Ich geh zum Socialman

Da denkt man an nichts Böses (was heutzutage schwer genug ist), und plötzlich ist man zum Extremtriathlon angemeldet :-(

Es ist schon ein paar Monate her, dass ich zum ersten Mal vom Socialman gehört habe, einem Extremtriathlon in Österreich, der junge behinderte Sportler unterstützt. 5 Kilometer schwimmen, der Länge nach durch den Grundlsee im Salzburger Land, danach 185 Kilometer mit dem Rad über ein paar Alpenpässe. Der abschließende Lauf ist zwar nur 25 Kilometer lang, dafür geht er 1800 Höhenmeter auf den Großglockner, mit progressiver Steigung. So ein Höhenprofil habe ich zum letzten Mal im Geometrieunterricht der 10. Klasse gesehen, bei f(x)=x² (oder so ähnlich).

profilsocialman

Auf Tritalk sprach man entsetzt von einem swim-bike-crawl. Alleine würde ich bei so etwas nie starten. Aber die Euphorie von der wunderschönen 2014er Schwimmsaison hielt noch vor und ich meldete mich auf der Staffelbörse freiwillig zum Schwimmen, der Teildisziplin, zu der viele Triathleten ein gestörtes Verhältnis haben. Lange Zeit hörte ich nichts mehr, doch diese Woche ging es Schlag auf Schlag. Das erste Mail kam Donnerstag früh mit der Frage, ob ich neben dem Schwimmen auch den zweiten Teil der Laufstrecke übernehmen könne, der Läufer käme da mit dem Rollstuhl nicht hoch. 15 Kilometer krieg ich hin, no problem, antwortete ich und zu Mittag war unser Team komplett. Meine Wenigkeit gibt den Startschwimmer, Mark Capek nutzt den Radpart zur Vorbereitung für die WM auf der Mitteldistanz und Matthias Wastian, seines Zeichens Rollstuhlbasketballer und österreichischer Nationalspieler, lässt auf den ersten 10 Kilometern die Reifen brennen. Danach bin wieder ich an der Reihe mit Hochkrabbeln zum Hochtor.

Nach der ersten Freude über einen unverhofften neuen Saisonhöhepunkt kam das große Schlucken. Ich las mich noch mal gründlich ein. Die Streckenbeschreibung samt Höhenprofil hatte ich weitgehend verdrängt. Ich zitiere: “Das letzte Teilstück vom Tauernhaus bis zum Ziel am Hochtor führt durchgängig auf einem gekennzeichneten Wanderweg. Auf diesem letzten Anstieg sind insgesamt über 1000 Höhenmeter auf rund 8 km Wegstrecke zu absolvieren. Es gibt hier keinerlei Straßenzugang, d.h. die Athleten müssen ins Ziel aufsteigen oder umdrehen und zurück zum Tauernhaus.” Dazu ein Auszug aus der Renninfo: “Jeder Athlet hat auf der Laufstrecke folgende Ausrüstungsgegenstände mitzuführen: Rucksack, Mobiltelefon (mit eingespeicherten Nummern der Bergrettung und des Rennleiters), Erste Hilfe Set mit Notfallausrüstung (Elastische Binde für einen Notverband (mind. 100 x 6 cm), Tape, Notfallrettungsdecke alubeschichtet (mind. 1,40 x 2 m), Trillerpfeife), mind. 1,5l Flüssigkeit, Stirnlampe, Regenjacke und -hose, Personalausweis und Kranken-Versicherungskarte, Notfallverpflegung (mind. 2 Riegel oder ähnliches, 500 cal)”. Erschwerend kommt hinzu, dass meine Staffelpartner Spitzensportler sind…

Somit wird der Socialman 2015 nicht nur behinderte Nachwuchssportlern, sondern auch durchgeknallten MAMILs eine Plattform geben :-)

P.S.: Keine Sorge, Mark und Matthias, ich häng mich rein und zieh das durch; ich neige nur zur Dramatisierung ;-)

