Ein phänomenales Wochenende

Samstag war Hochsommer angesagt, also nix mit Schwimmen. Ins Freibad sind wir aber trotzdem. Eingedenk des Chaos an Pfingsten, und weil der neue Parkplatz samt Brücke nicht vor 2017 kommt, und weil es ohnehin zünftiger ist, sind wir mit den Rädern hin, mein Sohn und ich. Damit es sich halbwegs rentiert, habe ich mir einen stylishen Bremsfallschirm an die Hüften geknotet:

bux

Die Schnellschwimmerbahn war zwar mittels Leine abgetrennt, aber durch die kids, die an der Leine rumturnten, unbeschwimmbar. Nebendran war immerhin genug Platz, um einige Bahnen runterzuziehen. Ein paar Technikübungen, ein bisserl Beinschlag und es war doch nicht ganz umsonst. Eingedenk schlechter Erfahrungen machten wir nachher einen Bogen um die Freibadgaststätte und nahmen im Uferstüble einen Imbiss, bevor wir heimradelten. Nach der Bergwertung vom Neckar hoch in die Stadt hatte ich Lust auf einen Besuch im Freibad, aber der Sohnemann hat gestreikt.

Sonntag früh bin ich dann richtig geschwommen. Kurz nach acht war ich am Uferstüble und quetschte mich in meinen Neo. Ein freundlicher älterer Radfahrer frug, ob ich Gold suchen wolle. Nein, Fische fangen, gab ich zurück. Er war ganz begeistert, weil er in seiner alten Heimat – die damals noch Jugoslawien hieß - einen (damals) jungen Mann gekannt hatte, der auch immer Fische mit bloßen Händen hochtauchte. Ich enttäuschte ihn mit dem Eingeständnis, dass ich eigentlich nur schwimmen ginge. Kurz darauf pflügte ich los, den drybag mit meinen Klamotten im Schlepptau. Schon nach Kurzem wusste ich wieder, warum ich hier war: der Neckar war spiegelglatt, die Sonne schien über die Bäume und trotz des Uferwegs knapp neben mir schwamm ich in vollkommener Ruhe den Fluss hinunter. Samstag abend hatte ich noch “Die Frau, die sich traut” angeschaut. Der Film hat sich leider als Familien-Melodram erwiesen, immerhin mit reichlich glaubhaftem Bezug zur Schwimmerei. Davon inspiriert, versuchte ich mich am Dreierzug, weil die Beate im Film auch immer Dreierzug schwimmt und nebenbei ganz unverkrampft zur Orientierung nach vorn schaut. Das klappte dann sogar ganz gut und ich kam einigermaßen voran, vorbei an den Anglern, die mich misstrauisch beäugten und an denen, die mich freundlich begrüßten. Ich wollte diesmal zweihundert Meter weiter schwimmen als zu Pfingsten, weil es in meiner Erinnerung an eine Kanutour vor drei Jahren hinter der Kurve und noch weit genug vor der Schleuse einen guten Ausstieg gab. Die Phänomene belehrten mich eines besseren. Dass es den Ausstieg nur in meiner Erinnerung und auf Google Earth gibt, war noch das Geringste. Erst mal floss der Neckar bergauf. Gegenüber vom Marbacher Kraftwerk gibt es offensichtlich eine Gegenströmung, die am linken Ufer für Verwirrung sorgt. Ich hatte den Schleusenwärter im Verdacht, mit den Schleusenkammern zu spielen und rechnete jederzeit mit einem bergwärts fahrenden Frachtschiff (kam aber keines). Ich stellte um von Reisetempo-Dreierzug auf kampfmäßigen Zweierzug und hatte irgendwann diesen Bereich hinter mir. Dann kam die Linkskurve, hinter der ich meinen erinnerten Ausstieg wähnte. Ich schwamm also um die Linkskurve. Und schwamm und schwamm. Die Linkskurve nahm kein Ende und ich fürchtete schon, in einer unendlichen Warteschleife zu hängen und gleich wieder den Anglern von vorhin zu begegnen. Stattdessen standen plötzlich beiderseits des Flusses Hinweisschilder, die vor der Schleuse warnten. Ich gab die Suche nach meinem Ausstieg schweren Herzens auf und ging an Land, was hier zum Glück recht gut möglich war. 4,57 km verbuchte mein Garmin an dieser Stelle. Ich verschnaufte, recycelte das unterwegs gebunkerte Neckarwasser und macht mich hübsch für den Rückweg. Inzwischen habe ich eine Technik erfunden, mit der man den drybag auch auf den Rücken schnallen kann. Ich stecke den in den Transportbeutel des Neo und schnalle ihn wie einen Rucksack auf den Buckel. Damit mir die Schnüre des Beutels nicht die Schultergelenke duchsägen, packe ich Schaumstoffhülsen drumrum, mit denen sonst Klempner Leitungen isolieren. Die Enden der Schnüre binde ich vor dem Bauch fest und komme so zumindest die Strecke laufend wieder zurück, die ich hergeschwommen bin. Falls Nicht-Bayern hier mitlesen: Laufen = Rennen (schwäbisch auch: Sauen). Ganz nebenbei habe ich dabei ein neues Triathlon-Format erfunden: 4,5 Swim, 4,5 Run, 4,5 Bike. Ich warte auf phänomenale Angebote der großen Veranstalter!

