Ein würdiger Abschluss

Die Euphorie vom Amsterdam City Swim hielt noch vor, als schon das nächste event anstand: Das Schwimmdings Mettlach. Auch hier hatte ich, wie schon am Rottachsee, in einem Anflug von Größenwahn die 5000 Meter gemeldet. Samstag nachmittag warf ich die Kinder ins Auto und wir fuhren los. Dieser Wettkampf war in zweifacher Hinsicht eine Besonderheit: er war der letzte in diesem Jahr (wenn ich nicht noch was melde, aber Offenwasserschwimmen im Zeitraum Oktober-Dezember ist nicht so mein Ding). Und ich sollte hier zum ersten Mal Leute in echt treffen, die ich bislang nur aus facebook kannte.

Drei Stunden und etliche Staus später kamen wir in Püttlingen an, wo wir die Übernachtung gebucht hatten, schräg gegenüber vom Haus der Veranstalterin Anna Krämer. Wir checkten in der Unterkunft ein, die einen respektablen Platz im Ranking der Heimatidyllepflege verdient hat. Meine Tochter zählte allein in unserer Ferienwohnung vier Gottesmütter, sieben Gottessöhne und neun ältere Herren mit Pfeife, in Öl, Acryl und Petit Point. Abgesehen vom Kunstgeschmack war die Bleibe aber erstklassig! Wir verstauten unser Geraffel und gingen über die Straße zu Krämers. Anna, ihr Mann Frank, Anke und Andreas waren schon vor Ort. Und was soll ich sagen? Im sogenannten real life waren die noch weit sympathischer als auf facebook! Anna wollte uns noch ihren neuen Lieblingsweiher im Wald zeigen, aber Jürgen war noch unterwegs, irgendwo im Stau. Kurz vor fünf beschlossen wir, ohne ihn loszuziehen. Zu viert fuhren wir rüber in den Wald und wanderten ein gutes Stück (laut Frank 5 Minuten, im real life ein paar mehr). Anna nutzt dieses Gewässer, um sich auf die Kälte in der Straße von Gibraltar vorzubereiten, die sie 2015 queren will. Ich will nichts queren, stieg aber trotzdem -mit aller gebotenen Vorsicht – ins knapp 18 Grad kühle Nass.

Weiher1

Ein paar Spaziergänger beobachteten uns argwöhnisch; als Andreas rief: “Auf Bahn vier ist noch Platz!”, suchten sie ihr Heil in der Flucht. Die nette Gesellschaft ließ die Kälte schnell vergessen und wir plantschten fröhlich den Weiher runter. Mittendrin hatte plötzlich jede(r) einen Fotoapparat zur Hand. Ich einen herkömmlichen in Plastikgehäuse, die Mädels je einen von Haus aus wasserfesten.

Weiher2

Nach einer Fotosession schwammen wir weiter zum Ende des Weihers, wo die Temperatur durch den Zufluss noch um ein Grad runterging. Auf dem Rückweg schlugen wir zu meiner Erleichterung ein flotteres Tempo an, das mich wieder halbwegs auf Betriebstemperatur brachte. Nach 25 Minuten waren wir wieder am Ausgangspunkt und zogen uns um. Manche locker in T-Shirt und Shorts, ich mit allem, was ich dabei hatte.

Zurück in Püttlingen trafen wir Jürgen, der sich gerade von der couch-potato zum Kanalschwimmer morpht. Das Abendessen im Hause Krämer ging bis Mitternacht. Mein Töchterlein lästerte heftig über die Herrschaften in fortgeschrittenem Alter, die sich rund um den Tisch über ihre Telefone beugten und sich gegenseitig Freundschaftsanfragen auf facebook sandten. Nachdem reichlich Essen und Trinken vertilgt (und großteils auf facebook geteilt) waren, stellten wir schockiert fest, dass wir anderntags noch 5 Kilometer schwimmen sollten! Schweren Herzens verzogen wir uns in unsere Betten.

Wenige Stunden später saßen wir wieder um den gleiche Tisch, der sich unter einem reichhaltigen Frühstück bog, stopften uns voll und verglichen facebook-Einträge. Anna musste als erste los. Zusammen mit Doris Gerz hatte sie in monatelanger Arbeit die Veranstaltung organisiert und mit einer Unzahl von Behörden klar gemacht, dass etliche Fußgänger für mehrere Stunden die Saar für sich haben sollten. Das Gros der nervenaufreibenden Arbeit lag zwar hinter ihr, aber am Veranstaltungstag selbst gab es noch genug Stress. Wenig später fuhren auch wir hinüber nach Mettlach, zum Ort des Geschehens. Nach und nach sammelte sich ein lustiges Völkchen. Namhafte Größen der Offenwasserszene plauderten angeregt mit ehrgeizigen Amateuren und absoluten Dilettanten. Vier Strecken, von 500 bis 5000 Meter, waren ausgeschrieben. Kurz vor eins verteilte die Wasserwacht die Bojen in der Saar und Anna erklärte uns, wer wann wo wie um diese rumschwimmen sollte. Wir starteten in zwei Gruppen: erst die Starter über 500 Meter, dann alle Starter der längeren Strecken, von denen man annehmen durfte, dass sie wüssten, was sie tun. Mit letzteren ging ich über die Rampe ins Wasser. Auf dem Weg zur ersten Boje sortierte ich noch mal meine Garderobe und spülte die Brille aus, dann schwamm ich zügig los. Meine Premiere über 5000 Meter zwei Wochen vorher hatte mir Vertrauen gegeben und ich schlug früh ein Tempo an, das ich mir zutraute. Das überschaubare Feld hatte sich schnell sortiert und bald waren nur noch wenig Leute in meiner Nähe. Eine Zeit lang konnte ich einen Kollegen draften, aber auf dieser Strecke führen schon geringe Tempounterschiede zu einem deutlichen Abstand. Die stressige Rechnerei: wie viel hab ich schon, wie viel muss ich noch? konnte ich nach und nach verdrängen und kam in einen guten flow. Zwei Runden zu je 2000 Meter und eine kurze von 1000 vergingen wie von allein. Das letzte Stück war noch mal eine mentale Herausforderung. Auf dem Wasser sind Entfernungen schwer zu schätzen und vom Sichten des Zielbogens bis zur Ankunft war es ein gutes Stück zu schwimmen. Schließlich nahmen mich Andreas und Frank in Empfang und reichten mich an Anna weiter, die mir über die Zeitnahmematte half. Nach üppiger Zielverpflegung ging ich rüber in die Dusche, gerade noch rechtzeitig, bevor das warme Wasser alle war – sorry, Jürgen! Ein Blick auf den Zeitnahmebildschirm zeigte mich auf Platz sechs. Respektierlich, in anständiger Zeit, aber nix Weltbewegendes. Ich verabschiedete mich von alten und neuen Freunden, sammelte meine Klamotten und Kinder ein und reihte mich in den Rückwegstau ein. Erst am Montag begriff ich, dass Platz 6 overall, wenn vor dir vier Weibchen sind, Rang zwei bei den Männchen bedeutet! Ein Podestplatz, und ich stand nicht körperlich auf dem Treppchen… Egal, wenn Anna das noch mal auf sich nimmt, kämpfe ich halt 2015 nochmals um einen Podestplatz und bleibe bis zur Siegerehrung.