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Es tut schon wieder weh

Für die letzten Wochen vor dem Mara habe ich meine Abends-heimlauf-Runde geändert. Statt 16 km überwiegend flach laufe ich jetzt 12 km mit Höhenprofil. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Route stärker belaufen ist als die andere, es gibt also immer neue Herausforderungen. Ich bin zwar nicht der Testosteron-Junkie, der ständig im Zweikampfmodus durch die Gegend hechelt, aber ich nutze die SportkameradInnen schon gern für zusätzliche Trainingsreize. Auf der langen, leicht ansteigenden Gerade vom Monrepos zum Favorite hatte ich heute ein Pärchen in signalgelben Jacken vor mir. Ich dachte zuerst, sie seien leichte Beute, musste mich aber ganz schön reinhängen. Die Frau war bereits zurückgefallen und ich zog freundlich plaudernd an ihr vorbei. Den Mann, der ungalanterweise vorangerannt war, bekam ich vor der Schranke nicht mehr ein, erst danach, immerhin vor dem Scheitelpunkt der Strecke. Für Plaudereien hatte ich da schon keine Luft mehr, ich konnte gerade noch ein “hi” krächzen – immerhin stimmte die Form. Mein nächstes Opfer erspähte ich an der Ampel vor dem Schloss: einen jungen Athleten, der eifrig rumsprang und dehnte. Mir kam sofort der facebook-Spruch in den Sinn: “Jogger hüpfen an roten Ampeln albern rum. Läufer stehen einfach da und kucken säuerlich.” Ich unterstrich meinen Status als Hardcore-MAMIL durch gequältes Husten bei ansonsten tadellos regloser Haltung. Der Jungspund hopste tatsächlich bei Rot über die Ampel, aber so mitleiderregend langsam, dass ich froh um seinen Vorsprung war. “Ich lauf, wenn’s grün wird”, murmelte ich in meinen lange abrasierten Bart. Wenige Sekunden später flog ich an ihm vorbei die Steigung an der B27 hoch. An dieser Stelle hat unsere schwäbische Stadtverwaltung durch Verwendung weißer Farbe einen schmalen Streifen für Radfahrer und einen für Fußgänger geschaffen. Normalerweise kommt man da ganz gut durch, wenn jeder ein bisschen schaut. Ein verliebtes Fußgänger-Pärchen war offenbar unachtsam und flanierte in aller Unschuld auf dem den Radfahrern vorbehaltenen Teil des Weges. Das Unheil nahte in Gestalt eines verbissenen Kampfradlers, der einen leibhaftigen Tobsuchtsanfall bekam. Er brüllte die armen Leute dermaßen zusammen, dass ich schon umkehrte, um im Extremfall irgendwie einzugreifen. Zum Glück fuhr er fluchend weiter und ich schämte mich leise für alle braven Radfahrer. Um Papst Franziskus zu zitieren: “Fahrrad schützt vor Arschloch nicht, bewahrt Euch die Demut und die Rücksicht vor Eueren Mitgeschöpfen!” Ok, das hat er so noch nicht gesagt, aber es kann ja noch kommen – vielleicht überfährt ja mal ein Radler seine Mutter. Den Rest des Weges schaffte ich ohne Zwischenfälle. Nach Dusche und Erholung legte ich mich dann auf meine Blackroll. Die hat mir diese Woche schon einmal manche Verspannung aus der Wade geknetet. Das Schönste an dieser Form der Selbstmassage ist der Schmerz, den Mann mit entsprechendem Gebrüll dramatisch der ganzen Familie vorführen kann, damit die auch ja nicht vergisst, welch heldenhafter Ernährer ihr vorsteht. Und der MAMIL merkt, dass er noch am Leben ist.

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Zum Glück tuts weh!

Der Freiburg Marathon rückt näher, noch gut vier Wochen – jetzt beginnt die gefährliche Phase. Den ganzen Winter über war ich ausgesprochen fleißig und habe Grundlagenkilometer gesammelt, so viel wie schon lange nicht mehr zu dieser Jahreszeit. Im Januar habe ich angefangen, Tempoelemente einzubauen, nicht zuletzt wegen des Dirty Race Ende des Monats. Im Februar merkte ich dann, dass ich langsam schneller wurde. Nach vielen Läufen im Bereich 5:30 bis 6:00 min/km schaffte ich die mittellangen Sachen (10-15km) unter 5:30 und sah sogar auf den letzten Kilometern eines 16ers ab und zu die 4 auf der Uhr. Auch die Steigungen sehen in letzter Zeit richtig sportlich aus. (Zumindest fühlen sie sich an, als ob sie sportlich aussehen.) Nach meinem ganz persönlichen Plan möchte ich am kommenden Wochenende noch einen 30er laufen und dann die Kilometer auf zahlreiche 10er verteilen. Jetzt muss ich nur zwei Höllenhunde in Schach halten, die sich, wie im Ausdauersport üblich, vorzugsweise im Kopf einnisten: Der eine heißt “Übertraining in den letzten Wochen vor dem Wettkampf” und hebt schon sein hässliches Haupt. Es zwickt und zwackt bereits dezent in den Knien und ab und zu auch in den Muskeln. Beim heutigen Morgen-10er ins Büro spürte ich ein Ziehen im Oberschenkel, das ich nicht recht deuten kann. Beim Abend-12er nach hause hatte ich anfangs mächtig Mühe, in die Gänge zu kommen. Das renkte sich unterwegs wieder ein und die 800 Meter leicht bergauf vom Monrepos zur Favorite liefen richtig zügig. Beinahe hätte ich den Mountainbiker noch eingeholt, der unten an der Schranke an mir vorbeigefahren ist. Jetzt heißt es, die richtige Kombination aus Voltarensalbe und In-den-Körper-hören zu finden, um die letzten Wochen bis zum Wettkampf verletzungsfrei zu überstehen. Der zweite Hund heißt nicht etwa mit Vornamen Schweine, sondern hört auf den an sich harmlosen Namen McMillan. Dieser fiese Kerl gaukelt dir vor, du könntest deine Marathonzeit im vorhinein ausrechnen. Na ja, das könntest du auch. Wenn du ehrlich zu dir selber bist. Zumindest sagt dir McMillans Rechner, welche Zielzeit nach menschlichem Ermessen absolut illusorisch ist. Du musst aber mindestens eine aktuelle(!) Zeit für eine andere Distanz parat haben. Habe ich aber nicht. Ich habe in 2014 zwei Halbmaras im Rahmen von Triathlons absolviert, das ist erstens überhaupt nicht vergleichbar und zweitens schon viel zu lange her. Und selbst wenn man zuverlässige Vergleichsdaten hat, darf man nicht der Versuchung erliegen, wider besseres Wissen deutlich schneller anzugehen, als drin ist. Bei einem Marathon geht das einfach nicht.

