Endlich was zu meckern – Tübingen, die Bewertung

Jahrelang hab ich nur Lobeshymnen über Sportveranstaltungen abgesondert. Ich kam mir schon verdächtig nett vor. Gutmensch lass ich mir ja gern gefallen, aber Nettmensch? Bitte nicht!

Die Desorganisatoren des Tübinger Triathlons haben jetzt aber so viele Böcke geschossen, dass ich mal richtig ablästern kann. Aus alter Gewohnheit fange ich trotzdem mit dem Positiven an: die Strecke ist super schön, das Schwimmen im Neckar ein Erlebnis, die Radrunde schön ausgewogen und die Laufstrecke mit ihrem Profil und Kopfsteinpflaster verlangt den Teilnehmern den letzten Rest ab. Reichlich motivierte Helfer sind auch an der Strecke – EIN RIESENLOB AN ALLE HELFER! Dank verkaufsoffenem Sonntag sorgen unzählige Zuschauer für tolle Stimmung. Und die zentrale Lage mitten in der Stadt wäre ein dickes Plus – wenn die Chose mit ein bisschen Grips organisiert wäre. Ich liste hier mal auf, was so eigentlich nicht passieren darf:

  • Der zentrale Durchgang der Wechselzone vom Schwimmen zum Rad und vom Rad zum Laufen führt über einen schmalen Steg. Das wäre nicht weiter schlimm, aber den Check-in über genau diese Brücke zu führen, während bereits Wettkämpfe laufen, ist – ich weiß es nicht, der Veranstalter soll sich selber ein Adjektiv dafür ausdenken!
  • In der Wechselzone gab es keine Toiletten! Als Ergebnis sah man reihenweise Männchen in den Neckar pinkeln, ca. 100 Meter stromauf vom Start. Ich musste kacken und ging über die oben erwähnte Brücke zu den Dixies knapp vor der Wechselzone, nutzte das letzte Blatt Scheißhauspapier und hatte aus alter Erfahrung ein Päckchen Tempos mit. Der Ordner an der Brücke ließ mich hier nicht wieder rein, ich durfte einen Kilometer hatschen, um wieder zu meinem Rad zu kommen.
  • Bei dieser Gelegenheit besichtigte ich die Mountline. Die hatte ein Witzbold mit einem Streifen grauen Panzerband auf den grauen Asphalt geklebt, somit perfekt getarnt und die Kampfrichterin brüllte sich heiser, abwechselnd „hier aufsteigen“ und „hier absteigen“.
  • Von der angekündigten Wettkampfbesprechung habe ich nichts mitbekommen. Auch keine Durchsagen oder Aufrufe. Ein womöglich vorhandener Sprecher bespaßte wohl das Publikum auf der Brücke, die Athleten im Vorstartbereich durften sich selbst organisieren, wer wann in’s Wasser darf. Gerade für Ersttäter auf der Schnupperdistanz eine Zumutung.
  • Der Treppe am Schwimmausstieg hätte man am unteren Ende ruhig noch 1-2 Stufen spendieren können. DANKE AN DIE HELFER, die mich hier herauszogen!
  • Nach dem Schwimmen lief ich korrekt den Weg aus der Wettkampfinfo, hinten über das Gras rein, quer zum Rad und über den Teppich raus. Zwei, drei andere ebenso. Alle übrigen liefen auf dem Teppich nach vorn und kürzten so, je nach Stellplatz, einige Meter ab. Ein Kampfrichter an dieser Stelle wäre nett gewesen.
  • Der allerdickste Hund lauerte aber auf der Radstrecke. Die Wende am Ende war ja nicht zu verfehlen, aber die Wende zur zweiten Runde war nicht zu erkennen. Ich fuhr erst mal dran vorbei, nur die Rufe der Zuschauer brachten mich auf den rechten Weg. Kollegin Marlies, die derweil am Eingang der Wechselzone stand, berichtete, einige Radfahrer seien bis dorthin gefahren und hätten ratlos nach der Wende gefragt. Die wurden wieder zurückgeschickt und fuhren so einen guten Kilometer zu viel, davon 200 Meter bergauf. Himmelherrgott, da muss ein meterhohes Schild hin! 2. Runde – Pfeil nach links / Ziel – Pfeil geradeaus. Soll ich das aufmalen?
  • Am Ende der Radstrecke durften wir volle Kanne durch die Ligawechselzone brettern, auf blauem Teppich an den Radständern vorbei. Sicher geht anders.
  • Auf der Laufstrecke war es dann weniger schlimm. Die Helfer am Verpflegungsstand waren zwar motiviert, aber wenig instruiert und so musste ich das ISO erst mal suchen, als ich in der zweiten Runde welches wollte. Ab der dritten Runde wusste ich dann, wo es stand.
  • Anscheinend gab es beim Laufen keine Rundenkontrolle. Als Buchhalter kann ich zwar meist fehlerfrei bis 4 zählen (arbeite nicht im Sägewerk), aber im Eifer des Gefechts kann schon mal was schief gehen. Ein armes Mädel fragte jeden Linksabbieger, ob er schon vier mal durch den Tunnel sei… Ich hoffe, hier gab es keine Proteste.
  • Für die Lutscher auf der Radstrecke kann der Veranstalter ausnahmsweise nichts, es waren reichlich Karis unterwegs und lösten Verbände auf. Trotzdem wurde ich in der zweiten Runde von Leuten überholt, die wohl glaubten, sie seien in der Bundesliga. Den Namen Evangelos habe ich übrigens schon mal in so einer Situation gesehen, scheint ein geselliger Typ zu sein…

