Das Risiko der Volksbefragung

Ich hätte sagen sollen: „Ich fahr meine derzeitige Feierabendrunde rum, kommst du mit?“ Als dämlicher Basisdemokrat schlug ich stattdessen vor: „Wir könnten eine lange Runde drehen, überwiegend auf Asphalt, dafür mit knackigen Anstiegen, oder willst du lieber das ultimative Schlammbad nehmen?“ Christian ging auf diese Sitzkreisrethorik gar nicht erst ein sondern postulierte: „Ich will Hochwasser anschaun.“ Also rüber zum Fluss. Und wenn schon, dann auch derb. Außerdem hatte Christian im Dezember ein Schutzblech verloren und hoffte, es wieder zu finden. Am Waldrand entlang ging es über sumpfige Wiesenwege mit Schmackes bergab. Seit heute weiß ich endlich, was Schmackes wirklich ist. Ich hatte die letzten fünfzig Jahre gar nicht erkannt, dass dem Wort eine ausgesprochen lautmalerische Komponente innewohnt. Mittendrin fanden wir tatsächlich das Schutzblech. So gerüstet ging es weiter in den Wald. Dort lagen inzwischen noch ein paar Bäume mehr als im Spätsommer. DenBunny Hop muss ich jetzt endlich mal lernen. Ich habe zwar geschafft, das Vorderrad in flotter Fahrt über den Baum zu hieven, aber das Hinterrad flog mir beinahe um die Ohren, als es hochkatapultiert wurde. Weiter ging’s runter zum Neckar, wo uns der Begleittross des Winterschwimmens ausbremste. Die Schwimmer waren leider schon weiter, das hätte ich mir gerne angeschaut. Hinter Remseck ging es dann richtig zur Sache. Der Hochwasseralarm war unseres Wissens aufgehoben (sonst wären die Schwimmer auch nicht unterwegs gewesen), darum ignorierten wir die Verbotsschilder und bretterten den Uferweg an der Rems längs. Die große Überraschung: statt knietiefen Schlamms erwartete und eine steinige Betonpiste. Das Erdreich, das diesen Weg einst bedeckte, war komplett weggespült und wir fuhren auf dem befestigten Unterbau (oder was immer das gewesen sein soll). Neben dem Weg waren an manchen Stellen gewaltige Sandbänke, die es früher hier nicht gab. Den Schlamm fanden wir dann ein Stück weiter auf einer Wiese, die zum Großteil unter Wasser stand und zusätzlich noch durch querliegende Bäume verunstaltet war. Die Treckerspuren um die Bäume rum führten mitten durch den tiefsten Morast, darum trugen wir die Räder auf der anderen Seite den Hang hoch und hinterm Baum wieder runter. Im weiteren Verlauf setzte ich erfolgreich auf die Taktik, an schwierigen Passagen einfach Vollgas durch zu brettern. Wenns gut geht, is prima, wenn nicht, wäre der Abgang dafür spektakulär – heute gings gut. Der Rest war eher gemütlich. In Hegnach hoch zur Bundesstraße, und auf der Abfahrt konnte ich sogar fotografieren.

Zu hause angekommen drehte ich die Gartenleitung auf und spritzte erst mal den ganzen Schmackes vom Rad, bevor ich die wesentlichen Teile wieder fettete. Danach habe ich die Gartenleitung abgestellt und entleert, es soll wieder kälter werden.

Ach übrigens: bereut habe ich die Volksbefragung nicht 🙂

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