Ich schwimme nach Amsterdam!

In Amsterdam. Durch Amsterdam. Oder um Ulm herum?
Auf jeden Fall habe ich einen Startplatz beim Amsterdam City Swim, der seit heute ausverkauft ist. Am 7. September darf ich mit 1999 weiteren Abenteurern mitten durch die Stadt schwimmen. Aber vor den Schweiß haben die Holländer den Erfolg gestellt. Ich darf nur starten, wenn ich mindestens 400 Euro Spenden für die ALS einsammle. Diese Stiftung fördert die Erforschung der Amyotrofischen Lateralen Sklerose. Wer die ALS bei ihrer Arbeit und mich bei meinem Spaß unterstützen möchte, kann

meine persönliche Spendenseite

anklicken. Herzlichen Dank schon mal an:

Achim

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Fotos von Lanza 2014

Hier wie versprochen ein paar Fotos, selbstverständlich alle gestellt.

Dazu noch der link zu meinem neuen Lieblingsbäcker.

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Zurück auf Lanza

Im Februar gab es ein Trainingslager für eingefleischte TvW. Nach Lanzarote 2011 und Fuerteventura 2012 war wieder Lanza an der Reihe. Mit von der Partie, wie schon 2011, war TvW Timo. Nico, der 2011 die Chaotentruppe vervollständigt hatte, musste leider passen, trug aber mit seiner Hotel-Empfehlung maßgeblich zum Gelingen bei. Das Atlantis-Las Lomas war diesmal unsere Ausgangsbasis, rund 200 Meter vom IM-Lanza Start entfernt. Der IM Lanza war auch die wesentliche Motivation für Timo, hierher zu kommen. Er will da im Mai starten und hat die erklärte Absicht, sich die Quali zu holen. Rein von der Verbissenheit her müsste er das eigentlich schaffen…

Meine Ziele für 2014 sind tiefer gesteckt: ich bin im Kraichgau und in Heilbronn jeweils für die Mitteldistanz gemeldet, hätte also nur halb so viel radeln müssen wie Timo. Dass ich seinen 1.500 km in zwei Wochen satte 900 entgegensetzen konnte, ist also gar nicht so übel. Timo war aber auch im Winter deutlich fleißiger gewesen als ich, er hatte etliche Stunden pro Woche auf der Rolle verbracht, während ich mit Müh und Not die “Life of Pi”-DVD bis zu Ende schauen konnte.

Lanza zeigte sich Ende Februar von der windigen Seite. Timo wurde gleich am ersten Tag mit seinen Hochprofilfelgen von der Straße geblasen. In der Folge wurde das Wetter etwas ruhiger, aber nie richtig gemütlich. In den ersten Tagen fuhr ich morgens bei gut 10° mit Ärmlingen und Windweste los, die ich gegen Mittag bei knapp 20° in die Trikottasche stopfen durfte. Das wurde mir dann irgendwann zu doof und ich lies die Dinger zu hause. Das bisschen Frieren in der ersten Stunde nahm ich in Kauf.

Am dritten Tag bremste mich ein shitstorm aus. Woher der genau kam, war nicht zu klären, der Doktor in der englischen Klinik (auf Lanza gibt es englische Pubs und englische Kliniken im Verhältnis 7:1) verschrieb mir Pillen und verordnete mir eine Diät. Am nächsten Tag drehte ich schon wieder eine kleine Runde.

Dieses Jahr gingen wir regelmäßig im Meer schwimmen. Bei leichter Dünung und mäßiger Strömung mussten wir Kachelzähler uns erst mal umgewöhnen. Auch die neue GoPro durfte mit. Selbst wenn der sportliche Erfog ausbleiben sollte, haben wir zumindest reichlich Material zum Posen. Das gibts demnächst dann hier zu sehen.

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Angriff der Kampfzombies

Buhuhu! (Machen Zombies “Buhu”?)

Nö, Fehlstart. Bin wohl aus der Übung.

Neuer Versuch: Fürchtet Euch nicht, ich bin es!

Oder die Kombi-Version: Fürchtet Euch, ich bin es!

Jo, damit kann ich leben: geschmacklos, aber griffig!

Zunächst mal Schulligung für die lange Pause. Ich hatte wohl eine Schaffenskrise. Aber nachdem ich gestern in einer dienstlichen Besprechung was von Scylla und Charybdis erzählt habe, ist meine poetische Ader anscheinend wieder in Schwung. Der letzte Beitrag auf diesem Blog datiert vom November 2013 und erzählt vom 24h-Schwimmen in Bietigheim. Danach war sportlich erst mal Winterpause. Ich leckte meine Wunden vom Frankfurt Marathon und machte das, was ich am besten kann und am liebsten tue, nämlich erst mal gar nix. Über Sylvester war ich mit den Kindern im Stubaital Ski fahren. Die meiste Zeit war ich auf der Piste unterwegs, aber an Neujahr klebte ich die Felle unter die Ski und stieg (von der Piste aus) auf den Daunkopf. Beim Aufstieg hatte ich mich erst mal verlaufen und war schon am Umdrehen, als mir ein freundlicher Schweizer (ja, Schweizer werden ab 2000 Meter über NN freundlich!) den rechten Weg wies. Am Gipfelkreuz war bereits ein Einheimischer, mit dem ich kurz darauf gemeinsam abfuhr. Ein weiteres Highlight war ein Ausflug auf den Eisturm bei der Skistation. Beide Abenteuer sind auch ausgiebig dokumentiert: sowohl die Skitour als auch die Eiskletterei.