Mein Rat an den Veranstalter: ihr habt hier die Chance für einen großartigen Wettkampf – bitte vermasselt das nicht derart zielstrebig!

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Naab und Autor fertig (Teil 2)

Zum Frühstück am Sonntag erschien ich noch ganz normal. Nachdem ich dann das Zimmer bezahlt hatte, zog ich mich um, packte meinen Wassersack und betrat den Frühstücksraum erneut – diesmal im Schwimmeroutfit und mit der Warnung: Fürchtet Euch nicht, ich bin es! (Den Spruch „Ich will nur spielen“ habe ich mir verkniffen). Die Chefin, Frau Sarfert, konnte das nicht schrecken, sie macht selber Triathlon und wusste sofort, was sie zu tun hatte. Die anderen Gäste waren jetzt doch neugierig geworden und ich erklärte ihnen, was ich hier trieb. Hinter der Schlossschenke fand ich die Treppe zum Fluss, heute ohne den kiffenden Burschen vom Vorabend. Zum Glück war ich bereits im Schutzanzug und kam so ungebrannt an den Brennesseln vorbei. An dieser Treppe fand ich die stärkste Strömung des ganzen Wochenendes vor, hier war der Abflusskanal des E-Werks. Die ersten 500 Meter schoss ich in gut 5 Minuten hinunter! Die Sonne stand noch tief und schickte einzelne Strahlen durch die Büsche am Ufer auf’s Wasser. Ich genoss die sonntagmorgendliche Ruhe und den kräftigen Rückenwind bis zur Baustelle in Duggendorf, wo mich ein gar schröckliches Warnschild des Wassers verwies. Hinter der Brücke stieg ich wieder ein und schwamm ohne weitere Zwischenfälle nach Pielenhofen, wo ich eine kurze Pause einlegte.

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Ab Pielenhofen kannte ich die Strecke von einer ersten Erkundung im August 2014, aber heute hatte ich deutlich bessere Bedingungen – dafür aber schon 20 Kilometer in den Armen. Seit dem Start am Morgen war ich am Rumrechnen. Wenn ich in Etterzhausen ausstieg, wäre ich in 10 Minuten am Bahnhof und könnte, mit einigem Umsteigen, vor Mitternacht zu Hause sein. Schwamm ich durch bis zum Ziel in Mariaort, bräuchte ich zu Fuß und mit dem Bus eine ganze Weile bis zum Bahnhof Regensburg, wo ich den gleichen Zug erwischen müsste wie im vorigen Fall. Im Lauf des Tages stellte sich heraus, dass ich genügend Zeit hatte, um bis Mariaort zu schwimmen. (Auch wenn hintenraus einiges anders kam, als geplant.) Samstag war ich überwiegend im Dreierzug unterwegs gewesen. Auf langen Strecken beugt das einseitiger Belastung vor, aber ich kann den halt nicht so gut – den größten Teil des Jahres atme ich nur nach rechts. Im Lauf des Sonntags musste ich immer öfter in den Zweierzug wechseln, weil ich beim links Atmen einfach zu viel Wasser schluckte. Kurz vor dem mittäglichen Etappenziel in Penk hatte ich eine seltsame Begegnung: vom rechten Ufer löste sich ein Baumstamm und schwamm zielstrebig quer über den Fluss. Ich war zwar nie bei den Pfadfindern, aber mein Reptilienhirn signalisierte mir: ein Baumstamm, der wie ein Tier schwimmt, ist ein Krokodil! Nach dem ersten Schreck schaltete sich mein Buchhalterhirn in die Debatte ein: Krokodile können in bayerischen Flüssen gar nicht überleben, die werden von Killerwelsen gefressen! Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das Phänomen als eine Gruppe von Enten, die in Formation unterwegs waren. Die steckten wahrscheinlich mit den Scherzbolden unter einer Decke, die am Kanuausstieg ein Warnschild aufgehängt hatten (s. Foto unten).

