Heilbronn City Triathlon auf inländisch

nicht zur Strafe, nur zur Übung…

Die Statistik hat mich überzeugt: trotz Fremdgehens auf englischen online-Foren verirrt sich kaum jemand auf diesen blog, der des Ausländischen mächtig ist. Deshalb gehts hier wieder auf deutsch weiter. Kurze Zusammenfassung des bisher Erzählten:

Nach einer Taperwoche mit einigen kurzen, knackig schnellen Einheiten fuhr ich am Samstag nach Heilbronn, Startnummer abholen, Gegend inspizieren und Rad abgeben. Das Besondere an diesem Rennen ist die Abwicklung mitten in der Stadt. Alles ist nahe beieinander und an der Strecke herrscht eine Bombenstimmung, doch davon nachher mehr. Sonntag früh fuhr ich wieder hin und komplettierte meinen Wechselplatz, inklusive einem vor Ort noch schnell gekauften Handtuch. Meine Eigenheiten hier kurz zusammengefasst: Zum Einen will ich mein Rad schlank halten: ein Schlauch, zwei Reifenheber und eine Minipumpe müssen unter den Sattel passen. Außer der Aeroflasche kommt noch eine ans Sattelrohr, zum Wechseln an der Verpflegungsstelle und Umfüllen, wenns grad in den Verkehr passt. Weil die erste Verpflegungsstelle gut 35km weg ist, packe ich noch reichlich Futter ein (drei Gels und zwei Riegel). Meine zweite Besonderheit: ich fühle mich im Neo oft beengt und ziehe außer der Hose ungern was drunter, deshalb kommt ein Top mit Voll-RV zu Startnummer und Helm auf den Lenker. Der Catlike Whisper mit seinen Löchern lässt sich prima auf dem Trinkhalm der WC-Ente lagern, dann liegt auch die Gleitsicht-Sonnenbrille sicher drin. Das sieht dann so aus:

Übrigens: Danke an Mario für die Fotos!!!!

Zwischendrin leihe ich noch einem Unbekannten meine Luftpumpe, aber als er die zurückbringen will, bin ich leider schon wieder weg – die erste Pumpe, die an diesem Tag flöten geht.

9:35 startet die erste Welle den Altarm des Neckar hinauf und sechs Minuten später gehe ich mit weiteren 299 Leuten hinterher. Nach hundert Metern habe ich mal wieder eine Panikattacke, die ich aber in den Griff bekomme. Kurz darauf schwimme ich wieder locker und entspannt von hinten in das Feld hinein. Zunächst geht es in einem grünen Tunnel unter alten Bäumen zu beiden Seiten knapp einen Kilometer stromauf (die Strömung ist übrigens kaum zu spüren). Kurz vor der Wende blendet mich dann gleißendes Sonnenlicht. Es geht um drei Bojen herum und auf den Rückweg. Bald sind wir wieder im Schatten. Ich versuche, etwas Tempo zu machen, ziehe lang durch und setze auch die Füße ein. Allmählich wird die Sache mühsam und die Nummer mit der geraden Linie klappt nicht mehr ganz so, wie meine Nebenleute das gern hätten. Endlich kommen wir wieder unter der Götzentorturmbrücke durch und nehmen Kurs auf den Ausstieg. Nach gut 36 Minunten steige ich als 225. aus dem Wasser, nach dem verpatzten Anfang gar nicht übel.

Bis zu meinem Rad habe ich ein gutes Stück Weg und damit genügend Zeit, den Neo in Ruhe vom Oberkörper zu schälen. Beim weiteren Ausziehen entledige ich mich noch meines Zeitnahmechips, bemerke das aber zum Glück und bin bald hübsch gemacht zum Radeln.