Kaum zu hause, stand schon der erste Wettkampf des Jahres an: das Dirty Race in Murr. In diesem sogenannten Winter 2013/14 war es wohl das bislang dreckigste Rennen seiner Geschichte. Eine Woche Nieselregen bei Plus-Temperaturen hatte die Radstrecke in einen Sumpf verwandelt. Ich hatte zwar wohlweislich die Schutzbleche am Rad gelassen, was mich vor dem Schlimmsten bewahrte, aber die eigens beschafften Grobstoller waren zu fett für die Gabel, so dass ich mehrmals anhalten durfte, um den Schmodder rauszupulen, der das Vorderrad blockierte. Ich kämpfte mich wacker über die Strecke und absolvierte auch die Lauferei mit Anstand. Nach dem Rennen wurde erst einmal das Rad gekärchert und danach der Bub geduscht. Die neu gebauten Umkleiden und Duschen am Sportplatz von Murr sind glatt noch besser als die alten. Nach wie vor gibt es heißes Wasser satt auch für Spätankömmlinge. Der Boden sah allerdings aus, als wäre hier nicht die Teilnehmer, sondern die Fahrräder geduscht worden. Nach unbestätigten Gerüchten wurden die Rückstände auf einer Klärschlammdeponie zwischengelagert.

Was hat jetzt all das mit Zombies zu tun? Ich erfuhr es mehr durch Zufall. Nach der Dusche wollte ich eigentlich nur schnell nach hause. Dann sah ich aber einen freien Parkplatz genau vor der Gemeindehalle, in der die Siegerehrung stattfand. Spontan entschloss ich mich, dort noch einen Kaffee&Kuchen zu nehmen. Freund Achim Seiter kam auf die Bühne und vertat sich erst mal bei der Reihenfolge der Ehrungen und fing bei AK 80 an. Übrigens: am Morgen hatte Reiner noch die grandiose Idee, dass wir als Zweierteam in der AK 100 starten sollten, was wir dank einem guten Draht zum Veranstalter noch kurzfristig einrichten konnten. Und nach AK 80 ehrte Achim gleich mal die AK 100 und wir waren auf Platz 3! Ich hatte ja vor vier Jahren schon das zweifelhafte Vergnügen, in M50 auf dem Treppchen zu stehen (mein erstes Treppchen seit den späten Siebzigern des vorigen Jahrhunderts), aber Platz 3 in AK Ühu war durchaus ein special event. Kurze Erklärung: beim Dirty Race gibt Teamwertungen für Zweierteams. Einmal ganz allgemein, dann die 80er für zwei Leute über 40 und (richtig geraten) die 100er für zwei Leute über 50. Ich finde, ein 3. Platz in AK 100 ist kein schlechter Start ins Jahr.

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Der Geisterrechner

Rechnen beim Schwimmen kann mühsam sein. Diesen Sommer war ich viel im Freiwasser unterwegs (ohnehin die schönste Variante der Schwimmerei). Im Fluss oder See war meine kleinste Maßeinheit 500 Meter, auf diese Distanz hatte ich den Alarm der Uhr gestellt. Jetzt sollte ich plötzlich in einem überfüllten 25-Meter Becken 24 Stunden schwimmen. Ok, 24 Stunden war eine schamlose Übertreibung. Mein Plan war, am späten Nachmittag im Hallenbad in Bissingen aufzukreuzen und ein paar Runden zu schwimmen, wenn alles gut ginge, bis zum Morgengrauen. Mindestens wollte ich meine längste Strecke im Becken, 5000 Meter, überbieten. Um 14 Uhr warf ich zwei Brötchen ein und legte mich eine Stunde auf die Couch. Danach ein Kaffee, ein bisschen Tasche packen und los gings. Ich hatte eine Hand voll Riegel und zwei Flaschen Apfelschorle mit, Schwimmzeug, Bademantel, Trainingshose und eine Isomatte. Im Bad war bereits highlife.

Hallenbad Bissingen

Seit 14 Uhr war der Start frei gegeben und jetzt, um 17 Uhr, waren alle Bahnen knallevoll. Auf der Schwimmerbahn 1 kämpften sich einige Krauler durch eine Horde Brustschwimmer. Man muss dazu sagen, dass die Veranstaltung ausdrücklich als Spaß- und Breitensportevent angekündigt war, deashalb durfte man das nicht so eng sehen. Ich deponierte mein Material beim leeren Planschbecken, in dem andere Leute bereits ein expeditionsmäßiges Basislager aufgeschlagen hatten. Da kam auch schon Ronnie vorbei, den ich bislang nur virtuell gekannt hatte. Dank meiner schicken Aquadeus-Hose, die ich vorher noch ins Netz gestellt hatte, erkannte er mich sofort.

Hose

Nach einem kurzen Plausch startete ich zur ersten Runde. Am Bahnende holte ich mir eine numerierte Kappe, gab meine Strichliste einem Bahnenzähler und stieg ins Wasser. Trotz des Trubels kam ich zügig voran. Mittlerweile waren nur noch zwei Brustschwimmer unterwegs, dicht hintereinander, die man im Doppelpack schön überholen konnte. Eng wurde es nur, wenn sich zwei Überholer im Gegenverkehr begegneten. Alle 50 Meter kam ich an der Wanduhr vorbei und musse mich zusammenreißen, nicht jedes Mal hoch zu schielen. Gezählt habe ich nicht, das überließ ich dem offiziellen Strichlistenführer und hilfsweise meinem Forerunner. Ich hatte mich bald in einem gemächlichen Rhythmus eingefunden. Nach einer knappen Stunde spürte ich erste Ermüdungserscheinungen. Eine Weile überlegte ich, die erste Runde auf 2 Stunden aus zu dehnen, hatte aber Angst, dass ich mich damit noch am späten Nachmittag abschießen würde und beendete die Session nach einer guten Stunde und mit 3000 Metern auf dem Konto.

Die erste Minute am Beckenrand stand ich noch verknittert in der Landschaft. Die operative Entfernung von Schwimmbrille und Badekappe sorgte für erhebliche Erleichterung und eine heiße Dusche machte mich fit für die Pause. Ich setzte mich auf eine Bank, knabberte meinen ersten Riegel und beobachtete in Ruhe die Umgebung und die Leute. Nach einer knappen Stunde fühlte ich mich fit genug zum Weitermachen. Mittlerweile war auch Fadel angekommen und kurz nacheinander stiegen wir ins Wasser.

Fadel

Diesmal merkte ich die Vorbelastung, sowohl in den Schultern als auch im Kopf. Im Vorbeischwimmen bat ich Fadel, mir eine Flasche an den Beckenrand zu stellen. Die erste Stunde war ich noch ohne Zwischenverpflegung durchgekommen, jetzt legte ich ab und zu einen Boxenstop ein.  Trotzdem beendete ich den Durchgang bereits nach 2000 Metern. Das erste Ziel, die 5 zu egalisieren, war erreicht.

