TL-Abenteuer auf Fuerteventura

Das Trainingslager auf Fuerteventura wäre beinahe ins Wasser gefallen. Dabei war alles langfristig geplant! Stefan hatte eine Privatunterkunft über die Faschingstage gefunden. Im November hatte ich mich ihm angeschlossen und gleich einen Flug gebucht. In den Tagen vor dem Abflug war bei mir Hektik angesagt. Neben allerlei Kurzweil bei der Arbeit und daheim schaffte ich es gerade so, nebenbei die wichtigsten Utensilien zusammen zu klauben. Dabei brauchte ich einige Fantasie, um bei minus 10 Grad die richtigen Klamotten für plus 20 auszuwählen. Spät am Mittwochabend schaute ich noch mal nach dem Flug, der Donnerstag am frühen Morgen starten sollte. Der Schock: der Flug war nirgendwo zu sehen! Die Leute bei Condor wussten auch nur, dass der bereits im Dezember abgeschafft worden war, die Leute am Flughafen wussten gar nix, und bei Opodo, wo ich gebucht hatte, war bereits Feierabend – niemand erreichbar bis morgen früh 😦

Ich fuhr trotzdem zum Flughafen, wo ich die gleiche Auskunft bekam wie tags zuvor: fragen Sie Ihren Veranstalter! Als der um acht Uhr aufmachte, rief ich sofort an und schilderte meine Lage. Die freundliche Dame erzählte mir, man hätte mir zwei Mails geschickt und angeboten, zwei Tage früher zu fliegen. Also vorgestern. Abgesehen davon, dass mir das heute, also übermorgen, nichts brachte, hätte es auch nicht zur Planung mit Stefans Vermieter gepasst. Dieser Flug war also perdü. Blieb die Hoffnung auf den TuiFly um 12:40. Genauer gesagt auf dessen Warteliste. Der war nämlich ausgebucht. Genau so wie alle anderen Flüge in den nächsten 48 Stunden im Umkreis von 500 Kilometern. Ich las also den Spiegel von vorn bis hinten durch und trank einige Cappuccini. Gegen Mittag tauchten die Reisenden für meinen Flug auf und checkten ein, viele von ihnen mit dicken Radkoffern. Als alle durch waren, telefonierten die Damen vom Ticketschalter mit den Damen vom check-in und verkauften mir dann den Platz der einen Person, die nicht erschienen war. Ich unterdrückte den Impuls, die guten Engel allesamt abzubusseln und flog los.

Wenige Stunden später traf ich Stefan zum ersten Mal im richtigen Leben. Er hatte mir bereits 50 Radkilometer voraus. Wir kauften Lebensmittel ein und machten es uns in der schnuckeligen Bude gemütlich. Als erstes wurde der ganze Nippes weggeräumt, den eine liebevolle Hausfrau auf Tischen und Regalen arrangiert hatte, um Platz für unser Spielzeug zu schaffen. Nachdem ich noch Pedale, Tacho und Kamera ans Mietrad geschraubt hatte, waren wir bereit für eine Woche gemeinsamen Trainings. Die erste Einheit fand am nächsten Morgen im 50 Meter-Pool des Playitas Ressorts statt, das rund 500 Meter von unserem Appartement entfernt lag. Insgesamt schafften wir es zwei mal in diesen Pool, die übrigen Tage war der bereits vollständig ausgebucht. Hannes Hawaii Tours hatte am Morgen meist mehrere Bahnen und das Norwegische Schwimm-Nationalteam war praktisch immer im Wasser. Wir ließen uns davon nicht stören und gingen die nächsten Tage im Atlantik planschen, der geschätzte 18 Grad warm war. Im klaren Wasser und bei wenig Wellen war das ebenso schön wie lehrreich. Einmal durch die Bucht und zurück ergibt 1000 Meter. Mit der Zeit schafften wir es, zumindest auf dem Hinweg recht gerade zu schwimmen. Der Rückweg, mit den Wellen von rechts, verlief dafür in deutlichen Schlangenlinien, wie die GPS-Aufzeichnung zeigte. Nach der Anleitung von DCRainmaker hatte ich den Garmin edge 500 im Plastikbeutel unter die Badekappe gepackt. Wenn man die Auto-stop Funktion abstellt und den Rundenalarm auf 500 Meter setzt, bekommt man brauchbare Daten und auch unterwegs einen groben Überblick über die geschwommene Strecke. Zum Spaß nahm ich auch mal die GoPro mit ins Wasser, das Video davon gibt es hier.

