Bilder von der Naab

Die nächsten Tage an, auf und in der Naab verliefen ähnlich wie der erste. Auf 1-2 Kilometer genussvolles Schwimmen folgten 100-200 Meter mühsames Stolpern über Steine und durch Wasserpflanzen. Nach zwei Tagen hatte ich einen gediegenen Sonnenbrand auf der Stirn und schwamm danach mit Bademütze weiter. Ob das Schwimmerohr, an dem ich seit Freitagabend leide, damit zu tun hat – keine Ahnung. Ab Donnerstag wurde der Wetterbericht fürs Wochenende stündlich schlechter, so dass ich schweren Herzens das Publikumsschwimmen absagen musste. Mit meinem Ohr wäre das eh nix geworden. Beim Seidl in Laaber habe ich mich getröstet. Wenn wir einen goldenen Herbst bekommen, gibts vielleicht Ende September noch eine Chance auf die Strecke ab Burglengenfeld. Nachstehend noch Bilder aus den letzten Tagen, darunter die Streckendaten vom Garmin.

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Tag 2 a

Tag 2 b

Tag 2 c

Tag 3 a

Tag 3 b

Tag 4 a

Tag 4 b

Tag 4 c

An Freitag gabs noch eine Zugabe: auf dem Heimweg kam ich am Klausensee vorbei und konnte der Versuchung nicht wiederstehen, noch mal eine ganz banale Runde zu drehen.

Ich danke den Kanufreunden vom Kronbertsweiher, die mir von ihrem Bier abgegeben haben. Ich danke allen Anglern, die ihre Schnürln extra für mich beiseite genommen haben, um mich durchzulassen. Dem einen, der mich auf seine Schnur aufschwimmen ließ, weil er zu beschäftigt mit Eierkratzen war, wünsche ich die Eierkrätze. Schließlich erwähne ich noch mal lobend den Gasthof Baier, die Pizzeria Rossini und das Eiscafe de Pellegrin, wo ich mich von meinen Strapazen erholt habe.

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Alles relativ in der Naab

Die Naab hat mich fertig gemacht. So einfach. Zwischendurch gab es schöne Momente, Minuten, sogar Viertelstunden, aber dazwischen war die Naab nicht mein Freund.

Meine Vorbereitung war, wie immer, akribisch. Ich hatte den Kanuführer studiert, Karten mit Streckenlängen versehen und laminiert, einen Reserveakku für die Kamera besorgt und auch wochenlang den Pegel beobachtet, der trotz Trockenheit überraschend konstant war:

Heitz kurz

Hätte ich die Langfristgrafik angeschaut, wäre ich schlauer gewesen:

Heitz lang

Aber das schlauer sein habe ich mir für hinterher aufgehoben.

Montag habe ich noch den Juli-Abschluss fertiggeschustert und dem Aufsichtsrat erläutert, dann bin ich nach Schwandorf gedüst, wo ich für die Woche im Hotel Baier mein Quartier mit Blick auf die Naab aufgeschlagen habe.

N0010

Dienstag früh fuhr ich mit dem Auto zu meinem Etappenziel in Untersteinbach. Ich lud das Fahrrad aus und packte die Schwimmsachen in einen Beutel. Meist ist es ja beruhigend, wenn man merkt, was man trotz akribischer Vorbereitung vergessen hat. Außer, wenn das Vergessene das Fahrradschloss ist. Von der Besichtigung zu Pfingsten wusste ich, dass mein Startpunkt an einer abgelegenen Wiese sein sollte, wo die Wahrscheinlichkeit eines Fahrraddiebstahls unter 100% lag. Ich radelte also unbeschlossen los. In einem Supermarkt unterwegs kaufte ich ein Vorhängeschloss. Der Weg nach Oberwildenau zog sich, der erste Tag sollte die längste Strecke werden. Das war zugegeben nicht der ideale Einstieg in die Tour. Aber die einzelnen Etappen sind durch die Wehre vorgegeben, nur dort gibt es Ein- und Ausstiege für Kanufahrer. Auf freier Strecke kann man zwar gelegentlich aus dem Wasser raus, aber oft ist man dort weitab der Straße. Und mit dem Ziel, Freitag nach Burglengenfeld zu kommen, mussten es eben am Dienstag die 17 km sein. Auf der Wiese unter der Brücke in Oberwildenau verstaute ich mein Fahrrad so unauffällig wie möglich und hängte das Vorhängeschloss in die Speichen. Das hätte einen entschlossenen Dieb nicht vom -stahl abgehalten, ein dummer Dieb hätte das Rad zerstört; ich hatte also die schlechtestmögliche Taktik gewählt… Nicht auszudenken, was meine Tochter mir erzählt hätte, wenn Papa “Rad stehen lassen heißt verschenken” Günter sein Stahlross abhanden gekommen wäre!

Die nächste Herausforderung war der Sonnenschutz. Ich hatte zwar ein Schwimmhemd mit, das scheuert aber ein wenig, deshalb wollte ich es in Reserve halten und erst mal auf die Sonnencreme setzen. Anthelios XL 50+ von La Roche-Posay war die meinem Alter angemessene Lösung, die mir der freundliche, Rad fahrende Zentral-Apotheker empfohlen hatte. Dank Sprühkopf konnte ich die auch ohne fremde Hilfe auf dem Rücken verteilen. Auf den Armen fand ich auch nach dem Schwimmen noch reichlich Creme, die ist also wirklich wasserfest. Die einzigen Probleme hatte ich im Gesicht: Stirn und Nase nahmen kräftig Farbe an.

N110

Endlich war alles vorbereitet und verstaut, ich stieg vorsichtig in die Naab. Zu meiner Überraschung fand ich genug Wasser, um gleich loszuschwimmen. Ungefähr 50 Meter weit. Dann begann die Wattwanderung. Vom ersten Kilometer waren rund 700 Meter zu Fuß zurückzulegen. In der Auswertung der Daten sieht man das wunderbar an der Zugfrequenz pro Minute, die im einstelligen Berich liegt. Ohne Schwimmschuhe hätte ich hier aufhören können, selbst mit Schuhen war es mühsam, über die Kiesel zu stolpern. Wegen der üppigen Vegetation sah man gar nicht, wo man hintrat.

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Dazu kamen Sand und Kies in die Schuhe, die ich ständig ausleeren durfte, wollte ich mir keine Blasen laufen. Nach 3,5 km gab es in Luhe die erste Pause. Freundliche Angler nahmen extra ihre Schnürln beiseite, als ich zur nächsten Etappe aufbrach, die mit gut 6 km schon deutlich länger war. Gegen Ende der Strecke kam ich sogar für längere Zeit zum Schwimmen:

N130 N140 N150

Außer einem Kanu, das schneller weg war, als ich fotografieren konnte, waren nur noch Libellen unterwegs.

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Nach einer ausgedehnten Pause bei Wernberg startete ich zum mit 7 km längsten Abschnitt des Tages. Der war wieder mit nervig vielen Flachstellen gespickt. Die dauernden Unterbrechungen schlugen allmählich aufs Gemüt. Um viertel nach fünf war ich endlich an meiner Ausstiegsstelle, musste nur noch um einen Landzipfel herum. Just auf diesem Zipfel stand ein Angler, der sich mordsmäßig aufregte: er habe gerade hier angefüttert, ich solle mich unterstehen, da jetzt durchzuschwimmen. Ich brachte ihn erst mal mit einem freundlichen Gruß aus der Fassung und erklärte, dass ich hier schon den ganzen Tag schwimme und wegen ihm nicht den Umweg über Straubing nehmen werde, um zu meinem Auto zu kommen. Nur die Sorge wegen der aktuellen fremdenfeindlichen Ausschreitungen hielt mich davon ab, ihn als Saupreißn zu beschimpfen (obwohl er – zumindest in diesem Moment – einer war). Nach kurzer Debatte einigten wir uns darauf, dass ich hinter der Seerose rum ans Ufer könnte.

