Ironman Frankfurt 2010

Confirmation Definitive Zahlungsbestätigung

Datasport bestätigt die  korrekte Abwicklung der nachfolgenden Registrierung, inkl. Zahlungsbestätigung. Zahlung inkl. Verarbeitungsgebühren mit MASTERCARD vom 1.7.2009, 10:56

Damit fing alles an. Jahrelang hatte ich mit großem Spaß Sprintthriathlons absolviert. Nach einer OD in Regensburg 2008 nahm ich 2009 am IM 70.3 Rapperswil teil. Nachdem ich den überlebt hatte, wollte ich es wissen. Außerdem würde ich 2010 50 Jahre alt, da war ich mir einen groben Unfug schuldig, also hab ich am 1. Juli kurz vor 10 Uhr mein Büro verriegelt, das Telefon umgeleitet und mich vor den Rechner gesetzt. 56 Minuten später hatte ich es geschafft: meine Anmeldung zum IM Frankfurt war amtlich. Wie es sich für einen cand. im. gehört, hab ich es zuerst unserem Schwimmtrainer verraten. Meiner Frau hab ich was von „ein Wettkampf nächstes Jahr in Frankfurt, magst du mitkommen“ vorgenuschelt. Ebenfalls tria-typisch begann die Vorbereitung im Sportgeschäft. Noch im Sommerschlussverkauf hab ich mir einen Rollentrainer vom feinsten (Tacx mit Virtual Reality) besorgt. Auch die Bücher von Friel, „Trainingsbibel für Triathleten“ und „Going long“ wurden pflichtschuldigst angeschafft und intensiv studiert. Ein Karbonrad ist bei mir eigentlich sinnlos, drum hatte ich vor, die LD auf meinem umgebauten Wilier Escape zu bestreiten, einem Rennrad mit Alurahmen, dem ich eine gerade Sattelstütze und Aero-Auflieger spendiert hatte. Aus diesem Plan wurde nichts… Das tägliche Studium von Fachzeitschriften und Internetforen, kombiniert mit dem bevorstehenden 50. Geburtstag, ließen den guten Vorsatz dahin schmelzen und im Januar hatte ich Termin zur Radbiometrie. Das Ergebnis war ein Merida Time Warp, vom Buchstaller Fritz persönlich eingestellt, auf dem ich mich auch gleich richtig gut fühlte.

Ach ja, trainiert wurde nebenbei auch. Nach dem München Marathon im Herbst gabs erst noch eine kleine Pause und ab November begann das Grundlagentraining, überwiegend laufenderweise. Sonntags hab ich meine Stunden auf der Rolle abgesessen und zwischendurch das MTB und die Treckingziege bewegt. Rennradfahren auf der Straße war wetterbedingt kaum machbar, so dass die ersten guten Umfänge erst im Trainingslager zustande kamen. Über Ostern war ich zwei Wochen mit Hannes Hawaii Tours auf Mallorca. Dort hab ich nicht nur beide Enden des Rumpfs an das Rennrad gewöhnt, sondern auch meine Schwimmtechnik deutlich verbessert und auch sonst eine Menge gelernt. Nach dem TL wurde weiterhin fleißig geradelt, jetzt mit dem neuen TT-Bike. Die Vorbereitungswettkämpfe liefen recht gut, bis ich vier Wochen vor dem IM im Kraichgau regelrecht absoff. Panik, Atemnot, Rettungsboot, das volle Programm. Nach dem ersten Katzenjammer habe ich kurzerhand den Trainingsplan für die letzten Wochen über den Haufen geschmissen, bin zwei mal die Woche mit einem neuen, größeren Neoprenanzug in den Neckar gestiegen und dort so lang geschwommen, bis ich mich pudelwohl gefühlt habe. Dass dann beim IM in Frankfurt der Neo verboten wurde, weil das Wasser zu warm war, war abzusehen…

Langsam wird es ernst. Mit Fahrrad, Frau und reichlich Gepäck gehts nach Frankfurt. Für Mariétou werden es harte Tage. Dass ich mehr Schuhe mithabe als sie ist noch das Geringste. Im Hotel gibt es die erste Diskussion, weil sie darauf besteht, mit mir im Bett zu schlafen und das Rad in die Zimmerecke verbannen will – obwohl eine durchaus gemütliche Couch da wäre. Zum Glück hab ich einen Hinterbauständer mit und wir können dieses Problem undramatisch lösen. Unser Hotel ist in Walldorf, nahe am See. Freitag früh schauen wir uns erst mal am Strandbad um und fahren dann nach Frankfurt, die Startunterlagen holen. Diesmal wird mein Sinn für Humor strapaziert, während Mariétou LD-ler analysiert: angeblich sehen die alle gleich aus: bisschen älter, aber enorm drahtig, dabei dezent muskulös, Kurzhaarschnitt ist Pflicht, Tattoos sind ausdrücklich erwünscht.

