Cornwall & Cornwall 4/x

Nach dem Essen fuhren wir zum Nachmittagsschwumm. Ich nutzte die Gelegenheit, als John mal wegmusste, und grabschte mir das Steuerrad.
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John hat in seiner Jugend viel Zeit in dieser Gegend verbracht und hat hier auch viel gesegelt. Jetzt fahren wir zwar unter Motor, aber er ist am Steuer überglücklich. Später in seinem Leben war John im Auftrag ihrer Majestät und von Lady Thatcher auf den Falklandinseln und weiß darüber mindestens so viel, wie Forrests Freund Bubba über Shrimps weiß; und er gibt sein Wissen hemmungslos weiter. Aber das führt jetzt zu weit.

Die Verantwortlichen suchten eine Bucht zum Ankern für den Nachmittag. Erst im dritten Anlauf hielt der Anker und wir stiegen wieder in die Schlauchboote, die uns zum Ausgangspunkt brachten. Diesmal schwammen wir an der Küste entlang, über Felsblöcke mit Kelp, der in der Dünung hin- und herschwang. Die Boje ließ ich den Rest des Urlaubs weg. Ich hatte eine Möglichkeit gefunden, die Kamera so an einen Gürtel anzuflanschen, dass sie nicht störte und ich einigermaßen gut drankam. Auf die Neosocken, die ich am Morgen noch anhatte, verzichtete ich in der Folge ebenfalls. Erstens waren sie thermisch unnötig und zweitens floss so die Pisse besser aus dem Neo. Wer noch nie in den Neo gepinkelt hat, der werfe den ersten Blasenstein!

Vor einer Piratenhöhle gab es wieder tief fliegende Trinkflaschen. Weiter ging’s zu einem Strand, von wo aus die Boote uns zum Schiff brachten. Mit Tee und Keksen stärkten wir uns für die äußerst stürmische Weiterfahrt. Während in der Kombüse Schaumkronen im Kochtopf schwappten, ging draußen die die Sonne in spektakulären Farben unter.

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Um 21:15 fiel der Anker und wir futterten einen köstlichen Hühnereintopf. Alt wurde niemand.

Crispin war so nett, alle Schwimmstrecken aufzuzeichnen und zu teilen; hier die von diesem Tag:

Obwohl fix und foxi, wachte ich um 5 mal auf und tastete mich im Halbschlaf zur Bugtoilette vor. Auf dem Rückweg wunderte ich mich, dass ich die Kajütentür offen gelassen hatte, aber so genau erinnerte ich mich nicht mehr. Ich tastete mich zur Koje und deponierte meine Brille in der Ablage; stellte verwundert fest, dass da was drin lag, was ich da nicht hingetan hatte; stellte nahezu gleichzeitig fest, dass in der Koje jemand lag, den ich nicht kannte. Gaaaanz vorsichtig nahm ich die Brille wieder an mich und suchte die richtige Kajüte auf. Um 7:30 wachte ich wieder auf, machte mich hübsch und ging nach oben. Dort schlichen schon ein paar müde Gestalten herum und John quasselte Jos ein Ohr ab. Beim Frühstück lernten wir von Pete noch interessante Details über die Organisation der Lebensretter. Die staatliche Unterstützung wird stetig zurückgefahren, darum stehen am Strand nicht nur die mehr oder weniger muskulösen, aber allzeit braungebrannten Mädels und Jungs, sondern auch Mitglieder der Jugendorganisation, die die Strandbesucher auf dem Weg zum Parkplatz abfangen, umarmen und nach Feedback und Spenden fragen. Der Fachbegriff für diese Leute ist Chuggers – Charity Huggers.

Fortsetzung folgt.

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Cornwall & Cornwall 3/x

Ed und ich, als Hobby-Paranoiker, waren die ersten Gäste an Bord. Ich erkundete erst mal die Takelage, so hoch, wie ich mich traute, …