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Dort durfte ich mich bei einem Kleingärtner unter die Gartendusche stellen, bevor ich mich anzog.

Ziemlich kaputt von der Strecke und der mentalen Belastung holte ich erst mal das Fahrrad, das wohlbehalten an seinem Platz lag. Am nächsten Supermarkt räumte ich die Regale mit Sportlernahrung leer. Eine Klinikpackung Muffins, eine Tüte Schokoriegel und an der Kasse hatte jemand eine 250g-Tafel Schokolade liegenlassen. Im Kruschregal im Mittelgang lag sogar ein geöstes Stahlkabel, das mit meinem Vorhängeschloss eine passable Fahrradsicherung ergeben hätte – wenn es denn ausgezeichnet gewesen wäre. Ich erklärte der Kassiererin, dass ich gar nicht auf einem ausgezeichneten Kabel bestünde, gut genug hätte mir schon getaugt, aber die offenbar ISO-zertifizierte Dame weigerte sich standhaft, einen Artikel ohne Strichkot abzugeben. Am Ortseingang von Schwandorf fand ich dann in einem Baumarkt ein genügend gutes, ausgezeichnetes Fahrradschloss. Die Sicherheitsfrage war damit gelöst. Meinen Streckenplan, der für den dritten Tag nochmal 17 km vorgesehen hatte, stellte ich aber ernsthaft in Frage.  Die körperliche und psychische Belastung, dazu die Hitze und die Sonne, hatten ihren Tribut gefordert. Diesen Rhythmus traute ich mir für den Rest der Woche nicht mehr zu. Ich setzte mich vor den Rechner und schob Etappen hin und her. Letztendlich beschloss ich, mir die Strecke von Untersteinbach bis Schwarzenfeld zu schenken. Somit hätte ich Tagesetappen zwischen 9 und 12 km und die Hoffnung auf ein bisschen mehr Wasser unterm Kiel. Bei einer schönen Portion Pasta im Rossini ließ ich den ersten Tag ausklingen.

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12 von 24

Nach dem Schwimmen ist vor dem Schwimmen. Das ist so banal, dass es weh tut, aber beim 24-Stundenschwimmen leider deutlich wahrer als sonst im Leben. Letztes Wochenende habe ich mein Rad vollgepackt und bin nach Oberstenfeld ins Freibad gefahren. Die ersten 15 Kilometer war ich noch flott unterwegs. Leider ist das Rad mit vollem Hänger zu instabil für Fahren auf dem Auflieger, sonst hätte ich dem ein oder anderen Rennradler gezeigt, wo der Hammer hängt. Bei Großbottwar wurde ich schon lansamer und freute mich, einen Trupp rüstiger Reiseradler zu treffen, die mich freundlicherweise das letzte Stück bewindschatteten. Die glaubten zuerst, ich sei auf großer Urlaubsfahrt, aber ich klärte auf, dass ich nur 27 Badehosen und ein Zelt dabei hatte, für Bottwartal24.

Rad

Pünktlich um 11 war ich vor Ort und schlug mein Zelt auf, möglichst platzsparend, wie es der Veranstalter gesagt hatte. Die Familie mit dem Gummihammer hat in dieser Zeit mich und viele weitere neue Leute kennengelernt. Auf der Zeltwiese traf ich Carina und Florian, meine Mitschwimmer vom Team Warmduscher. Von Carina bekam ich die gute Sonnencreme, meine hatte ich vergessen. Oder um genau zu sein: ich hatte welche in der Tasche, wusste das aber nicht – bis ich sie Sonntag durch Zufall gefunden habe.

Ich kannte das Bottwartalschwimmen vom letzen Jahr, da bin ich nur abends und morgens geschwommen. Diesmal hatte ich den Kollegen dummerweise versprochen, dass ich mich anstrengen würde, wegen der Teamwertung. Außerdem hatte ich nach dem Beinahe-Debakel in Münster was nachzuholen. Also stieg ich pflichtschuldigst unmittelbar nach Anpfiff ins Becken und nahm mir vor, erst mal 5000 Meter zu schwimmen. Nach 1000 Metern merkte ich, dass 5 am Stück heute schwer würden und ich wollte mich nicht gleich zu Anfang überlasten. Also ging ich nach 3000 erst mal raus, machte eine kleine Pause und schwamm dann gleich noch mal 3. Ich war kaum aus dem Wasser, als ich von Sven die Nachricht erhielt, ich liege auf Platz 1 der Männerwertung – ein Moment für die Ewigkeit, aber wirklich nur ein Moment, schließlich waren noch keine drei Stunden rum von den 24. Frisch beschwingt absolvierte ich weitere 3 + x und machte die erste größere Pause, mit Pommes und Cola.

Pommes

Eine schöne Massage wäre jetzt recht gewesen. Und: A miracle, a miracle! Auf dem Rückweg vom Kiosk sah ich die Masseurinnen, die gerade die Liegen aufbauten und ein Schild rausstellten. Durch charmantes Plaudern sicherte ich mir den ersten Platz in der Schlange und wurde gut und gern 20 Minunten professionell instandgesetzt. Ich machte weiter mit meiner 3000 + x Strategie. Bald hatte ich die Strecke vom Ludwigsburger Citylauf hinter mir, der an diesem Tag ausgetragen wurde, und am späten Abend 17 irgendwas auf der Liste stehen. Carina und Florian sah ich auch ab und zu, meistens, wenn sie mich auf der Bahn überholten. Die beiden schwammen in der Nacht weitgehend durch, ich dagegen legte mich ein paar Stunden ins Zelt, nachdem ich einen Teller Nudeln und eine zweite Massage genossen hatte. Eingedenk des Trubels im Vorjahr hatte ich Ohropax dabei, was mir einige Stunden Schlaf sicherte. Bis 1 Uhr früh. Da begann das spektakuläre Wettruschen. Mit Moderation. Über den Platzlautsprecher. Bei der ersten Durchsage dachte ich, Kind der 60er, jetzt kommt der Russ. Dann wurden im 90-Sekundenrhythmus neue Bestzeiten gefeiert. Ich stand senkrecht im Zelt, bei Firsthöhe 130 kein leichtes Unterfangen. Nach weiteren zwei mal 90 Sekunden war ich wach genug, um einzuschreiten. Ich krabbelte raus, ging zum Bahnenzähler und lieh mir seine Pumpgun. Ein alter Mann braucht seinen Schlaf! Zum Glück des Lautsprechers, der Person wie des Geräts, hatte der Helfer seine Waffen zu Hause gelassen, aber er gab meine Anregung weiter. Ab da war Ruhe, obwohl ich keinen Schuss gehört habe. Abgesehen von der Bewaffnung WAREN DIE HELFER GRANDIOS! Zu jeder Zeit in den 24 Stunden waren Zeitnahme, Technik und Verpflegung präsent und aktiv.