Angesichts der Temperaturen, die von 35 Grad langsam höher gehen, fahren wir einen Teil der Radstrecke mit dem Auto ab. Etliche Teilnehmer sind da deutlich hartgesottener und mit dem Rad unterwegs – ich gönne ihnen den Spaß. Nach der WK-Besprechung gibts Abendessen bei Freunden, dann zurück ins Hotel. Samstag trennen sich unsere Wege. Während Mariétou in Frankfurt shoppen geht, zelebriere ich meinen Vortag. Ich packe die Wechselbeutel, stopfe sie in den nagelneuen IM-Rucksack und radle die 10 Minuten rüber zum See. Der check-in ist eindrucksvoll. Ohne lange Wartezeit geht es am Kampfrichter vorbei, der Rad und Helm überprüft. Dann noch Fototermin für die Sicherheit (hier wie auch Sonntag beim auschecken wird jedes Rad samt Reiter fotografiert). Nach dem Fotografen wartet schon eine lange Helferschlange auf uns. Unter den bleibenden Eindrücken des Wochenendes ragen die 4300 Helfer heraus, die sich unabhängig von Tageszeit und Witterung um jeden einzelnen Athleten bemühen, immer freundlich, fürsorglich und kompetent. Dieser Bericht wäre unvollständig ohne meinen herzlichen DANK AN ALLE HELFER DES IM FRANKFURT 2010! Nachdem das Fahrrad und der ganze Rest verstaut sind, gehe ich noch 15 Minuten im Wald laufen und eine halbe Stunde im See schwimmen. Das Wasser ist mollig warm und angenehm griffig. Ich schwimme von der Startlinie ein Stück die Strecke entlang, quere dann nach links und biege zurück Richtung Ufer, um die Perspektive Richtung Landgang zu sehen; das gleiche mache ich noch für die zweite Runde. Damit habe ich am Vortag des Wettkampfs noch drei gemütliche Einheiten absolviert!