Jetzt weiß ich also, was die zwei größten Fehler sind. Ich weiß ebenso, dass unzählige  Hobbyläufer das genauso gut wussten wie ich und sie trotzdem sehenden Auges begangen haben. Vielleicht sollte ich es zur Abwechslung mal mit Disziplin versuchen. Und mit ganz sparsamem Einsatz von Voltaren. Ein bisschen weh muss es schließlich tun – wenn man in meinem Alter morgens aufwacht und nix tut weh, ist man tot!

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How tough can you get?

Achim Seiter und sein Dirty Race sind ein Phänomen: egal, wie hart es im Vorjahr war, nach dem Rennen, das immer am letzten Samstag im Januar statt findet, sind sich alle einig, dass die Verhältnisse diesmal härter waren als je zuvor :-). Auch 2015 gab es wieder das “bisher härteste Dirty Race aller Zeiten”, Jörg ist mein Zeuge. Ehrenwort!

Ich war dieses Jahr zum neunten Mal dabei (ich hab extra nochmal die Startnummern gezählt). Das Wetter am Samstag war zwar winterlich-herrlich-traumhaft schön, aber zuvor hatte es zwei Wochen lang geregnet. In der Nacht vor dem Rennen kamen dann noch zwanzig Zentimeter Schnee runter. Mit Unterstützung des städtischen Bauhofs bekamen die Veranstalter den asphaltierten Teil der Strecke geräumt, wofür es vor dem Start einen verdienten Applaus gab. Der unbefestigte Part, und damit der größte Teil der Radstrecke, war aber mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm und nur zum Teil von Schneeresten bedeckt. Die Temperatur gegen Mittag lag knapp über Null und ich hatte wieder mal keine Ahnung, was ich anziehen sollte. Ich hatte zwar den ganzen Winter über trainiert, aber immer im Grundlagenbereich. Dazu täuschte die strahlende Sonne eine Temperatur vor, die es so in Echt nicht gab. Ich entschied mich für eine minimalistische Ausstattung im ersten Laufpart: ein Langarm-Unterhemd und ein gefüttertes Langarm-Laufshirt, beide mit Reißverschluss am Hals für die thermische Feinjustierung, dazu eine lange Laufhose. Schuhe an die Füße, Stirnband am Kopf, das sollte reichen. Am Rad deponierte ich noch eine dünne Jacke und dicke Handschuhe. Kurz vor dem Start lief ich mich ein paar Minuten warm. Wegen kalter Finger nahm ich dann doch noch dünne Unterziehhandschuhe zum Laufen. Zwei Minuten vor halb reihte ich mich hinten in die Startertraube ein. Die dampfenden Leiber der Ehrgeizigen, die sich intensiv aufgewärmt hatten, sorgten für einen ersten Hitzeschub. Vom Start weg ging es sportlich zur Sache und schon nach der Sportplatzrunde war mir zu warm in meinem gefütterten Hemd. Eine Zeit lang lief ich in der Nähe der offenbar sehr populären Elke, die alle 50 Meter angefeuert wurde. Nach drei Monaten GA1-Gezockel hatte ich vor dem Rennen schnell noch zwei Tempo-Einheiten angesetzt und versuchte nun, diese umzusetzen, im Sinne von (möglichst) sauberer Technik bei hoher Trittfrequenz. Das fühlte sich gar nicht mal schlecht an und auch die Steigung kam ich gut hoch. Hinten den Hügel runter war ich zwar weniger flott als gewünscht, aber auf der Flachstrecke zurück zur Wechselzone kam ich wieder in einen guten Rhythmus. Inzwischen war mir gut warm und ich beschloss, ohne Jacke zu radeln und auch nur ein Paar Handschuhe zu benutzen. Ich deponierte die dünnen Laufhandschuhe und die Jacke am Spielfeldrand, schnappte mir den Helm und die Radhandschuhe und zischte los. Auf den ersten paar hundert Metern fürchtete ich, der Verzicht auf die Jacke wäre ein Fehler gewesen, der Fahrtwind zog wie Hechtsuppe durch mein verschwitztes Trikot. Im weiteren Verlauf passte es aber, ich fror nicht aus. Nach einem flotten Antritt auf Asphalt ging es in den ersten Feldweg. Zwei tiefmatschige Rinnen und dazwischen ein matschiger Buckel mit Schneeresten standen zur Auswahl. Man probierte dies und das. Die Rinnen waren sogar recht gut befahrbar, unter dem ungewohnt dünnflüssigen Matsch war eine feste Schicht. Man musste nur gut die Spur