Dankbar war ich dann trotzdem für die Störung, die gab mir nämlich eine Ausrede, um 4 Uhr den Wecker zu ignorieren. Um 6 war ich immerhin wieder im Becken. Gleich auf der ersten Bahn bereute ich, mich vorher nicht gelockert und gedehnt zu haben. Die Schultern jammerten recht wehleidig, versahen aber nach etlichen Bahnen wieder ihren Dienst. Nach den ersten 3 + x ging ich frühstücken. Carina lag inzwischen bei den Damen uneinholbar vorn, Florian auf Platz 2 bei den Herren. Ich war mit deutlichem Abstand dahinter auf dem fünften Rang. Als Team lagen wir komfortabel in Führung. Gegen halb 11 stieg ich zum letzten Mal ins Wasser. Mit ein bisschen Gymnastik vorweg war das immer noch möglich. Inzwischen stand mein Konto bei 23,7 km. Das war deutlich mehr als je zuvor und auch das Ziel “Halbmarathon im Wasser” war abgehakt. Jetzt fehlten mir 1300 Meter zu 25 km, das wäre natürlich zu wenig, also absolvierte ich erst mal 2300, um die 26 voll zu kriegen. Dann ging der innere Buchhalter mit mir durch. 2300 sind ja eine absolut krumme Strecke, 2500 am Stück sollten es schon sein! Das ergab 26,2 km – wieder eine furzkrumme Zahl! Ich fühlte mich wie die Aufzüge im “Anhalter durch die Galaxie”… Bei 26,5 km hatte ich 2800 Meter geschafft. Ein Blick zur Uhr zeigte, dass ich bis 12 die 3000 für diese Etappe noch vollkriegen und danach ohne Gewissensbisse aufhören konnte. Wer mitgerechnet hat: 26700 Meter waren es am Ende. Ich hatte zwar keine Uhr mit (die war an dem Tag in Roth unterwegs), rechnete aber aus, dass ich rund 12 Stunden von den 24 im Becken war – da geht also noch was!

Ich packte mein Geraffel zusammen und ging zur Siegerehrung. Mit meiner Soll/Haben Strategie hatte ich mich auf Platz 4 vorgekämpft, knapp am Podium vorbei. Florian konnte mit großer Anstrengung seinen zweiten Platz ins Ziel retten. Das war sein erstes 24h-Schwimmen und er hatte sich 15 km vorgenommen; 30 hat er am Ende geschafft! Carina die Unermüdliche lag mit 35,5 jenseits von Gut und Böse… Das half uns auch zum überlegenen Sieg in der Gruppenwertung, wo die Durchschnittstrecke zählt. 30733 Meter hatten wir im Schnitt, eine neuer Rekord! Hier die Fotos des Veranstalters:

Carina Florianbottwar24

Jetzt muss ich nur noch 5 Jahre durchhalten, bevor ich die AK M60 rocke…

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Socialman – die Bewertung

Hier kommt endlich der mit Spannung erwartete fünfte Teil der Socialman-Trilogie: die ultimative Bewertung!

Heute mal in zwei Varianten. Die erste für Damen und Pfarrer: es war wirklich sehr, sehr schön.

Für alle anderen: ES WAR MEGAMÄSSIGOBERHAMMERAFFENTITTENGEIL!

Ja, warum das denn? würde Frau Käsmann fragen, wenn sie dies läse.

Da ist zuerst einmal der Spirit: “Wir machen hier eines der härtesten Triathlonevents wo man sich vorstellen kann aber es geht um nix bloß um Durchkommen und Spaß haben.” So was muss man sich mal geben… Dann ist da noch die Sache mit der Inklusion. In punkto Inklusion kann der Socialman leider wenig punkten, weil die Specialstarter gar nicht weiter auffallen. Viele von denen sind sportlich viel heftiger drauf als meinereiner. Wenn die Förderung behinderter Sportler nicht erklärtes Ziel des Veranstalters wäre, würde ich nicht mal erwähnen, dass da Leute mit weniger Beinen, Augenlicht oder Ohrenklang dabei waren.

Dann ist da die Landschaft. Das ist ein bisserl so wie bei der Challenge Walchsee. So was ist einfach schön. Da vergisst man schon mal, wie man sich quält. Beim Schwimmen hab ich nach einer Ausrede gesucht, um umzudrehen und noch eine Runde zu absolvieren. Wers nicht glaubt, hier sind Fotos:

Schwimm1  Rad1 Rad3MatrollLauf1

Fotos: Socialman

Die Teilnehmerzahl ist überschaubar: bei 25 Einzelstartern und eben so vielen Staffeln sind 100 Sportler dabei, dazu noch eine erkleckliche Anzahl Organisatoren und Helfer. Das gibt dem ganzen eine nette lockere Atmosphäre.

Ein besonderes Lob gebührt der Zeitnahmetechnik: die Transponder von Durtytracking senden alle zwei Minuten die GPS-Koordinaten, so dass man recht genau sehen kann, wo die einzelnen Leute sind. Hübsch auch die Grafik hinterher: man sieht recht deutlich, was in zwei Minuten so passiert, oder auch nicht – gegen Ende der Laufstrecke kann man die einzelnen Punkte nicht mehr unterscheiden…

Was gibts zu meckern? Eigentlich nix. Sollte die Veranstaltung größer werden, würde es wohl beim Race Briefing eng mit Parkplätzen. Ein bescheidener Vorschlag meinerseits: für die Staffeln sollte es andere Shirts geben, wo “Relay” oder “Staffel” draufsteht. Ich trag das Ding mit Stolz, muss aber dauernd erklären, dass ich das nicht allein geschafft habe…

PS: noch ein Hinweis von einem Radfahrer: die Richtungspfeile sollten schon ein Stück vor der Kreuzung angebracht werden. Direkt an der Kreuzung besteht die Gefahr, dass man die Pfeile nicht sieht, weil ein Auto drauf steht.

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Die Nacht danach – Bericht vom Socialman, Teil 4

Seit Douglas Adams wissen wir, dass eine gscheide Trilogie vier oder mehr Teile hat. Im letzten Abschnitt meiner Socialman-Saga war ich gerade mal ins Ziel gekommen, aber da war lange noch nicht Schluss. Sarah und Matthias fuhren am Samstag noch zurück nach Wien. Mark disponierte kurzfristig um und blieb über Nacht im Wallackhaus, womit er mir einen riesigen Gefallen erwies. Tags zuvor hatte ich noch großzügig angeboten, ihn zu seinem in Bischofshofen deponierten Auto zu fahren – jetzt war diese Vorstellung ein Alptraum. Ich schaffte es gerade noch, meinen Kram aufs Zimmer zu schleppen, dann fiel ich aufs Bett und in Morpheus Arme.

Eine Stunde später fühlte ich mich gewappnet für eine Massage. In einem Nebenraum kaschierten zwei kernige Burschen ihre sadistischen Triebe mit flapsigen Sprüchen. Masochistische TriathletInnen bildeten den perfekten Gegenpol dazu – eine win-win Situation! Nach kurzer Wartezeit war ich an der Reihe. Die Dame auf der Liege nebenan identifizierte ich sofort an ihrer Sprache als Nadine Wolff. Wir hatten uns am Schwimmstart vorgestellt, aber jetzt sahen wir völlig anders aus. Zum Glück verliert eine Fränkin auch im Regen ihre Aussprache nicht! Leichtsinnigerweise erzählte ich meinem Physio, dass ich seit einigen Tagen Schmerzen an der rechten Hüftseite hatte, die beim Laufen schlimmer geworden waren. Der nahm das zum Vorwand, die schmerzende Stelle unter Einsatz seines zum Glück nicht übermäßigen Körpergewichts intensiv zu bearbeiten. “Das muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird” (oder so ähnlich) war die Kernaussage. Nachdem er das Schmerzpotential an dieser Stelle gründlich ausgelotet hatte, beschloss er, meine Gelenkigkeit auszutesten und legte mir meinen Unterschenkel um den Hals. Na ja, das ist jetzt maßlos übertrieben, kam mir aber in dem Moment so vor… Trotzdem war ich dem Burschen dankbar: zwar hatte er mich wacker geschunden, aber das Treppensteigen ging danach deutlich besser, rauf wie runter.

Zunächst ging ich aber rüber, auf die Terasse zum Essen. Mark war schon da und wir unterhielten uns beim Nachtessen mit Patrick Bitzinger, dem blinden Radfahrer, der mit seinem Tandemkäptn alles pulverisiert hatte, was da rollte.