Inzwischen kannte man die Leute, die längere Zeit unterwegs waren und unterhielt sich in den Pausen miteinander. Fadel, der erst seit kurzem krault und hier zum ersten Mal Strecke machte, bekam reichlich Tips und schwamm am Schluss deutlich hübscher als zu Anfang (hat aber noch Potential). Ich musste inzwischen einsehen, dass meine Futterstrategie wenig durchdacht war. Meine Schorle war schon lange zu Ende und ich füllte die Flaschen am Wasserhahn auf. Das wenige Bargeld, das ich mitgebracht hatte, war für Startgeld und Schrankpfand drauf gegangen. Am Müsliriegel knabbernd schielte ich gierig zu den Jungs hinüber, die sich belegte Brötchen reinschoben. Die Schinkensemmel vom Frankfurt Marathon und ihr Mysterium halten sich eisern auf Platz Eins meiner Lieblings-Psychosen… Zum Glück half Ronnie mit einer Cola aus, die er für mich am Beckenrand deponierte. In der dritten Runde machte ich wieder Boden gut, wenn auch das Tempo deutlich nachgelassen hatte. Ich schwamm inzwischen Viererzug. Bei der niederschwelligen Anstrengung reichte das bisschen Luft locker aus, dafür lag ich so viel ruhiger im Wasser. Einer meiner vielen Technikfehler ist nämlich ein übermäßiges Aufdrehen beim Einatmen. Dazu bemühte mich um bewusste Lockerung der Arme in der Überwasser-Phase und hatte auch den Eindruck, dass die Schultern jetzt weniger jammerten als zuvor. Der einzige Wermutstropfen: ich war jetzt der Langsamste auf der Bahn und wurde permanent von kleinen und großen Mädchen überrundet. Von Jungs auch. Weitere 3000 Meter in 75 Minuten konnte ich so zu Ende bringen und war damit in der Größenordnung meiner längsten je an einem Tag geschwommenen Strecke angekommen. Über Grund war ich zwar im Regen 12 Kilometer geschwommen, hatte aber überschlägig ausgerechnet, dass vier davon auf das Konto der Strömung gegangen waren. Ich rollte meine Isomatte aus und legte mich eine Weile hin. Das brachte zwar Erholung, aber keinen Schlaf. Und das war nicht mal die Schuld der Schulklasse, die plötzlich neben mir auftauchte und sich lautstark unterhielt. Aus Sorge, die könnten auf mich drauftreten, rückte ich näher an das junge Mädchen, das nebenan auf seiner Matte ausruhte. Ich überlegte noch, ob ich darauf hinweisen solle, dass ich nix tue, beschloss aber, unauffällig zu bleiben. “Ich will nur spielen” wäre gar nicht gegangen.

Nach einer Weile in der Horizontalen setzte ich mich wieder zu Ronnie und Fadel. Fadel musste langsam nach hause, Ronnie wollte noch auf 15 aufstocken. Ich selbst definierte “die 10 und dann mal sehen” als nächstes Ziel. Um 23:15 Uhr stieg ich wieder ins Wasser. Diesmal hatte ich eine perfekte Gruppe erwischt, die schnellen Leute waren grade draußen und die Hand voll Schwimmer waren annähernd in meinem Tempo unterwegs. Ronnies Cola kam mir jetzt zu Pass. Punkt Mitternacht hatte ich die 10 km voll. Ich machte noch die Stunde voll und hatte am Ende 10.650 Meter zurück gelegt. Damit ließ ich es gut sein. Ich fühlte mich extrem erschöpft, hatte auch Angst, die Schultergelenke zu überbeanspruchen. Die Schwimmbrille drückte trotz Weichgummirand schmerzhaft aufs Gesicht und saugte mir gleichzeitig die Augäpfel aus den Höhlen. Das Chlorwasser setzte meinem Hals zu. Ausreden genug zum Aufhören hatte ich also. Zumindest hatte ich keine Wadenkrämpfe (die sonst zuverlässig bei 2735 Metern einsetzen).

Ein letztes Mal genoss ich die heiße Dusche und ging mein Geraffel aufklauben. Dabei hörte ich ein junges Mädel zu einem anderen sagen, wie schwer das doch für Leute über 50 sei. Ich wollte ihr schon einen Vortrag über das AGG mit 47 Seiten Powerpoint an den Kopf werfen, fragte aber vorsichtshalber, was sie denn meine. “Das Lebensalter in Kilometern schwimmen” war die Antwort. Da konnte ich dann auch nicht widersprechen. Ich musste sogar zugeben, dass das mit Laufen schon kaum möglich sei, jedenfalls für mich. Ich wollte dann noch damit kokettieren, dass ich jetzt fast ein Fünftel meines Alters geschwommen habe, also gut 1o Prozent. Nein, ein Zehntel. Oder waren es zwanzig Prozent? Ich einigte mich mit mir darauf, dass Männer über 50, auch wenn sie nur einen Teil ihres Alters geschwommen haben, zur Geisterstunde nicht mehr rechnen können.

Im Foyer tauschte ich meine Schrankmarke gegen die 10 Euro Pfand und bestellte mir einen Kaffee und zwei Stück Kuchen. Auf EINEM Teller. Christian weiß, was ich meine.

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Das Mysterium der Schinkensemmel

Frankfurt Marathon 2013. Ich hatte es unbedingt wissen wollen, jetzt weiß ich es. Vor drei Jahren war ich hier meinen letzten Solo-Marathon gelaufen. Damals hätte es wahrscheinlich zu 3:10 reichen können, ich lief zu schnell an, brach bei der  Hälfte ein und schaffte mit Müh und Not 3:15.