Dann ist der große Tag endlich da. Tapering, Anreise, WK-Besprechung, check-in sind gelaufen. Es ist gerade mal 1/2 6 Uhr früh und am Langener Waldsee stept der Bär. Athleten, Betreuer, Helfer und Kampfrichter wuseln durcheinander und sortieren ihre sieben Sachen. Radpumpen sollten laut Veranstalter reichlich vorhanden sein, aber in meiner Paranoia hab ich natürlich meine eigene dabei und das ist gut so. Innerhalb weniger Minuten haben sich vier Leute meine Pumpe ausgeliehen – und sofort wieder gebracht, so dass ich sie am Ende dem Veranstalter überlassen kann, der sie für einen guten Zweck spenden wird. Irgendwann ist das Rad aufgepumpt, die Kette kontrolliert und die Klamotten sind so aufgebaut, dass man nach dem Schwimmen zügig reinkommt, rein theoretisch zumindest. Dann das übliche Vorstart-Ritual: alle Teilnehmer formieren sich zu Schlangen vor den Dixie-Klos. Ein Bekannter wird langsam nervös, weil er in der ersten Gruppe startet und noch 5 Leute vor ihm dran sind. Ich werde langsam nervös, weil ich noch so ruhig bin. In meinem ganzen Leben habe ich mich nie auf etwas dermaßen gründlich vorbereitet, und dieses Wissen beruhigt ungemein. Nachdem die erste Schwimmgruppe gestartet ist, gehe ich langsam runter zum See und genieße den Rummel. Mehrere tausend Zuschauer sind schon am frühen Morgen hier, drängeln sich hinter der Absperrung und feuern uns schon vor dem Start an. Am Ufer kann man schön die verschiedenen Charaktere beobachten: während sich die ersten Teilnehmer schon eingeschwommen haben und an der Startlinie hängen, gehe ich mit den letzten relativ spät ins Wasser. Brille auf, ein paar Züge ruhig schwimmen, ein paar Züge Gas geben, dann suche ich mir einen gemütlichen Platz. Eingedenk des Fiaskos im Kraichgau halte ich weiten Abstand zum Feld und warte sogar nach dem Startschuss noch einige Sekunden, bevor ich gemütlich hinterher schwimme. Ich konzentriere mich auf saubere Technik, insbesondere eine ausgeprägte Gleitphase, und schneller als erwartet fange ich an, andere zu überholen. Ich versuche, einen Wasserschatten zu finden, bin aber schneller als die Leute um mich herum. Ab und zu lege ich einen kleinen Zwischenspurt von wenigen Zügen ein, um besonders lästige Zeitgenossen los zu werden. Dabei fällt mir ein Satz aus dem Trainingslager ein: das Schwimmen auf der LD ist kein GA1-Gedümpel, sondern kann durchaus Intervallcharakter haben. Ich musste eine LD machen, um das wirklich zu verstehen. Noch bin ich im ersten Viertel der Schwimmstrecke und vor allem um Ruhe bemüht. Ich orientiere mich darum nach außen und bin teilweise fast allein unterwegs – nur ein Aufpasser im Kanu beäugt mich verwundert. Besonders an den Bojen schwimme ich lange Wege, um in keine Keilerei zu geraten. Allmählich macht das Schwimmen richtig Spaß. Ich schwimme sauber und sogar richtig geradeaus und genieße den Morgen im Wasser. Nach gut 2km geht es Richtung Landgang. Das Feld rückt von breit auf schmal zusammen und beim Landgang gibt es auch einen kleinen Rückstau, so dass ich in einem vergleichsweise dichten Rudel auf die zweite Runde gehe. Inzwischen hab ich aber genug Selbstvertrauen aufgebaut, um mich im Getümmel zu behaupten, und mit ein paar kräftigen Zügen zwischendurch kann ich mich auch immer wieder davonmachen, wenns zu eng wird. Zwischendurch hatte ich sogar Beinschlag (!) eingesetzt, nach 3/4 der Strecke fahre ich diesen „Unfug“ aber wieder zurück und verstärke dafür den Armzug. Nach 1:20 steige ich schließlich als 1052. aus dem Wasser. Ausgehend von meiner Startposition habe ich das 1/2 Feld aufgerollt! Der Anstieg über Sand zur Wechselzone ist dann mühsam, aber mir pressiert ja nichts. Schnell noch nach Dixieland, den 1/2 See zurückgeben (wieder mit offenem Mund geschwommen!) und weiter Richtung Rad. Die Wegpunkte, nach dem dritten Baum, vor der Lampe links, hab ich noch im Kopf und finde meinen Untersatz auf Anhieb. Das mit dem Trikot dauert dann eine Weile, weil sich das Teil aufgerollt hat und eine dicke Wurst hartnäckig auf Höhe der Schulterblätter hängen bleibt, wo ich nicht wirklich rankomme. Schließlich ist auch das geschafft, ich schiebe mein Rad zum Ausgang, steige an der Markierung auf und rolle los Richtung Frankfurt.