Die Nacht war noch ziemlich unruhig. In halbstündigem Abstand wog ich ab, ob es jetzt weher täte, mich umzudrehen, oder so liegen zu bleiben. Trotzdem war ich am Morgen einigermaßen in Form. Nach dem Frühstück gab es eine lustige Abschlussveranstaltung, bei der sich Organisatoren, Helfer und Teilnehmer begeistert selbst und gegenseitig feierten. Nach einem aufwändigen Abschlussfoto unter Einsatz von allerlei Fluggerät fuhren wir schließlich heim.

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Foto: Socialman

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Auffi muas i – Bericht vom Socialman 3

Als ich meine Vorbereitungen zum Socialman begonnen hatte, konnte noch niemand die Hitzewelle dieses Wochenendes vorhersehen. Ich hatte detaillierte Tabellen über den Temperaturverlauf in verschiedenen Höhen aufgestellt und z.B. herausgefunden, dass bei 10° in Rauris die Temperatur im Ziel ceteris paribus bei -2,5° läge. Entsprechend hatte ich mir unterschiedliche Outfits gepackt für Temperaturbereiche von 15 bis 25 Grad am Start. Jetzt hatten wir 30° und die Entscheidung war eindeutig. Zur kurzen Hose legte ich noch eine fingerdicke Schicht Sonnenschutzfaktor 30 auf. Der Rucksack war weitgehend vorbereitet, ich musste nur noch Wasser einfüllen. Zwei Liter nahm ich mit auf meine 15 Kilometer. Auch Matthias bereitete sich vor und zusammen mit Sarah warteten wir auf unseren Radler. In großen Abständen rollten andere Teilnehmer in die Wechselzone und gingen entweder selbst auf die Laufstrecke oder schickten ihre Staffelkameraden dorthin. Kurz nach 14 Uhr kam Mark an. Ich nahm ihm sein Fahrrad ab, er gab Matthias den GPS-Tracker und der rollte los. Die ersten 100 Meter führten über eine Wiese bergauf und ich unterstützte ihn schiebend – nicht, weil er das gebraucht hätte, sondern um eine Show für den Kameramann zu liefern. Mark ließ sich noch aufpäppeln und versorgen, während Sarah mich zur nächsten Wechselzone fuhr. Für die, die nicht aufgepasst haben: Mit Ausnahme der Schwimmstrecke weist der Socialman ein kriminelles Höhenprofil auf (die Schwimmstrecke ist dafür extra lang: quasi die Höhenmeter flachgebügelt). Matthias übernahm die ersten 10 noch relativ flachen Kilometer der Laufstrecke im Rollstuhl. Bald danach wird die Strecke ebenso steil wie unwegsam und diesen Part übernahm wieder ich. Am Parkplatz Fleckweide tauchte Matthias schließlich, eine epische Staubfahne nach sich ziehend, auf.

Matroll

(Photo: Socialman)

Er übergab mir den Tracker, wir klatschten ab und ich trabte los. Zuerst ging es noch einigermaßen flach dahin, dann kamen die ersten Anstiege. Ich hatte mir vorgenommen, so lang wie irgend möglich zu laufen und so wenig wie möglich zu gehen. Relativ bald überholte ich einen Kollegen, der das Laufen schon aufgehört hatte, der war aber schon länger unterwegs als ich. Die Lauferei wurde schnell mühsamer, als ich erwartet hatte. Im Schnitt waren die ersten 2/3 meiner Strecke zwar nur mäßig ansteigend, hatten aber bereits deutliche Bergaufpassagen drin. Schon vor der Hälfte legte ich Gehpausen ein. Um 16:09 kam ich beim Checkpoint Tauernhaus vorbei. Nach dem ursprünglichen Reglement hätte mich der Veranstalter hier rausgenommen und mit dem Besenwagen heimgeschickt, aber angesichts der Wetterbedingungen hatte man das Limit hier auf 17 Uhr verlängert. Am Tauernhaus endete auch definitiv der fahrbare Teil der Strecke. Ich fragte vosichtshalber, ob ich jetzt allen Ernstes diesen Ziegenpfad nehmen sollte, bekam das bestätigt und tat es. Immerhin gab es hier schon häufig Schatten, der Weg führte jetzt durch ein Waldstück. Noch schaffte ich es, in flachen Passagen wieder in einen Zuckeltrab zu verfallen. Nach knapp 10 Kilometern kam ich zur letzen Alm auf der Strecke. Ich setzte mich auf die Bank vor der Hütte und genehmigte mir einen Riegel. An dieser Stelle war ich bereits so platt, dass ich nicht mal mehr die freundliche Sennerin anbaggern konnte. Wo ich jetzt darüber nachdenke, könnte ich nicht mal mehr sagen, wie blond sie war – egal wie blond, ich war offensichtlich blonder! Offenbar so blond, dass ich gar nicht bemerkte, wie dicht ich Paul Börner auf den Fersen war, der da noch auf Platz 4 der Einzelstarter lag. Kurz nach der Alm sah ich ihn und seinen Supporter knapp 100 Meter vor mir. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, mich zentimeterweise an die beiden heranzuarbeiten, ein äußerst frustrierendes Unterfangen. Wenn ich dachte, ich käme näher, erreichte Paul ein Flachstück und wurde schneller, während ich mich noch einen Hang hochschleppte. Oder ich überpacete um ein paar Millisekunden/Meter und musste stehen bleiben, um Luft zu holen. Auch hatte ich mit beunruhigenden biomechanischen Phänomenen zu kämpfen. Mehrmals hatte ich Mühe, nach einem Schritt mit Abrollen oder Drehung den Fuß wieder in eine normale Position zu bringen. Endlich war ich auf zwei Meter herangekommen und grüßte freundlich. Nach einiger Zeit kam auch Pauls zweiter Supporter von oben entgegen und wir wanderten zu viert Richtung Hochtor. Diese Truppe war für mich ein Segen. Allein der Umstand, nicht mehr allein zu gehen, baute mich auf. Die zwei Freunde waren putzmunter und quatschten die ganze Zeit auf uns ein. Dazu hatten sie einen anscheinend unerschöpflichen Vorrat an kaltem (!) Wasser, Cola und Salzstangerln, den sie Paul und auch mir unermüdlich anboten. Aus Dankbarkeit gab ich Georg Kreislers Lied vom “Staatsbeamten” zum Besten, schließlich waren wir in Österreich! Über die erste Strophe kam ich leider nicht hinaus, immerhin waren wir inzwischen auf rund 2000 Meter Seehöhe und das bin ich nicht mehr gewöhnt. Wir begegneten vereinzelten Wanderern, die uns begeistert anspornten und uns gnadenlos die Hucke volllogen bezüglich der verbleibenden Strecke. Irgendwann sahen wir dann sowohl die Leute am Großglocknertunnel als auch die Fahnen am Hochtor. Auf dem Weg dorthin querten wir noch einige Schneefelder, die zum Glück noch erstaunlich fest waren. Über ein paar Stufen stiegen wir hoch zur Straße, wo wir schon begeistert begrüßt wurden. Das Ziel war aber noch etliche Höhenmeter entfernt und so marschierten wir weiter.

Parkplatz

(Photo: Socialman)

An dieser Stelle wurden wir doch tatsächlich noch überholt! Keiner von uns hatte diese Gesellen bemerkt, aber Andi Wallner samt Begleitung zog an uns vorbei. Egal, wir stapften eisern die letzten Meter aufs Joch, wo inzwischen ein kühler Wind wehte. Wenige Minuten später beglückwünschte mich Veranstalter Klaus Vondra. Pauls Freund machte dann noch ein triumphales Selfie von mir:

Ziel

Mit großer Mühe hatschte ich die paar Meter wieder runter zu meinen Staffelkameraden. Gemeinsam hatten wir den Socialman geschafft. Mit einer Gesamtzeit von 12:58 waren wir die 7. von 25 Staffeln. Wenn ich mal Enkel habe, erzähle ich ihnen das.