Veröffentlicht unter Swimming | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Schwimmen im Regen reloaded

Es geht an die Feinplanung. Letztes Jahr bin ich von Nittenau bis Heilinghausen geschwommen (ein Teilstück per Anhalter im Kanu), am 2. August will ich den Rest der Strecke bis Regensburg in Angriff nehmen. Für Preißn und andere Ausländer: der Regen ist ein Nebenfluss der Donau und ein beliebtes Kanurevier.

Für den 2./3.8. habe ich einstweilen folgende Planung:

Samstag: Start in Heilinghausen, nach 3,8 km Rast in Ramspau. Von dort 4,1 km nach Regenstauf zum Mittagessen. Hoffentlich gut erholt geht es dann auf die 5,6 km lange Königsetappe nach Regendorf, wo hoffentlich noch das Auto steht, dessen Schlüssel ich hoffentlich im Drybag bei mir habe. Mit dem Auto hole ich dann das Fahrrad vom Startpunkt ab.

Sonntag: von Regendorf 4,4 km bis zum Wehr hinter Zeitlarn. Nach einer Pause die restlichen 5,1 km bis zur Mündung in die Donau.

Weitere Eckpunkte: Im August 2013 bin ich im Regen mit Neopren geschwommen, das war richtig gemütlich. Pfingsten 2014 war ich dort nur mit Badehose unterwegs, aber nur kurz; auch das ging.

Ich schwimme zur Zeit die 1000 Meter im Pool in 21 Minuten. Der Regen hat eine deutliche Strömung, die nimmt einem gut 10% der Arbeit ab.

Mitschwimmer: einer hat schon ernsthaftes Interesse bekundet, weitere sind gern willkommen. Man sollte die Distanz sicher schwimmen können und so halbwegs in der Tempozone unterwegs sein. Das Ganze ist rein privat und erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Interesse einfach einen Kommentar hinterlassen.

Nebenbei sammle ich auch bei dieser Aktion Spenden für ALS, die holländische Stiftung zur Erforschung der amyothrophischen Lateralsklerose. Hier der link zur Spendenseite:

http://amsterdamcityswim.nl/nl/donations/add/guenter-eckert

Veröffentlicht unter Swimming | Ein Kommentar

Nachtrag zum 24h-Schwimmen

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das hier ausbreiten soll.