Seither hatte ich noch einen Marathon in 4:17 gelaufen, der war aber mit Vorbelastung (Schwimmen und Rad fahren). Für 2013 hatte ich mir einen neuen Anlauf zur PB vorgenommen. Eigens dafür hatte ich auf größere Triahtlon-Abenteuer verzichtet. Im Nachhinein eine glückliche Entscheidung: das Frühjahr war lange kalt und nass, an Radtraining auf der Straße war nicht zu denken und einige frühe Veranstaltungen wurden kurzfristig zum Duathlon umgebastelt oder fielen gleich ganz aus. Ich hatte im Herbst 2012 für Frankfurt gemeldet und damit reichlich Zeit zur Vorbereitung. Frankfurt deshalb, weil es der letzte große Mara in Deutschland ist und ich nach dem Sommerurlaub noch Zeit für Aufbautraining hätte. So weit ging der Plan auch gut auf. Ich lief den Winter über fleißig Grundlage und lehnte mich schon mal mit sub-3 Ansagen aus dem Fenster. Im Frühsommer kamen die ersten Dämpfer. Bei der Challenge Kraichgau lief ich in der Staffel den HM in 1:36, in Stuttgart war ich nicht viel schneller. Die sub-3 war damit vom Tisch. Mein nächstes Ziel war eine neue Bestzeit. Ich war im Sommer weiterhin fleißig und mischte lange Kanten mit Tempoarbeit. Beim Heuchelberglauf war ich mit 1:31 auf einem Niveau, das die 3:10 rechnerisch möglich scheinen ließ. Die letzten zwei Wochen fuhr ich die Umfänge zurück und gönnte meinen Knochen die nötige Erholung.

Am Samstag reisten wir an und spulten das Pflichtprogramm ab: Hotel beziehen, Startnummer holen und die Marathonmall leerkaufen. Noch zwei Teller Pasta, ab ins Bett und richtig gut durchschlafen.

Am Sonntagmorgen hatte das Telefon die Zeitumstellung fehlerfrei hingekriegt und weckte mich korrekt um halb sieben (ich hatte extra eine analoge, nicht-automatische Uhr dabei, um das zu kontrollieren. Als Forerunner 910-Nutzer braucht man ohnehin noch eine Uhr fürs echte Leben). Der Frühstücksraum war schon voll lustiger Leute, die unterschiedlichste Ernährungsstrategien vorführten. Ich blieb bei meiner bewährten Taktik und bastelte mir ein Früchtemüsli und eine Honigsemmel. Mein Tischnachbar verleibte sich derweil eine Schinkensemmel nach der anderen ein. Unser Gepräch drehte sich rein zufällig um die Marathonlauferei. Der Kollege lief heute seinen dritten und wollte auf 2:45 angehen. Mir fiel fast der Honig vom Brot. Er hatte seine ersten jeweils knapp über 2:50 gelaufen und wollte jetzt wissen, was ging. Ok, dachte ich. Wir holten uns dann jeder noch eine Semmel, er mit Schinken, ich mit Honig.

Um 9 checkten meine Frau und ich aus dem Hotel aus und gingen die anderthalb Kilometer zum Start. Das Wetter war unglaublich gut, strahlender Sonnenschein und 15 Grad, keine Spur vom angekündigten Regen. Vor der Messehalle ein unbändiger Trubel. Läufer und Begleiter wuselten wie aufgescheuchte Ameisen durcheinander. Dazwischen epische Schlangen vor den Dixi-Klos. Wir gingen in die Halle, wo ich die langen Klamotten auszog und die Beine mit Body Glide mit Muskelaktivator einrieb. Ich gab meinen Kleiderbeutel ab und stellte mich zum Spaß nochmal in die Kloschlange. Bis ich herauskam, war es 10 Uhr, noch dreißig Minuten bis zum Start. Ich wärmte mich ein wenig auf und ging um 10:20 in meinen Startblock. Während der Stadionsprecher das Publikum anheizte und die Spitzenläufer vorstellte, kam plötzlich Wind auf und schwarze Wolken türmten sich über uns. Etliche Plastiksäcke, die Läufer als Wetterschutz verwendet und jetzt abgelegt hatten, trieben durch die Luft. Ich wartete immer, dass einer die Oberleitung der Straßenbahn traf, aber das passierte nicht. Endlich kam der countdown und der Startschuss. Der Vorteil im vordersten Startblock ist, dass dort überwiegend alte Hasen stehen, die den Ablauf kennen. Die drängeln nicht von hinten nach vorne, sondern warten entspannt, dass die vorderen Reihen loslaufen und gehen erst mal ruhig zu Fuß, bis Platz ist, die Zeitnahme startet ja erst an der Matte. Ich riss mich auch brav zusammen und lief in einem Tempo los, das mir wie ein gemütlicher Erholungslauf vorkam, sich aber nach einem Kilometer als perfekt meine Plangeschwindigkeit erwies. Zunächst ging es auf verwinkelten Pfaden durch die Frankfurter Innenstadt. An Ecken oder in Engstellen gab es teilweise Gedränge, aber alle waren höflich und entschuldigten sich für kleine Rempler. Der Wind war zwischen den Hochhäusern kaum zu spüren und die Wolken hatten sich fürs Erste wieder verzogen. Die Straßen waren von Publikum gesäumt, das uns begeistert anfeuerte. Auch mein Zeh verhielt sich unauffällig. Bei der letzten Pediküre am Donnerstag hatte ich mir am vierten Zeh ein Stück des Nagels ausgerissen. In der Frühe hatte ich kunstvoll gepflastert, damit einerseits die empfindliche Stelle gegen reibende Socken geschützt war, andererseits das Pflaster nicht irritierte. Im dritten Anlauf war mir das gelungen und die Konstruktion bewährte sich bislang. Nach 13 Kilometern überquerten wir den Main und gingen auf den langen Abschnitt durch die Vororte. Hier gab es einen kurzen, leichten Regenschauer, der aber nicht störte. Das Tempo passte weiterhin, 45 Minuten bei 10km und 1:31 bei 20km lagen gerade noch im Plan. Das traurige Ende kam abrupt kurz nach der halben Strecke. Die Rampe der Brücke nach Höchst gab mir den Rest. Wenig später überholte mich der Zugläufer für 3:15, an dem ich mich vorher Stück für Stück vorbei gearbeitet hatte. Ich versuchte, den Rhythmus wieder zu erhöhen, konnte aber das Tempo nicht halten. Inzwischen waren die Socken feucht vom Regen und der linke warf eine Falte unter den Zehen. Ich schaffte es, ihn bei angezogenem Schuh gerade zu zupfen und lief weiter. Ab hier nahm ich regelmäßig Gels, aber auch die konnten den Niedergang nicht aufhalten. Ab dem Halbmarathon war jede 5er-Zwischenzeit schlechter als die vorherige. Wenn jetzt ein Taxi da gewesen wäre, ich hätte es genommen. Mühsam schleppte ich mich die Mainzer Landstraße entlang Richtung Zentrum. Der Regen hatte aufgehört, aber ein kräftiger Wind blies von der Seite, der mich in Böen zum Straucheln brachte. Die Kilometerschilder dokumentierten einen stetigen Fortschritt, brachten aber keine Erleichterung. Der Information “noch 7 km”, “noch 5 km” fehlte ganz entschieden das “nur”. An den Verpflegungsstellen blieb ich kurz stehen und trank in Ruhe. Die neue Bestzeit war lange abgehakt, ich wollte nur noch gemütlich und stilvoll weiterlaufen. Selbst das wurde immer schwieriger. An der 40km-Verpflegung konnte ich kaum noch gerade stehen. Jetzt umdrehen wär auch blöd, mit dem Gedanken machte ich mich auf den letzten Abschnitt. Auf dem letzten halben Kilometer gab es noch heftigen Gegenwind. Am Straßenrand lag ein Läufer, umsorgt von Ersthelfern. Ich trabte am Messeturm vorbei, über den Hof in die Halle und erreichte völlig ausgepumpt die Ziellinie.