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Nach einem reichhaltigen Mittagessen ging ich zurück zum Kroko-Badeplatz. Dort landete gerade ein Pärchen auf einem SUP-Board an. Ein Kanufahrer ließ es sich nicht nehmen, das Teil zu testen. Ich stieg wieder in die Naab und nahm die letzten zwei Etappen von je vier Kilometer in Angriff. Die erste führte mich zum Badeplatz in Etterzhausen, wo ich mit meine schnieken Anzug reichlich deplatziert wirkte zwischen all den Plantschern und Badern. Ich schob schnell einen Riegel ein und schwamm weiter.

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Hinter Etterzhausen hatte ich zunächst Begleitung von einer Ruderin und einem Kajakfahrer. Dabei lernte ich aus ihrer Unterhaltung, dass die traumhaften Ufergrundstücke, an denen ich vorbeigeschwommen war, auch ihre Schattenseiten haben. Wenn man die nicht mit Stacheldraht und Selbstschussanlage sichert, parken und müllen einem die lieben Zeitgenossen die Wiese gnadenlos zu. Die restliche Strecke war dann enorm mühsam. Das Tal wurde breiter und von einer Strömung konnte keine Rede mehr sein. Mein Tempo ging gnadenlos in den Keller (wahrscheinlich zum Lachen). Der Schwimmbeutel, sonst federleicht über’s Wasser gleitend, zerrte entnervend am Gürtel. Ich konnte mich nicht einmal mehr zum Fotografieren aufraffen. Wenn ich, trotz strengstem Verbot, mal auf die Uhr schaute, war ich kaum ein paar Meter weiter gekommen. Endlich sah ich den Fußgängersteg von Mariaort. Davor plantschten mehrere Familien fröhlich im Wasser – toll, dass die Leute tatsächlich noch im Fluss baden! Mit letzter Kraft krabbelte ich die Stufen hoch und machte mich auf den Heimweg (der Dank der Deutschen Bahn ein Abenteuer für sich war, aber das ist hier nicht Thema). Den Montag habe ich dann zum größten Teil verpennt.

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Naab und Autor erledigt (Teil 1)

Am Wochenende habe ich die Beschwimmung der Naab erfolgreich und erschöpft abgeschlossen! Am Freitag fuhr ich mit dem Zug nach Regensburg. Auf den letzten Kilometern hatte ich schon eine schöne Aussicht auf die Naab kurz vor der Mündung in die Donau. Hier wollte ich am Sonntag ankommen. Ganz sicher war ich noch nicht, Plan B wäre der Ausstieg in Etterzhausen gewesen, von wo aus ich einen Zug nach Hause bekommen hätte. Am Abend bin ich bei meiner Schwester in Regensburg eingefallen – Danke für den netten Abend und die exzellente Verpflegung! Samstag früh nahm ich den 41er Bus nach Burglengenfeld, der sich in Anlehnung an die Harry Potter-Saga nicht für Bussteig 4 oder 5 entscheiden kann.

Auch der Busfahrer hatte seine liebe Mühe mit einer Baustelle. Ein ortskundiger Passagier wies ihm den richtigen Weg drum herum. Nach einem Wendemanöver in Regendorf – genau an einem Etappenziel meiner Regentour in 2014 – kamen wir pünktlich in Burglengenfeld an. Hier hatte ich 2015 mein Naabschwimmen abgebrochen, ein Infekt und schlechtes Wetter kamen damals zusammen. Diesmal fühlte sich Alles gut an. Nach einem Boxenstop im Cafe am Marktplatz schlenderte ich über die Pitiviersbrücke zum Kanu-Einstieg, wo sich gerade eine Familie mit Kleinkind einschiffte.

Die Kanuten kamen mir gerade recht, denn ohne Hilfe bekomme ich meinen Neoprenanzug nicht zu. Die Variante, den schon bei meiner Schwester anzuziehen, hatte ich verworfen. Eine Stunde Busfahrt samt Umsteigen und der Besuch im Cafe hätten die Gefahr der Erregung öffentlicher Erregung heraufbeschworen. Langstreckentauglich eingepackt startete ich zur ersten Etappe bis zum Wiesenwehr in Schirndorf. Zwei Schwäne begleiteten mich einen großen Teil der Strecke. Das Wetter spielte hervorragend mit, es war leicht bewölkt bei angenehmer Temperatur. Das Wasser habe ich nicht eigens gemessen, laut Webseite sollte es rund 20°C haben. Zwischen bewaldeten Ufern schwamm ich genüsslich dahin. Ab und zu kam ich an einer kleinen Siedlung vorbei, manchmal sah ich Radfahrer oder Fußgänger am Ufer. Eine leichte Strömung half mir beim Vorwärtskommen. Auch Flachstellen gab es, aber die waren selten und kurz – nicht wie 2015 im Oberlauf, wo ich fast kilometerweise mit dem Schwimmsack unter dem Arm über Steine und durch Schlingpflanzen gestolpert war. Nach 4,4 km erreichte ich das Wehr. Knapp neben einem Frosch stieg ich aus und machte eine Pause, mit Energieriegel und Apfelschorle. Hier die Strecke bei Garmin Connect:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408128