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 … dann stieg ich runter in den Motorraum und half unserem Skipper Barry beim Ölnachfüllen.
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Guide Keith und Koch Matthias kannte ich schon vom Vortag.
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Nach und nach trudelten alle Teilnehmer ein. Wir bezogen unsere Kabinen; meine teilte ich mit Claudius, der sich als äußerst kleinstraumkompatibel erweisen sollte. Er störte weder durch Geräusch noch Geruch und wir tanzten immer ein elegantes Ballett, wenn wir uns auf dem halben Quadratmeter freier Bodenfläche umzogen oder sonstwie aneinander vorbei mussten. Ich hoffe inständig, dass ich mich genau so gut benommen habe. Danach war die Einführungsveranstaltung im Speisesaal anberaumt. Erst mal bekamen wir die brandneuen Zipfelmützen (mit abknöpfbarem Zipfel).
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Nach einer Vorstellungsrunde kam die allgemeine sowie die spezielle Sicherheitseinweisung. Nervös und gespannt verfolgten alle, was es so zu beachten gab. Es fing harmlos genug an: wir sollten mit Wasser und Strom sparsam umgehen. Sara, die Maatin, machte klar, dass sie 24/7 zur Verfügung steht, WENN NOT AM MENSCH IST, ansonsten zu üblichen Geschäftszeiten. Not am Mensch ist zum Beispiel bei unmittelbarer Lebensgefahr… und wer sich nicht benimmt, darf sein Handtuch nicht in den Wäschetrockner werfen, über den sie die Schlüsselgewalt hat. Zwischendrin mussten wir aus dem Hafen raus, weil ein Fischerboot Platz brauchte. Dabei lernten wir, dass es an der Hafenausfahrt von Newlyn eine Markierung gibt, die als Referenz für alle Wasserstandsangaben weltweit dient. Ab jetzt leicht schaukelnd ging die Einweisung weiter. Das Schlimmste, was auf See passieren kann, ist ein Mensch, der von Bord fällt. Die Seeleute mussten sich erst mühsam daran gewöhnen, dass auf den Swimtrek-Fahrten ständig Leute ins Wasser springen. Erste Regel hierzu: gesprungen wird erst nach Freigabe! Und weil sowohl das Schiff als auch die Beiboote an einem Ende einen Hochleistungsgemüsehobel haben, gibt es auch eine Regel für das Wiedereinsteigen: egal, wie sehr du frierst oder Durst oder Schiss hast, du gehst erst nach Weisung an Bord! Nach all den ernsten Themen stellte sich Matthias vor. „I am Matthias, your chef“. Tosender Applaus von allen Seiten. Und der war durchaus berechtigt, obwohl wir da noch gar nicht wussten, wie gut er kochen würde. Seine Küche war lecker und abwechslungsreich, reichhaltig – bei Schwimmern besonders wichtig – und er hatte für alle Diätanforderungen, von denen es einige gab, eine leckere Variante. Und er kochte bei jedem Wetter, auch während einer stürmischen Überfahrt, mit Wellengang im Suppentopf. Durch die widrigen Wetterverhältnisse mussten unsere guides oft kurzfristig einen Schwumm ansetzen. Egal, es gab vorher eine Kleinigkeit, hinterher was zu knabbern und dazu immer Tee und Kaffee, alles aufgetragen von Sara, Pete und Keith sowie von Stefan, dem Schiffseigner, der auch mit an Bord war.
Während der ganzen Auftaktveranstaltung erlebten wir schon mal das Wetter, das uns die Woche über begleiten sollte: heftiger Regen, heftiger Wind und strahlender Sonnenschein in jeder mathematisch möglichen Kombination. Zwischendrin gaben wir noch die wesentlichen Details unserer Krankenakten zum Besten, damit die Mitreisenden nicht über Gebühr erschräken, wenn sie dies oder das zu Gesicht bekämen. Was beim Schwimmen ja unvermeidlich ist. Das ist ja der Vorteil an Beziehungen zwischen Freiwasserschwimmern: man hat sich gegenseitig schon mal nackt gesehen, so bleiben Überraschungen erspart… Zu guter Letzt gaben Pete und Keith noch einen Überblick über die Schwumms des Tages.
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Pete ist übrigens nach eigener Aussage der dienstälteste Rettungsschwimmer in England und kennt jeden Meter Küste in unserer Gegend. Das sollte sich noch als wichtig erweisen. Die Hurrikan-Saison in Amerika, mit drei Hurrikans in einer Woche, war die schlimmste in den letzten zehn Jahren. Die Wettersysteme, die dafür verantwortlich waren, lagen immer noch über dem Nordatlantik und sorgten auch bei uns für Stimmung. Die Wettervorhersage bestand also überwiegend aus Sonnenschein; kornischem Sonnenschein, der auch schon mal sehr feucht sein kann… Das Tourprogramm von Swimtrek, mit genau verzeichneten Strecken für jeden Tag, war nur ein unverbindlicher Anhaltspunkt. Dank Petes Ortskenntnis würden wir aber jeden Tag einen halbwegs geschützen Ort für einen interessanten Schwumm und jede Nacht einen einigermaßen geschützten Ankerplatz finden.
Inzwischen waren wir nahe an unserem ersten Schwimmstart angelangt, beim Mount St. Michael. Wir machten uns seefein, die guides erklärten uns den Weg, dann stiegen wir in die Schlauchboote und fuhren zum Start. Der Wind peitschte uns die Gischt um die Ohren und nur für die Kamera setzte ich ein Grinsen auf. Grinsen hilft immer und wir kamen gut gelaunt an. aus den Schlauchbooten rutschten wir ins knietiefe Wasser, alberten noch ein bisschen rum und schwammen los. Ein ganz ungewohntes Gefühl: das Wasser war salzig und aufgewühlt, aber klar. Wir trieben über Seegraswäldern in der Brandung hin und her, während wir versuchten, geradeaus zu schwimmen und nicht zu viel zu schlucken. Am äußersten Vorsprung der Insel ging es durch kräftige Brandung, zum Glück von hinten. Mit dem richtigen Timing konnte ich hin und wieder bodysurfen. Allerdings flog mir dauernd meine Boje um die Ohren, an der die Kamera hing. Den Rest der Woche würde ich darauf verzichten; ich habe volles Vertrauen zu unseren guides, die uns auch so permanent im Blick haben. Nachdem ich um den Vorsprung rum war, wurde die See ruhiger. Noch einige Minuten, dann bekamen wir zu trinken, stiegen wieder in die Boote und fuhren zurück zum Schiff, wo wir mit Tee und Keksen und eine großen Pott Kartoffelsuppe aufgewärmt wurden.
Fortsetzung folgt…
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Cornwall & Cornwall 2/x