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Heiß mit blonden Schauern – Bericht vom Socialman 2

Pünktlich um 5:30 drückte der Bürgermeister die Starttröte. Wir 50 Socialman-Starter hatten uns im hüfttiefen Wasser in zwei Reihen sortiert, von denen die erste sofort sportlich-ambitioniert losprügelte. Wir in der zweiten Reihe ließen uns auch nicht lumpen und knüppelten hinterher. Ich hatte erst mal jemand schräg neben mir, der mir umso näher kam, je mehr ich auswich. Nach hundert Metern hatte sich das Feld jedoch schon gut sortiert und ich hätte lässig auf Autopilot schalten können – wenn da nicht meine geliebte Panikattacke gekommen wäre. Nach sechs Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass mich die ungefähr bei jedem dritten Wettkampf packt. Die ersten Male hatte ich das noch ernst genommen und mich auf den bevorstehenden Tod durch Ertrinken vorbereitet. Inzwischen weiß ich, dass diese Anfälle reine Kopfsache sind und kann damit umgehen. Ich nahm etwas Tempo raus und atmete bewusst bei jedem Zug tief aus. Nach geschätzten zwei Minuten war der Spuk vorbei und ich ging in Ausdauermodus. In diesem Zustand schwimme ich entspannt vor mich hin und denke ab und zu mal an meine schlimmsten Fehler. Zum Beispiel wackle ich mit den Hüften wie ein Latin Lover beim Cha-Cha. Auf dem Parkett ernte ich mit dieser Nummer bewundernde Blicke, aber im Wasser ist es halt kontraproduktiv. Also denke ich alle 5 Minuten dran und schwimme daraufhin 10 Meter fast geradeaus. Ein anderer Fehler, der mir in Münster heftige Schmerzen beschert hat, ist die einseitige Drehung nach rechts, wo ich atme. Dagegen setzte ich das Mantra ein, dass mir eine australische Schwimmerin und Swimtrek-guide 2009 beigebracht hat: Reach – Roll – Relax.

Inzwischen hatte ich ein gutes Reisetempo drauf und schloss nach 500 Metern zu einem Grüppchen auf, wo ich mich eine Weile an ein Paar Füße hängte. Voriges Jahr hatte ich erstmals an 5k-Schwimmwettbewerben teilgenommen und war beim Pacing noch recht unsicher gewesen. Diesmal hatte ich ein gutes Gefühl, dass ich ein für meine Verhältnisse ambitioniertes Tempo auch über die Distanz bringen konnte. Navigationstechnisch hatte ich wieder mal eine eigene Vorstellung von der richtigen Richtung. Ich driftete permanent nach rechts und korrigierte dann wieder nach links. In Summe kam ich zwar ziemlich gerade zum anderen Ufer, aber durch die dauernden Schlenker hatte ich am Ende 200 Meter mehr auf der Uhr als Axel. Einstweilen schwamm ich aber ruhig dahin. Nach dem ersten Kilometer ließ die Konzentration, oder war es die Meditation, kurz nach. Ich hielt in kurzen Abständen an, um mich zu orientieren, um an der Brille zu zuppeln oder sonst was Unproduktives zu tun. Barsch rief ich mich zur Ordnung und ging wieder auf Kurs. Reach – Roll – Relax. Dabei genoss ich die grandiose Natur um mich herum. Zwischen üppigem Grün sah ich am Ufer schroffe Felswände, die im oberen Drittel schon von der aufgehenden Sonne angestrahlt wurden. Der See lag derweil noch im Schatten einer Bergkette in unserem Rücken. Alle paar Minuten schaute ich kurz nach hinten und sah, wie über dem Kamm erst ein schmaler heller Streifen erschien, der immer breiter wurde, bis schließlich die aufgehende Sonne alles überstrahlte. Nach hinten konnte ich nicht mehr schauen, dafür hatte ich ein herrliches Spektakel direkt neben mir. Die Sonne leuchtete von hinten durch die Wassertropfen, die ich mit meinem Arm hochriss und ich schwamm durch ein funkelndes Diamantfeuerwerk. Über diesem Schauspiel hatte ich bereits die halbe Strecke hinter mir und fühlte mich immer noch prächtig. Die Mitschwimmer und die Begleiter mit ihren Kajaks oder Paddleboards waren weit über den See verteilt. Ich war so euphorisch unterwegs, dass ich nach einer Ausrede suchte, um nochmal umzukehren und von vorn anzufangen. Aber ich hatte ein Ziel vor Augen und Staffelkollegen, denen ich was von 1:40 bis 1:50 erzählt hatte. Reach – Roll – Relax. Zum siebten Mal piepste meine Uhr und zeigte damit die 3,5 km an. Voller Übermut erhöhte ich die Schlagzahl. 1.500 Meter schienen mir angemessen, um den Endspurt anzusetzen. Bei Kilometer 4,5 meinten meine Schultern, das sei nun doch etwas arg ehrgeizig, aber mit der Aussicht auf baldige Ankunft konnte ich sie überreden, das Tempo zu halten. Die Sonne stand inzwischen so hoch, dass ihre Strahlen schräg nach vorn ins Wasser tauchende Lichtbänder zauberten. Das Strandbad kam in Sicht. Ich hielt ein letztes Mal inne, um nach dem Ausstieg zu sehen und hielt darauf zu. Die Stufen waren ziemlich hoch, aber die Helfer waren zur Stelle und hievten mich in die Senkrechte und die Treppe hinauf. Normalerweise lobe ich die Helfer, wenn ich über die Einfahrt in T2 berichte, aber bei einer Staffel ist alles ein bisschen anders. Deshalb an dieser Stelle EIN DREIFACH HOCH AUF ALLE HELFER BEIM SOCIALMAN! Oben stand schon Mark mit meinen Badelatschen, die er mir übergab und auf die Radstrecke peste. Dann sah ich auf die Uhr. Und weckte die letzten Langschläfer des Bundeslandes mit einem Jubelschrei. 1 Stunde 33 Minuten, weit schneller, als meine kühnsten Erwartungen!

