Wiesbaden – die Bewertung

Und hier ist sie:

die gnadenlose Bewertung des Wettkampfes, der Strecke, der Organisation. Vom Veranstalter gefürchtet, von meinen Lesern mit Spannung erwartet. Wie ist er so, der Ironman 70.3 Wiesbaden European Championship? Daumen hoch oder Daumen runter? Aber vor der Härte gegen andere kommt die Härte gegen sich selbst: wie war ich am 14.8.2011? Schließlich war das mein Saisonhöhepunkt, auf den ich hart hingearbeitet habe. Konnte ich die Vorbereitung im WK umsetzen? Die Überraschung: ich war mit mir rundum zufrieden 🙂 In der Vorbereitung hatte ich Höhen und Tiefen erlebt, Wochen, in denen ich auf meinen Trainingsstrecken laufend neue Rekorde aufstellte, und Wochen, in denen das Training so zäh lief wie tiefgekühlter Kunsthonig. Das Schwimmen, insbesondere im Offenwasser, hatte ich sträflich vernachlässigt. Dass ich trotzdem passabel durchkam, verdanke ich unserem Vereinstrainer Achim, dessen Programm mit seiner Mischung aus viel Technik und reichlich Tempo mir die letzten Jahre viel gebracht hat. Danke, Achim!

Beim Laufen hatte ich das ganze Jahr mit den Nachwirkungen meiner Fußverletzung im Oktober 2010 zu kämpfen und arbeitete hier mit Mut zur Lücke. Was an Umfang fehlte, versuchte ich, durch harte Einheiten zu kompensieren, immer im Bewusstsein des Risikos einer solchen Strategie. Zum ersten Mal seit rund 40 Jahren lief ich Intervalle auf der Bahn. Ich hatte Glück, der Fuß hat sich erholt und ich konnte beim Laufen anständig durchziehen.

Das Radfahren ist inzwischen meine Paradedisziplin. Das ist praktisch, denn das Radfahren hat den größten Einfluss auf die Gesamtplatzierung. Rollentraining und MTB im Winter, vor allem aber das Trainingslager auf Lanza mit den Jungs (s. TL-ABC) haben mir eine gute Grundlage verpasst, auf der ich mit fleißigem Hügeltraining (mehr ist im Großraum LB leider nicht drin) genug Kraftausdauer aufbauen konnte, um auf der legendären Strecke durch den Taunus konstant Druck zu machen.

Persönliches Fazit: Ein würdiges Highlight als Höhepunkt der Saison. Mit bescheidenem Trainingsumfang (ausweislich meiner Excel-Tabelle durchschnittlich 7,5 Stunden pro Woche seit November 2010) war ich nicht nur in der AK (14.), sondern auch im Gesamtfeld (339.) auf einem respektablen Platz.

Ungeachtet dessen möchte ich den Wettbewerb objektiv beurteilen 😉

Fazit insgesamt: Daumen hoch. Ganz hoch. Eine gigantisch gute Veranstaltung!

Die Begründung im Einzelnen:

  • Die WTC ist nicht unumstritten, aber sie versteht es, ein spektakuläres Event aufzuziehen, an dem teilzunehmen Spaß macht. Die Meldegebühren sind gediegen, aber niemand wird gezwungen…
  • Ich kannte die alte Schwimmstrecke nicht. Die aktuelle im Raunheimer Waldsee finde ich sehr angenehm zu schwimmen. Auf dem Papier sieht sie komplizierter aus, als sie ist, die Orientierung ist überwiegend in Ordnung, mit Ausnahme des Ausstiegs, dazu unten mehr. Durch die vielen Ecken teilt sie sich in überschaubare Abschnitte. Die Gruppen in den Startwellen (zwischen 175 und 250 Leute in den AKn) sind angenehm klein.
  • Die Radstrecke ist anspruchsvoll. So etwas weiß man vorher. Wer das nicht mag, darf hier nicht starten. Wer das akzeptiert, genießt ein hartes Rennen auf komplett abgesperrter Straße mit einigen schönen Stimmungsnestern, mit exzellenten Verpflegungsstationen und mit einer spektakulären Abfahrt am Ende.
  • Auch die Laufstrecke ist nicht ohne. 150 Höhenmeter sind in Summe zu bewältigen. Idyllische Streckenteile im Park einerseits und megageile Stimmung im Zielbereich andererseits lassen auf den vier Runden keine Langeweile aufkommen. An Untergrund ist alles geboten: Asphalt von gut bis schräg, Pflaster, Naturgrund und loser Kies. Etwas für echte Mädels und Jungs.
  • Ein stets heikler Punkt: Futter! 10/10 Punkten für die Pasta-Party! Viel und gutes Happa, keine Schlangen an der Theke und keine unerwünschte Ablenkung durch krampfhafte Selbstdarstellung des Veranstalters. Die Moderation und VIP-Interviews erfreulich zurückhaltend. Auch das Finisher-Buffet verdient im Prinzip Bestnoten, zumindest von denen, die es gefunden haben. Auch dazu unten mehr.
  • Die Helfer. Ich habe ihnen bereits im Bericht gedankt. Ich danke ihnen hier nochmals. Ich werde ihnen ununterbrochen weiter danken. Sie waren viele, sie waren engagiert, sie haben sich heiser geschrieen mit Informationen für uns Blindflieger.
  • Die Location mit dem Kurhaus und dem Bowling Green geben einen erhebenden Rahmen ab.
  • Ein ganz zentraler Punkt: die Scheißhausfrage. Die zerfällt, wie das menschliche Hinterteil, in zwei Hälften. In diesem Fall vorher und nachher. Am Start gab es eine angenehm hohe Anzahl von Abkackpunkten, einige sogar mit Handwaschbecken! Auch im Zielbereich wurde man mit etwas Suchen fündig.

Nach so viel Lob stellt sich die Frage: könnte man noch etwas verbessern? Meine Meinung: man könnte. Und zwar das:

  • Logistisch ist ein WK mit so großem Abstand von T1 zu T2 eine Herausforderung für den Teilnehmer. Am Vortag ist das nicht so tragisch, man hat ja Zeit und ÖPNV, um vom check-in zur Besprechung zu kommen. Am WK-Tag sollte der Shuttle-Service aber reibungslos funktionieren. Ich hatte ein Hotel in Startnähe, von dort bin ich problemlos mit dem Bus zum See gekommen. Auf dem Rückweg vom Ziel nach Raunheim brauchte ich Glück. Der Bus war nicht gekennzeichnet und parkte 100 Meter hinter der markierten Haltestelle. In online-Foren habe ich gelesen (und gebe unreflektiert wieder), dass der Service von Wiesbaden zum Start problematisch war.
  • Schwimm-Ausstieg. Frau van Vlerken und ich hatten hier, etwas zeitversetzt, das gleiche Problem. Der Ausstieg erfolgt über einen steilen Hang, der mit hellem Sand bedeckt ist. Aus der Froschperspektive sieht man nur diese gelbe Fläche und erkennt nicht, dass der Ausstieg nur relativ schmal an der linken Seite möglich ist. Die gelben Keilbojen hab ich vor dem Hintergrund des Sandes nicht gesehen. Durch die Anlage der Schwimmstrecke ist es auch kaum möglich, den Ausstieg am Rennmorgen vorab zu besichtigen.
  • Gaaaanz schlimm: Es fehlte vor Ort jegliche Beschilderung zum Finisher-Buffet. Sowohl auf Triathlon.de als auch auf Triathlon-szene.de haben einige Leute böse gejammert, die es nicht gefunden haben. Offenbar wussten auch nicht alle Helfer in dem Bereich bescheid. Ich selbst hatte das Glück des blinden Huhns.
  • Duschen waren wohl in ausreichender Zahl vorhanden (als ich eingelaufen bin, aber ich bin ja schnell ;-)), aber der Platz davor zum Umziehen war knapp bemessen.

Gesamturteil: Wenn Ihr hart seid, meldet Euch an für 2012! Und wer meinen blog liest, findet auch die Zielverpflegung 🙂

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Manager und Triathlet
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