Schön, schön kalt, schön schnell: Schönbuchlauf!

All das war der Schönbuchlauf: schön, kalt und schnell. Nach einer prächtigen Spätsommerwoche schaltete das Wetter am Samstag auf greislich. Das einzig Positive an der Sonntagsprognose war, dass neben den Temperaturen auch die Niederschläge zurückgehen sollten. Samstagabend fuhr ich mit den Kindern nach S., wo ich sie fürs Wochenende in sicheren Händen wusste. Tante S. versorgte uns mit leckeren Kohlehydraten, Onkel T. mit bleifreiem Bier. Sonntag früh um 1/2 7 schlich ich mich leise in die Küche, wo T. schon mit dem Frühstück auf mich wartete. Der Regen, der um 3 noch aufs Dachfenster getrommelt hatte, hatte aufgehört, aber die Situation vor der Tür war von „gemütlich“ oder „Laufwetter“ weit entfernt. Die 6° auf dem Außenthermometer bestätigten nur meinen Verdacht. Entsprechend demotiviert verpackte ich mich in meine Laufklamotten, setzte mich ins Auto (die Standheizung sei gelobt) und fuhr nach Hildrizhausen. Parken durfte ich auf einer feuchten Wiese. Ich hoffte nur, die Leute hätten für nachher einen Traktor an der Hand, falls es doch noch regnen sollte.

In der Schönbuchhalle war bereits gut was los. Kein Wunder, denn draußen mochte kaum einer herumstehen. Angesichts der gut vermümmelten Meute kamen mir Zweifel, ob meine Strategie, in kurz/kurz zu laufen, wirklich eine gute Idee war. Ich wählte die typische Triathleten-Lösung und kaufte mir an einem Stand erst noch ein langes Hemd. Ein Versuch vor der Tür ergab allerdings, dass kurz/kurz doch möglich schien. Die Meute machte auch in anderer Hinsicht Eindruck auf mich: zwar waren vereinzelt Kompressionssocken zu sehen, aber im Schnitt waren hier offensichtlich ernsthafte Läufer versammelt. Das bei sommerlichen Läufen übliche Kanonenfutter aus Dilettanten trat bei einer solchen Veranstaltung gar nicht erst an.

5 Minuten vor dem Start um 9:30 ging ich nach draußen und lief mich gründlich warm, ca. 100 Meter. Zur angebotenen Aufwärmgymnastik war übrigens niemand erschienen, wie der Sprecher mitteilte. Der Startpulk erschien überschaubar, trotzdem hatte ich mich zu weit hinten aufgestellt. Mühsam ging es los und als ich den total mattenlosen Startbogen passierte, begriff ich, dass hier brutto gemessen wurde – schöner Reinfall!

Zumindest war ich mittlerweile wach und einigermaßen guter Dinge. Ich bolzte also gediegen los und hatte den ersten Kilometer schon nach 4:07 hinter mir. Während ich noch darüber nachdachte, ob dieses Tempo angemessen sei, ging es auch schon bergab. Der Schönbuchlauf hat ein gepflegtes Höhenprofil. Grob gesagt geht es auf 10km 100  Meter runter, dann auf 10km 150 Meter rauf und den Rest dürft Ihr Euch ausrechnen. (Hinweis: es ist ein Rundkurs von 25km Länge.) Man hat also keine Chance, sich an einem statistischen Durchschnittspace zu orientieren. Man kann die Zeit auch nicht mit dem Halbmarathon vergleichen oder auf den Marathon hochrechnen. Man blockert einfach am Anschlag durch die wunderschöne Landschaft. Die km bergab gestalteten sich ausgesprochen zügig, regelmäßig hatte ich unter 4:10 auf der Uhr. Die Temperatur war übrigens kein Problem, hauptsächlich, weil die Strecke im Wald windgeschützt war. Erst auf dem vorletzten Kilometer über die Felder zum Dorf sollte ich etwas frieren.

Inzwischen hatte ich mich aus dem Hauptfeld nach vorne abgesetzt und lief mit Grüppchen von 5-10 Leuten, die ich langsam hinter mir lassen konnte (aber in respektvollem Abstand zur Spitzengruppe, nur damit hier kein Missverständnis aufkommt). Allmählich machte ich mir Sorgen um den Rückweg. Nach der Teestation bei km 11 ging es dann endlich bergauf, aber wie beim Firmenlauf war das weit weniger schlimm als erwartet. Entgegen meinen Befürchtungen wurde ich nicht von den Leuten aufgerollt, die ich bergab überholt hatte. Nur ein Kollege im grünen Hemd hielt sich hartnäckig in meiner Nähe und setzte sich dann Meter um Meter ab. Gemeinsam stellten wir noch das ein oder andere Grüppchen. Bei km 20 hatten wir endlich den höchsten Punkt der Strecke erreicht. Zu meiner Überraschung arbeitete ich mich wieder an meinen grünen Freund heran. Jetzt nur nicht den Fehler von Andi Raelert vor einer Woche wiederholen! Wohl wahr, 5 Kilometer sind eine lange Strecke und theoretisch mehr als ausreichend für einen Gegenangriff. Umso vernichtender muss die Attacke erfolgen! Als ich den Grünrock vor mir hatte, mobilisierte ich meine Reserven und zog freundlich grüßend vorbei. Der Kollege leistete aber gar keinen Widerstand, er gab vielmehr zu, bergauf seine Körner versoffen zu haben (oder war das verschossen? verfrühstückt? Egal, er hatte keine Körner mehr und musste mich ziehen lassen.) Das nächste Opfer war da hartnäckiger. Diesmal in modischem Rot, hatte ich Einiges zu tun, um heranzukommen. Wir waren inzwischen auf den letzten drei Kilometern und ich befand mich in Endspurtlaune. Der Rote hörte mich kommen und versuchte, sich zu wehren. Ich musste einen regelrechten Zwischenspurt hinlegen, um ihn ein paar Meter zu distanzieren. Als ich danach das Tempo nur ein bisschen herausnahm, konnte ich hören, wie er versuchte, dran zu bleiben. Also noch mal antreten, um ihn endgültig los zu werden. Es ging nun Richtung Dorf und die Zuschauer gaben mir einen guten Eindruck über meinen Vorsprung. Bei jedem Grüppchen am Straßenrand dauerte es länger, bis ich den Applaus für meinen Verfolger hörte. 50 Meter vor dem Ziel war ich zur Abwechslung selber fällig. Zumindest war es weder mein grüner noch mein roter Freund, der vorbei zog, dafür aber ein 50er, wie ich später auf der Ergebnisliste feststellen musste.

Im Ziel dann Heiterkeit angesichts des großzügig vorbereiteten Weißbiers. Ich versuchte zwar tapfer, mir eins reinzupressen, gab aber auf und ging sofort zu Kaffee über. Noch eine schöne Dusche, ein Blick auf die Ergebnisse und ab zur Erholung. Die dauert immer noch an, während ich um 8 Uhr abends hier sitze und blogge. Ich bin hoch zufrieden, ich konnte frisch, mit Druck und gutem Rhythmus durchblockern. Ich merke die Belastung zwar noch in allen Knochen, aber das vergeht. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein tolles Rennen.

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Manager und Triathlet
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