Sarah und Matthias brachten mich zu meinem Auto. Ich zog mich um und wir gingen gemeinsam zum zweiten Frühstück. Als das Adranalin allmählich runterging merkte ich, dass ich doch ein bissl was getan hatte. Kaffee und Käichl brachten mich wieder in Form. Dann hatte ich den ersten Blondflash des Tages: die schöne Straßenkarte (aus Papier, in der Buchhandlung (!) extra für diese Gelegenheit gekauft), in die ich mit rotem Filzer die Radstrecke gemalt hatte, war unauffindbar! Mark hatte uns zwar versichert, er brauche keinen Support und wolle an der Tanke Wasser kaufen, aber wir wollten ihn trotzdem unterwegs zumindest mal anfeuern. In der Pacenote war die Strecke über etliche Seiten verteilt. Zum Glück hatte der Veranstalter GPS-Tracking von Durtytracking gebucht. Das funzt zwar auf dem iPhone gar nicht, aber meine jugendlichen Kollegen hatten Telephone dabei, auf denen wir Marks Weg gut verfolgen konnten. Wir  beschlossen, von Abtenau aus entgegen der Rennrichtung zur Postalm zu fahren, wo die Radler nach einem der vielen anstrengenden Anstiege durchkommen sollten. Bis Abtenau ging alles klar. Danach schlug die Situation in Slapstick um. Ich war ja fein raus. Normalerweise bin ich es, der in einer eindeutigen Situation den einzig falschen Weg einschlägt. Diesmal fuhren Sarah und Matthias voraus und ich hinterher. Nachdem wir einen komplexen pas de quatre um einen Milchlaster herum aufgeführt hatten, wurde die Straße immer schmaler. Wenn das die Rennstrecke war und die Radler von oben runter kamen, dann würde das gewaltig eng werden! Nach einigen Kilometern bog das Auto meiner Freunde in einen Waldweg ein. Nach den ersten “Radfahren verboten”-Schildern kamen mir Zweifel. Aber ich bschloss, so lange einfach hinterher zu fahren, wie die beiden unbeirrt voraus fuhren. Immer enger und kurviger wurde der Weg, bis wir schließlich die rettende Straße vor uns erblickten. Nur leider: 10 Meter vor der Einmündung versperrte eine abgeschlossene Schranke den Weg. Wir blickten uns alle drei ziemlich bedröppelt an. Dann wendeten wir mühsam auf dem engen Waldweg und fuhren zurück.  Ich habe bis heute nicht gefragt, wer in diesem Auto navigiert hat und welche Diskussionen geführt wurden. Und ich will es auch nicht wissen. Ich schließe aber nicht aus, dass hier um die Blondhaarperücke mit Eichenlaub und Schwertern gekämpft wurde ;-) A propos blond: Weil Sarah blond ist und ich mir vorgenommen hatte, mich anständig zu benehmen, hatte ich am Vorabend vorsichtshalber Juristenwitze erzählt. Juristen sind ja die letzte Bevölkerungsgruppe, über die man ungestraft Witze reißen kann: alle anderen freuts und sie selber müssen so tun, als hätten sie Humor, weil sie andernfalls dem Witzklischee entsprechen – eine klassische Win-win Situation für alle Nichtjuristen! Dummerweise hatte mir keiner gesagt, dass Sarah Jura studiert… Immerhin kenne ich jetzt eine sympathische blonde Juristin.

Für die Postalm waren wir jetzt viel zu spät dran, darum lauerten wir Mark in Abtenau auf. Die Durtytracking-Seite zeigte uns recht zuverlässig, wann er käme. Er war inzwischen über drei Stunden unterwegs und hatte die halbe Strecke absolviert. Unser Wasser lehnte er dankend ab, er hatte inzwischen an der Tankstelle seine Flasche aufgefüllt. Wir feuerten ihn begeistert an und fuhren weiter zu T2. Vor uns erhob sich der Alpenhauptkamm in seiner ganzen Pracht. In meinem klimatisierten Auto schlackert ich mit den Ohren beim Gedanken an all die Social(wo)men, die bei dieser Affenhitze mit dem Rad da rauf mussten. Selbst mit dem Auto war der abschließende Anstieg nach Rauris eindrucksvoll. Wir hatten noch genug Zeit, um in Ruhe Mittag zu essen. Dann fuhren wir zur Wechselzone und machten uns hübsch für den letzten Teil. Davon demnächst mehr.

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Wenn ich groß bin, will ich blond werden – Bericht vom Socialman

Heute mach ich mal Spaßverderber und liefere die Auflösung ganz zu Anfang: Eines der vielen Phänomene beim Socialman Extremtriathlon waren die auffällig vielen blonden Frauen. Beziehungsweise die vielen auffällig blonden Frauen. Oder soll ich sagen: die vielen auffälligen blonden Frauen? In Österreich jedenfalls gehen Höchstleistung und blondes Haar gut zusammen. Aber auch Höchstleistung und jede andere Haarfarbe. Bei den Männern ist das traditionell schwieriger zu beurteilen, weil ja viele Triathleten oben ohne starten. Mit Ausnahme von Carlos Adrena, der Leistung und Lässigkeit mit langen hellblonden Haaren kombiniert. Und wenn wir schon bei den Haarspaltereien sind: Mein Teamkollege Mark hat angemerkt, dass er eine kognitive Dissonanz erlebt, wenn eine Veranstaltung im Geiste von Gemeinschaft und Inklusion die sportliche Latte dermaßen hoch legt, dass nur Extremspinner sich zu so was anmelden. Mein Gegenargument dazu war, dass die Öffentlichkeitswirkung bei einer solchen Veranstaltung halt viel größer ist, als wenn man ein Sportfest mit Rollstuhlschubsen organisiert. Womit wir bei der nächsten spannenden Frage wären: was hatte ich eigentlich dort zu suchen? Als Klippschulpsychologe führe ich hier meine visuelle Stimulierbarkeit (bestes Beispiel: meine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit für die Farbe blond (ist das eigentlich eine Farbe, oder nicht doch ein Bewusstseinszustand?))ins Feld. Wenn ich schöne Fotos von einer Veranstaltung sehe, melde ich mich spontan an und schaue hinterher, wo das eigentlich ist. Ich bin in facebook (wer’s nicht kennt, bitte selber googeln; wer nicht googeln kann… hat nix verpasst) über diese Veranstaltung gestolpert, habe die Fotos von 2014 gesehen und sofort beschlossen: da muss ich hin. Dass ich dort nicht als Einzelstarter antreten würde, war klar. Ich habe in meinem Leben, d.h. nach meinem 50., zwei Langdistanzen absolviert und erkannt, dass das nichts für mich ist. Der Socialman ist praktisch eine verschärfte Langdistanz. Das beginnt schon beim Schwimmen: 5000 Meter ohne Notausgang. Die Radstrecke geht über 185 km und etliche Pässe, hat über 3000 Höhenmeter und solch Scherze wie 3 km am Stück mit knapp 20% Steigung aufzuweisen. Der abschließende Lauf ist mit 25 km zwar relativ kurz, dafür geht er auf das Hochtor beim Großglockner. Ich zitiere von einem englischen Triathlonportal: Why is the run so short? – Look at the profile, it’s swim-bike-crawl! Ein Einzelstart kam also nicht in Frage. Aber da ich schon mal freiwillig 5 km geschwommen bin und um das zwiespältige Verhältnis vieler Triathleten zu dieser Teildisziplin weiß, war ich mir sicher, dass ich einen Platz als Staffelschwimmer finden würde. Nach einigen Wochen kam die Rückfrage vom Veranstalter, ob ich auch den zweiten Teil der Laufstrecke übernehmen könne, nämlich den Part, den ein Rollstuhlfahrer beim besten Willen nicht mehr schafft. Klar doch, antwortete ich und war in einer von acht (glaube ich) Special-Staffeln gebucht. Danach schaute ich mir die Ausschreibung noch mal genauer an. Und stellte sofort mein Lauftraining um. Allein die Ausrüstungsliste für die Läufer füllt eine halbe Seite im Race Manual. Aber mit Ausrüstung kenne ich mich ja aus. Als erstes kaufte ich mir ein Paar Laufschuhe; Schuhe kann man ja schließlich nie genug haben, oder? Dann testete ich mehrere Rucksackmodelle. Am Ende besorgte ich mir das High-End Modell von Salomon, das einzige, mit dem ich die vorgeschriebene Ausrüstung ohne Druckstellen und ohne Gewackel transportieren konnte.

Parallel dazu nahm ich Kontakt zu meinen Staffelkollegen auf und begann die Planung. Mark Capek sollte radeln und Matthias Wastian den ersten Teil der Laufstrecke absolvieren. Da der Socialman quer durch Österreich führt und man vom Start zum Ziel mit dem Auto mehrere Stunden fährt, mussten wir die Logistik so organisieren, dass  am Ende wieder jeder sein Auto hat. Mit ein bisschen Kniffelei ließ sich das darstellen. Wir buchten die Unterkünfte und bereiteten uns vor. Bei mir hieß das, in die abendliche Laufstrecke ein Maximum an Höhenmetern einzubauen und auch mal in Kilo mehr in den Rucksack zu packen, als ich im Wettkampf mitnehmen musste.