Reichlich Fotos von der ganzen Veranstaltung gibt es hier:

https://www.facebook.com/pages/Das-Schwimmdings-Mettlach/223237511200240

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Amsterdam City Swim live und in Farbe

Der große Tag. Irgendwann im Frühjahr hatte ich mich spontan zum Amsterdam City Swim angemeldet. Im weiteren Verlauf kamen immer mehr Offenwasser-Veranstaltungen dazu, so dass mein Sportjahr völlig von der Schwimmerei dominiert wurde. Das Triathlon-Sandwich im Juni ist dagegen glatt verblasst, so schön es auch war. Der kühle und verregnete Sommer war auch nicht wirklich Fahrrad-freundlich, dafür perfekt geeignet für sportliches Schwimmen im Freibad. Ich hoffe nur, dass nicht allzu viele Freibäder mangels Sonnenschein-Planschern darüber pleite gegangen sind.

Jetzt war also der Saisonhöhepunkt endlich gekommen. Nach dem Frühstück saß ich auf meinem Lieblingsplatz, der schwimmenden Terasse vor dem Hotel und freute mich an der Morgensonne. Das Wasser der Herengracht lag glatt zwischen den Backsteinmauern und spiegelte die hohen schmalen Häuser. Erstes Herbstlaub trieb auf der Oberfläche und aus irgendeiner Ecke wehte ein Rest Haschischduft von Samstagnacht übers Wasser – ruach elohim…

morning1 morning2 morning3

Lange hielt ich die Ruhe aber nicht aus, der bevorstehende Wettkampf schickte seine Adrenalinschübe voraus. Ich schnallte die Schwimmtasche auf den Gepäckträger meines halblautstarken Mietrades

loudbike

und quietschte los. Natürlich viel zu früh. Einlass war ab 11 Uhr und wir hatten gerade mal zehne durch. Ich beschloss, noch eine spontane Stadtrundfahrt zu machen. Samstag hatte ich die Ostseite des Hafens erkundet,

noway

jetzt schaute ich mal den Westen an. Als ich gerade umdrehen und Richtung Startgelände radeln wollte, sah ich, dass weiter links ein viel idyllischerer Weg an den Kanälen entlang führte. Dem folgte ich, bis die Wegweiser zum Bahnhof in eine ganz andere Richtung zeigten, als ich vermutete. Was tun? Das Telefon hatte ich im Hotel gelassen, der postkartengroße Stadtplan aus dem Hotel musste zur Orientierung genügen. Ich stellte schnell fest, dass ich viel zu weit nach Süden abgedriftet war. Ich korrigierte die Richtung und trat sportlich in die Pedale, was mein Untersatz mit erhöhtem Gewackel und neuartigen Geräuschen quittierte. Kurz nach elf kam ich am Marinestützpunkt an. Was von Weitem wie transportable Absperrgitter aussah, erwies sich aus der Nähe als transportable Fahrradabstellanlage. Ich sicherte das Gefährt, das beim Abkühlen noch bedenklich knackte, mit der fetten Kette (die wesentlich zur Fahrstabilität wie auch zum Gesamtwiederverkaufswert beitrug.) Immerhin fiel es nicht, wie weiland das Blues-Mobil, in rauchende Stücke auseinander.

Auf dem Marinegelände waren riesige Festzelte aufgestellt, eines für die Registrierung und ein doppeltes für die Bewirtung. Alles an diesem Tag war großzügig überdimensioniert, auch bei voller Auslastung bin ich nirgends lange angestanden. Bei der Registratie bekam ich meine Schwimmütze mit zwei eingebauten Zeitnahmechips und ein Armband. Dann nahm ich im Hospitality-tent mein zweites Frühstück ein. Und weils so schön war, gleich noch ein drittes. Anfangs dachte ich, ich wäre versehentlich in der VIP-Lounge gelandet, aber dieser Fresstempel war tatsächlich für das gemeine Volk bestimmt. Statt Bierzeltgarnituren standen Stehtischchen mit Barhockern rum, dazwischen aufblasbare Couchgarnituren. Ständig wuselten Crew-Mitglieder durchs Zelt und füllten die Teller mit chocolate chip cookies, doughnuts und muffins auf. Ich musste aufpassen, vor dem Schwimmen nicht zu viel einzuwerfen!

Die gut 2000 Teilnehmer sollten ab 13 Uhr starten, alle fünf Minuten 100 Leute. Ich war um 13:10 in der dritten Startwelle. Gegen halb eins brach ich mein viertes Frühstück ab und ging mich umziehen. Als Umkleiden fungierten Konferenz- oder Schulungsräume der Marinebasis. Im schicken Neopren watschelte ich dann zum Start. Auch dort war alles durchorganisiert. Die erste Welle stand schon am Ponton bereit, die zweite Welle war im Vorstart-Zelt geparkt und vor diesem sortierte sich langsam die dritte Startgruppe samt meiner Wenigkeit. Der Startschuss kam aus einer echten Haubitze und schon legten die ersten hundert Leute mit ihren silbernen Badekappen los. Die hundert Rotkäppchen rückten nach auf den Ponton und wir Weißkopf-Gänse versammelten uns im Zelt, um kurz darauf unsererseits ans Wasser zu drängeln. Nach drei Tropfen Regen am Vormittag stand jetzt eine strahlende Sonne am Himmel. Die Stimmung an der Startrampe war mit freudiger Erregung elektrisch geladen. 2000 Meter sind nicht viel für einen Schwimmer, nicht einmal für einen Triathleten, aber viele Teilnehmer waren weder das eine noch das andere und noch selten so weit geschwommen. Manchen sah man die bange Nervosität an, die meisten waren aber einfach nur gut drauf. Gut drauf war überhaupt das Leitthema des Tages. Wenn man sich die Fotos auf der Veranstalterseite anschaut, fragt man sich, ob diese Horde dämlich grinsender, in Gummi gewandeter Leute eventuell durch den Abwasserkanal der örtlichen Cannabisplantage geschwommen ist.

