Laufstrecke hatte ich bereits zu kämpfen. Kurz nach dem Wechsel ging es gegen den Wind bergauf. Nur meiner langjährigen Routine ist es zu verdanken, dass ich beim Anblick der Kamera reflexartig grinste.

Der Wind wurde allmählich wirklich lästig. Kurz nach der Hälfte der Runde kam man auf der Leeseite eines Sandhaufens vorbei und bekam Sand satt ins Gesicht. Kaum hatte man diese Stelle hinter sich, ging es scharf links genau gegen den Wind. Zum ersten mal in meinem bewegten Leben habe ich auf der Laufstrecke den Windschatten der Vorderleute genutzt! Schließlich waren die zwei Runden um, ich rückte die Klamotten zurecht (kein Spalt zwischen Ober- und Unterteil, das sah in Wiesbaden so Scheiße aus) und bog ab in den Zielkanal. Natürlich mit dem obligatorischen Zielschrei:

Die Platzierung (25. von 35 in der AK 45-54, bester Deutscher von zwei in dieser AK) war zwar nicht berauschend, aber für die Jahreszeit und die Verhältnisse (Rennrad bei Wind) war ich zufrieden. Ich beglückwünschte meine Kurzzeit-Kollegen Yvonne und Ronnie zu ihren Siegen, duschte presto und dann waren wir auch schon weg.

Zum Schluss  noch mal lieben, herzlichen Dank an Yvonne, Andi und Ronnie, die sich freundlichst mit uns abgegeben haben, an Biestmilch für die Idee zu diesem Ereignis und an die Leute von Biestmilch für ihren Einsatz am Wochenende!

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Über Günter

Manager und Triathlet
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Eine Antwort zu Biester am Bodensee

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