Schwimmen! Dazu war ich hergekommen und dank meines Flughafensprints sollte ich am Anreisetag tatsächlich noch zwei Mal ins Wasser kommen. Der früher-als-gebuchte Zug brachte mich um 15:30 nach Penzance, genug Zeit, um in den Jubilee Pool zu steigen. Aber erst mal wollte ich ins Hotel, das laut Karte schräg gegenüber sein sollte. Dank der Hinweise von Swimtrek war mein Gepäck überschaubar und ich war in fünf Minuten beim Pool.
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Durch das offene Tor warf ich einen ersten Blick auf die Anlage. 50 Meter weiter fiel mein Blick dann tiefer und ins Meer, wo zwei ältere Herren gemütlich herumplantschten.
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Noch ein paar Mal 50 Meter weiter stellte ich fest, dass ich vor lauter Blickwerferei am Hotel vorbeigelatscht war. Also umgekehrt und zurück. Im Stanley war kein Mensch zu sehen, auch nicht nach Klingeln und Klopfen. Ich kramte meine Reservierung heraus und stellte fest, dass vor 16 Uhr keiner da war. Also ging ich über die Straße, deponierte mein Gepäck auf der Rampe, zog mich um und stieg zu den zwei Opas ins Wasser. Klares, kühles Salzwasser war eine gewaltige Abwechslung zu meinen bisherigen Gewässern in diesem Jahr. Ich schwamm zwei Runden, plauderte mit den Kollegen und schoss ein paar Fotos.
Darüber war es 4 geworden und ich checkte ein. Die Bude unterm Dach mit dem Bett unter der Schräge war die perfekte Einstimmung auf die beengten Verhältnisse auf dem Schiff. Dann mit Zweitbadehose und Handtuch unterm Arm zum Pool. Der entpuppte sich – nicht ganz wider Erwarten – als salzig und unbeheizt, aber immerhin 2-3 Grad wärmer als das Meerwasser in der Bucht nebenan. Ich zog ein paar Bahnen, im dreieckigen Becken keine ganz leichte Übung. Die Dusche war dann mit Süßwasser und schön warm. Als ich rauskam, sah ich einen Herrn im Swimtrek-Pullover: Keith, unser guide für die nächsten Tage. Die Kollegin im Becken stellte sich als weitere Teilnehmerin heraus, Jos.
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Wieder trocken spazierte ich den guten Kilometer am Kai entlang zum Fischerhafen von Newlyn,
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wo die Lady of Avenel vertäut war.
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Dort traf ich wieder Keith, dazu Matthias, unseren Koch. Beruhigt stellte ich fest, dass die notwendigsten Dinge bereits an Bord waren.
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Zurück in Penzance suchte ich nach einem gepflegten Abendessen, das ich allerdings in Etappen einnehmen musste. Im Pub war die Küche defekt und der Fish’n’chips-Laden schenkte keinen Alkohol aus. Danach war ich von dem langen Tag auch fix und fertig und faltete mich unter meine Dachschräge. Samstagmorgen beim Frühstück traf ich Ed. Meine Befürchtungen von der Zugfahrt zerstreuten sich im Nu, wir unterhielten uns prächtig und futterten Englisches Frühstück. Ed hatte ein Taxi bestellt und so kamen wir bequem und pünktlich zum Schiff.
Fortsetzung folgt.
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Cornwall & Cornwall 1/x