Sind wir aber nicht, sondern beim Startschuss in das Becken des Museumshafens gesprungen. Mit meinen 54 Lenzen habe ich mir das Springen verkniffen und habe mich langsam über die Kante gleiten lassen. Die Startzeit wurde eh nicht beim Schuss genommen, sondern unter der Sensorbrücke in 30 Meter Entfernung. Ich zupfte in aller Ruhe Anzug, Hut und Brille zurecht und schwamm der aufgeregt plantschenden Meute hinterher. Am Museums-Dreimaster vorbei ging es durch das Hafenbecken Richtung Nieuwe Herengracht und schon unter der ersten Brücke durch. Ab hier war die gesamt Schwimmstrecke von Zuschauern gesäumt. An den längeren Uferstrecken in losen Gruppen, auf den zahlreichen Brücken in dichten Trauben begrüßten sie uns lautstark und feuerten uns an. Ich schwamm vor jeder Brücke ein paar Meter Omabrust und hinter jeder Brücke ein paar Schläge Rücken (auch mal altdeutsch) und winkte zurück. Die Nieuwe Herengracht war das längste Teilstück. Mal ging es zwischen meterhohen gemauerten Schleusenwänden hindurch, mal an Grasböschungen entlang. Nach einem guten Kilometer erreichten wir die Amstel, in die wir links einbogen. Hier gab es Gegenverkehr, weil hinter der Mageren Brug eine Wendeboje lag. Demzufolge verdoppelte sich hier die Volksfeststimmung im Wasser und auf der Brücke. Schließlich ging es wiederum links in die Keyzersgracht. Ab hier waren Leinen gespannt

finish2

und man hörte den Radau vom Zielbereich, wo Radio Veronica die Massen mit Musik und Live-Reportagen beschallte. Ich machte noch mal richtig einen auf sportlich und schwamm beinahe zwei Kollegen über den Haufen, die vor dem Zielbogen schon mit high-five feierten. Ich schlug einen linken Haken um sie herum und feierte ebenfalls.

ziel1 ziel2

Die ganze Ausstiegsrampe war von Freiwilligen gesäumt, die uns auf die Füße halfen. In schneller Reihenfolge gab es Medaille, Dusche, Handtuch und Bademantel, Bouillon und Radler.

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Während am Start die Luft mit nervöser Erregung geladen war, herrschte hier nur noch unkontrollierte Euphorie. Ich hielt mich nicht lange auf, sondern schlappte mit meinen Finisher-Flipflops zum Pendelbus, der uns zurück zur Marinebasis brachte, von der wir gestartet waren und wo noch immer im 5-Minuten Takt Hundertschaften auf die Reise geschickt wurden. Ich zog mich schnell um und radelte zum Hotel. Dort gab ich schweren Herzens mein lieb gewonnenes Rad zurück. Nach einem Sprung durch die warme Dusche ging ich zu Fuß wieder zum Partygelände, wo die Menge langsam in Stimmung kam.

party2 party3 party4

Offiziell sollte das Buffett zwar erst um 5 starten, aber die Caterer fuhren bereits auf, was Küche und Keller hergaben. Auf der Leinwand konnte man sehen, wie die letzten Teilnehmer ins Ziel schwammen, gefolgt von der Safety-Crew auf ihren boards.

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Bis zur Siegerehrung wechselten sich ein Gospelchor und eine Rockband beim Bespaßen ab. Die Siegerehrung war eher lässig, schließlich lag der Schwerpunkt der Veranstaltung nicht im Wettkampf, sondern auf dem Charity-Aspekt und die meisten Teilnehmer paddelten einfach irgendwie durch – und kamen auch alle an. Anders wäre mein 89. Platz nicht zu erklären. Die schnellsten Jungs und Mädels bekamen Pokale und ein Wochenende im Hotel. Der größte Pokal ging aber an ein 11-jähriges Mädchen, das die höchste Spendensumme gesammelt hatte: über 15.000 Euro für die holländische ALS-Stiftung. Mir dagegen fehlen noch knapp 30 zu den versprochenen 400. Zum Glück ist die Spendenseite noch bis Ende September auf, so lange könnt Ich hier einen kleinen Beitrag leisten: http://amsterdamcityswim.nl/nl/donations/add/guenter-eckert

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Amsterdam für Anfänger

Drei Tage vor dem dritten Amsterdam City Swim war ich in der Stadt angekommen. Im ICE, nicht in der Badehose wie Andreas Fath, obwohl ich über den Neckar ja theoretisch in den Rhein reinkäme. Mein Hotel lag nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt. Die erste Sehenswürdigkeit war das Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof, Kapazität “etliche tausend”.

radhouse

Schon auf den ersten Metern lernte ich die Grund-Überlebensregeln im Amsterdamer Verkehr:

  • bewege dich in mäßigem Tempo stetig fort und beobachte aufmerksam, was in einem 160°-Sektor vor dir unterwegs ist und wo es hin will;
  • berechne die Trajektorien aller bewegten Objekte in diesem Bereich und suche dir eine kollisionsfreie Bahn dazwischen hindurch;
  • wenn du Rad fährst, halte das Telefon so, dass du beim SMSen die vorstehenden Regeln einhalten kannst;
  • wenn du eine Frau bist, die auf dem Fahrrad SMSt, nutze die andere Hand, um bei jeder zweiten Pedalumdrehung den Saum des Minirockes wieder runter zu ziehen;
  • wenn du neu in der Stadt bist, lass dich nicht von Frauen in Miniröcken ablenken, die beim SMSen Rad fahren;
  • auch nicht, wenn sie high heels tragen.

Der Vorteil von Miniröcken ist, dass man von den Drahteseln abgelenkt wird, auf denen die Holländer rumradeln. Die meisten dieser (überwiegend Holland-) Räder würden bei uns gerade so als Bahnhofsschlampen durchgehen. Interessant übrigens, dass Google mit dem Begriff “Bahnhofsschlampe” so gar nichts anfangen kann. Ich wollte hier einen link für Nicht-Radler reinlegen, finde aber keinen. (Nicht so schlimm, Nicht-Radler dürfen zur Not dumm sterben.) Jedenfalls sind die Räder, die man sieht, uralt und ungepflegt, dafür alle mit armdicken Kettenschlössern gesichert, deren Wert ungefähr doppelt so hoch ist wie der des zu schützenden Gefährts. Neben den Bahnhofsschlampen gibt es als zweite Kategorie Lastenräder. Mehrere Kindersitze auf jedem beliebigen Radtyp sind ein häufiges Accessoire (neben der obligatorischen Panzerkette als Fahrradschloss). Helme sind unbekannt; Schwimmwesten wären sinnvoll, habe ich aber nicht gesehen.

Nach anderthalb Tagen Pflasterhatscherei längs der traumhaften Grachten:

gracht1 gracht2 gracht3

nahm ich meinen Mut zusammen und mietete mir eine der betagten Rostlauben. Im Büro des Radverleihs wurde ich von einem gewissen Benedikt überaus zuvorkommend bedient. Mit zwei Zetteln in der Hand ging ich rüber in die Werkstatt, wo mir Meat Loaf das Rad überreichte und mich in die Absperrtechnik der beiden Schlösser einwies. Bei genauem Hinsehen konnte ich sogar erkennen, wo seine Lederweste (mit Rocker-gegen-Rechts Aufsticker) in die großflächige Tätowierung überging. Eine kurze Probefahrt endete mit Zahnschmelz-zerschleißendem Kreischen von der vorderen Bremse. Mit Kennerblick stellte Meat Loaf fest, dass der Gummi völlig runtergenudelt war, was ihn aber nicht weiter beeindruckte – schließlich hatte ich ja noch eine Rücktrittbremse. Zunächst vorsichtig, dann mit wachsendem Vertrauen in das Zweirad und meine Fahrkünste, radelte ich rüber zum Schifffahrtsmuseum. Nach vorschriftsmäßiger Sicherung des Rades besichtigte ich jenes und warf schon mal einen Blick auf das Startgelände für Sonntag. Danach radelte ich die Schwimmstrecke ab. In der Nähe des Ziels genehmigte ich mir meine ersten Bitterballen, nicht ohne vorher zu fragen, was das ungefähr sei. Nach der Beschreibung, die mir die Bedienung gab, bestellte ich dann keinen Kaffee dazu, sondern doch lieber ein Bier.