Das war jetzt eine schamlose Lüge. Als ich rang, dachte ich nur daran, wie ich das auf dem blog hier unterbringe. Gerungen habe ich dabei mit dem Gasinnendruck in den Gedärmen auf dem letzten Abschnitt beim 24h-Schwimmen im Bottwartal. Keine Ahnung, warum ausgerechnet da die Methanproduktion auf Hochtouren lief. Beim Frühstück hatte ich nichts außergewöhnliches eingeworfen und danach auch abgewartet, bevor ich wieder ins Becken stieg. Wieso auch immer, es rumorte gewaltig. Ich denke, ich bin nicht der Einzige (und wenn, wärs mir egal), den in solchen Situationen der Zweifel über den vollständigen Aggregatzustand dessen plagt, was da drückt. Beim  gemeinen Ausdauersportler kommt das ja gelegentlich mal vor. Und der Volksmund sagt: “Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.” Ich wartete einen geeigneten Moment ab, in dem ich möglichst gleich weit weg von den nächsten Schwimmern war und öffnete vorsichtig das Überdruckventil. Zum Glück kein Gewicht dabei (physikalisch eigentlich: Masse), eher im Gegenteil. Die Entlastung war erfreulich, aber nur von kurzer Dauer. In regelmäßigen Abständen tutete ich wie ein Mississippidampfer. Leider ist meine schelmische Badehose genau das Gegenteil von Goretex: sie lässt Wasser durch, aber kein Gas! Und so pflügte ich mit einem geblähten Heißluftballon am Arsch (das darf ich jetzt schreiben, ist eh schon egal) meine letzten Bahnen herunter. Mal schauen, ob in der Gallery des Veranstalters was davon zu sehen ist.

Veröffentlicht unter Swimming | Hinterlasse einen Kommentar

Fotos vom 24h-Schwimmen im Bottwartal

Diese Galerie enthält 4 Fotos.

Bewerten:

Galerie | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Kein Babysitter Boogie

Meine Tochter ist ja aus dem Gröbsten raus. Zumindest, was die Windeln angeht. Für die muss ich nicht mehr den Babysitter machen. Zum 24h-Schwimmen im Bottwartal wollte sie aber partout nicht mit und hatte auch noch Recht dabei. Eigentlich wollten wir dort zu dritt antreten, aber der Große fastet und das Mädel musste Haare machen. Außerdem war der Wetterbericht Scheiße (sorry, aber das kann man nicht anders sagen).

Das Schwimmen im Bottwartal geht von Samstag Mittag bis Sonntag Mittag. Ich hatte keine Lust, beim größten Andrang im Wasser zu sein und wollte gegen Abend anfangen. In die Nacht schwimmen, ein paar Stunden schlafen und dann in den Sonnenaufgang schwimmen, das war mein Plan. Gegen 18:30 fuhr ich auf den Parkplatz. In dem Moment begann das Gewitter. Ich saß den Wolkenbruch im Auto aus, dann packte ich mein Geraffel und ging anmelden. Das Becken war menschenleer, der Wettkampf war wegen Blitzgefahr unterbrochen. Ich stellte mein Zelt mit viel Mühe auf die quietschnasse Wiese. Dieses Zelt hatte ich niemals auf-, nur einmal abgebaut, entsprechend seltsam sah das erst einmal aus, bevor ich den Kanal für die dritte Zeltstange fand. Gegen 19 Uhr war ich dann im Wasser und schwamm eine Weile. Es war noch relativ voll, mit Brustschwimmern und allen Schikanen. Ich hielt mich an ein kleines Mädchen, das genau mein Tempo schwamm. Irgendwann ging ich raus und erkannte auf einen Schlag den negativen Unterschied zwischen einem 24h-Schwimmen in der Halle und im Freibad: die Lufttemperatur! Freibad ist ja sonst viel hübscher als Halle. Dieses Becken zum Beispiel ist 50 Meter lang, in der Halle gibt es das im weiteren Großraum Stuttgart genau ein einziges Mal! Und in der Halle bleibt das Chlor in einem definierten Luftvolumen gefangen, während es im Freibad ungehindert in die Atmosphäre entweicht. Dafür ist im Freibad die Lufttemperatur gleich der Außentemperatur… Im Lauf der Nacht lernte ich, vom Becken direkt zur Pinkelbude zu sprinten, von dort in die Dusche zu wechseln und dann im Schweinsgalopp zum Zelt zu hecheln. Ziel war, in trockene Klamotten zu kommen, bevor der Schüttelfrost einsetzt.