Letzten Freitag wurde es ernst. Ich packte Schwimm- und Laufklamotten ins Auto und fuhr über Salzburg nach Bischofshofen. Dort traf ich Mark und wir fuhren mit einem Auto weiter zum Grundlsee, wo Matthias uns bereits eingecheckt hatte. Matthias hatte auch seine blonde Freundin dabei, die uns unterstützen würde. Nach einigem Hickhack bekamen wir dann auch das vierte Bett in unser Doppelzimmer, zogen uns das Race-Briefing rein und gingen zur Pastaparty. Josef Köberl lud noch zum Vollmondschwimmen ein, aber angesichts der Weckzeit um 3:55 kniff ich hier. Stattdessen genehmigten wir uns noch einen Absacker an der Bar und unterhielten uns über manche Feinheiten des Rollstuhlsports. Ich lernte, wie man aus einem Rollstuhl heraus ans obere Regal oder an die höheren Geräte im Fitnesstudio kommt. Und angesichts Matthias’ Oberarmen erübrigte sich die Frage, ob man mit einem Handbike gegenüber einem Fahrrad im Nachteil sei.

Die Nacht war dann ziemlich spontan rum – 3:55 habe ich bereits erwähnt. Im Frühstücksraum war schon gut Betrieb und auch auf dem Parkplatz wieselte alles durcheinander. Die Veranstalter verstauten Kajaks, Paddleboards und Videodrohnen; die Teilnehmer massierten Fahrräder und anderes Material. Gegen fünf Uhr fuhren wir rüber zum Start. Auch dort herrschte bereits munteres Treiben. Für die Statistik: es gab 25 Einzelstarter und eben so viele Staffeln. Selbst unter Beücksichtigung der Supporter war es also eine höchst familiäre Veranstaltung. Ich zwurbelte mich in meinen Neo und schwamm eine kleine Runde im mollig warmen Wasser. Absolut fazinierend: man sah rund zwei Meter weit und da waren richtige, lebendige Fische! Nach einigen Kilometern im Neckar und dem Tauchkurs in Plittersdorf war das für mich eine Sensation… Auch auf der Schwimmstrecke waren Specialstarter unterwegs: Yakut Dogan, ein Vereinskamerad von unserem Matthias, ist querschnittsgelähmt und Klaus Wallner beinamputiert. Gemeinsam mit den anderen 48 Startschwimmern gingen diese beiden kurz vor 1/2 6 ins Wasser und freuten sich auf einen ganz besonderen Wettkampf.

Fortsetzung folgt.

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Münster Day & Day

Wer bei der Überschrift gedacht hat: “Da stimmt doch was nicht”, hat gut aufgepasst. Die große Attraktion beim 24-Stundenschwimmen in Münster ist die Flutbeleuchtung des Kanals während der Nachtstunden. Fotos davon haben mich im Frühjahr spontan zur Anmeldung bewogen. Auch der Umstand, dass hier mal nicht im Becken geschwommen wird, wo alle paar Meter eine Wand im Weg steht, war ein Anreiz. Samstag früh fuhr ich los und war rechtzeitig zu Mittag am Kanal. Auf der Zeltwiese war noch jede Menge Platz. Eingedenk meiner Erfahrungen im Bottwartal suchte ich einen ruhigen Platz in der hinteren Ecke, wo es in der Nacht hoffentlich nicht so wuseln würde. Obwohl ich allein war, hatte ich das große Familienzelt mitgebracht, damit ich mich nachts umziehen könnte, ohne die verwegeneren Yoga-Stellungen durchzuprobieren oder Kamasutra-Trockentraining nach dem Motto: “den linken Fuß am Ohr vorbei in die obere Öffnung des Schlafsacks einführen; dies ist eine schwierige Position, nur die Übung kann sie lehren” zu betreiben. Das Zelt stand gerade, oder ander gessagt: just, als das Zelt endlich gerade stand, kam Warmduscherin Sigi vorbei, um zu grüßen. Ich hatte in Münster die Ehre, das Warmduscherteam zu organisieren. Keine leichte Übung, wenn die Hälfte der gemeldeten Leute im letzten Augenblick verhindert ist und dafür ein paar andere auftauchen, die keiner auf der Liste hatte; dass ich niemanden davon vorher in echt gesehen hatte, war eine zusätzliche Herausforderung. Danke an Barbara, die am Ende eine super Frauschaft (mit ein paar Gastmännchen) für uns zusammengestellt hat.

Aber abgesehen von meinem schwachen Auftritt als Teamkäptn lief alles prächtig an. Im Kanal waren Bojen und Trennbalken verankert und neben dem Startplatz trieb ein Ponton für die Rundenzähler auf dem Wasser. Pünktlich um 2 ging das Gros der 350 Teilnehmer mit Hurra auf die Strecke. Ich ließ mir etwas Zeit und startete eine Viertelstunde später hinterher. Im ersten Anlauf schaffte ich 5 km, dann machte ich eine kleine Pause. Die nächste Runde war 3 km lang, dann kam ein 2er. Als es auf die 10 km zuging, stieg die linke Schulter langsam aus. Ich bekam den Arm nur unter zunehmenden Schmerzen nach hinten und oben. Gegen halb neun schwamm ich noch einen Kilometer, dann war Feierabend, ich konnte den linken Arm kaum bewegen. Frustriert verzog ich mich ins Zelt und verbrachte eine kurze Nacht.

Am Morgen ging es der Schulter nicht besser. Frustriert beschloss ich, abzufahren. Nur noch das Zelt trocknen lassen und früh stücken. Ich war gegen 5 aufgewacht und setzte mich mit meinem Kaffee an den Kanal. 3-4 Unentwegte waren im Wasser. In Münster ist die Devise: wer schläft, verliert. Beim Anblick der Schwimmer, die ruhig ihre Bahnen zogen, packte mich die Lust, doch weiter zu machen. Vielleicht würde ja eine Massage helfen? Eine Stunde später weckte der DJ Westfalen mit Hell’s Bells und kurz darauf kamen auch die Masseurinnen an. Ich schilderte mein Problem und die junge Frau meinte, sie würde sich das mal ansehen. Ich hatte eine schöne Verspannung neben dem linken Schulterblatt, die ziemlich einfach akustisch zu lokalisieren war: bei Berührung gab ich Laut. So früh war im Physiobereich noch nicht viel los und ich bekam eine ausgiebige Luxus-Sonderbehandlung. Danach konnte ich tatsächlich noch 5 km drauflegen. Mit insgesamt 16 km war ich unter meinen bisherigen Ergebnissen und weit hinter meinen Erwartungen geblieben. Und weil das die kürzeste Nacht des Jahres war, habe ich vom Flutlicht überhaupt nichts mitbekommen, bin nur an einem Tag geschwommen und dann am nächsten Tag nochmal.

Meine Teamkameradinnen haben es dafür rausgerissen: Sigi schwamm mit 50 km neuen Rekord für Flossenschwimmer, Grith mit 45 km einen neuen Rekord für barfuß.

Ich ließ mich nochmal durchmassieren und fuhr heim. Sven zog mir noch tüchtig die Löffel lang, weil ich unsere Teamergebnisse nicht wusste. Nach einer weiteren Massage am Mittwoch konnte ich Freitag wieder vernünftig schwimmen. Für den Socialman nächste Woche bin ich guten Mutes; Im August in der Naab wird sich dann zeigen, ob ich mehrere Tag hintereinander zweistellige Strecken packe.