Laut Lehrbuch sollte ich jetzt erst mal in Ruhe frühstücken, während ich meinen Rhythmus finde. Das ist aber gar nicht so einfach. Die Einhaltung des Windschattenverbots erfordert einiges an Konzentration und Kraft und ich habe ständig ein Auge auf die Herzfrequenz, die mein Tacho mir groß präsentiert (Zeit und Distanz stehen etwas kleiner drunter, aber die interessieren ja nicht wirklich; ich rechne nicht damit, an der 2. Wechselzone vorbei zu düsen). Gerade am Anfang der Radstrecke sind unzählige Radler auf engem Raum unterwegs. Kaum hat man einen überholt, steckt man schon in der Windschattenbox vom nächsten und zieht da auch noch durch. Wenigstens ist im ersten Teil die Straße breit genug, um die 2m seitlich einhalten zu können. Zwischendurch schiebe ich mir den halben Riegel rein, den ich vor dem Start nicht mehr geschafft und auf dem Oberrohr deponiert hatte. Recht bald endet die Landstraße und wir rollen Richtung Innenstadt. Schienen, Fräskanten und Baustellen fordern volle Aufmerksamkeit. Schon sind wir auf dem Mainkai und sehen zum ersten Mal die 2. Wechselzone – ab hier noch zwei Runden. Nach ein paar Kilometern kommen die ersten Anstiege, und der Puls geht erstmals über 150. Da ich nicht der große Radcrack bin, habe ich mir eine alpentaugliche Übersetzung ans Rad nageln lassen und kurbele noch recht entspannt mit 34/27 das „Beast“ hinan. Kurz danach geht es durch „the hell“ und ich falle fast vom Rad, als mich der Streckensprecher namentlich begrüßt: „Hier kommt mit Nummer 1197 Günter Eckert, der 1000. Radfahrer des heutigen Tages“. 15 sec. Ruhm für Jeden! Das Kopfsteinpflaster an dieser Stelle rechtfertigt den Kosenamen für den Streckenabschnitt, der zum Glück nicht besonders lang ist. Der Hühnerberg kurz danach hingegen zieht sich ganz schön dahin, belohnt aber mit einer lässigen Abfahrt hinten runter – 66,9 km/h hat mein Tacho hier protokolliert. Die nächsten 40km sind überwiegend flach und laufen flott dahin, bis es in Bad Vilbel den „Heartbreak Hill“ hinaufgeht. Dieser Hügel gehört zur Kategorie „kurz und knackig“ und ist ein Zuschauermagnet. Die Leute stehen auf der Fahrbahn und lassen nur ein Gasse frei, die gerade mal für 2 Radfahrer reicht. Oben gibts Verpflegung und dann die Abfahrt nach Frankfurt rein. Auch hier leider eine Dauerbaustelle mit nur einer schmalen Fahrbahn. Ein Transporter des hessischen Rundfunks verfranzt sich und fädelt genau vor mir in die Radkolonne ein, mein Kommentar ist aber leider nicht sendetauglich. Wir eiern also in Kolonne durch die Baustelle bergab, schießen durch den Theatertunnel und haben die erste Runde geschafft. Bisher hat das auch halbwegs geklappt mit Friels Lehrbuchweisheit: „Die erste Hälfte der Gesamtdistanz sollte sich gar nicht anfühlen wie ein Rennen“. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich mir vorgestellt, dass man gemäß dieser Maxime in der zweiten Radrunde anfangen kann, Gas zu geben. Die Realität sah dann ein bisschen anders aus: ich fuhr die 2. Runde annähernd genau so schnell, es fühlte sich aber deutlich anders an! Die Strecke war mir inzwischen vertraut. Ich hatte sie im Winter schon zwei mal auf dem Rollentrainer abgefahren, mit Video, und jetzt ein mal in natura. Die zweite Runde hielt also keine Überraschungen bereit, wurde aber gegen Ende doch etwas strapaziös. Nach dem Heartbreak Hill ließ ich die letzten 15km abwärts überwiegend rollen, bzw. strampelte im kleinen Gang mit hoher Frequenz. Letzte Linkskurve, die Wechselzone kommt in Sicht. Allmählich dämmert mir, dass ich jetzt noch einen Marathon laufen muss. Das war mir zwar irgendwie die ganze Zeit bekannt gewesen, ich hatte den Gedanken aber gut sieben Stunden lang erfolgreich verdrängt; die Beschreibung des Gargantuan gargle-blaster kam mir in den Sinn: ein goldener Ziegelstein, in eine hauchdünne Zitronenscheibe gewickelt, mit dem man dir das Hirn aus dem Schädel schlägt. Ok, das war überspitzt, ging aber in die Richtung. Meine größere Sorge galt jetzt ohnehin nicht dem Hirn (beim Triathlon sowieso nur störend), sondern den entgegen gesetzten Extremitäten. Die Füße hatten sich schon in den Radschuhen irgendwie drollig angefühlt, aber ich konnte nicht sagen, ob ich Blasen hatte oder nicht (ich hatte keine). Vor der Wechselzone noch Schuhe aus, auf den Schuhen bis zum Abstieg gerollt, wo einer von 4300 freundlichen Helfern das Rad versorgte und ab Richtung Zelt. Eine freundliche Helferin hatte bereits meinen Laufbeutel gefunden und übergab uns beide an ihre freundliche Kollegin, die mir beim Umziehen assistierte. Die Füße gründlich abgewischt, Socken an (mit Vaseline schon drin), Schuhe an und ab die Post – direkt nach Dixieland.