Mein letzter Einsatz am Samstag abend begann gegen 3/4 10 und ich schwamm tatsächlich bis in die theoretisch totale Dunkelheit. In der Praxis stellte die veranstaltende DLRG Strahler auf. Aber der Himmel wurde tiefschwarz. Kurz vor 11 stieg ich aus dem Wasser, spulte mein vorgenanntes Programm zum dritten Mal ab und holte mir dann was Warmes zu Essen. Gegen 1/2 12 krabbelte ich ins Zelt, zog alle Klamotten an, die ich mit hatte und legte mich in den Schlafsack - der umgehend zum Wachsack mutierte. Care keeps his watch in every old man’s eye, and where care lodges, sleep will never lie, sagt Shakespeare (Romeo and Juliet, act 2, sc. 1).  Bei mir waren die Gründe andere. Zum Einen war ich körperlich zu erschöpft, um in Morpheus Arme zu sinken. Zum Anderen hatte ich meine Luftmatratze einem Freund geliehen und nur eine dünne Schaumstoff-Isomatte mit, die den Schmerz in meinen Schultern eindrucksvoll hervorhob. Zum Dritten machten die Kollegen nacheinander Feierabend. Alle 10 Minuten kam eine Hühnerschar angegackert, die viel zu aufgeregt war, um zu bedenken, dass Zelte nicht schalldicht sind. Dazwischen brüllten Erziehungsberechtigte mit unterschiedlicher Qualifiaktion für diesen Job ihre Schützlinge an: Tamara, tu dies, Tamara, lass das… Ich hatte nicht den Nerv, aus dem Zelt heraus einen Rundumruf loszulassen; an ein Verlassen des Schlafsacks war nicht zu denken, also wartete ich darauf, dass sich die Leute beruhigten. Kurz nach eins war Ruhe. Bis gegen drei. Da brüllte zur Abwechslung eine Frau mit Stentorstimme durch die Nacht und erklärte irgendjemand am anderen Ende des Freigeländes, dass sie jetzt wieder schwimme. Was sie aber nicht tat. Zumindest nicht, ohne vorher ihre Lebensgeschichte oder etwas in der Art zum Schlechtesten zu geben.

Aber ich hatte Hoffnung auf Rache. Steffen wollte um vier Uhr früh kommen und in den Sonnenaufgang schwimmen. Ich hatte meinen Wecker auf diese Zeit gestellt. Als Reminiszenz an die Lehrgänge in der Sportschule Grünwald vor 40 Jahren habe ich mir dazu den Song heruntergeladen, der dort jeden Morgen um 6:45 von einer nahezu platt genudelten Vinyl-Single über die Durchsagelautsprecher dudelte: den Babysitter Boogie von Ralf Bendix, das einzige Werk der Musikgeschichte, das meine eingangs erwähnte Tochter in einen senkrechten Zustand versetzen kann.

1/4 nach 5 wachte ich auf, immer noch mit schmerzenden Schultern. Ralf Bendix hatte kläglich versagt, aber schuld war ich selber – ich hatte den Wecker “Montag-Freitag” aktiviert! Damit waren zwar meine Rachepläne gescheitert, dafür hatte ich 75 Minuten Schlaf gewonnen. Schwimmen hätte ich mit diesem Rücken eh nicht gekonnt, dachte ich. Einmal aus dem Zelt heraus, konnte ich aber wieder genügend Beweglichkeit herstellen, um den Gedanken an Wasser nicht ganz zu verwerfen. Ich ging zum Becken und fand tatsächlich Steffen beim Schwimmen. Von meiner Phantom-Bekannten Kerstin hingegen immer noch keine Spur. Wir hatten uns zwei Tage vorher auf facebook in einer Schwimmgruppe getroffen. Laut Ergebnisliste lag eine Kerstin Kuntze ganz weit vorne, aber ich bekam um die Burg nicht heraus, wer das war.

Also schwamm ich erst mal ein paar Kilometer mit Steffen. Genauer gesagt, schwamm ich ein paar Kilometer und Steffen überholte mich alle paar Minuten. Steffen hatte bald seine 7.800 Meter voll und wir gingen frühstücken. Dort bekam ich von einer Schwimmerin den entscheidenden Hinweis: Kerstin, das müsse diese Frau sein, die so langsam aussieht, aber nie aus dem Wasser geht und völlig unauffällig Kilometer um Kilometer abspult. Kurz darauf hatte ich sie identifiziert. Wir freuten uns wie die Schneekönige, dass wir uns im real life getroffen hatten. Kerstin machte im Lauf des Tages noch ihre geplanten 33 Kilometer voll und wurde beste Frau. Lange Zeit wäre sie auch weiter gewesen als der beste Mann, aber den packte gegen Ende der Ehrgeiz und er legte noch mal eine Runde drauf. Ich ließ nach 16,2 km gut sein, das war meine bislang längste Strecke und eine gute Vorbereitung auf das Schwimmen im Regen in drei Wochen. Mehr dazu in Kürze.