halten, sowie das Vorderrad den Rand der Rinne berührte, kam man böse ins Schlingern. Die ersten kippten nach rechts und links, manch einer stellte sich unverhofft quer. Ich hatte hier Glück und kam zügig durch. Ich hatte Flachpedale und fuhr mit meinen Laufschuhen. Die Leute mit Klickpedalen hatten teilweise erhebliche Mühe beim Wiederanfahren nach einem Ausrutscher. Der Anstieg war steil wie immer, dafür schneefrei und sauber. Danach ging es durch Schmelzwasserrinnen hinüber zum Schlammloch. Auch hier hatte ich Glück, weder fiel ich selber um, noch fiel mir jemand vors Vorderrad. Nach der langen Abfahrt kamen noch ein paar haarige Stellen durch Matsch bergauf. Ich fuhr ungewöhnlich viel auf dem kleinen Kettenblatt. Dafür funzte die Gangschaltung dieses Jahr recht gut. Der Matsch war dünnflüssiger als in manchen Jahren zuvor und fror auch nicht in der Kassette fest. Auf ebenen Abschnitten testete ich, ob der Umwerfer noch freigängig war, auch hier kein Problem. Vor der Wiesenabfahrt senkte ich die Sattelstütze ab und fuhr verhalten runter, immer in der Sorge, entweder wegen zu viel oder zu wenig Bremsens wegzurutschen. Unten hatte ich dann kurz ein Problem mit der Sattelstütze, die nicht wieder ganz hochkam. Mit ein paar mal Pumpen war sie dann doch wieder da, wo sie hingehört. Die zweite Runde lief ebenfalls gut. Im Schlammloch hielt ich mich zuerst an eine Frau mit rosa Trikot, die sich als geschickte Pfadfinderin erwies (Danke dafür!), bis sie weit nach links ausholte. Ich hielt geradeaus, im vollen Vertrauen auf meinen Hinterreifen mit Traktorprofil (Schwalbe Albert). Auch der Nobby Nic auf dem Vorderrad hatte sich als gute Wahl erwiesen (im Vorjahr war der Albert zu dick für die Gabel gewesen). Kurz danach traf ich auch Elke wieder. Wie schon auf der Laufstrecke ließ ich mich von ihr ziehen (Danke auch an Elke!). In der letzten Abfahrt war ich schon erheblich mutiger als in der ersten Runde und ließ laufen, knapp an einem gestürzten Vordermann vorbei. Bei der Einfahrt in die Wechselzone ließ ich Elke, die irgendwie hinter mich geraten war, wieder vor. Ich deponierte Rad, Helm und Handschuhe und trabte los. Undank dem Wasser, das ich beim Radeln kräftig geschöpft hatte, wogen die Schuhe inzwischen zwei Kilo je Stück. Ein warmer Tee ausgangs der Wechselzone half mir darüber hinweg. DANKE AUCH AN ALLE HELFER, AUFPASSER, KAMPFRICHTER UND ALLE, DIE DIESES EVENT ERMÖGLICHT UND UNTERSTÜTZT HABEN! Auf der zweiten Laufrunde war ich langsamer als auf der ersten, trotzdem holte ich noch ein paar Plätze heraus. Immerhin begegnete ich auf dem Rückweg noch Leuten, die erst auf dem Hinweg waren. Nach 1:36:16 flog ich mit Angeberschrei durchs Ziel. Tee und Dusche waren in Reichweite und schon kurze Zeit später war ich wieder so hübsch, wie es eben geht.

Das Dirty Race 2015 ist vorbei, es war härter als alles zuvor. Mal sehen, was sich Achim für 2016 ausdenkt!

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Tempo ist angesagt

Drei Monate bin ich im Ausdauermodus durch die Landschaft gezockelt. Sogar zwei lange Läufe habe ich in der Zeit absolviert. Die Hörbuchfassung der “Zwei Herren am Strand” von Köhlmeier hatte ich schon vor zwei Wochen durch. Das hat mir übrigens weit besser gefallen als sein “Joel Spazierer”, der war mir zu heftig. Jetzt höre ich “Transatlantik” von Column McCann. Das ist episch träge wie mein Lauftempo, aber trotzdem schön erzählt. Meist höre ich ein knappes Stünderl im Buch und schalte dann um auf motivierende Musik. Für den nächsten langen Lauf habe ich mir neue verkabelte Kopfhörer besorgt (die alten sind zwei Tage später aus dem Nichts wieder aufgetaucht), weil die Bluetooth-Hörer keine drei Stunden durchhalten. Es beginnt damit, dass eine Frauenstimme mit  Südstaaten-Akzent in immer kürzeren Abständen was von “laaaw baddery” erzählt, bevor sie sich und das Gerät mit “paaaher hoff” verabschiedet.