Vor acht Jahren war ich zum ersten Mal mit Swimtrek unterwegs, damals in der Themse bei Oxford. Seither schaue ich immer wieder in deren Programm, ob was für mich dabei wäre. Vieles hätte mich gereizt, aber nie hat es gepasst. Und die Anreise ist immer so aufwendig! Anfang 2017 sah ich dann die Werbung für einen neuen Trip: Cornwall and the Isles of Scilly. Unterbringung auf einem 2-Master, der Lady of Avenel, pro Tag zwei Schwimmeinheiten im Meer. „Nehmt mein Geld“ schreiend habe ich gebucht. Den Sommer über war ich viel im Freiwasser unterwegs, habe mich aber verpflichtet, keine Details zu berichten. Nicht dass ich noch ende wie jener Journalist, der dauernd Anzeigen bekommt, weil er über seine Verbrechen in der Zeitung berichtet, mit Namens-, Ort- und Zeitangabe… Im Pool habe ich fleißig geübt, links zu atmen. Man soll ja ohnehin beidseitig atmen, aber das hatte ich 50 Jahre lang vernachlässigt und nur die rechte Seite benutzt. Jetzt also 3er-Zug oder 2er links, im Hinblick darauf, dass die Wellen im Meer auch mal beständig von rechts kommen können. Die linke Atemluft war halt oft recht wässrig. Im Sommer dann die große Panik: ich wusste genau, dass ich Flug und Unterkunft gebucht hatte, fand aber weder Belege noch Korrespondenz. Nach drei Tagen in den Tiefen des Postfachs war alles wieder gefunden. Nur das Zugticket gabs noch nicht, das kann man nur sechs Wochen im Voraus ordern. Der Vorgang bei der Great Western Railway endete mit der Mitteilung: mit dieser Kreditkarte gehst du am Bahnsteig zum Automaten, der druckt dir dann die Belege aus. Ob das gut geht? Immerhin schien zeitlich alles hin zu hauen, ich hatte genug Luft zwischen Flieger und Zug. Leider würde es nicht mehr reichen, um in den frisch renovierten Jubilee Pool zu springen.
In der zweiten Septemberwoche schaffte ich es zwischen beruflichen und privaten Terminen gerade mal so, meinen Kram zu sortieren. Vom Veranstalter kamen aufmunternde Mails mit dem Tenor, dass wir trotz des Wetters irgendwas organisiert kriegen und Spaß haben würden. Und wir sollten nicht zu viel Gepäck mitnehmen, weil der Platz unter der Koje gerade mal 70x40x40 misst. Und wir sollten auf jeden Fall warme und wetterfeste Klamotten mitbringen. Und Mittel gegen Seekrankheit… Donnerstag abend war alles in einem kleinen Seesack und einem Rucksack verstaut und der Wecker auf 3:55 Uhr gestellt. Das reichte Freitag früh gerade so, um einen Joghurt einzuwerfen und den ersten Bus um 5:03 zu erwischen. Am Flughafen kam ich gut durch alle Kontrollen und frühstückte noch mal richtig. Ganz wach war ich immer noch nicht, sonst hätte ich für den „jungen Mann“, als den mich die Servicekraft titulierte, nicht so viel Trinkgeld gegeben.
90 Minuten später in Heathrow. Zum Glück hatte ich die guten Trailrunningschuhe an. In Heathrow könnte man für nen Marathon trainieren, die Entfernungen sind sagenhaft. An der Passkontrolle eine Schlange von 2000 Leuten im Gurtlabyrinth. Hier kam mir meine langjährige Erfahrung als Geschäftsreisender zu Gute: mit meinem scheiß-auf-Datenschutz e-Pass marschierte ich an der Meute vorbei zu den automatischen Kontrollboxen und war in Null-Komma-Nix draußen. Das Gepäck war auch glücklich angekommen und ich marschierte den nächsten Halbmarathon zum Flugbahnhof. Dort steckte ich weisungsgemäß meine Karte in den Automaten, erntete aber nur Missverständnis und Verachtung und den Hinweis, mich an einen Mitarbeiter zu wenden. Den gabs tatsächlich! Er hört sich resigniert meine Geschichte an, reißt 10 cm vom Tippstreifen seiner Rechenmaschine ab und notiert darauf, dass man mich bitte vor Paddington nicht aus dem Zug werfen solle. Was der Kontrolleur im Zug anstandslos akzeptiert. 15 Minuten später komme ich im Bahnhof Paddington an. Der dortige Automat hat mehr Verständnis für mich als sein Kollege am Flughafen und spuckt anstandslos eine Hand voll Tickets aus. Ich orientiere mich kurz über die Anzeigetafeln und stelle fest, dass ich in 6 Minuten einen Zug bekommen könnte, der mich zwei Stunden früher nach Penzance bringt, dafür ohne Sitzplatzreservierung. Ich sprinte zum Bahnsteig und komme gerade noch rein, ergattere sogar einen Sitzplatz mit Tischchen für die gut fünfstündige Fahrt. Am Tischchen zwei Radfahrer, die zum Ride across Britain unterwegs sind – 1000 Meilen in neun Tagen. Die Vierte im Bunde ist eine Dame, die den Wetterbericht für die nächsten Tage zum Besten gibt: Regnen und Schütten. Nach zwei Stunden bin ich übelst frustriert. Trotz meiner atypisch sozialen Versuche, ins Gespräch zu kommen, ignorieren mich meine Mitreisenden geradezu vorsätzlich. Und mit solchen Typen soll ich jetzt eine Woche lang auf engstem Raum zusammenleben? Erschwerend kommt hinzu, dass ich durch die Hektik am Bahnhof keine Zeit hatte, Futter zu suchen. Kurz nach 3 erreichen wir die Endstation Penzance. Eigentlich wollte ich ja was über Schwimmen schreiben, aber ich hab mich wohl verplaudert…
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Maximaler Aufwand

Gestern habe ich einen denkwürdigen Life-Hack vollbracht. Das heißt, ich habe  enormen Aufwand betrieben für ein minimales Ergebnis, das Ganze aber sorgfältig dokumentiert und werde es jetzt veröffentlichen. Seid froh, dass ich WordPresser bin und kein Youtuber, so bleibt Euch einiges Gelaber erspart.

Angefangen hat alles mit einem Ausflug zum Badesee. Nach einer längeren Schwimmrunde ging ich ein wenig schnorcheln. Zwar hatte ich meine Angeberflossen dabei, aber zur ultimativen Selbstdarstellung fehlte eindeutig die Boje mit Taucherflagge, welche die Anwesenheit todesmutiger Menschen unter Wasser signalisiert. Unter der Woche ging ich zum Tauchladen und ließ mir solche Bojen vorführen. Nachdem der freundliche Verkäufer alle verfügbaren Modelle ausgepackt und vorgeführt hatte, fiel mir ein, dass ich ja stolzer Besitzer einer Schwimmboje bin, der nur das Fähnchen fehlt. Somit hatten zwei Leute nachmittags was zu tun: der Verkäufer konnte seine Bojen wieder sortieren und ich mir überlegen, wo ich so eine Fahne herbekomme. Ein Blick ins Internet zeigte, dass es die nur in fester Verbindung mit der Boje gibt, ich musste also selber basteln. Wasserfest sollte sie sein, so die erste Vorgabe. Dazu leicht und ohne spitze Enden. Im Schreibwarenladen besorgte ich einen roten Schulheftumschlag und in der Garage fand ich das restliche Material. Danach durfte ich noch ein paar Mal zum Schreibwarenladen, aber dazu später mehr.

Hier das wichtigste Material nebst Werkzeug kurz vor Arbeitsbeginn:

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Von links im Uhrzeigersinn: Blumendraht, Plastikdeckel, Hefteinband, Schneidbrett, Kabelcutter, Schere, Messer, Holzperle, Lenkerstopfen, Bremszugaußenhülle, alternativer Lenkerstopfen.

Als erstes bekam der Plastikdeckel zwei Ausschnitte für den Gurt.

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Den Lenkerstopfen habe ich unter Missachtung aller Sicherheitsvorschriften durchbohrt.