Den Abend verbrachte ich an meinem neuen Lieblingsplatz: auf der schwimmenden Miniterasse vor dem Hotel. Die schaukelte sachte auf den Wellen der Herengracht, direkt neben einem rudimentären Hausboot. Diese Hausboote üben auf mich eine magische Faszination aus. Es gibt sie in allen Varianten, von der schwimmenden Sperrmüllhalde über den liebevoll restaurierten Frachtkahn bis hin zum Bungalow auf Schiffsunterbau.

hausboot

Die Schattenseite dieser Art Behausung sollte ich Sonntag abend zu sehen bekommen…

Aber vorher soll noch geschwommen werden. 2014 Meter durch die Grachten, mit einer Schleife auf der Amstel. Reklame dafür gibts schon.

tretboot

Die Spendenseite ist übrigens noch bis 30.9.14 frei geschaltet!

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Ein schöner Auftakt

Nach den zwei Triathlons im Juni und dem Senegalurlaub bin ich gestern in die zweite Wettkampfserie dieser Saison eingestiegen. Statt Herbstmarathon steht dieses Jahr Schwimmen auf dem Programm, vor allem, weil ich das als Triathlet bekanntlich nicht kann. Dafür habe ich dieses Jahr schon über 100 Trainingskilometer unter der Wampe (das ist ungefähr so viel, wie ein Leistungsschwimmer in der Woche abhakt). Drei Wettkämpfe in drei Wochen habe ich gebucht. Die gruppieren sich um das Hauptevent, den Amsterdam City Swim, zu dem ich mich schon im April angemeldet hatte. Zur Vorbereitung gab es gestern das Rottachseeschwimmen. Vier Distanzen standen zur Wahl, wobei die 1 000 und 2 500 gleich wieder ausschieden; blieben 5 000 oder 10 000 Meter. Die 5k bin ich im Becken schon einige Male geschwommen und habe sie als todlangweilig in Erinnerung. 10k am Stück hingegen hatte ich noch nie und habe mich auch diesmal nicht rangetraut, also doch wieder 5.

Man hätte auch am Morgen anreisen können, aber ich habe vorgezogen, in der Nähe zu übernachten. In Isny gab es trotz Eurobike noch ein Zimmer. Beim großen Stadtrundgang (14,5 Minuten) fand ich dieses schöne Ensemble: eine Pferdetränke nur für die Arztpraxis. Vermutlich Veterinär.

Foto

Samstag war ich früh genug in Moosbach, um die gesamte Schwimmstrecke vom Ufer aus zu erkunden. Die Bojen waren schon gesetzt und von den Hügeln hatte man einen perfekten Überblick. Überhaupt der Blick! Allgäu, bayerisches Voralpenland, ich fühlte mich wie in einer Kreuzung aus Merian-Heft und Bärenmarke-Werbung.

Foto 1 Foto 2

In der Nacht hatte es wie aus Kübeln geschüttet, jetzt riss die Wolkendecke auf und der Himmel präsentierte sich sich im kitschigsten weiß-blau. Fehlte nur ein Kirchturm mit Zwiebelspitze. Falsch getippt, der durfte natürlich nicht fehlen!

Foto 3

Allmählich wurde es voll am See. Bei der (ich glaube) fünften Auflage waren 100 Teilnehmer am Start, die meisten davon hartgesottene Langstreckenschwimmer. Ich outete mich als Frischling in dieser Zunft und wurde sofort ermuntert und ermutigt: “Wer 2 kann, kann auch 10, über 5 ist alles ähnlich”. Mein zaghafter Einwand, dass bei mir nach drei Stunden die Arme schwer werden, wurde mit dem Hinweis entkräftet, dass man sich das oft einbilde, in Wirklichkeit schwimme man wesentlich runder, als man selber glaube.

Der Start war um 14 Uhr geplant und so ab 1/4 nach Eins begann die große Modenschau. Auch in dieser Saison trägt man überwiegend schwarz, nur die Kopfbedeckung darf quietschbunt sein. Wir halb-harten 5000er trugen diesmal gelb,

Muetze

die ganz harten 10er oraasch und der Rest hellblau bzw. pink. Vorsichtig erkundeten wir das 17 Grad kühle Wasser und den Ufergrund, bemooste Kiesel. Schlückchenweise ließ ich Wasser in den Neo laufen und zupfte ihn zurecht. Als Brille hatte ich meine Gator in Sehstärke dabei. Mir fehlt zwar nicht viel, knapp 2 Dioptrien, aber auf die Entfernung im See – gut 300 Meter zur nächsten Boje – bringt die schärfere Sicht ein besseres Gefühl. Kurz vor Zwei gab es eine kurze Wettkampfbesprechung, dann stiegen alle wieder ins Wasser, artig über die Zeitnahmematte, und sortierten sich nach Mut und Selbstvertrauen. Ein Mann schwamm ärmellos und gleich zwei Frauen machten sich nur im Badeanzug auf den Weg. Der Starter gab die Minuten durch und am Ende zählten alle zusammen die zehn letzten Sekunden bis zur Tröte herunter. Ich schwamm am hinteren Ende des Pulks los und hatte meist reichlich Platz auf allen Seiten. Ich schlug ein gemäßigtes Tempo an, von dem ich glaubte, dass ich es durchhalten könnte. Das Pacing auf dieser Strecke war für mich komplettes Neuland. Bei meinen Flussschwimmen bin ich sehr unregelmäßig unterwegs und betreibe auch reichlich sightseeing. Im Wettkampf sollte man aber eher ein gleichmäßiges Tempo halten. Auf dem ersten Kilometer hatte ich noch gelegentlich Kontakt zu Mitschwimmern. Es ist erstaunlich, wie stark die Ansichten über den direkten Weg zur nächsten Boje divergieren können! Auch ich erschreckte einmal meinen Hintermann mit einem abrupten Stop zur Bekleidungskorrektur. Der Neo scheuerte unterm Arm und ich zupfte ihn nochmals ausgiebig zu Recht.