Veröffentlicht unter Sport, Swimming | Verschlagwortet mit , | 5 Kommentare

Wozu Zähne?

Ich bin heute meinem neuen Idol begegnet. Auf dem Weg zum Freibad kam ich an einem würdigen alten Herrn vorbei, der neben seinem niegelnagelneuen, blitzblank geputzten Carbonrenner stand. Ich hielt an und frug, ob alles in Ordnung sei, wobei mir siedend heiß einfiel, dass ich ohne Flick- oder sonstiges Werkzeug unterwegs war. Zum Glück fehlte nichts weiter, der Kollege mümmelte etwas von einer gerade verheilten Verletzung am Allerwertesten, wegen der er den Sattel verstellt hatte. Wir rollten gemeinsam weiter und ich komplimentierte ihn zu seinem wunderschönen Rad. Unter seiner Sonnenbräune erröttete er und meinte, ja, das sei Carbon, sein Alurad hätte nach 80.000 km ernsthafte Auflösungserscheinungen gezeigt. Achtzigtausend Kilometer? Das muss man sich mal vorstellen! Das ist zweimal um den Äquator! Und das war bestimmt nicht sein erstes Rad…

Nur eines machte mich stutzig: der Gute hatte nach Augenschein keine Zähne im Mund. Seither grüble ich über die Gründe nach:

Zähne gehören auf die Kassette?
Zähne sind unnützes Gewicht?
Gel muss man nicht kauen?
Das Rad war so teuer?
Er ist über die legendären Ludwigsburger Radwege gerüttelt?
Oder, oder, oder?

Veröffentlicht unter Biking | Hinterlasse einen Kommentar

Fast eine Langdistanz

Mein Triathlon-Programm dieses Jahr war überschaubar und hoch konzentriert. Mit einer Woche Abstand bin ich auf der Challenge Kraichgau und beim City Triathlon Heilbronn gestartet – und auch gut angekommen. Wenn der Heilbronner Tri nicht eine Unterdistanz wäre, hätte ich somit eine komplette LD in zwei Etappen absolviert. Andererseits ist es schon sehr komfortabel, nach 70 km schon vom Rad zu steigen und danach nur noch 15 laufen zu müssen. Weil es mir ansonsten auf beiden Veranstaltungen ähnlich erging, erledige ich den Bericht in einem Aufwasch.

Im Kraichgau war dieses Jahr die Übernahme des Traditionsrennens durch die Erzkonkurrenz WTC nicht zu übersehen. Neben dem Challenge-Logo stach immer wieder das M-Dot Signet des künftigen Veranstalters ins Auge, auf den Startnummern war vorn das eine und hinten das andere aufgedruckt.

Beide Rennen konnten mit bestem Ausdauersport-Wetter aufwarten: trocken, sonnig, aber nicht zu heiß. Ich startete jeweils in der letzten Startgruppe und konnte den Tag recht entspannt angehen. Beim Schwimmen stellte ich mich am hinteren Ende an und schwamm erst einmal gemütlich los. Nachdem die Ehrgeizlinge in den ersten Reihen die gröbsten Schlägereien ausgefochten hatten, arbeitete ich mich langsam nach vorn. In Heilbronn schwimmt man im Kanal, da gibt es kein Verfranzen. Im Kraichgau im See war ich wieder einmal deutlich abseits des Feldes unterwegs. Nur an den Wendebojen begegnete ich wieder der Hauptgruppe. Dort ging es zwar eng, aber diszipliniert zu. Ich beendete die erste Disziplin unspektakulär und solide und machte mich auf die Radstrecke.