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Wichtig: nur Markenware verwenden!

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Als Nächstes zog ich eine Schlaufe aus Blumendraht durch die Zughülle.

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Das Ende umwickelte ich mit Tape, so dass es satt in den Lenkerstopfen passt.

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Ein zweites Stück Zughülle hält die Schlaufe unter dem Deckel.

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Am oberen Ende kommt die Holzperle zum Einsatz. Dahinter habe ich den Draht verzwirbelt, damit er schön unter Zug steht und die Konstruktion hält. Ein Kabelbinder soll das Fähnchen schön aufspreizen.

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Dann kam der knifflige Part: offenbar gibt es keinen Kleber aus der Tube, der dieses Material zuverlässig verklebt.

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Also bin ich zurück in den Laden und habe doppelseitiges Klebeband besorgt.

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Heftklammern sorgen für Redundanz.

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Der weiße Balken besteht auch aus Klebeband. So sieht das Teil auf dem Tisch aus:

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Und so an der Boje:

b16.jpgDie Materialkosten für die Konstruktion sind nur knapp doppelt so hoch, wie die billigste Boje samt Flagge kostet. Dafür habe ich jetzt einen Vorrat an Tuben und Klebeband. Über die Arbeitszeit breite ich verschämt den Mantel des Schweigens.

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Mach einen Plan

Diese Buchhaltergewohnheiten! Das Budget für’s laufende Jahr entsteht immer erst, wenn das Jahr schon halb rum ist und man eh nix mehr ändern kann. Ist klar: wenn ich das Budget für 2017 schon im Herbst 2016 erstelle, bevor der Jahresabschluss 2016 überhaupt begonnen ist, führt das nur zu unnötigen Debatten mit dem Aufsichtsrat. Der will ja nicht nur das Budget ’17 sehen, sondern auch die Vorschau für ’16. Wennn ich aber noch gar nicht weiß, in welche Richtung ich das Ergebnis ’16 hinlügen muss, um allen Erwartungen der stakeholder mit widerstreitenden Interessen gerecht zu werden, dann brauch ich mit ’17 gar nicht erst anzufangen. Und manchmal braucht man dazu nicht mal mehrere stakeholder: es genügt schon ein einziger, der nicht weiß, was er will und dessen Meinung schon mal rotiert wie eine Wetterfahne im Wirbelsturm, um den ehrbaren Kaufmann zum Kotzen zu bringen. Aber ich schweife ab. Weil meine intellektuellen Fähigkeiten noch nach dem Königsweg aus vorgenanntem Polylemma suchten, und obwohl mein Kleinhirn Anfang des Jahres noch halbwegs Ruhe gab, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis meine Wettkampfplanung für 2017 in trockenen Tüchern war. Da hatte ich das erste Rennen des Jahres, das Dirty Race in Murr, bereits wegen Krankheit sausen lassen. Inzwischen habe ich ein paar Pflöcke eingeschlagen: ich habe mich beim Triathlon Ingolstadt Ende Mai für die Kurzdistanz gemeldet. Im Juni steht das 24h-Schwimmen in Münster an. Weiters ein 4k-Schwimmen in Oberschleißheim und als Saisonhöhepunkt der Socialman in Österreich, bei dem ich wieder in der Staffel die 5 km durch den Grundlsee schwimmen will. Inzwischen habe ich sogar wieder mit dem Training begonnen. Die letzten sieben Tage war ich drei mal im Hallenbad und habe sogar ein paar Meter gemacht, Technik geübt und lustiges neues Spielzeug kennen gelernt. Und sogar der erste Blogpost 2017 ist fast fertig! Eigentlich könnte ich mit der Planung 2018 anfangen 😉

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Ich bin zu alt für diesen Technikscheiß

Ich bin allerdings nicht zu alt, um mein Mobiltelefon ausschließlich mit Bluetooth-Headset zu benutzen. Ich besitze sogar deren zwei: ein Jabra Supreme, mit dem man beim Rad Fahren exzellent telefonieren kann; meine Gesprächspartner haben bestätigt, dass sie mich auch bei flotter Fahrt (bergab kann ich so was) gut verstehen. Und ein Jabra Sport +, zum Mucke hören beim Laufen. Gestern abend sollte ich eine hochkomplexe Aktion durchführen, bei der man während des Telefonats auf der Tastatur herumtippen muss. Ich werfe also das Supreme an, aber mein Telefon lässt das kalt. Den Grund habe ich noch selbstständig herausgefunden: das Headset war mit dem Firmenhandy gekoppelt. Dass ich auf dem Privathandy nur das Jabra antippen müsste, habe ich erst kapiert, als ich die Holzhammermethode schon angewandt hatte: Firmenhandy aus, Headset aus, Headset wieder an. Immer noch nix. Dann habe ich die vorgenannte Lösung gefunden und konnte meine Aktion durchführen. Auf die Nase bin ich gefallen, als ich das Firmenhandy wieder einschalten wollte. Das mit dem Einschalten hat ja noch funktioniert, aber die SIM-Karte war eingeschnappt. Und ich war felsenfest überzeugt, ich hätte den Code auf 1234 geändert! Das hatte ich aber nur für das Telefon erfolgreich erledigt, die Karte beharrte auf ihrem Auslieferungscode. Und der Zettel mit diesem lag in der Firma…