Und hier die Fotos:

Die Schnaken vertrieben mich recht bald wieder von meinem Plätzchen. Das war nicht schlimm, ich fühlte mich recht fit und machte mich auf den Weg nach Kallmünz. An einem Campingplatz vorbei und immer der Nase nach kam ich wieder gut voran, trotz einer weiteren Flachstelle. Bald sah ich die Burgruine hoch über Kallmünz. Der Anblick von Biergartenschirmen am Ufer beflügelte mich zu einem furiosen Endspurt. Ich zog mich um, hängte Neo und Handtuch zum Trocknen auf und gönnte mir ein nahrhaftes Mittagessen mit reichlich Bratkartoffeln. Hier die Strecke und die Fotos:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408146

Auf der Wiese neben dem Einstieg übte die Feuerwehr spektakulär Wasserspritzen. Ich vollzog den nächsten Kostümwechsel, diesmal half mir ein Passant mit dem Reißverschluss. Kurz nach dem Start wurde es plötzlich frisch und bewegt. Die Vils brachte kaltes Wasser und jede Menge Schwung in die Naab, so dass die restlichen Kilometer bis Heitzenhofen die schnellsten des Tages wurden. Das Wehr in Heitzenhofen hatte noch einen rechten Irrgarten von Kanälen zu bieten. Hier war ich froh über meine laminierte Karte, die ich immer am Schwimmsack hängen habe. Über ein steiniges Ufer kletterte ich auf ein Inselchen, von dem eine Brücke zum Ufer führte. Völlig illegal latschte ich quer durch das Betriebsgelände des E-Werks zum Ausgang. Der Angler dort machte mich wider Erwarten nicht zur Schnecke, sondern befragte mich interessiert zu meinem Vorhaben und meiner Ausrüstung. Ich machte mich wieder stadtfein und checkte im Hotel ein. In der Schlosswirtschaft gab es erst mal Kaffee und Kuchen und nach einem Stadtrundgang durch ganz Heitzenhofen (lässt sich in 2:47 Minuten erledigen) ein gepflegtes Abendessen.

https://connect.garmin.com/modern/activity/1250408160

 

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Packtag

Heute nachmittag breche ich in Richtung Naab auf. In zwei Tage will ich dort 31 Kilometer schwimmen. In letzter Minute habe ich getestet, ob ich überhaupt das ganze Gepäck unterbringe. Für dieses Abenteuer brauche ich Schwimmklamotten inklusive Neoprenanzug und Handtuch, Zivilklamotten für abends (immerhin habe ich in der Schlossresidenz gebucht), sowie Futter, Zahnbürste und Ladekabel. Ausgebreitet sieht das nach richtig viel aus:

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So lange ich schwimme, muss das meiste Geraffel in den Sack. Zum Glück habe ich den in XL und alles passt rein:

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Nach dem Schwimmen (ist vor dem Schwimmen) darf ich umpacken, mit Neo drin wird selbst der XL-Sack langsam knapp, dafür braucht er dann nicht mehr dicht zu halten. Und damit man das Teil noch schleppen kann, packe ich es in einen alten Neo-Beutel und nutze zwei Riemen als Schultergurte:

Zugticket und Übernachtung habe ich schon organisiert, jetzt kann’s los gehen!

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Mit dem Arsch am Rad vorbei

Mein Gewerbe habe ich wieder abgemeldet, ich werbe nämlich gar nicht ge-, sondern bin beruflich frei. Genau so frei ist das abgesperrte Rad, das heute vor dem Einkaufszentrum stand:

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Der blog zum blog

Heute gibt es Secondhand-Literatur. Martin Tschepe, ansonsten Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung, hat sein Sabbathalbjahr angefangen und verwirklicht seinen alten Traum, aus dem Schwabenland nach Sylt zu radeln, in seine zweite Halbheimat (mit diesen Migranten kennt man sich einfach nicht aus). Als Vollblutjournalist berichtet er natürlich für die Stuttgarter Zeitung auf einem blog über diese Reise. Und weil so ein Halbjahr verdammt kurz sein kann, muss es schnell gehen: in zwei Wochen 1100 km radeln, ein paar Kilometer schwimmen, Ruhetag auf Sylt und rechtzeitig zur Abifeier der Tochter wieder zu hause sein. Weil ich zur Zeit auch ganz gewaltig sabbate, hat Martin mich zum Mitfahren eingeladen. Ich habe allerdings noch weniger Zeit als der Zeitungsmann. Eine Woche konnte ich ihn begleiten.