Gegen Ende der ersten Gerade, nach rund 1000 Metern, hatte sich das Feld endgültig sortiert und ich war ab hier alleine unterwegs. Ich hatte einen brauchbaren Rhythmus gefunden und kam gleichmäßig voran. Bis zum Start hatten mir die 5000 Meter gewaltige Ehrfurcht eingeflößt und einigen Bammel verursacht. Beim Schwimmen gewöhnte sich der Kopf an die Distanz und der Schrecken wich dem angenehmen Gefühl, die Strecke im Griff zu haben. Unter Wasser gab es leider nichts zu sehen, wir schwammen in einer grünbraun-schlammigen Brühe. Dafür war die Aussicht beim Luftholen oder Sowosama-Heber umso idyllischer. Auf der zweiten Längsseite des Rechteckkurses konnte man das weiße Betriebsgebäude des Kraftwerks anvisieren und sich Boje um Boje heranarbeiten. Dann ging es auch schon rechts ums Eck zum Landgang nach der ersten Runde. Rund 50 Minuten hatte ich für die 2500 Meter gebraucht und war damit ganz zufrieden. Am Tisch neben der Zeitnahmematte gab es reichlich Verpflegung. Junge Helfer schraubten Geltuben auf und füllten Getränke in Becher. AN DIESER STELLE MEINEN HERZLICHEN DANK AN DIE VERANSTALTER UND ALLE HELFER, IHR WART GROßARTIG! Ich ging auf volles Risiko, quetschte mir eine Tube Gel in den Mund und spülte mit Iso nach, ohne auf Marke oder Zusammensetzung zu achten. Ich hatte Glück und kam ohne Magenprobleme durch die zweite Runde. Vom Esstisch hüpfte ich hurtig wieder ins Wasser, bevor es mir an Land zu gemütlich wurde. Wobei ich selbst überrascht war, dass mich die Aussicht auf “noch mal so viel” nicht schreckte. Ab hier war mir die Strecke bereits vertraut. An der zweiten Wendeboje sah ich einen 10k-Schwimmer, auf den ich anscheinend aufschloss. Er blieb aber im gleichen Abstand vor mir, obwohl ich versuchte, das Tempo ein wenig anzuziehen. Nach 4 km fing die rechte Schulter an, zu zicken, aber nicht schlimm. Von Krämpfen in den Beinen, die sonst zuverlässig nach 3 km einsetzen, blieb ich übrigens komplett verschont. Von der letzten Boje zum Ufer gab ich noch mal kräftig Gas. Ich schwamm bis ins knietiefe Wasser, stand auf und lief die zwei Meter zur Matte. Ein Helfer klatschte mich ab und checkte im Schnelldurchgang meinen Allgemeinzustand, bevor er mich ans Finisherbuffett schickte. Das räumte ich erst mal gründlich ab, bevor ich mich in trockene Klamotten umzog. Ich schleppte meinen Krempel zum Auto und verkündete meine Heldentat der Stadt und dem Erdkreis über fb. Wobei das Heldentum mit Platz 20 von 22 überschaubar war. Auch mein furioser Endspurt hat nichts daran geändert, dass die zweite Runde langsamer war als die erste, das war aber bei fast allen Teilnehmern so. Während ich noch am Auto war, erreichte Nicky Lange nach 2:09 h als Erster das Ziel über die 10 km. Ich sah noch einige Teilnehmer auf die vierte Runde gehen, nicht alle sahen frisch aus. Ich hatte die 5 gut weggesteckt – ob es für 10 gereicht hätte? Es wäre spannend geworden, irgendwann probiere ich das mal. Jetzt freue ich mich schon auf die 2 in Amsterdam und die 5 in der Saar.

Für Amsterdam brauche ich übrigens noch eine Spende zugunsten der ALS-Stiftung – bei mir ganz ohne Eiswasser möglich!

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Fotos von der Naab

Sodele. WordPress ist gerade durchgeknallt und meint, der Internet Explorer sei ein Auslaufmodell. Dann probier ich das mal auf firefox, das scheint zu funktionieren. Worum geht’s? Im Eintrag über die Naab fehlen die Fotos! Hier reiche ich sie nach:

Thermo

Schiff

Erst mal habe ich die Temperatur gecheckt, derweil kam ein Schiff vorbei.

Start

Am Start in Pielenhofen war ich noch unsicher, dafür unzerknautscht

Angler
Idylle am Start.

Brücke

Hier geht’s durch.

Naab

Und da geht’s lang.

Pause

Zur Pause bereits Abnutzungserscheinungen.

 

Ziel

Am Ziel.