Das gab mir einen Vorwand, den Weg in’s Büro auf die harte Tour zu testen: mit dem Fahrrad die Weinsteige hoch. Zu meiner Überraschung brauchte ich dafür nur 10 Minuten mehr als für den Heimweg, auf dem ich die gleichen Höhenmeter bergab rausche. Wegen des Verkehrs geht das allerdings nur mit viel Bremsen. Insgesamt habe ich vom Charlottenplatz bis zur Endstation der Zahnradbahn 25 Minuten gebraucht. Morgens im Berufsverkehr muss ich das aber nicht haben. Erstens wegen der Abgase, zweitens wegen des Verkehrs. An der Weinsteige hat man rechts immer wieder Parkplätze hingequetscht, deren Breite sich anscheinend am VW-Käfer orientiert. Und weil die Leute Angst haben, zu nah am fließenden Verkehr zu parken, stellen sie ihre Autos halt auf den Gehweg, der ohnehin nur für magersüchtige Model-Anwärterinnen ausreicht. Als Radler muss man daher immer wieder auf die Fahrbahn ausweichen. Sonntag Mittag mag das noch angehen, aber im Berufsverkehr ist das vermutlich Selbstmord mit Ansage. Für diesen Teil der Strecke nehme ich deshalb auch künftig die Zahnradbahn.

Hier noch die Garmin-Daten von heute:

https://connect.garmin.com/modern/activity/1417089375

https://connect.garmin.com/modern/activity/1417089435

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Herr K. – ein stiller Held

Mein Freund K. hat keine Ahnung davon, dass er heute Großes vollbracht hat. Wobei sein nicht zu unterschätzender Beitrag darin bestand, mich um seelische Unterstützung während seines Dienstes beim verkaufsoffenen Sonntag zu bitten. Weil ich auch Bedarf an seelischer Unterstützung bezüglich der Produkte habe, die Herrn K.s Firma vertreibt, habe ich freudig zugesagt. Das Studium der Wetter-App ergab, dass die Regenneigung stetig abnehmen sollte, also schwang ich mich auf eines meiner Fahrräder. So konnte ich auch eine weitere Variante meines neuen Arbeitsweges testen. Bis zur Stadtgrenze von Ludwigsburg kam ich noch problemlos voran. Die Landstraße nach Kornwestheim ist eine der typischen Alleen mit historischem Baumbestand. Wunderschön anzusehen, aber im Herbst bei Nässe ist der Radweg nebendran ganz schön tückisch. Laub, Kastanien mit und ohne Schale und was sonst noch von einem Baum fallen kann ergeben einen schmierig-holprigen Belag. Und zwischen den Gemarkungen Ludwigsburg und Kornwestheim haben die Schwaben offenbar die Zuständigkeit für die Kehrwoche noch nicht final ausgeschnapst. Am Ortseingang Kornwestheim heißt es erst einmal: Fahrbahn wechseln, von links nach rechts. Nach Drücken von allerlei Ampelknöpfen und geduldigem Warten gelingt mir das nahezu fehlerfrei. Die Verantwortlichen hier in der Region trauen es den Auto Fahrenden nicht zu, selbst auf zu Fuß Gehende oder Rad Fahrende zu achten. Deshalb haben meistens alle Rot, und reihum schaltet ein Signal nach dem anderen auf Grün: erst für Autos geradeaus, dann Autos nach links, dann Autos von quer, dann Autos quer, die abbiegen usw. Als Radfahrer hat man manchmal ein eigenes Signal, manchmal richtet man sich nach der KFZ-, manchmal nach der Fußgängerampel, je nachdem, ob man lieber von Autos abgeschossen oder von Fußgängern verprügelt werden möchte. Kein Wunder also, dass die Autofahrer verlernt haben, beim rechts Abbiegen auf Radfahrer zu achten. Ich durfte das heute am eigenen Leib erfahren. Am Ende der steilen Abfahrt rollte ich flott auf die Kreuzung zu und sah zu meiner Freude eine dezidierte Radfahrerampel, die gerade auf Grün sprang. Dummerweise war ich noch gut zehn Meter entfernt und bis ich ankam, schaltete auch die Autoampel um. Das Auto davor fuhr los. Dass kein Blinker gesetzt war, konnte mich nicht täuschen, aber alle Anzeichen des Anfahrvorgangs deuteten auf die Absicht, geradeaus zu fahren. Gefühlt mitten in der Kreuzung zog die Schnepfe, denn um eine solche handelte es sich (für eine Renate war sie zu jung), scharf nach rechts. Ich bremste schulmäßig mit beiden Händen, aber der rote Belag, mit dem die Behörden den Radstreifen markieren, damit man die Radler besser trifft, war noch nicht trocken, das Hinterrad rutschte weg und ich legte mich auf die Seite. Der Helm bewahrte meinen Hinterkopf vor Schlimmerem, ein Kratzer am Ellbogen und ein blauer Fleck auf der Hüfte (vorhin unter der Dusche begutachtet) waren die einzigen körperlichen Folgen. Sowohl die Schnepfe als auch ich waren tüchtig erschrocken, blieben aber einigermaßen zivilisiert. Die Schnepfe erkundigte sich besorgt nach meinem Zustand. Ich inspizierte erst das Rad, dann meine Knochen und gab vorläufig Entwarnung, herrschte sie aber an, sie solle gefälligst blinken und schauen, bevor sie abbiegt. Erst beim weiter Fahren sah ich die Polizei, die an der nächsten Kreuzung Verkehrsunterricht für Radfahrer abhielt… Ich sah sie aber nur unscharf. Ich nahm die Brille ab, die schien aber sauber. Ich fuhr erneut los, sah immer noch nichts und beschloss, die Brille gründlich zu putzen. Beim rechten Glas ging das ganz gut, auf dem linken konnte ich kein Stück Schmutz erkennen. Was in erster Linie daran lag, dass das linke Brillenglas fassungslos auf der Fahrbahn lag. Nachdem ein Auto um Zentimeter daran vorbei gefahren war, konnte ich es retten und wieder einsetzen.