Als Kontrollfreak habe ich die ganze Strecke am Rechner aufgemalt und auf Martins nagelneuen Tacho geladen. (Auf mein altes Navi passte nur ein kleiner Teil.) Eingedenk des Chaos bei der Altmühlerkundung habe ich diesmal sogar das Gepäck kartografiert:

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Montag um 10 trafen wir uns am GiG. Ich hatte nur 2 km Anreise, Martin hatte 18.

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Gerade noch rechtzeitig kam Volker vorbei, verabschiedete uns und wir rollten los, immer nach Norden. Für den größeren Teil der Reise konnten wir auf vorgefertigte Routen zurückgreifen, das erste Stück ließ ich vom Computer ausrechnen, was zu recht drolligen Ergebnissen führte. Wir hielten uns brav an den Track und fuhren mal auf schlammigen Waldwegen durch grünen Forst (wo wir einen verirrten Baggerfahrer verwirrten), mal auf vierspurigen Bundesstraßen mitten durch die Stadt. Der Regenguss von der Sorte „kurz und heftig“ erwischte uns im Wald. Wir kamen gar nicht so schnell in die Jacken, wie wir nass wurden – obwohl ich meine Jacke dank des Lageplans in Rekordzeit orten konnte.

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Wenig später waren wir wieder trocken, wenn auch deftig eingesaut.

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Kurz nach 6 Uhr abends erreichten wir Miltenberg und stiegen im Anker ab. Nach einem leckeren Essen im Riesen und dem obligatorischen EM-Kick ranzten wir die Nacht ungestört durch.

Auch Martin versuchte, Ordnung in seinem Gepäck zu halten:

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An Elektronik hatten wir wirklich mehr als genug dabei, Martin sogar einen Laptop, dazu eine Kamera mit WLAN, deren Fotos er auf sein Telefon beamen und von dort auf den StZ-blog laden konnte. Zum Glück hatte Martin auch eine Dreifachsteckdose dabei, sonst hätten wir unser Sammelsurium über Nacht nicht geladen bekommen. Einzig die Fahrräder waren nicht elektrifiziert, auf diese Feststellung legen wir größten Wert!

Jeden Abend fanden wir eine interessante Unterkunft. Vor allem der Bach-Land-Hof in Binsförth hat es uns angetan, wo wir von drei Generationen der Familie Bickel herzlichst umsorgt wurden. Die Pension Trost hatte zwar kein Frühstück im Angebot, empfahl uns dafür das legendäre „Gederner Frühstück“ in der Bäckerei nebenan. Vom Hotel Kuhn in Beverungen habe ich leider keinen funktionierenden link, was daran liegen kann, dass dieses Hotel in einer Zeitblase ungefähr 1963 stecken geblieben ist😉

Tagsüber radelten wir fleißig dahin und wurden, auch dank dem immer flacheren Landschaftsprofil, jeden Tag schneller. Wir lernten Interessantes wie Kurioses über Duden, Zuse, die Gebrüder Grimm, Baron Münchhausen, den Rattenfänger von Hameln und noch dies und das. Martin dokumentierte fleißig alles für seinen blog, teils unter erheblichem körperlichem Einsatz. Hier das „Making of“ seiner Fotos vom Gebrüder-Grimm-Denkmal in Hanau, von der Documenta-Hacke in Kassel und von einem anonymen Getreidefeld mit Kornblumen:

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Insgeheim (und jetzt auch öffentlich) bin ich Martin ja dankbar für seine Bloggerei. Die Foto- und anschließenden Schreib- und Übertragungspausen kamen meinem Hintern ganz gelegen, und auch die Blutzufuhr zum Männerhirn kam wieder in Gang. Manchmal kriegte ich eine Pause nicht mit und fuhr weiter, dann durfte Martin hinterhersprinten. Jeden Tag mussten wir mindestens ein Mal die Regenjacken rausholen, aber nie für lange. Neben Martins blog posteten wir auch Bilder auf facebook. Aufgeschreckt von unqualifizierten Kommentaren achteten wir in der Folge stets auf einen fröhlichen Gesichtsausdruck. Hier eine Impression in Zusammenfassung:

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Freitag abend kamen wir rechtzeitig bei Steffi und Marcus, zwei Eisschwimmkollegen, in Rinteln an. Herzlichen Dank noch Mal für Euere Gastfreundschaft, ich hoffe, wir können das bald mal erwidern! Martin fuhr am Samstag weiter zum Steinhuder Meer, das er am Sonntag mit Marcus durchschwamm, ich fuhr quer rüber nach Hannover und nahm den Zug zurück. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, dass das Gepäck zur Not auch in zwei Taschen gepasst hätte – dann hätte ich aber einen 3D-Lageplan zeichnen müssen!

