Wunnige 5 Kilometer

jaja, ich weiß, ein richtiger Schwimmer kann über fünf Kilometer nur müde lächeln. Aber ich bin ja kein Schwimmer. Und ich werd auch keiner mehr. Darum erzähl ich erst mal was vom Radfahren. Ich habe diese Woche ein Mädel auf dem Fahrrad gesehen. Hormongesteuert, wie ich nun mal bin, ging die Wahrnehmung schrittweise vor sich. Beine? Ja, Beine waren vorhanden. Auch an der richtigen Stelle. Was man vom Helm nicht sagen konnte, der hing am linken Arm. Das war aber korrekt, sonst hätte die Frisur gelitten. Am rechten Arm baumelte, als Gegengewicht, eine Baumwolltasche. Die konnte wenigstens nicht herunterfallen, weil die zugehörige Hand das Telefon ans Ohr hielt. Warum sie über die rote Ampel fuhr, darüber kann man nur spekulieren. Entweder war sie in ein fesselndes Gespräch vertieft, oder sie hatte gerade keine Hand frei zum Bremsen. Jedenfalls ist sie noch knapp an der Motorhaube des Autos aus der Seitenstraße (mit Ampel auf Grün) vorbei gewutscht.

Heute wollte ich mir eigentlich die Kante geben und mit dem Merida 150 km runterschrubben. Aber bei knapp zweistelliger Temperatur und Niederschlagsrisiko habe ich davon Abstand genommen und bin stattdessen ins Freibad gegangen. Das Wunnebad in Winnenden hat sein 50-Meter-Becken ganzjährig geöffnet, ein Segen für 25-Meter-geplagte Hallenschwimmer. Obwohl unsere Trainerin auch da war, habe ich mir ein sinnvolles Training verkniffen und bin lieber Strecke geschwommen. Das Schwimmen habe ich die letzten vier Wochen sträflich vernachlässigt und stand jetzt psychisch unter Druck. Ich hätte ja auch 200 Meter Delfinbeine schwimmen können oder so was. Ich beschloss aber, mal wieder die 5.000 zu versuchen. Das habe ich bisher einmal gemacht, im Herbst 2011. Für einen Schwimmer, wie gesagt, ist das nichts Besonderes, für mich aber schon. Letztendlich bin ich schön gleichmäßig durchgekommen, in 1:52. Zwischendurch spürte ich zwar die Arme müde werden, aber sie hielten wacker durch. Auch die Beine beschwerten sich erst erfreulich spät. Nachdem die Leute, mit denen ich gestartet war, die Bahn verlassen hatten, kam ein neues Grüppchen. Auf meinem letzten Kilometer fand ich einen potentiellen Wasserschatten. Um nicht abzureißen, hielt ich mich ran und drückte mich nach einer Wende deutlich zu stark von der Wand ab – prompt kam der Krampf, der mich bislang verschont hatte. Aber da war ich schon beinahe fertig, also kein Thema. Das größte Problem bei solchen Strecken ist ohnehin der Kopf. Ich zwinge mich inzwischen dazu, unterwegs nicht dauernd zu rechnen. Trotzdem bekam ich mit, dass 1.700 Meter ein gutes Drittel der Strecke sind. Es gibt dann so drollige Phänomene, dass z.B. die 200 Meter von 2,3 bis 2,5 endlos werden, weil da die Halbzeitmarke ist, aber ums Verrecken nicht näher kommt. Bei 2,6 bis 2,7 tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass nur noch die Strecke einer normalen Trainingseinheit vor mir lag. Unvergesslich der Moment bei 3,5 Kilometer, wenn nur noch 1.500 Meter anstehen! Ab da ging es mental wieder bergauf. Zu hause belohnte ich mich zuerst mit Kaffee und Croissant, dann mit zwei Runden in der Sauna. Und jetzt kann ich auch wieder eine Tastatur bedienen 🙂

Advertisements

Über modoufall

Manager und Triathlet
Dieser Beitrag wurde unter Sport, Swimming abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s