So weit, so schlecht. Wo kommt jetzt die Heldentat des Herrn K. in’s Spiel? Ganz einfach: Ich dachte mir, wenn ich die Schnepfe jetzt verprügle, wie sie das verdient hat, gibt das Stress und ich schaffe es nicht mehr zum verkaufsoffenen Sonntag und der gegenseitigen Seelsorge mit Herrn K. Falls jetzt noch ein Oberschlauer fragt, von welchem verkaufsoffenen Sonntag ich dauernd rede: der wurde dank ver.di abgesagt. Ich erfuhr das, als ich vor dem Sonntags verkaufsgeschlossenen Heute-Nicht-Einkaufszentrum stand und K. telefonisch um Aufklärung bat. Das tat K.’s Heldenmut nicht etwa Abbruch, im Gegenteil: K. ist wohl der erste Held des 21. Jahrhunderts, der eine hold errötende Maid errettet, während er zu Hause auf dem Sofa lümmelt!

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Als ich zehn war

Als ich zehn war, konnte ich mich noch hervorragend erinnern. Heute bin ich 10:46 (46 nach 10), da lässt das Gedächtnis etwas nach und ich kann mich nicht daran erinnern, woran ich mich mit 10 erinnert habe. Aber Lutz hat zur Blogparade gerufen, also krame ich mal in den Tiefen der Erinnerung.

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Viel zu erinnern gab es ja damals nicht. Es gab noch keine „Erinnerungen auf facebook“, Mark Zuckerberg schwamm noch in Adams Wurstkessel, Bill Gates war gerade mal 15. Bis zu Olympia 1972 waren noch zwei Jahre hin.

Mit 10 kam man auch damals schon auf die weiter führende Schule. In meinem Fall war das das AMG, das Albertus-Magnus-Gymnasium im damals noch verschnarchten Regensburg, das mit gütig-weiser Hand von Fürst und Bischof regiert wurde. Zumindest ist auf jedem Grundstück im Stadtgebiet eine Grunddienstbarkeit eingetragen, nach der nur das Bier der Brauerei des einen oder des anderen ausgeschenkt werden darf. Dass das beste Bier der Stadt vom Kneitinger kommt, lernte ich erst später. Später war Regensburg auch deutlich weniger verschnarcht, das lag an der Universität, die in meinem 10. Lebensjahr gerade 3 Jahre in Betrieb war. Bevor ich die ehrwürdigen, wenn auch ob der sparsamen Bauweise schon leicht bröckeligen Hallen der Uni betreten durfte, musste ich aber erst mal das AMG schaffen. Dort wurde klassiche Bildung vermittelt und die Lehrkräfte waren entsprechend altehrwürdig. Und weil das Abitur, damals noch mehr als heute, erblich war, kannte die Hälfte der Lehrer die Väter der Hälfte der Schüler in meiner Klasse. Bei den Müttern der Schüler in meiner Klasse war es noch üblich, die höhere Bildung nicht durch Erbschaft, sondern durch Heirat zu erwerben. Meine Mutter hat sich immerhin den Doktortitel sauer verdient, sie hat die Promotion meines Vaters getippt und wurde Zeit ihres Lebens mit „Frau Doktor E.“ angesprochen. Meine Mutter war es auch, die mich mit 10 Jahren in den Sportverein gesteckt hat. Sie hatte früh erkannt, dass ich meinem Vater nicht nur in Sachen Intellekt nachschlug, sondern auch bei der Leibesfülle und Letzterem wollte sie vorbeugen. So begann meine Sportkarriere in dem Verein, der zwar „Ski- und Wanderclub“ heißt, aber hauptsächlich Leichtathletik und Schwimmen betreibt. Seither gab es bei mir nur kurze Phasen, in denen ich gar keinen Sport getrieben habe. Als 8 Jahre später der Triathlon erfunden wurde, bekam ich das erst mal gar nicht mit. Es sollte noch etliche Jahre vergehen, bevor ich meinen ersten Sprint absolvierte und noch einige Jahre mehr, bevor ich meinen ersten Blogbeitrag über meine erste Langdistanz verfasste.

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Paalewufrongßää?

Falls nicht, auch nicht schlimm, viele Straßburger können deutsch und sind trotz französischen Passes nicht zu stolz, es auch zu sprechen. Einzig die Sprachausgabe des Navi kam an ihre Grenzen, wenn die französischen Straßennamen deutsche Begriffe enthielten, wie in „rue de Meinau“.

In Straßburg fand am Wochenende die erste Ausgabe des Open Swim Stars Harmonie Mutuelle statt, mit Rennen über 1, 2 und 5 Kilometer. Am frühen Sonntagmorgen mümmelte ich mein Frühstück und chattete verschlafen mit Anna, die sich auch angemeldet hatte. Kurz nach 6 Uhr fuhr ich los und geriet schon nach 50 Metern in den ersten Stau, bestehend aus einem verwirrten Fußgänger, der mitten auf der Fahrbahn herumstolperte. Ich vergewisserte mich, dass er keine unmittelbare Gefahr für sich oder andere darstellte und fuhr weiter. In Illkirch-Grafenau, einem Vorort von Straßburg, fuhr ich erst einmal weitläufig um den Baggersee (Frz.: le Baggersee) herum und dann einem Franzosen hinterher, der auch zum Schwimmen wollte. Schließlich fanden wir den Eingang zu dem kleinen Park mit dem Badesee, in dem das Baden streng verboten ist.

