Das wars dann fürs Erste…

… und bis auf Weiteres 😦

Gestern bin ich den Frankfurt Marathon gelaufen, den letzten Wettkampf für dieses Jahr. Wenn ich nicht so ehrgeizig und/oder wehleidig wäre, könnte ich ja zufrieden sein. Selber schuld bin ich sowieso. Aber schön der Reihe nach.

Das Rahmenprogramm hab ich mir schnucklig-komfortabel gestrickt. Ich habe ein Hotelzimmer im Maritim direkt am Start/Ziel gebucht und die Bahnbonus-Punkte der letzten Jahre für ein upgrade in die erste Klasse verwendet. Dazu eine Anfahrt ohne Umsteigen in Mannheim. Weil der Zug am Flughafen wendet, brauchte ich auch weder bei Abfahrt noch bei Ankunft kilometerlang den Bahnsteig entlanghatschen. Mit der Straßenbahn gings vom Bahnhof zur Messe. Nach dem Check-in im Hotel erforschte ich das Start-Ziel-Gelände, holte die Unterlagen ab und drehte eine Runde über die Läufermesse. Dann war auch schon Zeit für die Nudelparty. Die Stimmung in der alten Festhalle der Messe war gediegen, der hr sorgte für Stimmung und erstaunlicherweise war genug Platz für alle da. Als Teilnehmer der Managerwertung hatte ich auch hier VIP-Status und machte es mir im abgetrennten Bereich gemütlich. Papa hatte doch recht, als er mir riet, was Gscheiz zu werden 🙂 Während ich gemütlich meine Nudeln mampfte, wurde das Commerzbank Triathlon-Team vorgestellt. Als die Jungs von der Bühne kamen, konnte ich noch ein Foto mit Normann Stadler ergattern, dem ich hier zum dritten mal in diesem Jahr begegnete, nach Murr und Kraichgau.

Danach zurück ins Hotel, ein kniffliges Problem lösen: in der Nacht auf Sonntag wurde die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Ich hatte aber keine Ahnung, welche der Geräte, die ich als Wecker nutze, das automatisch hinkriegen und in welches Knie ich mir folglich schieße, wenn ich entweder die Weckzeit oder die Zeitzone overrule. Vorsichtshalber hab ich auch den Hotelweckruf bestellt, die hatten überall Hinweisschilder, dass das klappen sollte – was es auch tat.

Pünktlich um sieben saß ich beim Frühstück und konnte durch das Fenster beobachten, wie draußen Leben in die Startzone kam. Danach wieder aufs Zimmer, Zeit totschlagen. Es ist schon ungewohnt, wenn man am Wettkampfmorgen nicht noch irgendwo anreisen muss. Dazwischen hatte ich die üblichen Schübe von Paranoia: was, wenn ich mich bei der Zeitumstellung vertan hatte und der Start gerade jetzt ohne mich stattfand? Zwischendurch hatte mir ein Läufer noch verraten, dass man das Zimmer bis nachmittags behalten kann, wenn man höflich fragt. Ich musste also nicht mal Klamotten deponieren! Bei dem Wetter – 10 Grad, bewölkt, windstill – konnte man in kurzen Hosen aus der Hotellobby heraus durchstarten, wenn es hart auf hart kam. Ich ging trotzdem 20 nach 9 raus und lief ein paar hundert Meter. Dann aus Gewohnheit noch ein Besuch auf dem Dixi. Ich hätte zwar zurück ins Hotel gehen können, aber an der Stelle bin ich abergläubisch. Gegen viertel vor zehn drängelte ich mich schließlich in meinen Startblock. Der war auch VIP, aber diesmal nicht gekauft, sondern erarbeitet. Bei der Anmeldung im Frühsommer hatte ich noch 3:15 als Zielzeit angegeben. Nachdem das Training nach dem Ironman Frankfurt so gut lief, habe ich das auf 3:10 revidiert, was mir einen Platz im asics-Block sicherte (internationale Spitzenläufer und Athleten mit Zielzeit unter 3:15). Insgeheim hatte ich mir sogar ausgerechnet, dass eine 3:05 möglich sein könnte – ein fataler Fehler, wie sich nach gut zwei Stunden zeigen sollte!