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Die Reservierungspflicht für Räder im IC (einen Tag im Voraus) finde ich zwar grundsätzlich nervig, ab Hannover war sie aber durchaus sinnvoll. Offenbar wollen dort alle schneller weg, als sie radeln können.

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Dafür will außer mir niemand nach Karlsruhe-Durlach; streng genommen nicht einmal ich, ich musste dort nur umsteigen.

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Auch im Regionalexpress war ich mit meinem Rad alleine.

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Noch ein Nachtrag zum Gepäck: Das Systemgewicht am Ende der Reise lag bei 110,3 kg (am Anfang eher weniger, weil noch alles sauber war). Von der Wäsche habe ich knapp die Hälfte benutzt, da ist noch Luft. Auch die drei Ersatzschläuche waren Unfug, ein Schlauch und Flickzeug hätten gereicht, zur Not hätten wir unterwegs nachkaufen können. Die Gels habe ich alle wieder mit heim gebracht, die Schokoriegel aus dem Supermarkt waren einfach leckerer.

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Camping für Fortgeschwommene

Ich hätte es auch einfach haben können. (Aber dazu hätte ich nur Fußball spielen brauchen). Intensive Lektüre von Zaunhubers Kajak- und Radführer „Die Altmühl“ (Pollner Verlag 2010) festigte in mir die irrige Meinung, an der Naab gebe es keine Hotels, dafür umso mehr Campingplätze. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die Hotels im Radteil, die Campingplätze im Kanuteil des Buches aufgeführt sind. Zu spät, jetzt habe ich die Ausrüstung schon besorgt… Für die Altmühl hatte ich ursprünglich eine gute Woche einkalkuliert. Inzwischen habe ich die Strecke auf den Abschnitt Dollnstein-Dietfurt beschränkt, das sind rund 70 Kilometer, sollte also in fünf Tagen gut machbar sein. Mein bislang kleinstes Zelt war aber immer noch viel zu groß für den Chillswim-Sack, selbst den neuen in XXL. Zufällig stieß ich auf das Buch von Stefan Dapprich „Trekking ultraleicht“ (Conrad Stein, 2014) und fand dort umfangreiche Informationen über neueste Leicht-Ausrüstung. Anfang des Jahres schaute ich mich beim Globetrotter in Stuttgart um. Aus der Erkundungs- wurde angesichts der angebotenen Schnäppchen schnell eine Shoppingtour. Ein ultrakleiner Sommerschlafsack, eine halbe Luftmatratze und ein Tarp waren die Ausbeute. Vor zwei Wochen habe ich das alles mal im Garten aufgestellt und bin reingekrochen. Hier Fotos von der Aktion:

Die ganze Ausrüstung passt auch gut in den Beutel rein. Inklusive Handtuch sieht es in gepacktem Zustand so aus:

Bei schönem Wetter sollte das ausreichen. Bei der Sparmatratze läge ich aber mit einem Drittel des Schlafsacks auf der blanken Erde. Bei Taufeuchte könnte das tückisch werden, ein Biwaksack müsste also mindestens noch mit.

Dann kaufte ich eine Fahrradreisezeitschrift. Ihr wisst schon, was dann passierte… In der Zeitschrift wurde das neueste Minimalzelt für Radler besprochen. Das Packmaß ist sensationell klein, der Innenraum auch, dafür ist das Teil spottbillig. So schaut es aus:

Der direkte Vergleich von Packmaß und Gewicht ergab, dass das Zelt eine Idee größer und schwerer ist als die Kombination aus Tarp, Stange und Biwaksack.

Dafür verspreche ich mir vom Zelt einen erheblichen Komfort- und Privatsphäregewinn. Packen werde ich das ganze Geraffel sowieso in zwei Beutel. Da bleibt einer den ganzen Tag zu und in den anderen kommt das Zeug, das ich tagsüber brauche. Die Kombination habe ich schon im Neckar testgeschleppt, das funktionierte überraschend gut.

Bei viel Wind, Wellen oder Strömung hätte ich Bedenken, dass ich ende wie Isadora Duncan, aber die Altmühltour unternehme ich eh nur bei guten Bedingungen. Die Ausrüstung wäre somit komplett, jetzt muss ich noch die Karten wasserdicht kriegen und den Pegel im Auge behalten.

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Entsteige dem Schaum…

… der dich auf’s Neue gebar.

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, aber jetzt geht es in die konkrete Phase des nächsten Projekts: die Altmühl will beschwommen sein!