Grit Kraene Schwimmer Zaehler

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Erkundung der Naab

Einige Wochen lang war ich tüchtig sportlich gewesen, habe auch tüchtig eingekauft. Der dritte Laufrucksack passt jetzt tatsächlich perfekt, es ist auch kein Rucksack, sondern die S-Lab sense irgendwas Laufweste von Salomon. Mit der habe ich schon einige Trainingsläufe absolviert, sehr zum Erstaunen der anderen Jogger, denen ich begegnet bin. Die ganze Ausrüstung, die ich für den Socialman mitschleppen muss, passt gerade so hinein. Das ist auch gut so. Wenn ich die größere Weste gekauft hätte, hätte ich die mit Sicherheit auch vollgepackt. Das Training, zum Teil mit extra Ballast, macht sich anscheinend bemerkbar. Ich komme inzwischen die drei Treppen am Hungerberg laufend hoch und kann oben auch weiterlaufen; vielleicht habe ich aber auch nur das ideale Tempo für die Treppen gefunden…

Da also das Socialmantraining gut läuft und auch die Hauptversammlungseinladung termingerechet veröffentlicht ist, konnte ich ruhigen Gewissens ein paar Tage frei nehmen, um die Naab zu erkunden. Die Naab möchte ich im August hinabschwimmen. Mit Kanuführer und Google Earth habe ich mir schon ein Bild davon gemacht, weiß aber nicht sicher, ab wo das Flüsschen schwimmbar ist. Deshalb die Besichtigung vom Radweg aus. Samstag früh lud ich meinen Sohn (der schon im Herbst leichtsinnig zugesagt hatte), zwei Räder und Gepäck für alle Lebenslagen ins Auto. Zusammen mit dem Regengebiet fuhren wir nach Oberwildenau. Der Regen zog weiter, wir blieben. Dank dem Fahrradträger auf der Anhängerkupplung waren die Räder erstaunlich sauber und trocken. Wir gingen erst mal ins Stehcafe, um die wichtigsten Sachen zu erledigen. Leider war das Stehcafe nicht gebührend auf mich vorbereitet. Wenn ich, nach 25 Jahren im Exil, in meine alte Heimat zurückkehre, spreche ich spontan die Sprache meiner Kindheit (oder was ich als verbildeter Städter dafür halte). Die Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin konnte allerdings mit meiner Frage nach dem “Heisl” gar nichts anfangen. Offenbar war der Betrieb ISO-zertifiziert und dieser Prozess in dieser Abwandlung nicht beschrieben. In Annäherung an das Schriftdeutsche (frei nach El Abadalya: “Ich rede mit meinen Kindern nach der Schrift”) reformulierte ich meine Frage unter Verwendung des Begriffs “Klosett”. Damit konnte das Moidl was anfangen. Ja, es gebe ein Klosett. Aber da dürfe ich nicht hinein, das sei dem Personal vorbehalten. Gedanklich formulierte ich eine Kombination aus ISO 9000 und einem Fäkalausdruck. Zu unserem Glück gab es hinter dem Bahnhof, der wegen Renovierung geschlossen war (wozu auch immer, Züge halten dort nur auf Anforderung), ein lauschiges Gebüsch, in das wir abschlugen.

Wir nagelten das Gepäck an die Räder und fuhren erst mal zum Fluss. Die Naab sieht am Bootseinstieg eigentlich gut schwimmbar aus. Wissen werde ich das aber erst, wenn ich hineinsteige. Zum Ausprobieren war es mir einfach zu kalt, das muss warten bis August. Durch das trübe Wasser kann man nicht erkennen, wie tief der Fluss ist und ob er vielleicht total mit Wasserpflanzen zugewuchert ist. Ich machte ein Foto und wir radelten los. In zwei Etappen fuhren wir am Samstag die 45 Kilometer bis Schwandorf. Dieser Teil ist nicht besonders attraktiv, man hört fast ständig den Verkehrslärm von der nahen Autobahn. Über weite Strecken fährt man an der Bahnlinie entlang, die zum Glück kaum befahren ist. Einmal kamen wir an eine geschlossene Schranke, die auf Knopfdruck für uns geöffnet wurde. Zwischendurch fuhren wir auch mal durch Waldstücke, in denen die Vögel nach dem Regen ein Konzert für uns zwitscherten.

Eine Stunde nach Schließung des Fremdenverkehrsbüros kamen wir in Schwandorf an. Das erste Haus am Platze hatte Betriebsurlaub, wohl um dem Rummel in den Pfingstferien zu entgehen. Wir kamen schließlich direkt am Fluss unter, in einem lauschigen Hotel aus den Siebzigern. Wer Nostalgie nach farngrauen Flachspülklosetts verspürt, ist dort bestens aufgehoben. Abgesehen vom Stil der Sanitärinstallation ist das Baier aber durchaus in Ordnung.

Sonntag früh ging’s weiter. Erst war es noch hurtig frisch, aber langsam setzte sich die Sonne durch. Kurz hinter Kallmünz machten wir Rast beim Birnthaler in Krachenhausen. Nach einer kleinen Stärkung fühlte ich mich mutig genug, um das Wasser jetzt doch ernsthaft anzutesten. Die Temperaturmessung verschob ich vorsichtshalber auf nachher. Mit Badehose, Schwimmbrille und Fotoapparat bewaffnet schwamm ich bis in die Mitte des hier schon stattlichen Flusses, wo ich einige Kanuten erschreckte. Die anschließende Messung zeigte gut 16°, was mir plausibel schien.

Mein Sohn hielt wacker durch, aber hiner Etterzhausen war eine größere Rast vonnöten. Ich ergriff die Gelegenheit und ging nochmal schwimmen. Mit einem kleinen Hindernis. Die Badehose war nirgends zu finden! Die hatte ich beim Birnthaler liegen lassen! Ich sah mir das Ufer genauer an. Zwischen dem – am Sonntag viel befahrenen – Radweg und dem Fluss wuchs dichtes, hohes Gestrüpp. Alle ca. 50 Meter gab es einen schmalen Pfad für Angler. Also Handtuch um die Hüfte, Brille und Kamera gepackt und ab in die Büsche. Eine gelbe Lilie sollte mir den Ausstieg weisen. Dank meiner Gschamigkeit war ich ohne viel Umstände flott im kühlen Wasser und kraulte los. Zu meinem Erstaunen gewöhnte ich mich schnell an die Temperatur und schwamm rund 150 Meter flussaufwärts, bevor ich wendete und nach meiner Lilie suchte. Ein Ausstieg an der falschen Stelle wäre jetzt ausgesprochen lustig geworden. Lebhaft konnte ich mir die Durchsage auf Bayern 3 vorstellen: “In beiden Fahrtrichtungen Behinderungen durch Gaffer”. Kurz vor der Lilie begegnete ich wieder ein paar Kanuten. Dezent ließ ich die Körpermitte absinken und beantwortete höflich ihre Fragen. Kurz darauf fand ich unter der Lilie auch mein Handtuch wieder. Die Ameisen, die es sich darin gemütlich gemacht hatten, fanden das gar nicht lustig und bissen mich kräftig in den Hintern, was wiederum ich nicht amüsant fand. So gefühlsecht wollte ich das auch nicht haben!

Am frühen Nachmittag erreichten wir den Regensburger Bahnhof mit perfektem Timing. Wir lösten in aller Ruhe unsere Tickets am Automaten und legten in 90 Minuten die Strecke von zwei Tagen rückwärts zurück.

Was habe ich jetzt für mein Naab-Projekt gelernt? Erstens: für den schlammigen, mit Ästen und Steinen gespickten Grund habe ich mir heute ein Paar Schwimmschuhe besorgt. Zweitens habe ich immer noch keine Ahnung, ob man im Oberlauf schwimmen kann. Das wird Versuch und Irrtum. Die ersten Tage bin ich alleine unterwegs, da ist das nicht so tragisch. Ich werde den Pegel Schwandorf im Auge behalten, der steht aktuell bei rund einem Meter. Wenn es im Juli und August nicht regnet, kann ich den Oberlauf wohl abschreiben. Am Wochenende, an dem ich auf Mitschwimmer hoffe, nehmen wir dann einfach einen Abschnitt weiter unten. Ab der Vilsmündung dürfte es keine Probleme mehr geben.

Aber schee is scho:

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