Aber noch habe ich 200 Meter Wechselzone vor mir. Im Schweinsgalopp geht es barfuß über den Asphalt. Nach der Linie dann auf die Schuhe rauf und los. Es geht erst mal lang geradeaus und ich habe die Muße, in aller Ruhe in die Schuhe zu schlüpfen. Erst nach dieser Operation bemerke ich die seltsamen Geräusche von unten. Stundenlang hatte ich die Schaltung feingetunt, und jetzt rappelts wie ein Panzer mit Plattfuß! Die gröbste Störung ist schnell erkannt und behoben: ein Zug am Schalthebel bringt den Umwerfer auf Spur, die Kette läuft wieder frei – das ganzer Geraffel auf den Extensions hatte den Schalthebel verstellt. Ich denke also, jetzt kanns los gehen, da bekomme ich schon den nächsten Schlag: ein gleichnamiges Loch war im Weg und irgendein Teil meiner Ausrüstung geht scheppernd zu Boden. Ich kontrolliere, das Cockpit ist komplett, die Luft ist in den Reifen, die Pedale dran – was fehlt denn nun? Bis ich kapiere, dass die Minipumpe perdü ist, ist es schon zu spät zum Umkehren. Noch eine Pumpe weg und pannentechnisch gemmer halt auf Risiko, trotz dem Max seinem mahnenden Beispiel 😦

Jetzt aber los! Nur die Geräusche sind noch nicht ganz weg, und die Schaltung hinten benimmt sich auch eigenartig. Manchmal muss ich zwei Gänge runter und einen hoch schalten, um die Kette aufs gewünschte Ritzel zu bringen. Das nervt gewaltig, ganz zu schweigen von den Watt, die das kostet. Kapiert hab ich das erst anderntags. Beim Einchecken war mir das Rad umgefallen und das Schaltauge war verbogen 😦 Zwar begleitete mich dieser Nervtöter über die ganze Radstrecke, aber ich war dann doch gut drauf. Was vor allem daran lag, dass ich ständig Leute überholte. Die ersten zehn Kilometer fühlten sich noch zäh an, weil es bei Gegenwind leicht bergauf ging, aber dann kam ich richtig ins Fliegen. Erst mal sammelte ich die restlichen Leute aus meiner Startgruppe ein. Kurz vor der Abzweigung in die Schleife eine kleine Enttäuschung: zwei Fahrer kamen mir entgegen, mit wohl einigen hundert Meter Abstand. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die mir nicht ganz so viel abnehmen. Beim ersten wunderte ich mich noch, dass der dem Kienle so gar nicht ähnlich sieht, beim zweiten wunderte ich mich nicht mehr, dass der Kienle so verbissen schaut… Die Besichtigungsrunde zahlte sich nun aus, ich kannte die drei Anstiege und konnte sie mir gut einteilen. Nur bei den Abfahrten musste ich wider Erwarten ab und zu bremsen vor der Kurve – ich war doch deutlich schneller unterwegs als bei der Besichtigung. Nach drei Viertel der Strecke hakte ich die ersten Startnummern unter 300 ab, die Leute aus der ersten Startgruppe. Auf dem letzten Stück nach Heilbronn rein konnte ich sogar die idyllische Landschaft genießen, während ich nun mit Rückenwind bergab düste. Dann ein Blick auf die Uhr, ein Blick zur Seite – eigenartig, kam jetzt noch ein Dorf? An das konnte ich mich gar nicht erinnern? Aber nein, wir donnerten wirklich nach 2 Stunden schon wieder nach Heilbronn rein, Richtung Wechselzone. Die Auswertung hinterher löste auch dieses Rätsel:  die Wettkampfstrecke war etwas kürzer geworden, rund 3 Kilometer fehlten. Ein 35er-Schnitt hätte mich dann doch verblüfft… Immerhin war ich der schnellste Radler über 50 und 85. insgesamt, meine stärkste Vorstellung an diesem Tag. Dann raus aus den Schuhen und an der Linie mit vollem Karacho abgesprungen, während die Helfer und Kampfrichter in Todesangst zur Seite stoben 🙂 Noch 300 Meter durch die Wechselzone, Rad geparkt und ab die Post. Bis zur Fortsetzung hier noch mein Rad in T2:

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Über modoufall

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3 Antworten zu Heilbronn City Triathlon auf inländisch

  1. Pingback: Citytriathlon Heilbronn - Seite 4 - Triathlon Community - triathlon.de

  2. Marc-Andrè Lehmann schreibt:

    Hallo Günter,

    netter Artikel. Aber die Strecke war nach meinem Garmin eher 1 KM länger, wobei der 1 KM auch durch die lange Wechselzone zustande kommen kann. Aber kürzer eigentlich nicht.
    Gruss Marc

    • modoufall schreibt:

      Mir ist aufgefallen, dass im Vergleich zu dem Kurs, den ich für die Besichtigung verwendet habe, eine Ecke fehlt. Hin- und Rückweg zusammen könnten schon 3km ergeben.

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