Ziel meiner Bemühungen ist der Freiburg Marathon in zwei Monaten. So ein Frühjahrsmarathon hat den Vorteil, dass man den Sommer über dann andere Sachen machen kann und die öde Kilometerklopperei in den Winter fällt. Was gleichzeitig auch der Nachteil ist. Man trabt bei Dunkelheit, Kälte und Niederschlag in wechselndem Aggregatzustand über holprige, mit Pfützen und Eisflecken garnierte Feldwege. Immerhin merkt man mittlerweile die Sonnenwende. Donnerstag früh konnte ich schon bei Kilometer 4,7 die Stirnlampe ausschalten.

Nächsten Samstag ist das Dirty Race in Murr, da muss ich aus dem gemütlichen Trott ausbrechen. Die Laufsplits bei diesem Cross-Duathlon sind gerade mal knappe 5 bzw. 4 Kilometer lang, da ist Tempo gefragt. Deshalb habe ich mir heute was Sportliches vorgenommen. Viel bergauf-bergab, mit Tempowechseln und vor allem Tempo bergauf. Auch bergab durfte es teilweise schneller gehen, damit ich mich wieder an eine sportliche Schrittfrequenz gewöhne. Fahrtspiel nennt man das, glaube ich. Erst mal bin ich locker durch den Schlosspark nach unten, um mich aufzuwärmen. Dann nicht gemütlich durch den Favoritepark, sondern erst noch 200 Meter die Marbacher Straße runter und dann links über die Treppen zur Reichertshalde hoch. Runter zum Heilbad, am Neckar entlang und dann wieder zügig von Alt-Hoheneck den Burgberg hoch. Quer rüber zur Landstraße, noch ein Hügerl Richtung Freiberg, oben links weg und Richtung Monrepos. Kurz davor bin ich wieder links ab Richtung Heimat. Erst die lange Steigung über den Planetenweg zügig hoch, dann kurze Erholung, bevor es aus der Unterführung in einem hochexplosiven 20-Meter Sprint wieder rauf ging. Aus dem Favoritepark bin ich links wieder raus und nochmal Richtung Reichertshalde. An deren Ende vorbei ging es runter zum Holzsteg über die Marbacher Straße zum Metzgerstück (the wurst part). Hinter dem Steg führt ein Fußweg in Serpentinen hoch zur Neckarstraße. Die ersten neun Geraden sind zwischen zehn und dreißig Meter lang. Das gab jeweils in paar Sekunden Sprint, gefolgt von einer kurzen Pause in der Kurve. Die zehnte Gerade geht dann über 60 Meter, das reicht dann auch. Zum Glück ist meine Frau wieder da, da gibts wenigstens was Vernünftiges zum Essen.

Als Vorbereitung für das Dirty Race war diese Schinderei genau richtig. Jetzt weiß ich wieder, wie sich Anstrengung anfühlt. Und dass man bei Tempo auch ein bisserl auf die Technik achten darf. Jetzt brauchen wir nächste Woche nur richtig Schmodder.

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Diverse Freitagswunder

Heute habe ich mal ein anderes Hallenbad ausprobiert. Grundsätzlich kannte ich das ja bereits, aber trainiert hatte ich dort noch nie (wenn man meine Plantscherei überhaupt als Training bezeichnen kann). Heute, Freitag, hatte ich mittags einen Termin in Stuttgart und keine Lust, nachher noch für eine Stunde ins Büro zu fahren. Also bin ich auf dem Rückweg in Kornwestheim abgebogen und ins dortige Hallenbad, wo ich kurz vor der offiziellen Öffnungszeit ankam. Schon im Vorraum bekam ich lange Zähne: im Becken waren sage und schreibe zwei Bahnen abgeteilt und gemäß dem Aushang an der Kasse war das normal! Ich hatte noch ein paar Minuten zu warten und machte mich per Email wichtig. Als ich dann vom Telefon aufblickte, sah ich eine beachtliche Schlange von (,wie sagt man das gleich noch? Ach ja:) MitbürgerInnen mit Gerontologiehintergrund vor dem Drehkreuz stehen. Ich zog meinen Chip und passierte ebenfalls den Zugang. Dahinter die erste Überraschung: das Wertfachschloss verlangte nach einer 2-Euro-Münze! Ich habe immer und überall den Einer dabei, weil man den alle Nas lang als Pfandmünze braucht, aber mit dem Zwickel war ich überfordert. Die Kassiererin erkannte sofort meine Notlage und wechselte mir passendes Kleingeld. Ich versperrte meine Kleinodien und schlappte zur Umkleide. Von dort wieder zurück zum Wertfach, um die 1-Euro-Münze rauszuholen, die man für den Klamottenschrank braucht und retour in die Umkleide. Mittlerweile waren die ersten 40 Kabinen von rüstigen Rentnern belegt, also zog ich ein paar Gänge weiter und mich dort um. Mit inzwischen zwei Schlüsseln im Gegenwert von insgesamt drei Euro betrat ich den Barfußgang und befand mich prompt vor dem Eingang der Knabendusche. Weil ich zu faul war, die 20 Meter zur Herrendusche zu hatschen, duschte ich als alter Knabe, nicht ohne die Panik, von einer resoluten Sittenwächterin des Lokals verwiesen zu werden.