Die Beine waren noch erstaunlich in Ordnung, aber der Kreislauf war mächtig aus dem Gleichgewicht. Ein nettes Mädel hängte mir die Medaille um den Hals, deren Gewicht mich fast zu Boden riss. Hinter der Halle kam die Zielverpflegung, leider völlig ungeschützt im heftigen Wind – mein einziger Kritikpunkt an der ansonsten perfekten Veranstaltung. In aller Eile schüttete ich einen Becher Tee in mich hinein, stopfte eine Banane hinterher und spülte mit bleifreiem Radler nach. Wenn der Körper schon leidet, soll auch der Magen seinen Spaß haben! Noch recht benommen schleppte ich mich zur Halle mit den Umkleiden. Mein erster Weg dort führte zum Klo, wo ich die Verpflegung wieder von mir gab, größtenteils rückwärts. Also entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung. Derart erleichtert schaffte ich es bis zur Beutelausgabe und von dort in die Umkleide. Nach einer Dusche und einer Runde stillsitzen kam langsam wieder Leben in den Körper. Ich lieh mir von einem netten Kollegen ein Telefon (meines lag im Auto) und rief meine Frau an. Kurz danach saßen wir im Auto und fuhren heim.

Was ist jetzt die Moral der Geschichte? Vor drei Jahren auf 3:00 angegangen, zur Halbzeit eingebrochen und in 3:15 angekommen. Gestern auf 3:10 angegangen, zur Halbzeit eingebrochen und in 3:25 angekommen. Das klingt wie: dumm geboren und nix dazu gelernt. Einen Marathon einfach durchzuschlurfen und nach 5 Stunden anzukommen, dazu habe ich keine Lust. Auf der halben Distanz kann ich noch lustig durchbrettern. Ich ziehe jetzt erst mal die Konsequenz und behaupte hier und heute, dass ich nie wieder einen vollen Marathon laufen werde. Auch wenn Christian versucht, mich zum Start in NY zu animieren. Aber NY ist doof. 3 Stunden vorher da sein und in die Büsche pinkeln ist nicht mein Ding. Wenn überhaupt, dann lauf ich in Big Sur. Und vorher drück ich mir vier Geflügelschinkensemmeln rein. Mit Butter, Erdnussbutter und Nutella!

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Na also, geht doch!

Alles Kopfsache. Wenn ich heute um 6 aufgestanden und nach Hildrizhausen gefahren wäre, hätte ich den 25km-Lauf mit aller Wahrscheinlichkeit anständig geschafft. Bin ich aber nicht, habe ich also nicht.

Dafür habe ich zu Mittag meine neuen Brooks geschnürt und bin zu einem Dauerlauf in moderatem Tempo aufgebrochen. Irgendwas zwischen 15 und 20 km sollte es werden. Dabei wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, die Strecke zu verkürzen, falls die Gesundheit noch nicht so weit war. Je nach Gefühl dürfte es auch etwas mehr werden. Tief im Innern löckte der Stachel, die 25 zu laufen, wenn auch nicht im Schönbuch. Ich fühlte mich unterwegs erstaunlich gut, die Erkältungspause hat mir offenbar wenig geschadet. Ab km 11 spielte ich mit dem Gedanken, auf 30 auf zu stocken. In Ossweil traf ich zumindest die Entscheidung, nicht von dort auf dem kürzesten Weg heim zu laufen. Beim Schlosspark in Ludwigsburg war ich auf gut 22 und bog links ab, einmal um den Schlosspark rum. An der Kreuzung Stuttgarter/Marbacher Straße beschloss ich dann, mindestens die 25 voll zu machen und lief links hoch, seitlich am Favoritepark entlang. Als TvW habe ich ja oft noch ein Ass im Ärmel, diesmal war es am Ärmel: das iphone mit Kopfhörern. 2 Stunden hatte ich die herbstliche Ruhe genossen, für den Endspurt gab ich mir die Dröhnung. Von hinten durch den Favoritepark zum Schloss laufend begegnete ich lauter netten Leuten, die sich über den Läufer freuten, der da breit grinsend einen Marylin Monroe-Hit grölte (I’m gonna file my claim). Es lebe die Wiedergabeliste im Zufallsmodus! Am Ende standen 27 km auf der Uhr, mit einem pace knapp unter 5. Jetzt heißt es, drei Wochen lang maximal zu trainieren ohne sich abzuschießen. Schaungmeramal.

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Wie vermehren sich Bakterien?