Letzte Woche habe ich die obligatorische Erkundungstour auf dem Fahrrad absolviert. Mein Sohn ist spontan mitgekommen und unterwegs haben wir alte und neue Freunde getroffen. Mittwoch sind wir mit dem Zug nach Gunzenhausen gefahren, wo wir Sabine und Melissa getroffen haben. Zu viert sind wir bis Treuchtlingen geradelt und konnten hin und wieder einen Blick auf den Fluss werfen. Der präsentierte sich hier als Zwischending zwischen Bach und Rinnsal, zum Schwimmen nur teilweise geeignet. In Treuchtlingen haben sich unsere Begleiterinnen verabschiedet und wir zwei Männchen sind, nach Kaffeepause bei den Pappenheimern, bis Dollnstein weiter geradelt. Eine freundliche Dame im Fremdenverkehrsbüro organisierte uns auf den letzten Drücker (Feiertag!) ein Zimmer. Vor dem Essen konnte ich noch eine Runde im Fluss drehen. Der Wasserstand war gut ausreichend, die Fließgeschwindigkeit mäßig. Ich denke, ich werde hier meine Schwimmtour beginnen, die Flachstellen im weiteren Verlauf sollten überschaubar sein.

Donnerstag fuhren wir weiter bis Kipfenberg. Während wir auf Mucki und Jürgen warteten, testete ich auch hier die Altmühl. Brustwarzentief und mit kräftiger Strömung zeigte sie sich von einer sehr angenehmen Seite, so, wie ich das gerne habe.

Von Dollnstein bis zur Mündung in den Main-Donau-Kanal sind es 70 Kilometer, damit habe ich ein paar Tage zu tun – ich heiße schließlich nicht Martin😉 Auch die Ausrüstung ist inzwischen komplett, Details dazu gibt es demnächst auf diesem Sender. Die Logistik bedarf noch einiger Feinplanung: ich kann zwar bis Dietfurt schwimmen, aber wie komme ich von dort wieder weg? Von Eisenbahn ist da weit und breit nichts zu sehen. Möglicherweise fahre ich per Schiff auf dem Kanal nach Kelheim, dort in der Nähe soll es einen Bahnhof geben, mal sehen. Hier einstweilen Fotos von der Erkundungsfahrt:

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Mit dem Rad am Arsch vorbei

Am 8. Februar wollte ich online mein Gewerbe anmelden. Im ansonsten recht hübschen Baden-Württemberg gibt es dafür ein Online-Portal. Irgendwas mit „Service“. Mit Betonung auf „Irgendwas“, wie ich inzwischen weiß. Bei der Online-Anmeldung darf man sich einen alleinigen Ansprechpartner aussuchen, ich wählte das Landratsamt Ludwigsburg, füllte alle Pflichtfelder brav aus und schickte ab. Jetzt, wo ich drüber schreibe, fällt mir auf, dass da zwar auf möglicherweise anfallende Kosten hingewiesen wurde, aber von „Jetzt kostenpflichtig bestellen“ stand da kein Wort. Fünf Wochen späterr mahnt meine Krankenkasse die ausstehende Gewerbeanmeldung an, ohne die ich nicht mehr erkranken dürfe (meine Frau darf das ohnehin nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte). Meine Recherche im Profil auf dem sogenannten Serviceportal ergibt die Fehlermeldung, der Server sei nicht erreichbar. Eine Mail an die Kontaktadresse beantwortet ein gewisser Thilo zunächst mit dem Hinweis, ich solle doch online nachgucken, und mit der Frage, wann ich wo was angemeldet hätte. Da ich mir abgewöhnt habe, das Internet auszudrucken, konnte ich ihm nur ungefähr mitteilen, wann das gewesen sein müsste (kurz danach habe ich das .pdf des Antrags doch auf meinem Rechner gefunden, aber das tut nichts zur Sache). Seither hüllt sich das Portal, oder zumindest Thilo, in Schweigen. Mir wurde das übers Wochenende zu blöd und ich beschloss, analog beim Landratsamt vorbei zu dackeln. Eine erste Erkundung ergab ziemlich drollige Öffnungszeiten:

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Heute früh bin ich also hingeradelt. Vor dem Eingang standen mehrere Fahrräder im Ständer, alle ordentlich abgeschlossen. Ein/e Radler/in wollte anscheinend schnell wieder weg, der Schlüssel steckte noch im Schloss:

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Den Besitzer kann  man ja auf mehrere Arten ärgern: Man kann das Rad klauen. Oder nur das Schloss. Oder nur den Schlüssel. Keine Variante ist für das Opfer wirklich lustig. Ich knipste vorsichtshalber das Gefährt und fragte die Dame an der Info, ob das Rad vielleicht einer/m Kollege/in gehöre. Die Tante schaute mich verständnislos an und motzte, sie kümmere sich nicht um Räder vorm Haus. Ich erklärte ihr das Problem mit dem steckenden Schlüssel und schlug vor, doch vielleicht einen Hinweis ins Intranet zu stellen. Damit hatte ich ihren Vorrat an geistigem Ablenkungsvermögen vollends aufgebraucht, sie glotzte mich nur noch verständnislos an. Mir blieb nichts übrig, als mein eigentliches Anliegen vorzutragen, die Anmeldung eines Gewerbes als frei schaffender Buchhalter. Da war die radlose Dame glücklich, da war sie in ihrem Element, darauf hatte sie eine Antwort: Do missedse aufs Radhaus, mir moche do no Gosdgewerbe. Oder so ähnlich.