Aus der Dusche in die Schwimmhalle. Dort mischten sich meine Gefühle. Auf den zwei abgetrennten Bahnen ruderten drei Damen in Rücken altdeutsch. Ich besah mir das Ganze kritisch, deponierte erst mal meine Tasche und schlich dann mit mulmigem Gefühl zum Beckenrand. Dort wurde ich von Dame Nummer drei begrüßt, die mir lautstark zurief: Ich gang a Bahn weida, dann kennet Sie do gmietlich Kraul schwimme, des isch doch feiner. Ich bedankte mich überschwänglich und wünschte ihr (gleichfalls) frohes Schwimmen. Damit waren wir auf Bahn zwo zu zweit. Der übrig gebliebene Kollege schlug vor, im Parallelbetrieb zu schwimmen, was wir auch taten, bis ein Dritter sich dazu gesellte. In schöner Eintracht schwammen wir rauf und runter. Anstatt Bahnen zu zählen, hätte ich besser auf meinen Begleiter achten sollen: jedes Mal, wenn er mich überholte, hatte ich 350 Meter geschafft. Ausweislich meiner Uhr hatte ich im ersten Kilometer satte 100 Meter zu viel, im dritten immerhin 50. Der mittlere hat gepasst. Am Schluss waren wir vier Leute auf der Bahn. Der erwähnte Kollege zog gleichmäßig und -mütig an mir vorbei – ich konnte genau abschätzen, wann es wieder so weit war, wartete an der Wand drei-vier Sekunden und ließ ihn durch. Die anderen beiden schwammen ungefähr mein Tempo, die habe ich kaum bemerkt. Nach meinen drei Kilometern wechselte ich auf Bahn eins, wo meine Freundin immer noch wacker unterwegs war. Es war noch die selbe Dame wie eine Stunde zuvor, es lagen nämlich noch die selben Krücken unterm Startblock. Bahn eins ist in Kornwestheim überbreit. Somit konnte ich in Ruhe Technikübungen machen, die Kollegin konnte ungestört ihre Bahnen ziehen und zwischendrin war reichlich Platz für dies und das. Wenn ich das mit den Horrorgeschichten im Netz vergleiche, wo sportliche Schwimmer von der Bahn gemobbt werden und Mord und Totschlag zu herrschen scheint, wähne ich mich hier auf der Insel der Seligen!

Nach ein paar Bahnen Technik und ausplantschen ging ich pflichtgemäß warm duschen und dann in die Umkleide. Dort die nächste Überraschung: als ich den Schrank öffnete, fiel mir anstatt meines Euro ein blauer Plastikchip entgegen – da war wer an meinem Schrank gewesen! Und wenn wer am Schrank war, vielleicht auch am Wertfach! Und ich müsste der Chefsekretärin beichten, dass ich das Firmenhandy versemmelt hätte! So schlimm war es dann aber nicht. Nach einiger Fummelei mit dem Chip und dem Schloss kam mein Euro wieder zum Vorschein (der Chip dann auch).

Fazit: öfter mal das Bad wechseln, manche Überraschungen bereichern das Leben!

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Wunnige Feiertage

Heiligabend war ich noch im lokalen Hallenbad unterwegs. Nach ein paar Wochen Eingewöhnung gefällts mir da wieder ganz gut. Es gibt eine abgetrennte Bahn für eitle Schwimmer, auf der meist eine überschaubare Anzahl Leute unterwegs ist. Normalerweise gehe ich Donnerstag früh und Sonntag “gleich nach dem Frühstück” hin. Über Weihnachten hatte dieses Bad mehrere Tage geschlossen, deshalb bin ich nach Winnenden hinüber gefahren und habe mich im dortigen Wunnebad ausgetobt.  Allein das 50-Meterbecken lohnt die Anreise. Dazu kommt der Reiz, mitten im Winter im Freibad zu schwimmen. Das Wasser wird mit der Abwärme der Kunsteisbahn auf mollige 23 Grad geheizt. Um diese Kombination möglichst effizient zu nutzen, habe ich noch die Kinder mitgenommen und Eislaufen geschickt. Zwei Tage hat es sogar geschneit. Schwimmen mit Schnee am Beckenrand und von oben ist ein ganz besonderes Erlebnis. Unterwegs habe ich versucht, beim Atmen Schneeflocken mit der Zunge zu fangen. Der einzige Nachteil gegenüber meinem Hallenbad: die Leute in Winnenden sind höllisch schnell unterwegs! Immer wieder mal kommt ein Grüppchen junger Leute auf die Bahn und zieht ein Programm durch, dass mir die Ohren schlackern. Zum Glück ist auf den 50 Metern eine Menge Platz und alle sind sehr diszipliniert.