Oder Bazillen? Viren? Und wer von denen ist für meine Erkältung veantwortlich? Egal. Ganz egal, was meine Erkältung verursacht hat und wie es sich fortpflanzt, ich rufe hiermit zum Geschlechtsverkehr damit auf!

Schon eigenartig. Früher hätte man diese Mikroorganismen aufgefordert, einem den Anus oral zu säubern. Aber das ist wahrscheinlich nicht mehr politisch korrekt. Wenn ich mich über etwas so richtig aufrege, dann kommt mir halt als Erstes das amerikanische Invektiv in den Sinn. (Kleinen Moment, ich google schnell mal, ob Invektiv das bedeutet, was ich meine. Erleichterung: es passt. Und mit “Schmähung” habe ich ein weiteres Wort gesehen, das der Verwendung harrt). Die Italiener haben sich die Kombination aus den beiden Varianten zu eigen gemacht und schicken missliebige Zeigenossen “geh in den Hintern machen”. (Oder an die Regierung).

Zurück zum leidigen Thema. Ich habe ein Woche lästiger Erkältung hinter mir und hoffe, dass die Angelegenheit jetzt abgefrühstückt ist. Letzte Nacht konnte ich erstmals durchschlafen, ohne Hustenattacke um 2 Uhr früh. An Training war in dem Zustand nicht zu denken. Gestern (Brückentag) habe ich zu Mittag Feierabend gemacht und bin mit dem MTB zwei Stunden heim gefahren, die volle Runde mit Remstal und Waiblinger Forst. Ein Traum im Spätsommer, ich wusste bald gar nicht mehr, was ich noch ausziehen sollte. Zu dieser Tageszeit konnte ich noch guten Gewissens durch die Wälder brettern, die bald nach Feierabend tabu sein werden (man ist ja Tierfreund). Drei Buntspechten, einem Reiher und einem Bussard bin ich unterwegs begegnet, dazu mehreren Bikern (einem davon zwei Mal) und gut erzogenen Hundehaltern. Also Haltern mit 1-2 gut erzogenen Hunden. Hundetechnisch lebe ich anscheinend auf einer Insel der Seeligen. In Onlineforen und Leserbriefspalten wird allerorts und immerdar auf die bösen Hunde und ihre Weibchen/Herrchen eingedroschen – ich erlebe seit Jahren nur Leute, die ihre Tiere jeder Größe und Rasse stramm im Griff haben und sie beim Nahen eines Radlers oder Läufers zu sich rufen und sitzen machen (wie der Cola-Manager in 1-2-3).

Den Schönbuchlauf morgen habe ich mir trotzdem erst mal geschenkt. Ich fühle mich noch recht matt und der Wetterbericht taugt auch nicht zu 100%. Bevor ich mich drei Wochen vor dem Marathon abschieße, schlafe ich lieber gemütich aus und schaue dann unter der Woche, wie ich wieder an die Form vor der Erkältung anknüpfe. Schließlich habe ich weder Muskelschwund noch Herzkasper zu befürchten.

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Zu schnell, um wahr zu sein

Ein Wettkampf jagt den anderen. Letzten Sonntag war’s ein Sprint-Triathlon. Der hat noch prima in die Marathon-Vorbereitung reingepasst, auch wenn die Lauferei am folgenden Montag stark beschränkt verlief. Das ist überhaupt das Mühsame am Älterwerden: dass der Durchschnittspace un 1-2 Sekunden steigt, ist ja verkraftbar. Die Platzierungen werden trotzdem besser, weil manche Konkurrenten den Blödsinn einfach nicht mehr mitmachen. Zu gut werden die Platzierungen aber trotzdem nicht, weil gerade die Ehrgeizlinge, die sich seit 40 Jahren in den Listen an mir vorbeidrängeln, zu blöd sind, um aufzuhören (haben wohl nichts Besseres zu tun?). Und für eine biologische Lösung sind sie zu zäh. Das Ernüchterndste im Alter ist die Zeit, die man zur Erholung selbst von einem überschaubaren Wettkampf braucht.

Heute war ich beim Heuchelberglauf unterwegs, in der HM-Panorama-Variante, mit freundlicher Unterstützung von CBL Chemobau. Bernd hatte mich zu diesem Lauf animiert, der fünf Wochen vor dem Mara noch mal eine gute Standortbestimmung erlaubt. Kurz vor 8 war ich am Zielbereich in Leingarten und holte die Startnummer ab. Danach traf ich Bernd und die übrigen Jungs von der CBL-Fraktion, die gut und locker drauf waren und damit im Startfeld beinahe schon eine Ausnahme bildeten. Bei Herbstläufen ist die Stimmung ja tendenziell eher Ehrgeiz-lastig. Während bei den Volksläufen im Sommer sich Hinz und Kunz mit Krethi und Plethi verbrüdern und Anwaltskanzleien gegen Zahnarzthelferinnen antreten, treffen sich um das Äquinoktium herum die härteren unter den Gartenzwergen. Neben den oben erwähnten sehnigen Runzelrentnern hauptsächlich Triathleten, die zum Saisonabschluss noch einen Lauf raushauen. Und so sah ich, neben original 80er Ballonseidenanzügen, reichlich M-Dot und Challenge Rucksäcke von Veranstaltungen aus der ganzen DACH-Region (D, A, CH. Seit wir einen Marketing-Fritzen im Vorstand haben, ändert sich mein Wortschatz). 8:45 wurden wir 1/2-Marathonis mit Bussen abgeholt und zum Start gekarrt. Das mit den Bussen war wirklich eine super Idee, der Start war auf einem Waldweg, der in einer unübersichtlichen Kurve von der Landstraße abging. Ein Auto dort zu deponieren, hätte sich nur angeboten, wenn man einen vollen Mara hätte laufen wollen, die Strecke war one-way. Eine Runde laufen, eine Runde Dixi, ausziehen, noch eine Runde laufen, damit verging genau richtig die Zeit bis zum Start. Dabei outete auch ich mich als Hybrid zwischen altem Sack und Triathlet. Zwar war ich noch mit einem Swimtrek-Hoodie angereist, das nur Insider als Triathlon-affin erkennen, darunter trug ich aber das Finisher-Shirt von Heilbronn 2011. Das ist nicht nur ein hervorragendes Funktionshemd, es passt auch farblich perfekt zu meiner Lieblings-Laufhose mit den roten Einsätzen, die gerade rechtzeitig aus dem Waschzyklus aufgetaucht war. (Ein Hip-Hip-Hurra auf die Gemahlin!) Und mein Alter zu beschönigen wäre mir wirklich zu blöd. Noch blöder, als in meinem Alter auf Rennen zu gehen. Die äußeren Bedingungen näherten sich derweil verdächtig einem irrealen Optimum: der Morgennebel verzog sich, zaghaft schimmerte Sonnenlicht durch den lockeren Laubwald und die Temperatur pendelte sich bei 15°C ein. Die Schuhe schnürte ich noch einen Hauch fester als normal, um auf den koupierten Waldwegen nicht ins Schwimmen zu kommen. Bei der Aufstellung reihte ich mich an der Grenze zwischen “< 1:30″ und “<1:45″ ein. Nach 1:38 im Kraichgau und 1:33 in Stuttgart war ich nicht sicher, ob ich die 1:30 knacken würde. 1:30 ist heuer für mich die magische Marke. Mit einer <1:30 wäre mein (revidiertes) Ziel von 3:10 in Frankfurt rechnerisch möglich. Der Heuchelberglauf wirbt mit einer flachen Strecke und schnellen Zeiten, sollte also für Rechenspielchen brauchbar sein. Diese Spielchen hatte ich Bernd im Bus noch ausführlich erklärt: vom negativen Split bis zum 4/4 Marathon.