Auf dem Rathaus hatte ich mehr Glück und das nicht nur bei der Optik der Sachbearbeiterin. Die Dame half mir beim Ausfüllen, brachte drei Stempel an, kopierte das Ding und nahm dafür 26 Euro. Das ganze dauerte rund 10 Minuten. Ich hoffe, der oder die Rad Fahrende am Landratsamt hatte genau so viel Glück.

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Unterwegs im Paralleluniversum

Seit ein paar Wochen bin ich nicht mehr regelmäßig 9-5 im Büro. Dadurch komme ich zu Tageszeiten an Orte, zu denen ich an denen früher nie war. Später auch nicht. Aber wenn ich jetzt dort bin, treffe ich auf ein völlig anderes Publikum. Die Sache mit der Alterspyramide (die inzwischen eher wie das Gesellenstück des letzten siebenbürger Drechslers aussieht), kannte ich zwar im Prinzip, aber in den letzten Wochen habe ich dieses Gebilde live und in Farbe gesehen. Nachmittags um 2 tobt der Rock & Rollator durchs Kaufland! So ein Blick in die eigene Zukunft ist nichts für schlechte Nerven. Das mit dem jung Sterben krieg ich nicht mehr hin, dann freue ich mich halt darauf, einen Mittfünfziger als „jungen Mann“ anzusprechen. „Junger Mann, wo steht denn die glutenfreie Haftcreme?“ höre ich mich sagen. Dann lieber am späten Vormittag in ein Innenstadtcafe, wo Latte-Macchiato-Mütter mit ihren Peg Peregos den Nachwuchs auf den alltäglichen road rage vorbereiten. (Gibt’s eigentlich Freisprecheinrichtungen für Kinderwagen?)

Heute habe ich dann den ultimativen Paralleltest durchgeführt. Mein Kunde hatte Infostau, ich hatte am späten Vormittag nix Sinnvolles mehr zu tun, also stellte ich das Buchometer ab und fuhr heim. (Ein Buchometer muss man sich wie ein Taxameter vorstellen, nur für Buchhalter. Es tickt, so lange ich Buch halte.) Nach einer Unendlichkeit in der facebook-Gruppe „Bist du heute schon geschwommen“ fiel mir auf, dass ich das schon länger nicht mehr war und eigentlich besser durch die Wasser- als die WLAN-Wellen surfen sollte. Gerade jetzt, wo ich Zeit habe! Wobei das mit der Zeit so eine Sache ist. Als ich noch auf dem Weg zur und von der Arbeit trainiert habe, war der Rhythmus vorgegeben – jetzt muss ich mich aktiv zum Training aufraffen. Also packte ich am frühen Nachmittg meinen Krempel und radelte zum Hallenbad. Ich glaube, an einem Dienstagnachmittag um 3 war ich dort noch nie. Im Eingangsbereich sah ich voll Schreck Horden von Jugendlichen. Diesen Teil des Altersbaumkuchens kannte ich in dieser Häufung nur vom Freibad während der Ferien und stellte mich auf das Schlimmste ein. Aber diese Jugendlichen waren nicht zum Rumtoben hier, sondern zum Schwimmunterricht. Sie trainierten sogar fleißig Rettungsschwimmen (das wollte ich eigentlich auch mal wieder machen, den Erste-Hilfe-Kurs habe ich schon aufgefrischt). In voller Montur schleppten sie sich gegenseitig das Becken rauf und runter, während der Lehrer vom Beckenrand Zwischenzeiten reinrief.

Auf der Schwimmerbahn ging es recht gesittet zu. Anfangs waren wir zu viert unterwegs, später auch mal zu zweit oder dritt. Ich nutzte den freien Platz, um alles Spielzeug einzusetzen, das ich besitze. Pullbuoy, Paddles und Flossen kamen zum Einsatz und sorgten für ausreichend Abwechslung, um die anfangs nur mäßig vorhandene Motivation auszugleichen. Nach etlichen Bahnen ließ ich mich im Außenbecken besprudeln, bevor ich für einen abschließenden Versuch ins Wasser stieg. Im 25-Meter Becken eine Länge tauchen, das klappt meistens ganz gut. Heute wollte ich es wissen, wendete am Ende und tauchte noch ein paar Meter zurück. Die Alterspyramide hat gefühlt wieder eine Delle mehr!

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