Hier ein paar Fotos vom 29. Dezember:

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And now for something completely different!

Dieses Wochenende lasse ich mal die anderen duschen. Das Team Warmduscher macht das Westbad in meiner alten Heimat Regensburg unsicher. Mich führten Geschäfte am Freitag in die Schweiz. Nachdem wir das Geschäftliche gewohnt effizient abgehandelt hatten, fuhren Aldo und ich nach Langweid. Pünktlich auf tausend Meter Höhe endete die dicke Nebelsuppe und wir erreichten in den letzten Sonnenstrahlen die Hütte. Nach einem kurzen Abendspaziergang gab es ein ausgedehntes Fondue. Am Samstagmorgen lag der Nebel immer noch im Tal und erstreckte sich bis an den Horizont. Nach dem Frühstück teilte sich die Gruppe auf. Einige hatten Sachen zu erledigen und mussten wieder hinunter in den Nebel. Ein Vierergrüppchen stieg durch den Wald nach oben. Über den Tanzboden wanderten wir zum Speer, auf dessen Gipfel wir pünktlich um zwei Uhr ankamen. Um vier waren wir wieder an der Nebelgrenze bei Erichs Auto, das praktischerweise am Endpunkt unserer Wanderung stand. Normalerweise kommt ja nach dem Gipfelglück ein ewig langer Runter-Hatscher bis zum Ausgangspunkt, diesmal ging es nobel mit dem Benz zurück.

Hier die Bilder von der Tour:

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Endlich Warmduscher!

Vorletztes Wochenende war wieder 24-Stunden Schwimmen im Bissinger Hallenbad. Vor einem Jahr hatte ich dort zum ersten Mal an einer derartigen Veranstaltung teilgenommen und fand das ganz witzig. Wenn man das Pulk-Synchronschwimmen im Rugby-Modus und die Chlorgasvergiftung geistig ausblendet, bleibt die Erinnerung an eine lebhafte Nacht mit einem Haufen sympathisch-schräger Zeitgenossen. Ich hatte als Ziel, die 10,6 km vom letzten Jahr zu überbieten; ob ich die 16 aus dem Bottwartal knacken würde, war ungewiss. Dummerweise war ich viel zu früh da. Um 18 Uhr musste ich eine halbe Stunde Schlange stehen, um überhaupt ins Wasser zu kommen. 18 Leute tummelten sich auf den 25 Metern. Wobei “tummeln” schamlos übertrieben ist. Die Truppe stauchte und streckte sich in bester Ziehharmonika-Technik, wie man das von der A8 gewohnt ist. Und wie auf der A8 gab es Drängler und Raser, die sich kampfmäßig vorkraulten, nur um dann in die nicht vorhandene Lücke einzuscheren oder an der nächsten Wende abzusaufen. Nach zwei Stunden hatte ich erst mal genug und machte Pause.

erste Pause

Immerhin in der Pause hatte ich mich gegenüber letztem Jahr stark verbessert. 2013 musste ich mich nach 60 Minuten Ruhe zusammenreißen, um wieder ins Wasser zu gehen, diesmal hielt ich es nur 30 Minuten auf dem Trockenen aus. Inzwischen war deutlich mehr Platz und ich konnte gemütlich eine Stunde lang meinen Stiefel schwimmen.

zweite Pause

In der nächsten Pause machte Ronny mich mit Sven vom legendären Team Warmduscher bekannt. Wir verstanden uns auf Anhieb prächtig und nach ein paar freundlichen Worten an der Anmeldung wurde ich ins Team kooptiert.