Countdown, Starschuss und los. Nach 50 Metern ging es steil nach unten. Ich hatte mich schnell einsortiert und ließ laufen. Langsamer würde ich von alleine. Mit hoher Schrittfrequenz und ebensolchem Knie lief ich den ersten Kilometer bergab in 3:52, schneller als jedes 1000er-Intervall in den letzten Jahren. Der zweite Kilometer begann bergauf und wurde dann flach. An seinem Ende hatte ich 8:30 auf der Uhr, genau die Vorgabe für 1:30! Den nächsten Kilometer fuhr ein Radler mit dem Schild “1. Frau” neben mir. Er sah seinen Irrtum aber ein und ließ sich zurückfallen. Ich kam in flottem Tempo voran. In der Folge schaute ich nicht mehr auf die Uhr, sondern lief nach Gefühl. Die Strecke war nicht ohne und auch nicht wirklich flach, immer wieder ging es stückweise rauf und runter. Der Untergrund wechselte regelmäßig. Eine genaue Messung würde wohl gut 50% Asphalt ausweise, die unbefestigten Abschnitte gruben sich aber tiefer ins Gedächtnis ein. Gerade auf den ersten zwei Dritteln liefen wir viel durch den Wald, überwiegend auf guten Wegen mit vereinzelten feuchten Senken, die man mit Aufmerksamkeit umlaufen konnte. Aufmerksamkeit war gefragt, denn ich musste mich oft zwischen der geometrischen Ideallinie und dem besseren Untergrund entscheiden. Am unangenehmsten empfand ich die grasbewachsenen Feldwege zwischen den Äckern, wo ich wenig Halt fand und immer Angst vor versteckten Unebenheiten hatte.

Von der Konkurrenz bekam ich nur wenig mit. Kurz vor der ersten Wasserstelle kam ich in ein Grüppchen von fünf Leuten, lief ein paar hundert Meter hinter ihnen, überholte dann und wurde bald von zwei der fünf wieder überholt. Ansonsten bewies sich die alte Binsenweisheit, dass im Halbmarathon die Kilometer angenehm kurz sind und ich kam gut vorwärts. Beim Start in die zweite Hälfte fühlte ich mich noch taufrisch, merkte aber immer mehr den Übergang von bergab oder flach zu bergauf. Eine Zeit lang hatte ich die zwei Ausreißer aus der Fünfergruppe noch in Sichtweite, dann setzten sie sich ab und ich verfolgte hartnäckig eine auseinandergezogene Formation von knapp zehn Läufern. Bei Kilometer 15 kamen wir auf die Strecke des 12km Hauptlaufs, was bei mir für einige Verwirrung sorgte. Nachdem sich das Feld des HM gut einsortiert hatte, kamen immer wieder brutal schnelle Leute von hinten angeschossen. Ich tröstete mich damit, dass die aller Wahrscheinlichkeit nach 10 Kilometer weniger in den Beinen hatten als ich. Hier kamen wir auch aus dem Wald heraus und der Panoramalauf machte seinem Namen alle Ehre. Leider habe ich davon nicht viel mitbekommen, weil ich bereit voll im Tunnelblick-Modus lief. Inzwischen waren wir im letzten Viertel der Strecke, das zunächst sanft, dann immer stärker abfällt. Mit enormer Mühe hakte ich noch 2-3 Konkurrenten ab, die nicht mehr locker genug waren, um gnadenlos laufen zu lassen. Dafür war ich am Ende der steilsten Gefällstrecke, ca. bei km 19, ganz schön am Ende. Bis km 20 bemühte ich mich um zügiges Vorankommen, um Gegenangriffe abzuwehren, die aber nicht erfolgten. Bei km 20 hatte ich schließlich einen Teamkameraden vor der Flinte. Meter um Meter kämpfte ich mich heran, immer mit der Angst vor dem finalen Einbruch im Nacken. Schließlich war ich 20 Meter hinter ihm, als er, 300 Meter vor dem Ziel, an einer Steigung einbrach und gehen musste. Mit einem Triumphschrei zog ich vorbei und tat alles, um den psychologischen Vorteil ins Ziel zu retten. Der Hempel, der mich dazwischen noch überholte, war zum Glück aus dem 12km-Lauf. Vor lauter Aufregung vergaß ich sogar meinen Zielschrei – das wird wohl das geräuschloseste Finisherphoto meiner Karriere. An der Zielverpflegung holte ich mir noch den Kuchen, den die Weinkönigin extra für mich gebacken hatte. Zumindest hatte die nette Helferin am Morgen erzählt, dass einer der 50 Kuchen von der Winkönigin sei. A propos HelferInnen: HERZLICHEN DANK AN ALL DIE FLEIßIGEN LEUTE, DIE STUNDENLANG AM START, AND DER STRECKE UND IM ZIEL AUSHARRTEN, damit auch ja alle LäuferInnen gesund und sicher ankamen!