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Für die Erstausgabe der Veranstaltung hatten sich gerade einmal 100 Leute angemeldet, so dass auf je zwei Teilnehmer knapp ein Helfer kam. À propos: MERCI BIEN À TOUTES ET À TOUS QUI NOUS ONT SUPPORTÉS CE JOUR-LÀ! Ein Helfer, ein Wasserwachtler, hatte noch vor dem Rennen mitten im See einen Beinahe-Zusammenstoß mit einem Fisch. Der Rettungsschwimmer sprang vom Boot und im nächsten Augenblick sprang neben ihm ein gewaltiger Fisch, gut einen halben Meter lang, vollständig aus dem Wasser. Zu beachten: ich bin kein Angler, sonst wäre der Fisch in diesem Bericht mindestens zwei Meter lang!

Ich checkte ein. Dank früher Anmeldung hatte ich Startnummer 2 und ließ mir die auf beide Hände pinseln. Das Wetter war nicht so toll, für später am Tag war Regen angekündigt und es blies bereits ein leichter Wind, deshalb dachte ich gar nicht daran, ohne Neo zu schwimmen. Bis der Ansager erzählte, das Wasser sei 25 Grad warm. Beim Neckarschwimmen in Ludwigsburg war ich im Neo bei 23 Grad schier eingegangen. Zur Probe ging ich bis zu den Knien ins Wasser und fühlte die gefühlte Temperatur. Die Windböen kräuselten das Wasser und meine Brusthaare und beeinflussten empfindlich mein Temperaturempfinden. Zum Glück war Anna, die Furcht- und Gnadenlose, inzwischen da und trieb mir die Neo-Flausen aus dem Kopf. Kurz vor 9:30 gab es eine kleine Einweisung: vier Bojen im See markierten einen Kurs von circa 1000 Meter, den wir je nach Strecke mehrmals zu schwimmen hatten. Dann gingen wir zum gemeinsamen Start über 2 und 5 Kilometer ins Wasser. Ich war von Anfang an froh, ohne Neo zu schwimmen. Die Temperatur war genau richtig und das Gefühl von Wasser auf der Haut ist einfach unvergleichlich. Mit der Gummipelle wäre ich vielleicht ein paar Minuten schneller gewesen, dafür hätte ich das Schwimmen bei weitem nicht so genossen. Und bei meinem Tempo kam es auf die Zeit ohnehin nicht an. Das ist der einzige Nachteil bei 5km-Schwimmen: es melden sich kaum Dilettanten an – die meisten Teilnehmer sind ehrgeizig und schnell! Wie schnell, das merkte ich, als mich die ersten nach drei Kilometer überrundeten… Immerhin habe ich auch einen 2km-Schwimmer überholt, der sich da wohl Ähnliches gedacht hat.

Insgesamt kam ich mit den 5000 Metern überraschend gut zurecht, was wohl an dem Rundensystem lag. Die Strecke teilte sich so von selbst in verdaubare Bissen. Bei Punkt-zu-Punkt Rennen wie am Grundl– oder Fuschlsee kämpfe ich immer mit der Diskrepanz zwischen dem optischen Eindruck der Entfernung und dem, was die GPS-Uhr anzeigt. Dafür ist dort die Aussicht schöner. Aber das hatte ich heuer schon, also schwamm ich vergnügt im Kreis, bzw. Viereck. Nach vier Runden kam wieder einer von hinten an. Ich dachte zuerst, der wäre fertig und schwömme zum Ziel, aber er ging ebenfalls auf die fünfte Runde. Ich konterte und konnte ihn noch vor der nächsten Boje stellen. Um dem Überholvorgang Nachdruck zu verleihen, drehte ich das Tempo deutlich hoch. Da ich nun schon mal in Fahrt war, beschloss ich in meinem Übermut, den letzten Kilometer noch so richtig durch zu prügeln. Kurz darauf bog ich in den Zielkanal ein, stand im seichten Wasser vorsichtig auf und joggte die zehn Meter zur Zeitnahmematte. Ein Helfer hängte mir die Medaille um, ein anderer sammelte meinen Chip ein. Dusche und Umkleide waren schnell erledigt, danach klatschten wir die Teilnehmer über die 1000 Meter ins Ziel. Weil die nach dem Schwimmen noch 200 Meter Strandlauf machen durften, hatten wir reichlich Zeit, über Kleidung, Laufstil und sonstige Äußerlichkeiten zu lästern. Wir haben aber alle lautstark angefeuert, von den Teenies, die das Rennen mit großem Vorsprung gewannen, bis zu den Omas, die in Rückenlage losgeschwommen waren.

Dann mussten wir noch zur Siegerehrung bleiben, Anna war Drittplatzierte über 5 km und hat mich offensichtlich auch knapp überrundet.

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Hier steht sie neben dem Olympia-Zweiten Jérémy Stravius, der die Siegerehrung vornahm.

Zum Glück haben wir bei der abschließenden Verlosung das Kajak nicht gewonnen, sonst hätten wir ein Transportproblem gehabt. Die Medaille hat problemlos ins Auto gepasst.

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Und nächstes Jahr sind wir wieder dabei! In Strasbourg sowieso, vielleicht auch in Paris oder Nonsard-Lamarche.

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