Mehr schnell als schlau

Gestern bin ich auf dem Heimweg einem Läufer begegnet. Das geht ja gut los, so gehts mal gar nicht. Nochmal von vorn:

Gestern aufm Heimweg bin ich einer Menge Läufer begegnet. Geringfügig besser, nächster Anlauf:

Das erste, was mir gestern auf dem Heimweg auffiel, war die gute Sicht. Die Tage sind inzwischen deutlich länger und der Sturm, der am Nachmittag den Schneeregen waagrecht vor dem Bürofenster vorbeigeblasen hatte, hatte sich verzogen und blauen Himmel übrig gelassen. An der Staustufe Poppenweiler herrschte Hochbetrieb. Je ein Frachtkahn berg- und talwärts fuhr gerade in die jeweilige Schleusenkammer, als ich über die Brücke lief. Zwei Kähne in der Schleuse hatte ich noch nie erlebt, die Konjunktur brummt offenbar! In zwölf Jahren Neckarweihingen habe ich eine enge Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Schiffsverkehr auf dem Neckar feststellen können. Eines Tages promoviere ich vielleicht mal über das Thema und gehe in die Politik 🙂

Auf der anderen Seite (deswegen nicht notwendig am andern Ufer) war gerade ein Mann am Neckarlängslaufen, in meiner Richtung. Das kam mir zu Pass, wollte ich doch das Tempo etwas höher halten. Seit ich wieder in das regelmäßige Lauftraining eingestiegen war, hatte ich es noch nicht geschafft, die ganze Strecke in einem Durchschnittspace unter 5 min/km zu laufen. Weil es von Neckarrems nach Aldingen knapp einen Kilometer spürbar hoch geht, erfordert das auf den übrigen Kilometern ein Tempo von deutlich unter 5. Am Dienstag war ich zwar auf den letzten, wieder flachen Kilometern flott unterwegs gewesen, hatte aber am Anfang etwas gebummelt und war auf 5:02 gekommen. Ich zog also das Tempo etwas an und schon bald an dem Läufer vorbei. Ein Gruß hin und her, dann war er Geschichte. Dachte ich. Schon nach 500 Metern hörte ich Bewegung hinter mir, der Kollege holte auf. Ich ließ ihn herankommen und wir begannen ein Schwätzchen. Locker plaudernd liefen wir in zügigem Tempo weiter, wobei wir noch einer erstaunlichen Zahl weiterer Läufer begegneten. Bei Remseck zeigte mir mein Begleiter eine Unterführung, die ich noch nicht kannte und mit der man die fußgängerfeindliche Ampel an der Stadtbahnhaltestelle umgehen kann. Nach dieser Unterführung kommt die vorher erwähnte Steigung. Rund 800 Meter geht es deutlich bergauf, dann ebenso lang leicht aufwärts bis flach, bevor die Strecke wieder für eine Weile eben wird. Wir zogen den Anstieg sportlich hoch, dann bremste mich das Telefon aus. Ich hoffte zunächst, es wäre nicht meines, weil der Klingelton ungewohnt war. Ich hatte das Teil in zwei Tagen zwei mal versehentlich re-gesettet. Na ja, mehr aus Blödheit als versehentlich. Zum Glück ist es ein Firmenhandy. Und die EDV untersteht mir. Und wir haben da auch echte Jugendliche (knapp M20). Einer von denen hat das Teil wieder gerade gebogen, aber mein gewohnter Klingelton fehlt noch. Ich werkelte also das Telefon aus der Gürteltasche und ging ran. Das nutzte mein Mitläufer gnadenlos aus und lief davon. Meine Frau hatte aber Verständnis und hielt das Gespräch kurz, als ich ihr die Lage schilderte. Das Telefon wieder zu verstauen hätte zu lange gedauert, also behielt ich es in der Hand und spurtete dem Kollegen hinterher. Der hatte das Tempo deutlich gedrosselt und bald waren wir wieder gleichauf. Dann hatte er plötzlich einen Einbruch und ich konnte davonziehen. So ganz sang- und klanglos wollte ich mich aber auch nicht verdrücken. Über die windigen Wege zwischen Aldingen und dem Häckselplatz Ossweil zog ich noch flott durch, dann wartete ich auf ihn. Eigenartigerweise war er plötzlich wieder topfit und zog das Tempo an. Kurz vor seinem Haus stellten wir uns einander vor und verabschiedeten uns. Ich hatte noch gut zwei Kilometer, die ich noch recht anständig hinter mich brachte. Ich hielt auch an jeder Kreuzung an und schaute links UND rechts.

Zu Hause angekommen, grübelte ich noch stundenlang über diesen netten, aber rätselhaften Mitläufer: heißt er nun Stefan oder Stephan? Habe ich ihn überfordert und er hat das erfolgreich überspielt – gekeucht hat er jedenfalls nicht? Oder ist er um Welten besser als ich und hat mich veräppelt? Auf jeden Fall hat er mich zu einer neuen persönlichen Jahresweltbestleistung angespornt, der pace über die Gesamtstrecke war 4:55 🙂

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Über Günter

Manager und Triathlet
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