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Zurück im Regen

Nach einem kurzen Intermezzo im Senegal bin ich letzten Sonntag in die Oberpfalz zurück gekehrt. Der Kalender hatte das Wochenende (zu Recht) als nicht verplant und (zu Unrecht) als Sommer vermeldet. Nach der traumhaften Tour im Regen hatte ich als Nächstes die Naab ins Visier genommen und wollte die mal antesten. Schon die Anreise im Auto war ein Psychodrama. Die Außentemperatur konnte sich einfach nicht zwischen ein- und zweistellig entscheiden. In Mariaort hatte ich gar keine Lust zum Aussteigen. Böiger Wind schob graue Wolken durch die Gegend und verlieh der Naab eine wenig einladende Oberflächenstruktur. Ich schlich erst mal über den Parkplatz und erkundete die Uferregion, wo ich aussteigen wollte. Dann der erste Tiefschlag: der Krieger, bei dem ich mich am Ende aufwärmen und stärken wollte (“zum Essen schwimmen” war das Motto) hatte Betriebsurlaub! Ich ging meine Optionen durch: Einfach heim fahren kam ja gar nicht in Frage. Blieb die Entscheidung zwischen 2×4 km schwimmen, wie ursprünglich geplant, oder 7+4 km, wie zwischenzeitlich mal erwogen. Die Wassertemperatur von 17° war auch keine echte Entscheidungshilfe.  Andererseits gab es kein echtes Killerkriterium und genügend Notausgänge. Bevor ich unterkühlt auf den Grund des Flusses sinken würde, könnte ich immer aussteigen und maximal 4 km zurück zum Fahrrad oder vor zum Auto wandern, Handtuch und trockene Klamotten hätte ich im Drybag dabei. Also schnallte ich meinen Krempel auf den Buckel und radelte stromaufwärts. Die Naab, das konnte ich dabei sehen, ist wesentlich breiter als der Regen und mindestens so idyllisch. In weiten Bögen fließt sie durch ein bewaldetes Tal, dessen Bäume erste Zeichen herbstlicher Färbung zeigten. Vorbei an Etterzhausen und Penk fuhr ich bis zum Startpunkt in Pielenhofen. Nach und nach fiel mir ein, was ich alles vergessen hatte: die fehlende Vaseline würde für einen scheuernden Kragenrand des Neoprenanzugs sorgen; und vor lauter Konzentration darauf, den Autoschlüssel nicht im Fahrzeug einzusperren, hatte ich den Schlüssel für das Radschloss im Auto gelassen. In Pielenhofen stieg ich von der Brücke auf die Insel im Fluss. Das Radschloss wickelte ich kunstvoll um den Rahmen und um einen Pfosten und drapierte es so, dass es zugeschlossen aussah. Mittlerweile hatte die Sonne eine Wolkenlücke gefunden und bewarf mich zaghaft mit vereinzelten Strahlen. Ein Angler auf dem Wehr beobachtete verwundert, wie ich mich in den Neo zwängte, meine Klamotten in den Beutel packte und ins Wasser stieg. Es war hurtig frisch, aber noch diesseits von unerträglich kalt. Trotzdem hatte ich anfangs einige Mühe, einen vernünftigen Rhythmus zu finden. Immerhin ist die Naab breit und tief genug, um ohne Bodenkontakt vorwärts zu kommen, aber die Temperatur machte mich kurzatmig und ungelenk, so dass der Dreierzug nicht recht klappen wollte. Im Zweierzug schwamm ich los und unter der Brücke durch. Nach ein paar Minuten Einschwimmen fand ich mich zurecht. Die Temperatur war erträglich, wenn auch mehr Sonne schöner gewesen wäre. Auf dem ersten Abschnitt hatte ich reichlich Rückenwasser (wie Rückenwind, nur in flüssiger Form) und kam gut voran. Nach wenigen hundert Metern passierte ich in Poser-Manier den Campingplatz Pielenhofen. Bald darauf schwamm ich an der alten Wehrkirche von Penk vorbei, wo ursprünglich der Start geplant war.  Der weitere Weg war schön zu schauen, gibt aber in der Erzählung wenig her. Ich schwamm meinen Dreierzug mit gelegentlichem Sowosama-Heber. Ab und zu ließ ich mich auf dem Rücken liegend treiben und genoss die Aussicht. Links und rechts stiegen bewaldete Hügel an, überwiegend mit dunklen Laubbäumen bestanden. Vereinzelt leuchtete schon ein Baum in frühherbstlicher Färbung, wenn die Sonne mal durchkam. Kurz vor Etterzhausen, nach 6,8 km, stieg ich beim Badeplatz aus und machte Brotzeit. Eigentlich wollte ich hier eine Stunde pausieren, aber an Land war die Kälte weit unangenehmer als im Wasser. Ich mampfte meine Semmel und ruhte mich nur kurz aus. Zu meiner Freude stand am Badeplatz ein sehr gepflegtes Dixi, dem ich einen Besuch abstattete. Ich unterhielt mich noch kurz mit einem Paddler, der im Seekajak angekommen war und ebenfalls hier Rast machte, dann stieg ich wieder ins Wasser. Kurz darauf zogen schwarze Wolken über mich hinweg. Eine Zeit lang hatte ich links die Wolkendecke und rechts Sonnenschein. Im Dreierzug kann einen das richtig wirr machen! Nach 2 km überholte mich ein seltsames Gefährt, ein Kanadier mit Gummi-Ausleger und Elektromotörchen, quasi ein Paddelec. Kurz darauf kam auch der Seekanadier wieder an mir vorbei. Vor Mariaort gab es dann noch Wasser von oben. Welch Ironie! Vor zwei Wochen im Regen war ich meteorologisch trocken geblieben, jetzt kam ich in der Naab in den Regen! (Gibts eigentlich einen Fluss namens Traufe?). Dann war ich praktisch am Ziel. Ich spürte den bekannten Temperaturabfall durch die nahe Donaumündung. An einer kleinen Treppe stieg ich an Land, schoss in aller Eile das abschließende Selfie und sah zu, dass ich aus dem Neo raus und in trockene Klamotten reinkam. Die Heizung im Auto stellte ich erst mal auf Anschlag. In Pielenhofen fand ich mein Fahrrad unversehrt vor. Nach einer Verpflegungspause beim Seidl fuhr ich heim.

Mein Fazit von der Naab: ein wunderschöner Wanderschwimmerfluss. Nächstes Jahr, bei besserem Wetter, möchte ich sie in ganzer Länge beschwimmen. Wer mitkommen möchte, kann hier einen Kommentar hinterlassen. Und natürlich freue ich mich auch über eine Spende für meinen Start beim Amsterdam City Swim!

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Modou Fall im Sengal

Zur Zeit kann man Modou Fall in seinem natürlichen Habitat studieren – ich bin seit einer Woche im Senegal, abwechselnd in Dakar und Ngaparou. Einen kleinen Teil der Kalorien aus den drei reichlichen Mahlzeiten pro Tag konnte ich mit Sport verbrennen. Ein Lauf am Morgen und eine Runde im Atlantik zu Mittag reichen gerade, um nicht komplett aus dem Leim zu gehen. Heute früh habe ich wieder was dazu gelernt: bei knapp 30 Grad sollte man zum Laufen was zu Trinken mitnehmen. besonders, wenn man nach drei Kilometern beschließt, bis zum Monument der afrikanischen Renaissance weiter zu laufen und dann zurück, was unterm Strich auf 12 km insgesamt hinausläuft, von denen sich die letzten zwei gewaltig ziehen. Unterwegs habe ich gesehen, was meine Frau bereits berichtet hatte: am Sonntag sind ganze Gruppen Rennradler im vollen Ornat unterwegs. Jogger sieht man übrigens jeden Tag zu jeder beliebigen Zeit. Für den nächsten Heimaturlaub merke ich mir: Trinkgürtel mitnehmen! Der muss dann aber in den Koffer passen, mit dem Ding um die Hüfte komm ich nicht durch die Security am Flughafen.

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Nach dem Regen

Der Regen ist durch, als Nachtrag gibt es hier die Filmchen vom zweiten Tag:

http://youtu.be/sUpIkH1Z7ro

http://youtu.be/9BwNTcykEfg

Am Montag war ich ausgesprochen platt, wusste aber nicht, ob das von der Anstrengung kam oder doch von einer kleinen Sommergrippe. Muskeln und Gelenke haben das Abenteuer klaglos überstanden, obwohl am Ende des zweiten Tages der Ellbogen nicht mehr so gern nach oben kam. Ich werte das als ein Indiz, dass meine Technik zumindest nicht so schlecht ist, dass sie auf Selbstverstümmelung hinausläuft.

Auf dem Heimweg bin ich natürlich noch beim Seidl eingekehrt und habe die Schokoladenvorräte aufgestockt.

Mein nächstes Ziel ist die Naab, ein paar Meter westlich vom Regen. Schwandorf-Regensburg wäre mal eine gepflegte Ansage. Ich werde mir einen Kanuführer besorgen und die Etappen dazu ausdenken. Eventuell starte ich am 24. August einen Probelauf ab Penk. Mitschwimmer melden sich bitte beim regenschwimmer(at)yahoo.de.

Und auch hier darf mein Spendenaufruf im Zusammenhang mit dem Amsterdam City Swim nicht fehlen: Jeder Beitrag hilft!