Die Verdauung sollte mir an diesem Tag am meisten zu schaffen machen. Vermutlich hatte ich zu den ganzen Gels etc. nicht genug Wasser geschluckt und litt während des Laufs unter Blähungen mit Dünnpfiff. Insgesamt drei Klo-Pausen halfen dem Laufrhythmus in keiner Weise. Mariétou machte sich inzwischen Sorgen. Sie hatte mich auf dem Rad anrauschen sehen, danach im Zelt verschwinden, aber lange nicht wieder rauskommen. Schließlich war auch das geschafft, und ich lief erleichtert los. Die ersten drei Kilometer war ich noch flott unterwegs, dann ließ meine Form rapide nach. Mein km-Schnitt pendelte um die 6 Minuten. Nach vier Kilometer die große Überraschung: mein Kollege Andi springt aus dem Gebüsch und jubelt mir zu. Er ist an dem Tag extra nach Frankfurt gefahren, um mich persönlich leiden zu sehen – das ist wahrer Sportsgeist. Auch Melle nebst Freundin ist da, und gemeinsam schwenken sie Fahnen, Fotoapparate und Camcorder. Auf der ersten Laufrunde gibt es noch Neues zu entdecken, schließlich bin ich zum ersten Mal hier unterwegs. Nach 7 km kommen wir an die Kontrollstelle. Hier werden die Läufer auf vier Bahnen verteilt, entsprechend der Runde, auf der sie sich befinden, und bekommen im Vorbeilaufen ein Gummiband über den Unterarm geschoben, jede Runde eine andere Farbe. Ich, noch unbereift, ordne mich rechts ein und schiele neidisch nach links hinüber, zu den Leuten, die schon ein ganzes Stück weiter sind als ich. Durch die vier Laufrunden ist wenigstens für Unterhaltung gesorgt. Zumindest als ich unterwegs bin, ist noch gut Verkehr auf der Strecke, man überholt und wird überholt und die Zuschauer sorgen für Stimmung. Alle 1500 Meter stehen Helfer an den Verpflegungsstationen und versorgen uns mit Essen, Trinken und Aufmunterung, alles wird gern und dankbar angenommen. Auch einige der Favoriten überholen mich, zuerst Caroline Steffen, die zu dem Zeitpunkt führende Frau, dann Chris McCormack, der bei den Männern Dritter werden wird. Als die erste Runde zu Ende geht, sinkt langsam meine Moral. Die verbleibende Strecke scheint länger zu werden statt kürzer, und über Friels Weisheit, dass man in der zweiten Hälfte des Marathon angreifen könne, kann ich nicht mal mehr lachen. Als ich in die zweite Hälfte starte, fühle ich mich am Ende. Meine Fans haben offenbar auch aufgegeben, ich kann sie nicht mehr entdecken; später auf dem Video sehe ich, wie ich in Trance an ihnen vorbei laufe und nicht auf Zuruf reagiere. Bei jeder Verpflegungsstation lege ich eine Geh-Pause ein. Ich würde gern auf Autopilot schalten, aber mein Magen beschäftigt mich zu sehr. Das Thermometer zeigt mittlerweile über 30 Grad und man freut sich über jeden Baum, der ein bisschen Schatten spendet. Als ich bei km 28 mein drittes Armband bekomme, baut mich das allmählich wieder auf. Mit einer Mischung aus Erleichterung und Mitleid sehe ich, dass andere Läufer noch auf Runde eins oder zwei unterwegs sind. Die Ernährung habe ich inzwischen von Gel auf TUC-Kekse und Salzbrezeln umgestellt, das scheint der Verdauung besser zu bekommen. In der vierten Runde laufe ich an den Verpflegungsstellen wieder durch und erkenne auch meine Freunde an der Strecke wieder, gebe sogar ein Interview, während Andi mit der Kamera nebenher läuft und vor Begeisterung am Baum endet. Während ich überlege, ob ich kurz vor dem Ziel noch mal gehen soll, um auf dem roten Teppich lockerer auszusehen, ist es schon zu spät dafür. In vollem Ornat, mit vier Bändchen am Arm, biege ich von der Laufstrecke rechts ab in den schmalen, von Zuschauern belagerten Gang mit dem roten Teppich, hoch zum Römer. Auf dem Platz mündet die Gasse in den Zieleinlauf mit vollen Tribünen links und rechts. Die Schwerkraft ist aufgehoben und mit glücklichem Grinsen schwebe ich die letzten fünfzig Meter bis zum Ziel.

Bildnachweis:

Ich hab auch für Schweinegeld die Fotos des offiziellen, vom Veranstalter bestellten Fotografen gekauft. Zusammen mit den Fotos kam ein meterlanger Text, in dem die Verwendung dieser Fotos allerstrengstens verboten wurde. Ich strafe diesen Fotoservice mit ausdrücklicher Nicht-Nennung.

Die Fotos hier stammen von Anja Skazel. Sie hat sich den ganzen Tag an die Strecke gestellt und die Fotos zum kostenlosen download bereitgestellt. Dafür meinen herzlichen Dank und lobende Erwähnung!

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Über Günter

Manager und Triathlet
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