Gegen zehn Uhr stiegen wir meist auf die Räder und fuhren 80-90 Kilometer mit 1200 bis 1500 Höhenmetern. Dabei harmonierten wir überraschend gut, mal war der eine vorn, mal der andere, dann fuhren wir wieder gemeinsam und auf dem langen Weg gegen den Wind nach Norden teilten wir uns die Arbeit vorne brüderlich. Die Landschaft auf Fuerteventura ist karg. Auf den Hügeln von Lavageröll sieht man kaum Vegetation. In der Nähe von Siedlungen wachsen einige Kakteen, ein paar Palmen und hier und da sieht man kleine Aloe Vera-Kulturen. Was die verstreuten Ziegenherden fressen, ist mir ein Rätsel.

Vor der ersten Radfahrt merkte ich auch, was ich vergessen hatte: die Radbrille mit den Gleitsichtgläsern. Im Sportshop der Playitas-Anlage kaufte ich die billigste Radbrille von Shimano und trug dann abwechselnd meine Sehbrille ohne Tönung oder die Sonnenbrille ohne Korrektur. Letztere steht inzwischen wieder zum Verkauf.

Am Sonntag fuhr Ernst mit uns mit, ein Einheimischer, der jede Ecke auf der Insel kennt, vor allem die kulinarisch bedeutsamen. Gemeinsam frustrierten wir zwei Schweden, die wir mindestens drei mal überholten. Ansonsten trafen wir nur vereinzelte Radler, außer am Sonntag, an dem uns in 15 Minuten mindestens fünf HHT-Gruppen begegneten.

Das Laufen haben wir ein klein bisschen vernachlässigt. Stefan gab zu Protokoll, nach 90 Kilometer Radfahren sei das Laufen „bekloppt und unnötig„. Die Runde zum Leuchtturm durfte ich alleine drehen. 13 Kilometer hörte sich nicht so tragisch an. Zwar ging der erste Teil bergauf, aber jeder Berg geht auch irgendwo wieder runter. Was ich nicht geahnt hatte: der bekloppte Turm steht oben auf einer Klippe, und dem ersten Anstieg folgte eine Talsenke, bevor es am Ende wieder 1,5 Kilometer steil bergauf ging!

Abends belohnten wir uns meist mit exzellentem Fisch im „Las Playas“, dazwischen warfen wir ein paar Nudeln in den Topf. Mit dem kleinen Lebensmittelmarkt im Dorf und dem größeren im Hotel waren wir bestens versorgt.

Nach zwei Blöcken von je zwei Belastungstagen und einem ruhigeren Tag war die Woche auch schon wieder rum. Einerseits schade, weil man jetzt gerade richtig fit für härteres Training gewesen wäre. Andererseits in Ordnung, weil man zwangsläufig wieder die gleichen Strecken abradeln würde.

Inzwischen sitze ich wieder zu Hause. Heute früh war ich auf der Rolle. Nachdem ich jetzt eine Woche lang einen Vorgeschmack auf richtiges Radeln erlebt habe, ist das gar nicht mehr so schlimm, ich weiß wieder, wozu ich das tue. Ich habe auch schon ein erstes Mal das Videomaterial vom Rad fahren gesichtet, das muss ich noch dramatisch zusammenkürzen, dann wird auch das veröffentlicht.

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Über modoufall

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