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Fertig mit Regen (Tag 2)

Sonntag früh. Eigentlich sollte es in Strömen regnen. Tut es aber nicht, nur dicker Dunst weist darauf hin, dass nachts einiges runterkam. Ich schicke eine SMS an Sabine und lasse mir von meiner Heldenschwester einen Kaffee brauen. Eine Stunde später parke ich das Auto am Unteren Wöhrd und begutachte die Ausstiegsmöglichkeiten, die Bootsrampe der DLRG ist ideal für mein Vorhaben.

Regenmündung

Mit dem Rad fahre ich auf dem Regentalweg nach Norden. Das Schöne an dieser Vorgehensweise ist, dass man mehrmals hintereinander was von der Strecke hat: erst die Besichtigung vom Radweg aus, dann das Schwimmen im Fluss und zum Abschluss ein Resümee, wenn man das Rad abholt. Heute war ich zu früh dran und hatte meine sieben Zwetschgen bereits sortiert, als Sabine ankam.

Sabine

Sogar die Kamera war einsatzbereit, nach einer Nacht an der Steckdose. Frohgemut stiegen wir ins Wasser und schwammen los.

Start2

Wollten losschwimmen. Nur leider war zu wenig Wasser da. Wir begriffen das nicht: oberhalb des Wehres war der Regen schön tief, hinter dem Wehr irgendwas zwischen Knöchel und tiefer Wade. Unter Gemurmel gepflegter Verwünschungen stolperten wir über die groben Kiesel im Flussbett und knallten mit den Zehen gegen Steine. Wir testeten verschieden Techniken, auf dem Bauch, auf dem Rücken, krabbelnd, kriechend und scheuerten das gute Neopren über die Kiesel. Dass im Triathlon Kriechen eine erlaubte Fortbewegungsart ist, bewahrte uns immerhin vor einem Regelverstoß. Fraglich allerdings, ob die FINA mit unserer Interpretation des “front crawl” einverstanden wäre. Nach rund zweihundert Metern kamen wir endlich in schiffbare Gewässer. Wir machten da weiter, wo wir am Samstag aufgehört hatten: mit Genussschwimmen durch die Flussschleifen, zwischen dicht bewachsenen Ufern dahin. Rechtzeitig zur 10-Uhr-Messe kamen wir an der Zeitlarner Kirche vorbei und wurden mit Glockengeläut und Chorälen begrüßt. Mit der Ruhe war es ohnehin vorbei, weil wir schon die nahe Autobahn hören konnten. Nach rund 90 Minuten stiegen wir in Pielmühle an einer nagelneuen Treppe aus dem Wasser, die mit einem Schwimmverbotsschild verziert war (das sollte noch wegkommen, versicherte man uns).

Pielenhofen

Unser Timing war perfekt. Wir hatten gerade das obligatorische Selfie geschossen, als der Kiosk öffnete. Beim zweiten Frühstück erklärte ich Sabine noch Mal die Geschichte mit dem Amsterdam City Swim und der ALS, für die ich hier Spenden sammle.

Gegen halb zwölf verabschiedeten wir uns und ich machte mich allein auf den letzten Teil meiner Reise. Zunächst schwamm ich durch eine nasse Allee, die beiderseits von hohen Bäumen gesäumt war. Je näher ich der Stadt kam, desto lichter wurde der Bewuchs und allmählich tauchten die ersten Radlergruppen am Ufer auf. Ab Reinhausen wechselte der Charakter der Veranstaltung zu urban swimming. Zu meiner Überraschung sah ich schon bald die beiden Brücken, die das nahe Ziel ankündigten. Hatte ich mich so vermessen? 5,1 km sollten es laut Karte insgesamt werden, ich hatte aber gerade einmal 3,5 hinter mir. Die Messung stimmte am Ende doch. Die Brücke, die so nahe schien, war noch 500 Meter weg und auch der Weg danach, durch Kanal und Donau, war noch ein gutes Stück. Unter der B8 legte ich mich noch mal entspannt auf den Rücken, um Kräfte für das Schlussstück zu sammeln. Besorgte Passanten auf der Brücke riefen, ob alles in Ordnung sei. Ich versicherte ihnen, dass die Übung dazu gehöre und bedankte mich für die Achtsamkeit.

Der Regen fließt ja eigentlich nicht mehr in die Donau, sondern mündet technisch gesehen in den Kanal, der zum Main hinüberführt. An dieser Stelle grinste ich breit in die Kamera und machte mich auf die Suche nach meiner Ausstiegsstelle. Die Schleusentore zu meiner Rechten waren zum Glück geschlossen und auch sonst war nirgends ein Zeichen von Schiffsverkehr zu sehen. Ich querte zügig zum Grieser Spitz und winkte den Triathleten zu, die dort beim heutigen Tristar-Wettkampf  am Laufen waren. Von hier ging es einige hundert Meter an der Spundwand entlang. Am äußersten Ende erklärte mir ein netter Angler, wo seine Haken hingen und ich schlug einen solchen um jene herum. Der Untere Wöhrd war jetzt in Schlagweite. Da wurde es noch einmal dramatisch: eine eisige Hand umklammerte mich und zog mich zur Seite. Hier trafen Kanal und Donau aufeinander und letztere hatte wohl gut fünf Grad weniger, dafür eine deutlich stärkere Strömung. Besorgt schielte ich stromabwärts und beschloss, nicht dorthin getrieben werden zu wollen. Ich stellte mich quer zum Fluss und gab noch mal Gas. Nach einem kurzen Zwischenspurt kam ich in ruhigeres Uferwasser und paddelte die letzten Meter bis zum Ausstieg. Der Stadt und dem Erdkreis tat ich kund, dass ich gesund angekommen war, dann gabs was zu Essen.

Ziel

Der Regen ist somit durchschwommen. Altmühl, Laber, Naab und Vils könnte man als Nächstes erkunden. Wer mitkommen will, soll an den regenschwimmer(at)yahoo.de schreiben, oder einfach eine Spende hinterlassen.

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Fertig mit Regen (Tag 1)

Der Regen ist bezwungen!

Im August 2013 bin ich ein Stück den Regen hinunter geschwommen. Seither hatte ich den Vorsatz, diesen Donauzufluss bis zur Mündung weiter zu schwimmen. Das Frühjahr über habe ich Karten studiert, Strecken vermessen und Pläne gemacht. Schließlich hatte ich eine theoretische Möglichkeit gefunden, wie ich die 22 Kilometer in fünf Etappen an zwei Tagen bewältigen könnte (ja, ich weiß, ein echter Schwimmer macht so was vor dem Frühstück, aber ich bin Triathlet, kann also per Definition nicht schwimmen!). Das Ergebnis druckte ich als Karte farbig aus und ließ es laminieren. Mittlerweile hatte ich mich zum Amsterdam City Swim angemeldet und die Verpflichtung eingegangen, Spenden für eine holländische Stiftung einzuwerben. (Ihr dürft ruhig weiter lesen, der Spendenlink kommt unten noch mal). Die Mittelbayerische Zeitung unterstützte mich bei der Kombination beider Vorhaben und kündigte mein Vorhaben in einem ausführlichen Artikel an. Prompt meldete sich daraufhin Sabine und fragte, wie man denn eine Teilstrecke mitschwimmen könne. Nach einigen Mails und Telefonaten haben wir ausgemacht, dass sie die Startetappe bis Ramspau mitmacht.