Pünktlich um 10 fiel der Startschuss. Das Wetter hatte aufgeklart und wir hatten traumhafte Bedingungen. Die ersten Kilometer ging es kreuz und quer durch die Innenstadt und ich war um Längen zu schnell unterwegs. Die faule Ausrede: zwischen den Hochhäusern lieferte meine GPS-Uhr Phantasiewerte und ich lief einfach mal flott dahin. Rund ein Drittel der Strecke funktionierte das auch einwandfrei. Zwischendurch begegnete ich noch Torsten, der für den hessischen Rundfunk als Radler unterwegs war. Als ich ihn traf, war er leicht genervt, weil der motorisierte Kollege ihn einfach abgehängt hatte und davon gebraust war. Kurz danach waren sie wieder glücklich vereint.

Nach rund sieben Kilometern führte die Strecke in zwei Schleifen durch die Randbezirke der Innenstadt, bevor es über den Main und auf die lange Strecke nach Höchst ging. Kurz vor der HM-Marke merkte ich allmählich, dass mein Tempo ein wenig übertrieben war. Die 21,1 schaffte ich in famosen 1:30, doch danach baute ich ab, zunächst schrittweise, dann grandios. Bei km 28 schien mein Ziel von 3:10 noch möglich zu sein, doch ab km 30 rückte es in immer weitere Ferne. Bei km 30 quetschte ich mir das zweite Powergel rein und ab dem Zeitpunkt machte ich auch an jeder Verpflegungsstelle eine kurze Gehpause. Nach 35 Kilometern dann der Gnadenschuss: in einer Linkskurve schoss ein brennender Schmerz durch meine linke Ferse. Ich hatte spontan die Plantarsehne im Verdacht, die schon seit langem immer wieder mal jammert. Irgendwie schaffte ich es, weiter zu laufen. Die rechte Wade musste jetzt ausgleichen, was der linke Fuß nicht mehr hergab – sie dankte es später mit einem Muskelkater der deftigen Sorte. Bei km 36 presste ich mein drittes und letztes Gel aus der Packung, größtenteils auf Trikot und Startnummer – die kann ich jetzt ohne Reißzwecken an die Wand heften. Inzwischen waren wir wieder in der Innenstadt und kreuzten im Zickzack um die Häuserblocks. Inzwischen hatten mich auch die 3:14-pacemaker überholt. Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte ich, bis auf eine Minute an denen dran zu bleiben. Endlich die letzte Kurve, der Mann mit dem Hammer kam in Sicht (der vor dem Messeturm, nicht der aus der Marathonlegende). Links rum rechts rum, in die Halle rein, vorbei. 3:15 glatt zeigte die Uhr. Das waren immerhin 5 Minuten weniger als meine Bestzeit aus dem Vorjahr in München, aber doch auch 5 mehr als geplant und wahrscheinlich sogar möglich waren. Stop! Hier wird nicht über Zeiten gejammert, und Konjunktiv gilt nicht! Zurück zum Bericht: 2cm hinterm Zielstrich machte mir mein Körper klar, was ich ihn hatte tun lassen. Die linke Ferse und die rechte Wade jammerten um die Wette und der Kreislauf schrie dazwischen. Dazu die Enttäuschung: nach so einer großartigen Laufveranstaltung ein dermaßen liebloser after-race Bereich, das verdient Punktabzug! Ein mit Eisengattern eingezäuntes, gepflastertes Geviert hinter der Halle, ohne Sitzgelegenheit, mit Müllcontainern als optischem Highlight. Ich möchte nicht wissen, wie das in anderen Jahren aussieht, wenn die Veranstaltung nicht mit traumhaftem Spätsommerwetter gesegnet ist… Obwohl mir hundeelend war, humpelte ich zum Hotel, wo ich nach der Dusche noch ausgiebig im Cafe regenerierte und lieber dort für Geld die Verpflegung erwarb, als im Zielbereich kostenlos zu leiden.

Um sieben kam ich schließlich am Bahnhof Ludwigsburg an und nahm ein Taxi nach hause. Dem Fahrer, der nicht von hier war, erklärte ich noch, was es mit Halloween auf sich hat und warum die Kinder um die Häuser ziehen. Zur besseren Demonstration bogen gerade meine beiden um die Ecke.

Heute früh war der Schmerz in der Ferse so stark, dass ich vorsichtshalber ins Krankenhaus fuhr. Die gute Nachricht: gebrochen oder gerissen ist nichts, ich soll den Fuß mal schonen. Soll mir recht sein, ist ja jetzt off-season.

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Über Günter

Manager und Triathlet
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