Frisch gestärkt wartete ich auf Bernd, der sich 1:50 vorgenommen hatte. Als wir uns anmeldeten, hatte er noch an sub-2 gedacht, ich hatte ihm die 1:50 vorgegeben, er hat sie mit 1:45 souverän unterboten und sah noch richtig gut aus dabei. Auch Sahin, der Flinkste aus dem CBL-Team, hat sein Ziel von 1:24 um 12 Sekunden unterboten und landete auf Platz 12. Und wo war ich? 1:31:08 weist die Ergebnisliste aus, Platz 33 gesamt. Unter Berücksichtigung von Streckenprofil und Untergrund könnte das gerade so für die 3:10 in Frankfurt reichen, wenn auch ähnlich knapp wie der Ausgang der heutigen Bundestagswahl. Es bleibt spannend, in Berlin wie bei Modou Fall! Dass ich 3. in der AK Uhu war, habe ich erst erfahren, als die Siegerehrung schon lange vorbei und ich vom Wahlbüro zurück war.

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Doch noch ein Triathlon

Fast hätte ich dieses Jahr gar keinen Triathlon gemacht. Was gepasst hätte, denn ich habe auch nicht trainiert. Ein paar Ausfahrten mit dem Rennrad und ein paar Kilometer Schwimmen, ansonsten habe ich mich aufs Laufen konzentriert. Am Montag habe ich sogar das Abschwimmen im Freibad verpasst, weil ich sonst zu spät zur MAV gekommen wäre. Ein Leben im Konjunktiv, sozusagen.

Nachdem ich schon den Saisonstart in Steinheim versemmelt habe, hat es heute in Kornwestheim endlich geklappt, im dritten Anlauf.  Vorletztes Jahr habe ich mich vom Wetter abschrecken lassen, letztes Jahr war ich krank, diesmal war ich fit.

Vor dem Start lief ich Pascal über den Weg. Pascal ist ein Tier. Wenn er nicht gerade auf der Langstrecke oder einem Ultratrail unterwegs ist, guckt er Sprint. Ich fragte ihn, was er dieses Jahr so getan bzw. noch vor hätte. Nach 20 Minuten stichpunktartiger Aufzählung musste ich mich entschuldigen, meine Startzeit rückte näher.

Im Schwimmbad bekam ich erst mal Platzangst. Nach 12 Kilometern im Regen ohne eine einzige Wende sollte ich 500 Meter im 25er-Becken schwimmen! Wir waren zu sechst auf der Bahn und hatten uns schnell geeinigt: die 3 jungen Wilden preschten vornweg, dann kam ich und der Rest hinter mir. Nach 150 Metern wurde ich mutig und versuchte Rollwenden. Die klappten zwar erstaunlich gut (weder habe ich mir die Fersen am Beckenrand aufgeschlagen noch bin ich 2 cm vor der Wand verhungert), aber bei dem Tempo und der Wendefrequenz ging mir die Luft aus, also kehrte ich zur guten Autoscooterwende zurück (mit Vollgas an die Wand und abprallen). Nach 500 Metern kraxelte ich sogar ausgesprochen beschwingt aus dem Becken, warf den Helfern die Badekapp zu und lief los. Bis zum Rad ging alles ganz gut, beim Aufsteigen habe ich mich aber schwer blamiert. Erst kriegte ich die Füße nicht auf, dann nicht in die Schuhe. Als ich endlich so weit war, hatte ich die Lasche aus der Öse gezogen und durfte anhalten, um das Schlamassel zu entknoten. Zum Glück war niemand dicht hinter mir, den ich behindert hätte…

Der Radkurs in Kornwestheim ist tückisch. Man fährt ausschließlich auf Wirtschaftswegen, die sich im rechten Winkel kreuzen, so dass jede Abzweigung zur Zitterpartie wird. Höhepunkt ist die 180°-Kehre am Ende der Abfahrt, auf einer (geschätzt) 1,50 breiten Straße. Ich hatte immerhin Glück mit dem Wetter, die Fahrbahn war überwiegend trocken. Die Staffelradler durften eine Stunde später mit Aquaplaning kämpfen. Ich war einigermaßen sportlich unterwegs und hatte wenig Feindkontakt. Ich überholte überwiegend Ersttäter auf Mountainbikes, die sich vermutlich in einer anderen der drei Runden befanden. Nach dem Wendepunkt sah ich jeweils Thomas, der mit mir gestartet war, mich im Becken überrundet hatte, dann aber 50 Meter zu viel geschwommen war. Pro Runde habe ich ihm ungefähr 27 Meter abgenommen. Den Abstieg habe ich dann deutlich eleganter gemeistert als den Aufstieg. Ich warf mein Rad einem netten Helfer in die Hände und lief weiter zur Wechselzone. Die Helfer waren übrigens zahlreich, motiviert, gut drauf und unbezahlbar. MEINEN HERZLICHEN DANK AN DIE JUNGS UND MÄDELS JEDEN ALTERS!

Die Lauferei war ein Klacks, 5,3 Kilometer. Freitag hatte ich noch mal Intervalle gekloppt und lief jetzt flott und rhythmisch durch, immer Sebi und Hauschildt vor dem inneren Auge, wie sie in Las Vegas über die Laufstrecke gedonnert sind. Ganz so schnell war ich nicht, aber Vorbilder braucht der Mensch. Auf der letzten Laufrunde kam dann der Platzregen. Ich ließ mich nicht beirren und bretterte wacker durch die Pfützen. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Zielverpflegung trabte ich zurück zum Start und ging erst mal Duschen. Zeit und Platzierung weiß ich noch nicht, aber immerhin habe ich, mit einem beendeten Wettkampf 2013, meinen Status als TvW gerade noch so gerettet.

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