Freitag nach der Arbeit packte ich mein Fahrrad und zwei strategisch mit Material gepackte Taschen ins Auto und fuhr nach Regensburg.

Auto

Herzlichen Dank an meine Heldenschwester Eva, die mir tatsächlich Samstag um 6 Uhr morgens ein Frühstück servierte! Kurz nach sieben fuhr ich mit dem Auto zur Staustufe bei Regendorf. Bis dorthin wollte ich am Samstag kommen. Ich lud mein Fahrrad aus, zog mich um und packte alles, was ich zum Schwimmen brauchte, in ein Säckchen.

Rad

Überflüssige Trümmer wären dabei bestenfalls lästig gewesen, vergessene hätten das Potential zur Katastrophe gehabt. Weil ich mich wieder mal verfranzt hatte, radelte ich ziemlich sportlich zum Treffpunkt in Heilinghausen, wo Sabine schon wartete. Wir begrüßten uns zum ersten Mal im echten Leben (so wie real life, nur krasser). Die Fahrräder ketteten wir an eine Hinweistafel. Ich hatte tatsächlich gefühlt einen Lastwagen Krempel mit, den ich erst einmal sortieren durfte.

Geraffel

Schließlich war alles im Sack, was reingehörte und alles draußen, was ich brauchte. Der Sack ist übrigens ein Schwimmbeutel der Marke Chillswim. Kanuten kennen diese Teile, es sind wasserdichte Taschen, die man verschließt, indem man den oberen Rand ein paar Mal umschlägt und dann verschließt. Der Schwimmsack hat zudem zwei Luftkammern zum Aufblasen. Man zieht in an einer kurzen Leine hinter sich her. Ich komplettierte das Teil mit einer Action-Cam der Marke GoPro, die ich mit einem Gurt um den Sack spannte. Unter den Gurt steckte ich noch meine Sandalen für spontane Landgänge und an den Henkel hängte ich meine Flusskarte. (Im Endausbau ist ds Teil beinahe zulassungspflichtig). Voller Stolz auf mein Sammelsurium technischer Kostbarkeiten startete ich die Kamera. Ich korrigiere: wollte ich die Kamera starten; aber sie wollte nicht. Nach monatelanger Vorbereitung stand ich hier mit einem leeren Akku! Asche auf mein Haupt! Da dies aber die schlimmste Panne des ganzen Unternehmens war, kann ich es im Nachhinein verkraften.

Start

Ungefilmt stiegen Sabine und ich in das trübe Regenwasser, wünschten uns viel Spaß und schwammen los. Und Spaß hatten wir! Bei schönstem Wetter schwammen wir die Flusschleifen entlang, zwischen Wiesen und Wäldern, an kleinen Inseln vorbei und an vereinzelten Bauernhöfen, die am Ufer stehen. Anfängliche Unsicherheiten bezüglich divergierender Reisegeschwindigkeit legten sich bald. Sabine war höflicherweise etwas langsamer als ich. Ich ließ mich ab und zu ein Stück treiben und sie holte schnell wieder auf. Wir wechselten ein paar Worte und schwammen weiter. Immer wieder machten wir mit dem Flussgrund Bekanntschaft. Oft war das Wasser so seicht, dass wir beim Schwimmen in den Kies am Grund griffen. Bei Pausen konnten wir uns entspannt aufstellen und das Wasser ging gerade bis zur Hüfte.

Wir waren eine knappe Stunde unterwegs, als der Druck in meiner Blase alarmierend anstieg. Ich hatte keine Lust, in den Neo zu pinkeln und sah mich nach einer Möglichleit zu einem Landgang um (mehrfach in den Neo pinkeln würde ich erst später). Dabei sah ich schon die leuchtend orangen Türme von Schloss Ramspau.

Ramspau

Sabine und ich waren gleichermaßen enttäuscht darüber, wie schnell diese Etappe vorbei gegangen war. Kurz darauf stiegen wir, nach 3,5 Kilometern, an der Badewiese aus dem Regen und genehmigten uns ein zweites Frühstück. Ein Anruf ergab die schlechte Nachricht, dass mein vorgesehener Begleiter für die dritte Etappe des Tages zu krank zum Schwimmen war. Dafür war Sabine inzwischen angefixt und wollte gar nicht mehr aufhören. Wir machten aus, dass sie Mittag nach Regenstauf kommen und von dort nach Regendorf mitschwimmen sollte.

Ausgeruht und gestärkt macht ich mich auf die 4,5 km lange Strecke nach Regenstauf. Ab dem Valentinsbad hatte ich reichlich Zuschauer. Am Kanuausstieg vor dem Regenstaufer Wehr kletterte ich aus dem Wasser und machte Mittagspause. Die moraltheologische Frage, ob ein Schwimmer Radler trinken darf, habe ich großzügig zu meinen Gunsten ausgelegt.

Regenstauf

Pünktlich um halb zwei waren wir wieder komplett und zwängten uns in unsere Gummihäute – bei mittlerweile fast 30 Grad ein schweißtreibendes Unterfangen. Bei 23 Grad Wassertemperatur hätte auch die Badehose gereicht, aber Warmduscher kühlen halt nach einer Stunde aus.

Temperatur

Wir schwammen unter der Straßen- und der Bahnbrücke durch, nach einer Weile auch unter einem Fußgängersteg. Immer wieder ließen wir uns einfach treiben und genossen die sommerliche Hitze, schließlich hatten wir Wasserkühlung. Jetzt kamen wir auch an zahlreichen Badestellen vorbei. Mal standen fünf Männer in der Flussmitte im Kreis (Wasser bis zum Bauchnabel) und plauderten. An einer tieferen Stelle hatten zwei angehende Nachwuchsingenieure eine Seilkonstruktion über den Fluss gespannt, an der sie zur Mitte rauschten und sich dort fallen ließen. Bei Laub blamierte ich uns bei den Badenden mit den Fragen, welche Ortschaft das sei und wie weit noch bis Passau. Kurz hinter Laub ging es 90° links ab, auf die Zielgerade. Bald kam die Brücke bei Regendorf in Sicht. Zwischen der Brücke und dem Wehr stiegen wir stolz und glücklich aus dem Wasser.

Regendorf

Das Wetter hatte den ganzen Tag mitgespielt, aber für Sonntag waren Regen und Gewitter angesagt. Im schlimmsten Fall wäre hier Feierabend, aber immerhin das längere Teilstück geschafft. Sabine hatte immer noch nicht genug und drängte darauf, sonntags weiter zu schwimmen. Wir machten aus, dass wir in der Früh aus dem Fenster schauen und dann SMSen würden.

Wie versprochen hier noch mal der link zu meiner Spendenseite. Wenn genug zusammenkommt, schreibe ich morgen weiter.

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