Auf dem Rad wurde es richtig lustig. Mit Ausnahme einiger guter Radler, die nur nicht schwimmen können, kam niemand mehr von hinten, dafür waren in den vorderen Startgruppen genug Schwache, die ich im Lauf der nächsten Stunden einsammeln konnte. Manchmal wehrte sich einer und versuchte einen Konter, aber meist konnte ich noch den Hammer rausholen und den Mitspieler nach wenigen Minuten abhaken. Nach sieben Jahren Triathlon klappt allmählich auch die Verpflegung. Wenn ich zum Gel reichlich Wasser trinke, kommt einige Minuten später brav das Bäuerchen und ich ohne Darmgrimmen durch. Den Flow im Darm konnte ich auch befördern, indem ich die Sitzbeinhöcker an den Nasen meines Adamo-Sattels einhakte und den Oberkörper nach vorn schön lang machte. Die ersten 60 km liefen so recht entspannt, dann machte sich die Anstrengung bemerkbar. Immerhin hatte ich noch genug Körner, um sportlich in T2 einzurauschen. Im Kraichgau hat man den Luxus des valet parking, in Heilbronn läuft man mit dem Rad an der Hand durch die ausgesprochen längliche Wechselzone bis zum numerierten Platz. Hier traditionell MEINEN HERZLICHEN DANK AN ALL DIE HELFER, DIE MIT RIESENEINSATZ BEI DER SACHE WAREN!

Auch die Lauferei absolvierte ich bei beiden Rennen ähnlich: solide, aber nicht wirklich schnell. Beide Laufstrecken bieten einen Wechsel aus ruhigen Abschnitten und Remmidemmi in der Innenstadt. Hier kommen wieder alle zusammen, wenn auch auf unterschiedlichen Runden. Im Kraichgau wunderte mich, dass ich die Steigungen weniger schlimm fand als bei meinem Staffeleinsatz im Vorjahr. Wahrscheinlich bin ich in der Staffel ständig am Anschlag gerannt und fühlte das Höhenprofil härter. Mit dem Radpart in den Beinen schlurfe ich halt doch entspannter über die Strecke. In Heilbronn lieferte ich mir lange ein persönliches Duell mit der Nummer 554, einem gewissen Stefan. Auf den langen Geraden konnte ich ihm jeweils ein paar Meter abnehmen, aber an der nächsten Steigung zog er wieder vorbei. In der dritten Runde merkte ich, dass er an der Verpflegung recht lang verschnaufte. Auf den letzten 500 Metern geht es noch mal rauf und runter, ich musste also den Rückweg am Kanal nutzen, um einen guten Vorsprung rauszuholen. Dabei half mir eine junge Frau, die aber ihre Starnummer vorschriftsmäßig vorn trug und deshalb anonym blieb. Der heftete ich mich an die Fersen und blieb dran, so lange es ging. Am Schluss habe ich doch etliche Sekunden auf Stefan rausgelaufen. Leider habe ich ihn danach nicht mehr gesehen, deshalb von hier ein Dankeschön für das spannende Rennen. Bei meiner Zugläuferin konnte ich mich im Zielbereich noch bedanken.

Noch am Sonntagabend habe ich die off-season eingeläutet. Einen ganzen Tria mache ich erst wieder nächstes Jahr. Am 6. Juli darf ich nochmal als Staffelschwimmer ran, zusammen mit dem BW-Meister im Paratriathlon Michael Binder und einem gewissen Hannes, der wieselflink sein soll. Dann noch ein paar Schwimmveranstaltungen, inklusive Amsterdam und Mettlach im September. Für Amsterdam suche ich übrigens immer noch Sponsoren! Achim, Menold Bezler und Ebner Stolz sind bislang meine Unterstützer.

Die 20 Radkilometer, die zur LD gefehlt hätten, bin ich übrigens zwischen den zwei Wettkämpfen mehrfach gefahren, wenn auch mit 12er-Schnitt :-)

Veröffentlicht unter Triathlon | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Rad am Regen