Warmduscher

Nach einer weiteren Stunde im Wasser war ich erst mal platt. Jetzt hatte ich mehrer Möglichkeiten: heim fahren und es bleiben lassen – dann hätte ich 400 Meter weniger als 2013; nach einer Pause noch mal schwimmen und dann heim – da riskierte ich, unterwegs im Auto einzuschlafen; in der Hallenecke pennen und Chlorduft inhalieren, um Stunden später wie gerädert weiter zu schwimmen – nicht so verlockend. Schließlich wählte ich eine bequemere Variante der letzten Option: ich fuhr heim, schlief ein paar Stunden im eigenen Bett und fuhr Sonntag früh noch mal nach Bissingen. Wie gerädert fühlte ich mich trotzdem, aber kaum war ich im Wasser, ließen die Schulterschmerzen nach. Ich wollte dann nochmal 5km drauflegen und Feierabend machen. Nach knapp 2 Stunden zog mich der Bahnenzähler aus dem Wasser und sagte, meine Strichliste sei voll, ich bräuchte eine neue. Das verschaffte mir eine Pause von wenigen Minuten, bevor ich mit einer jungfräulichen Zweitkarte wieder ins Becken stieg. Irgendwie fühlte ich mich unter Druck gesetzt, die neue Karte auch noch ein Stück weit voll zu machen, also schwamm ich wacker weiter. Sven von den Warmduschern war auch wieder unterwegs. Er überrundete mich ununterbrochen und sprach mir Mut zu. Am Ende ließ ich bei 16,7km den Hammer fallen, ein paar hundert Meter mehr als im Bottwartal. Zur Belohnung gab es die obligatorischen zwei Kuchen auf einem Teller. Und für Anton eine Banane!

zwei Kuchen Anton

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Nachspielzeit

Die Wettkampfsaison war bereits würdig beendet, die Freiwassersaison ging munter weiter. Freitag war ich auf einem Workshop in Ermatingen, auf der Schweizer Seite des Bodensees, genau gegenüber der Insel Reichenau. Ich hatte die Schwimmklamotten dabei, den Neo aber mutig daheim gelassen. Zu den Wassertemperaturen hatte ich zwei höchst unterschiedliche Angaben: 15 oder 19 Grad. Nach der Anreise Donnerstag abend hatte ich mich schon höchst unvorsichtig aus dem Fenster gehängt und unseren Steuerexperten, seines Zeichens Marathonläufer und Triathlet, zum Schwimmen eingeladen. Auch gegenüber dem CFO hatte ich eindeutige Anmerkungen gemacht, der Preis für einen Rückzieher wäre also nicht nix gewesen.

Nach Veranstaltungsschluss am Nachmittag packte ich das Nötigste in meinen Schwimmsack und ging runter zum Ufer. Nach einem Sommer (sic) in mehr oder weniger trüben Gewässern, stehenden wie fließenden, war die Aussicht auf eine Runde in klarem Wasser höchst erfreulich.

BS1

Die eigene Temperaturmessung ergab im flachen Uferbereich unglaubliche 20 Grad.

BS2

Ich zog mich um, packte meine Klamotten in den Sack und beschloss schon mal, nachher nicht auf dieser Guanoplantage von Bootssteg, sondern an der Rampe daneben anzulanden.

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Ganz ohne müffelnde Gummischicht genoss ich das Gefühl von kühlem Wasser auf der Haut. Der Bodensee ist offenbar nach dem gleichnamigen Kaffee benannt, jedenfalls kann man in Ufernähe bis auf den Grund seen. Die ersten hundert Meter schwamm ich zwischen ankernden Booten, dann erreichte ich den offenen See. Nicht den eigentlichen Bodensee, aber immerhin den Untersee. Ich suchte mir einen Kirchturm für die Peilung und schwamm ein Stück auf den See hinaus. Dann drehte ich mich noch mal um und suchte mir eine Landmarke für den Rückweg. Ein riesiger, leuchtend oranger Bauzaun an der Straße knapp über dem See war ideal für diesen Zweck positioniert, meinen Dank an die umsichtige Baufirma. Die nächsten zwanzig Minuten genoss ich die Sonne und das herrliche Gefühl, mich geschmeidig durchs Wasser zu bewegen. (Wie das für einen Schwimmer aussieht, ist mir egal, ich genoss das Gefühl völlig schamlos.) In Ufernähe der Reichenau bekam ich die Kehrseite des klaren Wassers vorgeführt. Ganz deutlich konnte ich wabernde Etwasse sehen, die über dem Seegrund schwebten. Ich dachte zuerst an Plastiktüten, die Form und die schmutzgweiße Farbe legten das nahe. Es waren aber offensichtlich organische Dinger, die da hingehörten, auch wenn sie definitiv unappetitlich aussahen. Ich vermied jeden Kontakt und schlängelte mich um diese Gebilde rum ans Ufer. Streng nach Reglement stand ich mit beiden Füßen auf trockenem Boden, als ich das Beweisfoto schoss.

BS4

Ich fühlte mich gut und trat sofort den Rückweg an. Dabei kreuzten mehrere Boote meinen Weg, teilweise in flottem Tempo. Ich war froh um meine Boje und hielt fleißig Ausschau nach dem nächsten Kahn. Nach insgesamt 70 Minuten im Wasser stieg ich wieder an Land. Die Betonrampe war zwar nicht verkackt, dafür schön schleimig. Unter den wachsamen Augen einer ortsansässigen Badenixe hangelte ich mich am Badesteg entlang aufs Trockene.

BS5

20 Minuten später war ich wieder in Land-Zwirn und stellte mich in den Stau nach Hause.

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