Gestern war ja Nabelschau-Tag. Wer wissen will, warum der Nabel immer voller Fussel ist, wird vielleicht hier fündig, aber darum geht es nicht. In einem Nebensatz habe ich erwähnt, dass ich auf Radtour war. Mit meiner tapferen Tochter bin ich in einem Zug nach Bayerisch Eisenstein gefahren, zu dem Bahnhof, durch dessen Schalterhalle einst der Eiserne Vorhang verlief, sinnig dargestellt durch eine eiserne Kette. Wir hatten unsere Anreise nach Regensburg instinktiv so getimed, dass wir vier Minuten vor Abfahrt des Zuges am Fahrkartenautomaten standen. Der spuckte auch brav unsere Tickets aus, verriet aber nicht ums Verrecken, wie wir das mit den Rädern regeln sollten. Die Kondukteuse belehrte uns später im Zug: Dos fändnsä ondä Frädsääd ond Fommilljä. Do mässdschäzz äängläch bro Rod fäzzäch Äro gassäärn. Sie ließ aber Gnade vor Rächt ergehen und gab uns die Radtickets für je 5 Euer und der Tag war gerettet. Am Abend war das Schicksal nochmals mit uns, der österreichische Wanderer hatte sein Bett noch nicht benutzt und zog uns zuliebe in das Gartenhaus der Pension Sandra in Regen, so dass wir das Zimmer Nr. 4 bekamen. Ab da ging es bergauf. Zumindest am zweiten Tag, wo der Radweg nicht dem Regen folgt, sondern abseits des Flusses über die Hügel führt. Mit Ach und Krach spielten wir “Kraft am Berg”. Nachmittags meinte die Tochter, das sei jetzt doch auffällig viel Krach. Ich erwiderte, sie solle halt nicht so krumme Gänge auflegen, dann gäbe sich das mit dem Krach. Um dem verdächtigen Geräusch auf den Grund zu gehen, fuhr ich hinter ihr her und sah mir das Ganze aus der Lutscher-Perspektive an. In Null Komma Nix hatte ich die Ursache des Geräusches lokalisiert: eine Art Schifferknoten in der Kette, der sich lautstark durchs Getriebe schlängelte! Eine nähere Inspektion am stehenden Objekt ergab, dass ein Kettennietstift halb heraushing und die Kettenglieder davor und dahinter quasi am seidenen Faden hingen. Ich versuchte, den Stift zurecht zu schieben, aber er hielt nicht mehr richtig. Wir checkten Karte und Radwegführer und befragten ergebnislos zwei vorbei kommende Radler. Laut Führer gab es in dem Dorf hinter uns zwei Radläden, aber Anrufe unter den angegebenen Nummern gingen ins Leere. Also fuhren wir auf Verdacht in das Dorf vor uns, was sich wiederum als Glücksgriff erwies. Am Campingplatz, der am Dorfeingang von Blaibach direkt am Radweg liegt, wies man uns den Weg zu Jo’s Fahrradstadl. Weil Jo das Geschäft nebenberuflich betreibt, macht er erst um 18:30 auf. Wir checkten derweil auf dem Campingplatz ein und fuhren eine Runde Kanu. Danach legte uns Jo mit affenartiger Geschwindigkeit eine neue Kette auf, was wir in der Schlossschänke mit einem gepflegten Abendessen feierten.

Die folgenden Tage wurden zusehends gemütlicher. Um nicht zu früh nach Regensburg zu kommen, wurden die Etappen kürzer und die Pausen häufiger. Das Wetter spielte hervorragend mit. Nachdem noch in der Vorwoche die Temperaturen in den mittleren Dreißigern standen, hatten wir unterwegs angenehme Zwanziger, Sonne und ein paar Quellwolken. Ein paar Mal stieg ich in den Regen und schwamm eine Runde. Schließlich muss ich mich fit halten für den Amsterdam City Swim im September. Ab Heilinghausen erkundete ich zudem die Stauwehre und Anlegestellen für mein “Schwimmen im Regen reloaded”, das für Ende Juli geplant ist.

Hier einige Impressionen von unserer Tour:

b1 C1 C2 Eis1 Eis2 Günter swim Lilien R1 R2 R3 R4 R5 R6 Rgbg Rgbg2 See Wald Wegweiser Wolle zug

Veröffentlicht unter Biking | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

Rücktritt vom Rücktritt

Um ein Haar hätte ich das “Leben nach dem Triathlon” ausprobiert. Für die Challenge Kraichgau saß ich länger im Auto als auf dem Fahrrad. Am Samstag bin ich rübergefahren, habe die Unterlagen abgeholt, eingecheckt und bin wieder nach Hause gefahren. Am Sonntag wieder hin, Rennen und heim. Dabei kam ich nicht nur über die Autofahrerei ins Grübeln, sondern auch über den Sport, das Leben und den ganzen Rest. Jetzt schwimme, radle und laufe ich das ganze Jahr recht umfangreich (gemessen an einer Sofakartoffel), und wegen der paar Kilometer Wettkampf treibe ich so einen Aufwand. Dabei könnte ich locker einen Sonntag lang Radtour machen, würde mehr Kilometer schrubben als auf dieser MD und hätte einen Haufen Kohle gespart, die ich zum Weinhändler meines Vertrauens tragen könnte. Immerhin habe ich die alte Rechnung im Kraichgau jetzt beglichen, nach einem DNF und zwei Staffelteilnahmen habe ich als Einzelstarter in 5:25 gefinisht. Damit könnte ich mich jetzt in Ehren zur Ruhe setzen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit Mitte 50 nicht mehr an meine Bestzeiten vergangener Jahre herankomme, die biologische Uhr tickt mittlerweile recht vernehmlich. Und der abschließende HM war nicht wirklich lustig. Er war eher mehr eine Qual. Von dieser erholte ich mich mit einer gemütlichen Fahrradtour im Regental, die ich auch nutzte, um mein “Schwimmen im Regen reloaded” zu planen.

Nach der Tour stand noch der Triathlon in Heilbronn an. Der ist vergleichsweise gemütlich, mit knapp 70km Rad und schlappen 15 Laufen. Ich ging erholt an den Start und bretterte sportlich über die Piste. Wie schon im Kraichgau war ich in der letzten Startgruppe, was einen wertvollen psychologischen Vorteil mit sich bringt: außer ein paar starken Athleten, die nur nicht schwimmen können, kommt keiner mehr von hinten; dafür gibt es in den vorderen Gruppen genügend Dilettanten (zu Deutsch: noch Langsamere als ich), die man einsammeln kann. Vor allem der Radpart ist eine einzige Überhol-Orgie. Auf der Laufstrecke relativiert sich die Sache, auf den jeweils drei Runden hat man alle Sorten um sich herum. Nach 4:08 stürmte ich brüllend durchs Ziel. Meine rechtschaffene Plattheit deutete ich als Zeichen, dass ich Alles gegeben hatte. Wie sich das gehört. Man soll ja immer alles geben (außer beim Blut spenden). Ich schüttete erst mal ein Bleifrei rein und ließ mich dann durchmassieren. An dieser Stelle MEINEN HERZLICHEN DANK AN ALLE HELFER BEIDER VERANSTALTUNGEN, IHR SEID GROßARTIG!

Am Montag dann die buchhalterische Analyse: trotz deftiger Belastung war ich 2014 deutlich langsamer unterwegs gewesen als 2011. Mein Entschluss, mit dem Blödsinn aufzuhören, schien gefestigt. Bis ich auf die dumme Idee kam, bei AK55 nachzusehen. Die Klasse der “noch älteren Säcke” hätte ich mit Abstand gewonnen – wenn ich noch ein Jahr durchhalte, wäre ein Treppchen drin!?! Und die Challenge Walchsee wollte ich eigentlich auch noch machen. Und weil’s so schön ist, die OD in Regensburg zur Vorbereitung.

Watch this space!

(And support me at Amsterdam City Swim!)

Veröffentlicht unter Sport, Triathlon | Hinterlasse einen Kommentar

Das Spendenbarometer steigt

Noch zwei Tage bis zur Challenge im Kraichgau, neun Tage bis zum City Triathlon Heilbronn. Die Temperaturen sind wieder in einen erträglichen Bereich gefallen, gleichzeitig ist der Spendenstand für den  Amsterdam City Swim gestiegen. Am 7. September darf ich mit 1999 weiteren Abenteurern mitten durch die Stadt schwimmen. Aber vor den Schweiß haben die Holländer den Erfolg gestellt. Ich darf nur starten, wenn ich mindestens 400 Euro Spenden für die ALS einsammle. Diese Stiftung fördert die Erforschung der Amyotrofischen Lateralen Sklerose. Wer die ALS bei ihrer Arbeit und mich bei meinem Spaß unterstützen möchte, kann

meine persönliche Spendenseite

anklicken. Herzlichen Dank schon mal an:

Achim
Menold Bezler Rechtsanwälte
Ebner Stolz GmbH & Co. KG

Veröffentlicht unter Swimming, Triathlon | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar